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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 67 1932

Mlda, Samstag, 19. März

9. Jahrgang

Deutschland im Zeichen Goethes.

Sie Gvethefeiern in Weimar.

Der Reichskanzler als Vertreter der R e i ch s r e g i e r u n g.

Bei den Gvethefeiern in Weimar, die vom 20. bis 28. März stattfinden, wird die Reichsregierung durch Reichskanzler Dr. Brüning und Reichs- innenministcr Dr. Groener vertreten sein. Den Reichspräsidenten vertritt Staatssekretär M c i tz- ner. Den Reichstag wird Rcichstagspräsidcnt Löbe vertreten. Die deutschen Länder werden zum grössten Teil durch ihre Ministerpräsidenten vertreten sein, Preußen durch den Kultusminister Grimme.

Zahlreiche Vertreter entsenden der Reichsrat, das Reichsgericht, die Reichsbank, der Reichsfinanzhof, der Deutsche Städtetag, die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die Goethe- gesellschaft, die Kirchenbehörden, die Universitäten, der Bühnenverein und die Bühnengenossenschaft u. a. Für die Städte Berlin und Leipzig werden die Ober­bürgermeister erscheinen. Natürlich wird auch Goethes Vaterstadt Frankfurt a. M. vertreten sein. An­gemeldet haben sich ferner zahlreiche deutsche Dichter und Schriftsteller.

Die Botschafter Frankreichs, Italiens und Japans werden persönlich anwesend sein. Großbritannien entsendet als Gesandten den britischen Generalkonsul in München. Auch alle übrigen Staaten der Welt entsenden Sondergesandte. Bemerkenswert ist ferner, daß der Rektor der Universität Paris sein Erscheinen anaemeldet hat.

Groener und die preußische Polizeiaktion.

Atte bekannte Nachrichten".

Erklärungen des Reichsinnenministers Groener.

Zu den Haussuchungen, die der preußische Innen­minister Severing in nationalsozialistischen Gaubüros in Preußen hat vornehmen lassen, und zu den Beschwerden, die die Zentrale der NSDAP, in München gegen diese Haussuchungen beim NeichSinnenministerium geführt hat, läßt Reichsinnenminister Groener folgendes mitteilen:

Es ist zutreffend, daß Herr Röhm einige Tage vor der Wahl mir als RcichSinncnminister hat melden lassen, daß er beabsichtige, für den Wahltag die SA.s in ihren Unterkunftsräumen geschlossen zu halten, um allen Zusammenstößen auf der Straße vorzubeugen. Gegen diese Maßnahme bestanden beim Reichsinnenministc- rium keine Bedenken, besonders auch deshalb nicht, weil dadurch die Verantwortlichkeit der SA.- Leitung für alle etwaigen Vorkommnisse klar fcstgestellt war. Der ruhige Verlaus der Wahl hat der Auffassung des Ministeriums recht gegeben."

Dieser Mitteilung des Reichsinnenministeriums wird von zuständiger Stelle hinzugefügt, daß selbstverständlich auch das Ministerium entsprechende Maßnahmen zur Auf­rechterhaltung von Ruhe und Ordnung getroffen habe. Die Unterbringung der SA.s in ihren Unterkunftsräumen sei natürlich kein Alibi für irgendwelche dennoch begangenen strafbaren Handlungen.

. In einer weiteren Auslassung des Reichsinnen- Mlnisters, die sich mit den in der Öffentlichkeit verbreitet gewesenen Nachrichten über eine angebliche Mobilmachung der SA. am letzten Wahlsonntag beschäftigt, auf die auch -Minister Severing in seinen Veröffentlichungen Bezug genommen hat, läßt der Reichsinnenminister erklären:

Was die in den letzten Tagen in der Preffe ver­breiteten Nachrichten über Mobilmachung der SA's und Putschabsichtcn angeht, so handelt cs sich dabei zum ^eil nm alte bekannte Nachrichten. Soweit öS sich um neue Nachrichten handelt, werde ich sie unver­züglich scharf nachprüfcn. Selbstverständlich wird von nur die nationalsozialistische Bewegung ouuer«d sorgfältig beobachtet und jede der Nachrichten auf ihre Richtigkeit nachgeprüft.

Kurze politische Nachrichten.

Verordnung über den Öfters rieben ist im .^^blatt erschienen. Die Verordnung enthält Bestimmungen (auch was die Strafen anbetrifft) -, Anordnung über den WeihnachtSfrieden. Ver- k ist sie lediglich durch die Bestimmung, daß die ® Propaganda während des Osterfriedens nicht ' "t. Ferner ist eine Verordnung erschienen, in der Mnnuiu wird, daß in Zukunft auch die in Häusern /"«'VN Flugblätter der Polizei vorgelcgi werden

Die Mgendammvorlage angenommen.

bte N^ ^ 0 m in e r s ch c P r 0 v i n z i a l l a n d t a g hak ttteit V über den Bau des Rügendammes angcnom- i"nd inik1^ übernimmt die Provinz, die Stadt Stral- bie %iäEi;r . ^rcis Rügen im Verhältnis von 3:1:1 ut bcn Sprung des Straßcndammcs. Außerdem werden bett St^ushalt von M2 bis 11)34 je 500 000 Mark für MNdainm von Stralsund nach Rügen eingesetzt.

Der feierliche Akt am Dienstag, 22. März, mittags %2 Uhr, bei der Fürstengruft auf dem Friedhof in Weimar wird sich so vollziehen, daß Reichskanzler Dr. Brüning und die frühere Großherzogin von Weimar sich in das Innere der Gruft begeben und am Sarge Goethes Kränze niederlegen. Während dieser Zeit läuten im ganzen Reiche die Glocken. Außer­halb der Fürstengruft legen die Diplomaten und sonstigen Vertreter ihre Kränze am Katafalk nieder.

Der neue Goethetaler.

Der Reichsrat hat seine Zustimmung zur Prägung von Dre^- un» Fünfmarkstücken gegeben, sie das Bildnis Goethes tragen. In den nächsten Tagen werden die ersten dieser Münzen in Umlauf kommen. Die Prägung bei Goethemiinzen ersslgt in beschränktem Umfange.

Iry habe den preußischen Innenminister gebeten, mir schleunigst das bei den Haussuchungen der letzten Tage gefundene Material zugänglich zu machen. Nach Prüfung desselben werde ich meine Entschlüsse treffen." Von zuständiger preußischer Stelle wird er­klärt, daß aus die Frage, ob sich der preußische Innen­minister wegen der Haussuchungen bei den National­sozialisten vorher mit den zuständigen Reichsstellen in Verbindung gesetzt habe, keine Auskunft erteilt werden könne. Der preußische Innenminister habe als Polizei- meister nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, alles zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung Erforder­liche zu tun. Auch Preußen seien die vom Reichsinnen- ministerium erwähnten Nachrichten seit längerem bekannt gewesen.

Diese Nachrichten hätten jedoch erneut Bedeu­tung gewonnen angesichts weiterer. Meldungen über die Bewaffnung der Formationen. Die Aktion des preu­ßischen Innenministers habe weniger politischen, als viel­mehr polizeilichen Charakter gehabt. Das Ergebnis der polizeilichen Maßnahmen liege noch nicht vor. Das sei ja auch aus technischen Gründen gar nicht möglich.

Alarmbereitschaft derEisernen Front" am 13. März?

Die Berliner Nachtausgabe meldet: Wie wir aus zu­verlässiger Quelle erfahren, sind auch die Anhänger der Eisernen Front" bet der Reichsprästdentenwahl während der Nächte vom Sonnabend zum Montag in erhöhter Alarmbereitschaft gehalten worden. An verschiedenen Stellen der Rcichshauptstadt und anderswo waren starke Abteilungen des Reichsbanners untergebracht, die sich telephonisch verständigten, um gegebenenfalls cingreifen zu können. Wie wir weiter erfahren, hatte die Regierung auch davon Kenntnis.

Nationalsozialistische Beschwerde.

Von der NSDAP, ist beim Vernehmungsrichter des Amtsgerichts Berlin-Mitte Beschwerde gegen die Akten- beschlagnahmè eingereicht worden mit dem Antrag auf richterliche Entscheidung über die Zulässigkeit dieser polizeilichen Maßnahme.

Die steigerte Last der Wohifahröserwerbslosen.

Die Landgemeinden am stärksten betroffen.

Am 29. Februar 1932 sind in P r e u ß e n 1329 384 vom Arbeitsamt anerkannte Wohlfahrtser w e r b s- l 0 se bei den Bezirlöfürsorgeverbänden gezählt worden gegenüber 1 240 305 Ende Januar. Somit ergibt sich auch im Februar wieder eine Z u n a h m e u m 8 9 0 7 9 Wohlfahrtserwerbslose oder 7,2 Prozent. Gegen den 28. Februar 1931 ist die Wohlfahrtscrwcrbs- losenzahl um 618 182 oder 95,2 Prozent gestiegen. Auf 1000 Einwohner entfallen im Staatsdurchschnitt jetzt 34,8 Wohlfahrtscrwerbslose.

Wie in den vorhergehenden Monaten ist auch im Fe­bruar der Zugang an Wohlfahrtserwerbslosen in den Landgemeinden (plus 10,10 Prozent) und kreis­angehörigen Städten (pluö 8,2 Prozent) wieder ver­hältnismäßig stärker gewesen als in den Stadtkreisen (plus 6,1 Prozent).

Nerven behalten!

Der Selbstmord der Millionäre Von der Donau bis zur Memel Wahlen am laufenden Band.

Es gehört schon eine überaus rege und zudem eine sich in längst vergangenen Zeiten bewegende Dichter- Phantasie dazu, um, wie Uhland es tat, zu behaupten: Die Welt wird schöner mit jedem Tag," dafür ist aber die Fortsetzung um so richtiger:Man weiß nicht, was noch werden mag." Das ist derart zutreffend, daß uns kein politischer Couöismus veranlassen kann zu der Be­hauptung eines stammelnden und stotterndenEs geht uns besser und besser . . ." Der Pistolenschuß Ivar Kreugers im Pariser Hotelzimmer gibt ebenso eine verzweifelte Antwort darauf wie das Echo dieses Schusses drüben in Amerika, wo gleichsalls der Leiter eines Welt­konzerns seinem Leben ein Ende machte. Nicht deshalb, weil Eastman in ernsteste Schwierigkeiten geraten war wie der schwedische Zündholz- und Erzkönig, um den jetzt seine auf ihn mit Recht so stolze Heimat trauert, sondern der amerikanische Kodak-König zweifelte und ver­zweifelte daran, schnell wieder zu der ganzen Höhe seiner früheren finanziellen Macht emporwachsen zu können. Man hat ein billiges Wort dafür: die Nerven versagten. In Paris und drüben in Amerika. Das mag vielleicht eine physiologische Erklärung sein, ist aber keine moralisch­ethische Entschuldigung. Denn mit dem Riesenwerk und riesenhaften Wirken der beiden Männer, die nicht mehr wirken und werkeln wollten, war und ist das Schicksal vieler, vieler Tausender von Menschen verknüpft. So­lange für siedie Welt schöner wurde mit jedem Tag," so­lange auch das wohlverdiente - Glück ihnen geradezu uachlief und Erfolg auf Erfolg häufen ließ, solange sie oben schwammen im Strom des Lebens, haben siedie Nerven" behalten: aber mit dem Glück und dem Erfolg zugleich verloren sie die Haltung, an der sich der wahr­haft große Charakter erweist. Nicht stark genug wirkte in ihnen das Bewußtsein der V e r a n 1 w 0 r t u n g f ür di e Menschenscharen, deren Daseinsgestal­tung abhängig war oder gemacht wurde von dem Tun dieser Männer, die nur nach außen hinKönige" waren, denen aber das wahrhaftKönigliche" fehlte, das Gefühl der Verantwortung für die andern, einer Verantwortung, die vor allem dann zum Einsetzen der eigenen Person zwingt, wennman nicht weiß, was noch werden mag".

*

Was sollen denn erst wir Deutschen sagen und machen! An unsereNerven" werden doch in den bald 18 Jahren der Kriegs- und Nachkriegszeit die allergrößten Ansprüche gestellt! Und zu den zahlreichen unausweich­baren Nervenproben, die namentlich die Nachkriegszeit in rascher Folge uns auserlegt, gesellen sich noch jene anderen, rein willkürlichen, die nichts als üble Über­bleibsel der Kriegszeit und der Friedensdiktale sind Recht drastisch sticht von dem aufgeregten Handeln und Ver­handeln Tardieus wegen seiner beabsichtigten Donau- konsöderation der Jnbalt der deutschen Aniwort- no'te ab, die feste und präzise Vorschläge für eine schnelle Stützung des zusammenbrechenden Österreichs und Un­garns bringt. Außerdem sind diese Vorschläge doch sehr einfacher Natur; sie wollen nicht unüberwindlich Kompli­ziertes zusammenbringen und zusammenzwingen, nicht das auseinanderschneiden, was auf natürliche Weise zu­sammengewachsen ist und zusammenwächst. Natürlich setzt sofort aus der Gegenseite ein verstärktes Treiben der Politiker ein, die selbst über wirtschaftliche Dinge und Nöte niemals rein wirtschaftlich denken und planen können, sondern uns höchst aufgeregt allerhand finstere politische Absichten unterschieben, für unsere Be­mühungen gegen das Streben, uns nicht wirtschaftlich einfach ausschalten zu lassen. Man sucht nicht jemanden hinter einer Hecke, hinter der man nicht selbst gesessen hat! Derselbe Herr Tardieu hatte es ja auch überaus eilig, auf der Genfer Abrüstungskonferenz vorschnell mit seinem Aufrüstungsplan herauszurücken und damit die Absichten der andern Beteiligten über den Haufen zu rennen. Daß ihm das glückte, wird er selbst wohl nicht behaupten können: denn die Konferenz geht zunächst ein­mal für ein paar Wochen in die Osterferien in dem trauten Bewußtsein, zwar viel geredet, aber nicht gehandelt, also auch die Nerven weiter nicht strapaziert zu haben. Das ist nicht etwa die Politik desNur die Ruhe kann es machen!", sondern des Aus weichens vor jeder auf­regenden politischen Nervenprobe. Da ist es fast als ein Weltwunder zu betrachten, daß die Garantiemächte des Memelstatuts sich doch wenigstens ein bißchen dazu auf­gerafft haben, den Herren in Kowno den Marsch zu blasen, wenn auch wohl nicht gerade in schmetternden Tönen!

*

Es ist doch eigentlich sonderbar: während in der Welt­politik dasPrestige" oft eine derartige Rolle spielte und spielt, daß sich daran die größten Streitigkeiten und sogar Kriege entzündeten, dulden es jene großen Garantiemächte.

Kleine Zeitung für eilige Leser

/ ^er am 22. März stattfindenden Goerhefeier in Weimar werden^ a?â" Bertreier der LeichSreaierun« Reichskanzler Dr. Brüning und RcichSinnenministcr Dr. Groener beiwohnen.

* Ter RcichöwnblauSfchuß bat fcftgcstcüt, daß der erste Wahlgang der Rcichc-präsidcntcnwahl gültig und ein zweiter Wahlgang notwendig ist

* RcichSinncnminister Groener läßt erNLrcn, daß ihm die Zusammenziehung der SA. am letzten Wahlsonntag von der Parteileitung der Nationalsozialisten vorher bdanntgegeben worden sei, und daß er die nationalsozialiWcke Bcweguna dauernd überwachen lasse.