Zulöaer /lnzeiger
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Nr. 69 — 1932
Fulda, Dienstag, 22. März
Jahrgang
Die Eoethewoche.
L" ' 3 an ben Weimarer Goethe-Ausschuß.
Die Weimarer Gedenkfeiern.
Reichspräsident von Hindenburg Hai an den Vorsitzenden des Goethe-Ausschusses in Weimar, Staatsminister a. D. Dr. e H. Leutheußer, zur Goethe-Gedenkfeier das folgende Schreiben gerichtet:
„Sehr geehrter Herr Staatsminister! Es ist mir ein Bedürfnis, auch Ihnen als Borsitzenden des Weimarer Goethe-Ausschusses und durch Sie der Bevölkerung der Stadt Weimar mein aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck zu bringen, daß es mir durch die politische Lage unmöglich geworden ist, der Einladung der thüringischen Regierung zur Goethe-Jahrhundertfeier persönlich zu folgen und den Kranz des deutschen Volkes am Sarge des großen deutschen Dichters selbst niederzulegen.
Meine Wünsche begleiten nicht nur den äußeren festlichen Verlaus dieser Feier. Möge der 22. März in unserem Volke den selbstzerfleischenden Streit der Meinungen zurücktreten lassen vor dem Gefühl einer schicksalhaft verbundenen deutschen Kultur- und Volksgemeinschaft, und möge dieser Tag alle Deutschen in und außerhalb der Reichsgrenzen zusammenführcn in der Erinnerung an eine große Vergangenheit, in der Hoffnung aus eine bessere Zukunft, für die wir allen Gewalten zum Troy über die Not der Gegenwart hinaus Reich und Volk und auch die deutsche Kunst erhalten wollen. Mit freund» Üchen Grüßen gez. von Hindenburg."
Weimar steht schon feit Sonntag vormittag im Zeichen der Goelhefeiern. Sie begannen mit einer ausgezeichneten Ausführung von Goethes „U r g ö $" durch das Staatliche Schauspielhaus Berlin.
Da die Leitung der Gedenkfeiern darum gebeten hat, von einer Beflaggung wegen des ernsten Sinnes der Sebentfeiern abzuschen, ist zwar das äußere Straßenbild nicht besonders verändert. Aber
überall grüßen Gocthebüsten und -bilder.
Nm Sonntag vormittag wurde eine Ausstellung Weimarer Künstler eröffnet, die einen Überblick über die bildende Kunst Weimars zurück bis zur Jahrhundertwende gibt Wertvolle musikalische Darbietungen standen im Mittelpunkt eines Festkonzerts, das die Staatliche Musikhochschule bot. Sie feiert in diesen Tagen ihr Kihähriges Bestehen, und in ihr Programm kam die Goelhcmnsik des anderen großen Weimarers, Franz eisz i, zum Ausdruck.'
In Anwesenheit des Reichsinnenministers Dr. Groener als Vertreter der Neichsregierung wurde die GedenkaiiSstellring aus Goethes Kunst- besitz eröffnet. Die Ausstellung stellt eine Vorschau dar, b>e nur einen kleinen Bruchteil Goethescher Kunstsamm- lungen umfaßt. Die wertvollen Blätter sind bisher noch niemals gezeigt worden. Sie geben einen Einblick in Goethes Verständnis für die Äußerungen der bildenden Kunst aller Epochen.
Die Gedächtnisrede am Sterbetag Goethes hält der v t ä f i b c n t der Goethegesell schaft,
Der Burgfrieden
politische Feiertage.
. Der österliche Burgfrieden hat begonnen und wird bis zum 3. April dauern. Während dieser Zeit sollen -die Waffen ruhen, des Krieges Stürme schweigen". Eine Hause des Ausruhens und der Besinnung für die Wähler, eine Atempause für die Parteien, um neue Kraft zu Ropfen für die Vorbereitungen zur zweiten Reichs- Präsidentenwahl am 10. April und zu den Hr eilten wählen am 24. April. Nach diesen poli- wchenFciertagen wird der Kampf erneut einsetzen, beson- ln Preußen, wo ein erbittertes Ringen um die Volks- Ht nfl unö letzten Endes um die Regierung bevor« preußische Innenminister Severing hat Reichs- di.ii Brüning ausgesucht. Es ist anzunehmen, daß if Unterredung aus den starken Widerhall zurückzusühren die Maßnahmen der preußischen Polizei gegen die . "' del Öffentlichkeit gesunden haben. Über die des beschlagnahmten Materials ist amtlich w "°â> nichts milgcleilt worden.
den N blc Mitglieder des R e i ch s k a b i n c t t S wer- der , ^chtSpanse benutzen, um sich von den Strapazen Bern» > ."âtze zu erholen. Der Reichskanzler hat G r n . Klassen und nimmt mit dem Reichsinnenminister Bon mVr °" der G 0 ethc - Feicr in Weimar teil. $ e b h«fährt Brüning nach Bayern, wo er einen seiner 0 cN O st e r u r l a u b verbringen will. Nach mal m ?Zld"b unternimmt der Reichskanzler noch ein« hindem ' "fe durch Deutschland, um für die Wiederwahl Wabi!^""s 3um Reichspräsidenten einzutreten. Dieser des Reichskanzlers beginnt am 4. April, eine ist. “m Ostern, wenn der „B u r g s r i c d e n" beendet des Reinem Brüning im ersten Wahlkampf im Westen er tHM.„.,’ , Berlin und in Schlesien gesprochen hat, will her«)' ln Württemberg, Baden, Ostpreußen (Königs- Mrtoni,,.^ in Mitteldeutschland (Erfurt) und "Ulch in Pommern (Stettin) sprechen.
Professor Dr. Julius Petersen.
Im Deutschen Nationaltheater wird am Sterbetag als Aufführung des Wiener Burgtheaters Goethes „Torquato Saffo" gegeben mit dem Epilog des Kanzlers von Müller aus dèm Jahre 1832.
Goelhefeiern in Leipzig und Straßburg.
In L e i p z i g , wo Goethe als junger Student gelebt hat, fand eine vom Rat der Stadt, dem akademischen Senat und dem Reichsgericht veranstaltete Goethefeier statt. Als Vertreter der Reichsregierung war Minister Dr. Groener erschienen.
Auch in der Goethestadt Straßburg fand als Auftakt zu einer Reihe von Erinnerungsfeiern eine Gedenkfeier statt, bei der der Rektor der Universität die Festrede hielt.
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Goetheseier in Newyork.
Die amerikanische Goethe-Gesellschaft hielt in Anwesenheit des deutschen Generalkonsuls Kiep und Professors Kühnemann eine Gedächtnisfeier für Goethe ab.
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Vor hundert Jahren starb Goethe.
Beginn der Neichsgedächtnisfeier für Goethe.
Weimar, 22. März. (Eigene Funkmeldung.)
Die offizielle Neichsgedächtnisfeier für Goethe begann heute vormittag 9.30 Uhr mit einer Veranstaltung in der Weimar-Halle, in Gegenwart des Reichskanzlers Dr. Brüning und zahlreicher Ehrengäste aus dem Zn- und Ausland. Ein Liedervortrag des Leipziger Thomanerchors leitete die Feier stimmungsvoll ein. Ter Präsident der Coethegesellschaft, Prof. Dr. Julius Petersen, hielt die Gedächtnisrede. Das vergangene Jahrhundert, so sagte er einleitend, war das Jahrhundert Goethes, das Jahrhundert der Humanität, die Goethe in seinem Leben und Werk gekündet und gestaltet hat; das Jahrhundert der Entdeckungen, des „Stirb und Werde!"
(Ausführlicher Bericht folgt.)
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Rach den Goeihefeèern Haydnfeiern.
Die offizielle Festfeier in Österreich.
Anläßlich des am 31. März d. I. sich zum 200. Male jährenden Geburtstages Josef Hand ns veranstaltet die österreichische Bundesregierung in Wien eine offizielle Festfeier, für die in der Zeit vom 25. März bis 10. April die verschiedensten Haydn-Aufführungen vorgesehen sind. Am Ostermontag findet in R 0 h r a u , dem Geburtsort Haydns, ein Festgottesdienst statt mit Aufführung bet Thercsienmesse.
In R 0 m wurde dem Gedenken Haydns eine Aufführung seines Oratoriums „Die Jahreszeiten" geivibmet. Der Ausführung wohnten hohe Kirchenfürsten, Mitglieder des Diplomatischen Korps und zahlreiche Angehörige der deutschen und österreichischen Kolonie Roms bei.
Minister Groener wird ebenfalls im Anschluß an die Goethe-Feier seinen Osterurlaub antreten, den er in Mitteldeutschland verbringen wird.
Reichsfinanzminister Dietrich hat bereits seinen Osterurlaub angetreten, Reichsverkehrsminister Trevi- r a n u s hat sich zu einer Goethe-Feier nach London begeben. Die Mehrzahl der p r e u ß i s ch e n Sabt net ts- Mitglieder wird während der Osterwoche von Berlrn abwesend sein.
Burgfriede und Braunschweiger Hitlerjugend.
Der braunschweigische Hitler-Jugend-Tag ist bereits eingesetzt gewesen, als von einem politischen Ost ei fr jeden noch nichts bekannt war. Auch das Rcichsinnenministerium hatte schon damals von dem beabsichtigten Hitler-Jugend-Tag in Braunschweig Kennt- nis In einigen Blättern ist nun die Befürchtung geäußert Word'N, daß der Jugendtag trotz des durch Notverordnung verfügten Osterfriedens abgehalten werden würde. Das Reichs innen Ministerium erklärt hierzu, cs könne sich nicht vorstellen, daß Braunschweig gegen eine Verordnung des Reichspräsidenten verstoßen wurde.
Vertagung deS ArbcitöbcschaffungSkongrcffes des ADGB.
Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen G c w e r k s ch a s t ö b u n d e s hat den zum 23 März nach Berlin einberufenen außerordentlichen Ge- Werkschaftskongreß im Hinblick aus den inzwischen vcr- ordneten Burgfrieden auf einen späteren Termin verlegt mit der Erklärung, in Anbetracht der Bedeutung und Dringlichkeit der Tagesordnung dieses Kongresses, die als einzigen Punkt die Notwendigkeit der A r b e i t s - beschaffn n g umfaßt, müsse der allergrößte Wert dar- auf gelegt werden, daß die Verhandlungen über diese entscheidende Aufgabe der deutschen Wirtschaftspolitik nicht durch die Zwa ngöv 0 rschriftcn deS Burg- friedens behindert oder eingeschränkt werden.
Heran an den Kunden?
Überall in der Welt quillt es über von Gütern und Waren jeder Art. Man braucht bei dieser leidigen Feststellung nicht etwa bloß an den Kasfee in Brasilien und an den Weizen und die Baumwolle in Nordamerika, an Kupfer und Kohle zu denken, sondern jener Überfluß ist bedauerlicherweise vor allem deswegen vorhanden, weil erzwungenermaßen die Nachfrage so gering ist.
Und wenn auf dem Gebiet der Rohstofferzeugung besondere Vereinbarungen, auf dem der Fertigwaren der Mangel an Kaufkraft zu scharfen Einschränkungen gezwungen hat und immer noch zwingt, so bleibt trotz allem die Nachfrage ständig weit zurück hinter dem Angebot an Waren. Darum tun sich für den „Kaufmann", also für die Warenverteilung, immer neue Probleme, des Tages auf, die aber alle nur das eine Ziel haben: Wie kommt man an „den Kunden" heran, wie „gewinnt" man ihn, „wie reizt man ihn" zum Kauf?
In Zeiten aufsteigender Konjunktur sind diese Fragen ja nicht schwer zu beantworten, denn dann beantworten ne sich selbst. Diese „schönen Tage von Aranjuez" sind aber längst vorüber und das Heute steht unterdemZeichen der A b s a tz k r i s e. Alle jene Fragen, die wir oben auszählten, stehen mit gefahrdrohender Deutlichkeit offen, und wer sich ihrer nicht bemächtigt, wer sie nicht zu beantworten vermag, verfällt früher ober später dem wirtschaftlichen
Untergang. m
Denn wenn ein solches Überangebot an Waren besteht, wie das heute der Fall ist, dann gilt nicht mehr der etwas bequeme Satz, daß die gute Ware „für sich selbst spreche". Zum mindesten gilt das nur bedingt. Und wenn das Angebot derart die Nachfrage überwiegt, wie es gegenwärtig geschieht, dann muß das Angebot ständig den Weg der Werbung gehen. Der jetzt in Berlm stattgefundene „Deutsche Reklaineiag" hat (ich mit viel mehr beschäftigt, als diese Bezeichnung anzudeuten geeignet ist. Denn ob man mit politischen Ideen und Wünschen, ob man rein wirtschaftlich mit Warenangeboten Absatz gewinnen will —, immer ist nur die „Werbung" von größtem, ja meist entscheidendem Einfluß. Dies auszusprechen bedeutet aber keine Selbstverständlichkeit, sondern darauf hinzuweisen ist Notwendigkeit. , ,
Wir Deutsche haben es — um an dies vielleicht deutlichste, weil folgenschwerste Beispiel zu erinnern - leider nur allzusehr im Weltkrieg verspüren müssen, welche gewaltigen Kräfte durch eine geschickte Werbung in Tätigkeit gesetzt werden können. Ähnliches gilt, wenn auch in verkleinertem Umfang, für jede „Reklame", die sich psychologisch geschickt auf wirklich vorhandene Bedürfnisse be» Konsumenten einstellt und diese sozusagen zum Bewußtsein bringt. Und die Bedürfnisse „schafft", also zum Kauf an« reizt. Wie ungeheuer wichtig dieser Anreiz gerade heute in einer Zeit nicht bloß der ungewollten, sondern der gewollten „Käuferstreiks" ist und sein wird, vermag man kaum zu ermessen. Dabei steht die Zeitung als vrgan der Werbung der Käufer ganz weit im Vordergrund. Sie hat hier Aufgaben von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung zu erfüllen —, und ebenso tritt wirtschaftlich raich in den Hintergrund, der auf dem Markt der Angebot und Nachfrage nicht eifrigst wirbt. . .
In Zeiten schwerster Absatzkrr,e.— das sei nochmals unterstrichen — ist das natürlich ganz besonders notwendig. W e r d i c Werbung a u s g i b t, d e r gibt s i ch s e l b st a u f. Gewiß kann man zahlreiche Werbungv- methoden aufzählen, bei denen ein greifbarer, unmittelbarer Erfolg nicht festzustellen ist, - aber welcher Sauf« mann würde sich deswegen vor der Notwendigkeit der Werbung verschließen, weil etwa z. B. eine parteipolitifdbe Versammlung auch nicht unmittelbare Rückschlüsse aus den Werbungserfolg zuläßt! Ebenso ist das A und O jeder Werbung vielfach noch nicht recht erkannt, das wichtigste nämlich: „D u m u ß t e s d r e i m a l s a g e n !" Auf einen einzigen Hieb fällt kein Baum und der Zcitungslescr als Käufer verlangt es geradezu, daß er „bearbeitet" wird. Er will und soll im Anzeigenteil der Zeitung nicht bloß das finden, was er sucht, sondern er soll auf das gestoßen werden, was er eigentlich suchen sollte. Das ist wirkliche Werbung. Und der deutsche Leser, der seine Zeitung zur Hand nimmt, wird ganz unbewußt „aufgeschlossener Gegenüber der Werbung, die sich psychologisch geschickt auf tatsächlich vorhandene, aber vielleicht nicht, noch nicht erkannte Bedürfnisse cinstellt. . ,
Nachfragesteiqeruug — das ist ja das Problem von heute. Ebenso ist es das Problem für den beutjeben Warenabsatz auf dem Weltmarkt, ist cs aber noch mehr auf dem Binnenmarkt. Wenn jetzt soviel vom „Dienst am Kunden" gesprochen und entsprechend gehandelt wird, so ist das immer nur der zweite Schritt. Der erste und wicktiastc aber ist, erst einmal den Kunden hcranzuholen. Und ba gibt es eben nur ein einziges Mittel: Werbung rind nochmals Werbung!
Warum gerade das Zeikungsinserat?
über diese wichtige Frage ließ sich der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitunasverleacr, Sommerjunrat „r.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* -Tier Reichspräsident von Hindenburg richten zur Gocthe- feicr^iit den GvetheauSschutz in Weimar ein Schreiben.
* Wüyrcnd des Burgfriedens treten Vir menten Reich?» minister einen kurzen Lfterurlaub an
âvet Prozeh wurde der Leiter der BVG. (Berliner vcrkeYrsgesÄschaft) Broliu alö Zeuge vernommen. Er blieb vnvcrcibiiiL