Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 58 — 1932
Fulda, Mittwoch, 9. März
9. Jahrgang
Sensationeller Raub.
Ein hawaischer Königsmaniel
in Göttingen gestohlen.
Sammlerwert des Mantels: 5 Millionen.
In das Völkerkundliche Institut der Universität G ö t t i n g e n drangen in der Nacht Diebe ein und entwendeten aus Glasschränken einen hawaischen Feder- mantel und einen dazugehörigen Federhclm, die einen Sammlerwert von etwa fünf Millionen Mark darstellcn. Allem Anschein nach handelt cs sich um „Kenner", die von dem hohen Wert der gestohlenen Gegenstände gewußt haben. Man fürchtet, daß die Einbrecher versuchen könnten, ihren Raub über die Grenze zu bringen und vielleicht in Amerika oder in Australien zu verkaufen. In Europa würden sie mit einem Verkauf kaum Glück haben, da wohl nur Museen als Käufer in Frage kommen könnten, und da natürlich alle Museen sofort von dem Diebstahl unterrichtet worden sind.
Der Göttinger Federmantel und der Federhelm stammen aus dem Nachlaß des Weltumseglers Cook, der auf Hawai von Eingeborenen ermordet worden ist. Einem Göttinger Gelehrten gelang es, die Prunkstücke, die
der König von Hawai
bei festlichen Sslegenheiten trug, für die UBimßiSt
Die Wahltribüne.
Der Osten und die Präsidentenwahl.
Auf einer Wahlkundgebung des Kampfblockes Lchwarz-Weiß-Rot für Duesterberg sprach am Dienstag der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg in Königsberg. Dabei ging Dr» Hugenberg ausführlich auf die Not der Landwirtschaft ein und führt dazu auS: Cs sind jetzt zwei Jahre, daß Hindenburg und die Regierung Brüning Rettung der Landwirtschaft feierlich versprochen haben. Statt dessen geht es heute der ganzen deutschen Landwirtschaft noch unendlich viel schlechter als vor zwei Jahren. Das „System", d. h. die gemeinsame Herrschaft von Zentrum und Sozialdemokratie, der Bremsblock sozialistischer Einflüsse auf Preußen und Reich hat eine durchgreifende Hilfe unmöglich gemacht. Ich habe früher einmal gesagt: „Sozialisierung ist Erwerbslosigkeit." Die Wahrheit dieses Wortes beweist heute — einschließlich umgerechneter Kurzarbeit — die furchtbare Zahl von sieben bis acht Millionen Arbeitsloser. Ich hätte mit gleichem Rechte sagen können: Sozialismus ist ^auerntob. Ich wiederhole eS:
Sozialismus und Landwirtschaft
sind wie Feuer und Wasser. Es gibt keinerlei Form des Sozialismus, die der Landwirtschaft Rettung und Entlastung bringen könnte. Der Landwirt ist der natürliche Dräger eines segensreichen, die Grundlage der Kultur Ichaffenden Eigentumsbegriffes. Der Landwirt, der sich mesen Eigentumsbegriff verkümmern läßt, ist durch feine schon so weit verwirrt, daß er nicht mehr weiß, was er tut. Rettung könne der Landwirtschaft nur werden, wenn dies „System" gestürzt wird. Dr. Hugenberg schloß leine Rede mit der Parole: Wählt Ducsterberg!
Dr. Bang in Dresden.
„ Der deutschnationale Abg. Dr. Bang sprach vor den Dresdener Deutschnationalen im Saal der Waldschloßchcn- terrasse. Er sagte dabei u. a.: Die Politik Brüning et bestrebt, die Rechte auszulockern und zu zerstören; es sei eine Politik, die nicht dem Staatögedanken, sondern dem Parteigedanken diene. Aber Brünings Politik sei ge- lajeitert an der Energie und der Widerstandskraft Hugenbergs. Mit der Ausstellung der Kandidatur Hindenburgs lolle die Einigkeit des nationalen Deutschlands zerstört werden. Aber nach wie vor bestehe die nationale Front dem gemeinsamen Ziele: Mil dem 9. November 1918 «un endgültig abzurechnen. Man stehe nicht vor einer sentimentalen, sondern vor einer politischen Entscheidung, weshalb keine Stimme für Hindenburg.
Offener Brief der NSDAP. an Groener.
----Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ver- v cntlicht einen von Dr. G o ab bei s unterzeichneten ?en Brief an den Rcichsinnenministcr G r o c n c r, «egen die in letzter Zeit erfolgten Verbote und ^llagnahmungen von nationalsozialistischen Organen .Wahlmaterial Einspruch erhoben wird. Nach einer o.M^ung der einzelnen Fälle wird Groener darauf gemacht, daß „die anderen Parteien un- ^schrankt agitieren dürften".
Weiter wird auf den offenen Brief Groeners tau« 1 c r Bezug genommen, in dem der Minister bc- trâch "klärt hat, daß er es als seine Ehrenpflicht be- iiÄ über die Ehre und das Ansehen Hindenburgs zu üefram Minister wird in diesem Zusammenhang buras x kuurum " gegen die Verunglimpfungen Hmden- durch die kommunistische Presse nicht einschrelte.
^hlutz heißt es in dem offenen Brief wörtlich: Sern-»,» mster Groener' Durch Ihre Duldung einer fr - Handhabung per AotverordMNLsparaLravhen
Göttingen zu erwerben. Einzig in seiner Art ist der Göttinger Mantel insofern nicht, als auch Berlin und London in ihren völkerkundlichen Museen ähnliche Prunkgewänder besitzen. Der Göttinger Mantel ist aber von ganz besonderer Schönheit. Er besteht aus einem Bastgeslecht, das wie ein Seidengespinnst aussteht. In das Gewebe sind
Tausende bunter Vogelfedcrn, wie es heißt, auch Federn eines bereits ausgestorbenen Vogels, hineingearbeitet. Das ist es, was das Stück so wertvoll macht. Einzig in seiner Art ist der Kragen; das gleiche gilt auch von der gestohlenen helmartigen Feder- haube.^ Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Gegenstände im Auftrage eines leidenschaftlichen Sammlers entwendet worden sind.
*
Der Diebstahl in der Göttinger Universität.
Der Diebstahl im Anthropologischen Institut der Universität Göttingen, bei dem ein aus Federn angefertigter hawaiischer Königsmantel entwendet wurde, ist insofern von ganz besonderer Bedeutung, alseingleicherMan- tel heute nicht mehr hergestellt werden kann. — Die Volksstämme, die derartige Mäntel früher herstellten, sind ausgestorben. — Die Staatsbehörden haben eine hohe Belohnung ausgesetzt.
werden Sie bei Ihrem Bemühen, über Ehre und Ansehen des Esneralfeldmarschalls zu wachen, ihm letzten Endes einen schlechten Dienst erweisen. Das deutsche Volk wird am 13. März darauf die richtige Antwort erteilen."
Hitler-Kundgebung in Nürnberg.
Bei einer Wahlkundgebung der NSDAP. in Nürnberg befaßte sich Hitler mit der Schilderung der Versprechungen bei der Revolution und dem furchtbaren Mißerfolg, den das bisherige System auf allen Gebieten erlitten habe. So wie damals die wahren Schuldigen am schrecklichen Kriegsende sich versteckt gehabt hätten, so versteckten sie sich heute hinter der Person des Feldmarschalls, den sie vor sieben Jahren noch beschmutzt hätten. Sie von dem Nationalsozialismus geforderte und erreichte Einigung der Nation unter einem gemeinsamen Ideal und Willen sei erreicht worden in einer Zeit schweren Terrors und sei ein Erfolg, der alle Arbeit des bisherigen Systems überrage. Hitler schloß seine Ausführungen mit dem Mahnruf zu einer weiteren unermüdlichen Arbeit zur Beseitigung der bestehenden Verhältnisse am 13. Marz.
Brünings erste Wahlreden.
Wie gestern kurz gemeldet, sprach Reichskanzler Dr. Brüning am Montag abend in einer Hindenburg- Kundgebung der Zentrumspartei in Essen. Ueber die Rede des Kanzlers ist noch zu berichten:
Er gab zunächst seinem Bedauern darüber Ausdruck, dax die Agitation von den gegnerischen Prasidentschastsaw Hängern in einer Weise getrieben werde, als ob Deutsch, land sich in tiefstem Frieden und bestem Aufstieg bestndl und nicht in schwersten außenpolitischen Kämpfen.
Mit den Bemühungen um eine Parlamentär:,che Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten habe er geglaubt, dem Vaterland einen großen Dienst zu crwcyen, wenn er das deutsche Volk unter dem Namen Hindenburg als dem Symbol der Einheit und der Straft in diesen Kamps hincinführe. Die Behauptung, daß man mit bei parlamentarischen Verlängerung der Amtszeit nur das Stiftern Brüning weiter habe retten wollen, fei eine Kuhn- heit Er neige nicht dazu, aus taktischen oder anderen Gründen eine Mehrheit im Reichstag aufzugeben, wenn auf der anderen Seite nicht die geringste Elmgung, selbst in entscheidenden Fragen der Politik, herbeigefuhrl werden kann. Er habe nicht nur dem Reichspräsidenten wiederholt seinen Rücktritt angeboten.
Es bat sich gezeigt, daß sich die beiden Parteien bei nationalen Opposition über keine ^rage einigen sonnten, nicht über die Person des Reichspräsidenten, nicht über den Reichskanzler, nicht über den Wehrminister und nicht über den Innenminister. Dr. Brüning wies bann aus die Haltung der Rechten während ihrer Rcgwrnng-- bcteiligungcn bin. Die NSDAP. Habe die nationale 6c sinnung anscl-cinend für sich allein in Anspruch gc- nommen. , , , .,
Der Kanzler fuhr fort: „Ich sonnte aber Nicht mehr schweige», nachdem Hitler vor der ausländischen Presse tiiificrunacn tat, als ob er übermorgen bie Macht tu Deutschland antreten werde. Man täuscht sich in meinem westfälischen Charakter. Bei uns ist Schweigen und Ruhe nicht gerade ein Zeichen von Nervosität. Ich bin fest entschlossen, wenn cs nötig und gerechtfertigt ist, energisch durchzugrcifen. m ..
Auf die Notverordnungen eingehend, erklärte Bru- ning an diese drakonischen Maßnabmen mußte heran- gegangen werden, weil wir Fehlern der Verga^enheii gegenüverstandcn, weil wir-in einer Wirtschaftskrise, in einem Existenzkampf standen, her m der Geschichte ohuez gleichen ist
Ein falscher Schritt in diesen zwei Jahren, und es wäre nicht möglich gewesen, Deutschland vor dem Chaos zu retten. Wenn die Festigkeit der Verhältnisse gesichert ist durch die Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg, dann sind wir, das kann ich heute sagen, heraus aus der akuten Gefahr des Zusammenbruchs.
Brüning wandte sich dann gegen Währungserperi- mente. Wenn in Deutschland auch nur das geringste getan werde, was nach Inflation schmecke, sei es aus mit dem deutschen Volke. Wer an die Reparationsfrage herangehe, ohne die Wirtschaft genügend vorzubereiten, werde Enttäuschungen und Mißerfolge erleben.
Brüning setzte sich dann mit der Agitation gegen den Reichspräsidenten auseinander. Man solle sich davor hüten, zu sagen, daß es sich bei Hindenburg um eine Parteikandidatur handele. Gesetzt den Fall, Hitler würde Reichspräsident — ich spreche rein theoretisch —, was würde er dann verwirklichen: die Versprechungen, die er den Arbeitern, oder die Versprechungen, die er den Wirtschaftsführern gegeben hat, die Versprechungen, die feine Freunde im Osten den Landarbeitern gemacht haben oder das, womit man den Großgrundbesitz des Ostens einfangen will? Will er außenpolitisch durchführen, was er Frankreich und der ausländischen Presse gesagt oder was er in früheren Kundgebungen gesprochen hat? Energisch müsse in aller Öffentlichkeit gegen die Agitation der Nationalsozialisten aufgetreten werden, die ins Unglück führe. Das deutsche Volk muß Hindenburg wählen, es muß sich selbst retten, muß für die Festigkeit nach innen und nach außen für die nächsten Jahre sorgen.
Die Menge brachte dem Reichskanzler stürmische Kundgebungen dar.
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Gestern abend sprach der Reichskanzler in Düsseldorf.
Siegerwald spricht in Stuttgart.
Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald erklärte auf einer Kundgebung des Hindenburg-Ausschusses, daß seit der Staatsumwälzung nur eine Wahl stattgefunden habe, die an Bedeutung mit der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl verglichen werden könne: die Wahl der Nationalversammlung im Januar 1919. Heute ginge es wie damals um die künftigen Grundlagen von Volk und Staat. Er glaube auch jetzt nicht an einen Bürgerkrieg, weil er einen Sieg der Nationalsozialisten für ausgeschlossen halte. Die Nationalsozialisten müssen nächsten Sonntag geschlagen, dann müsse mit den Sturmabteilungen aller Art aufgeräumt werden. Auch im Jahre 1932 dürfe das deutsche Volk nicht die Nerven verlieren. Hindenburg habe den Nachweis erbracht, daß er Gemeinschaften der verschiedensten Art in schwerer Stunde zusammenzuhalten vermöge. Deshalb müsse er erneut zum Reichspräsidenten gewählt werden.
Nach dem„Sonaubund"der„Sallenbun-"
Die planmäßige Abschnürung Deutschlands.
Der französische Botschafter Laroche in Warschau wurde vom polnischen Vizcaußenminifter Beck empfangen, den er über den Tardieuschen Donaubund-Plan unterrichtete.
Jede außenpolitische Handlung Frankreichs, die sich gegen Deutschland richtet und den Zweck verfolgt, die Nach-Versaillcs-Zustände zu festigen, wird von der polnischen Presse von vornherein fast ausnahmslos gut- geheißen. So ist es auch mit dem neuen Vorstoß Tardieus, der zweifellos den Zweck hat, in das bestehende s ü d - ost europäische Vasallensystem nun auch Österreich und Ungarn hineinzuziehen und Deutschland dadurch noch mehr abzuschnüren. Gleichzeitig weist man in Polen auf die großen Möglichkeiten eines baltischen Bundes, oder, wie so schön gesagt wird, der „Vereinigten baltischen Staaten" bin und hofft, ein solcher nachbarlicher Bund werde sehr bald unter die Fittiche Polens geraten.
Italien und der französische Donaubund-Plan.
In seiner Antwort auf die französische Denkschrift über den geplanten Donaubund erklärt Italien seine grundsätzliche Z u st i m m u n g und weist auf feine stete Bereitschaft zur Mitarbeit an der wirtschaftlichen Gesundung Mitteleuropas hin. Italien sei überzeugt, daß der Kernpunkt der ganzen Frage durch die heutige Lage Österreichs und Ungarns bedingt sei. Italien schicke sich jetzt an, die Vorschläge Frankreichs genau zu prüfen.
Ermäßigung des ^eichsbankdiskonis.
Von 7 auf 6 Prozent.
Die Rcichsbank hat mit Wirkung vom 9. März den Diskontsatz von 7 auf 6 Prozent, und den Lombardsatz von 8 auf 7 Prorcut crmästiat.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Die RcichSvanl bat ben Diskontsatz von 7 auf 6 Prozent herabgesetzt.
* AuS beut Völkerkundlichen Institut der ^omnger Univcr- fität wurde ein hawaiischer SonigSmantel an Werte von fun; Millionen Mark gestohlen.
* Bei einem Eisenbahnunglück in RumSn,en sanden zehn Personen den Tod.
* Gegen bic AutofaSr-k von Henri Ford in Detroit deren pâ« Arbeitslos« et «es ^usgeasaridi'-, Bei dessen Avwekr drei Temontzranten getont wurdeL