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M. 78 — 1932 _______ Fulda, Montag, 4. April 9. Jahrgang
Der Burgfrieden beendet
Der Wahlkampf beginnt.
Der politische Osterfrieden ist mit dem 3. April zu Ende gegangen. Die Parteien haben den Burgfrieden dazu benutzt, um in aller Stille ihre Propagandavorbereitungen für den 10. April zu treffen. Die Töuren für die Redner wurden fcstgelegt, die Flugblätter gedruckt und die Propagandaartikel abgefaßt. Allerdings bietet diesmal der Wahlkampf für Preußen und für die anderen Länder mit Parlamentswahlcn Schwierigkeiten, wie man sie bisher noch nicht gekannt hat. Die beiden Wahltage, der 10. und der 24. April, liegen sehr nahe beieinander, und die Parteien sehen sich vor die Frage gestellt, w o - Hinsie das Schwergewicht legen, für welchen Tag sie die größeren Opfer bringen sollen. Denn beide Lage mit voller Kraft anzupacken, dafür hat keine Partei die nötigen Mittel.
Die Deutschnationalen haben die Konsequenzen aus den Zahlen des 13. März gezogen und haben sich entschlossen, ihre ganze Kraft dem
Kampf um Preußen
am 24. April zu widmen. Auch außerhalb dieser Partei werden sicher weite Kreise im stillen der Anschauung sein, daß sich die Tatsachen des 13. März am 10. April nicht mehr ändern lassen, und sehr viele werden den Aufwand für den 10. April nicht verstehen. Vielleicht rechnen die Nationalsozialisten gerade darauf, daß von den Hindenburg-Wählern deS 13. März viele zu Hause bleiben, weil ihnen der zweite Wahlgang als unnötig erscheint. Aber es werden auch bei den Nationalsozialisten nicht wenige sein, die sich die Zahlen des 13. März noch einmal vornehmen und nachrechnen, ob auch bei stärkstem Aufwand eine Änderung erzielt werden kann. So ist es wohl möglich, daß
auf beiden Fronten Überraschungen
cintreten können. Die Hindenburg-Ausschüsse, die ihre Wipn^pläne für den 10. April dem Reichspräsidenten vorgèlegt haben, wollen diesmal, wie man hört, besonders das flache Land bearbeiten. Auch die Nationalsozialisten wollen versuchen, mit ihrer Propaganda diesmal an Schichten heranzukommen, die sie am 13. März nicht erreicht haben, und ebenso planen die Kommunisten, schärfer als bisher ihre Kraft für den Einbruch in die Mont der Sozialdemokratie zu verwenden. Für die Hindenburg-Propaganda wird der Hauptschlager wieder die große Agitationsreise deS Reichskanzlers sein, die ihn von Karlsruhe im Süden des Reiches bis nach Königsberg in Ostpreußen führen wird. Auch der Rundfunk soll wieder dem Hindenburg-Ausschuß zur Verfügung stehen, wahrscheinlich wieder nur der einen Seite und nicht auck der andern. W
Hinter den Kampffronten für den 10. April vollzieht sich aber jetzt schon
der Aufmarsch für den 24. April.
Subei kommt cs zu starken Verschiebungen, und Kampfgenossen des 10. April werden sich nach diesem Tage nennen und als Gegner gegenüberstehen. Die Hinden- »ura-Front wird sich auflösen, das steht fest.
Hitler auf der Agitationsreise.
^ Nationalsozialisten begannen nach Ablauf des ^lwrfriedens in allen Teilen des Reiches am Sonntag den »»gekündigten Kampf um die Reichsprästdentenwahl mit ß'OBen Kundgebungen. In Dresden, Leipzig, „Lemnitz und Plauen sprach der nationalsozia- Führer und Reichspräsidentenkandidat Adolf Z'^er. Er führte u. a. aus, er werde in dieser Woche in mehreren Versammlungen direkt zum Volke Seine Gegner hätten in den dreizehn Jahren /v^^ft nichts aufzuweisen vermocht, auf das sie sein könnten. Die Partcihcrrschaft, die sich 1918 an • Ler Herrschaft der Monarchen gesetzt habe, habe inT ein einziges Mal das deutsche Volk zur Einmütigkeit „..„^endeiner Frage zusammenfassen können. Wie könne einer Bewegung, die 13 !4 Millionen Menschen cmim politischen Gedanken vereinigt habe, den Vor- s... m L^on, sie zersplittere Deutschland? Der Vorwurf, sei L ^?«^sozialismus werde die Wirtschaft zerstören, fei» ^W^b nicht stichhaltig, weil die herrschenden Klassen aeovlil». vhn Jahren an dieser Zerstörung der Wirtschaft könn» hatten. Hitler schloß mit den Worten: Man aber ."«Sozialisten töten, man könne auch ihn töten, Tv- "spitullcren werde weder er noch seine Bewegung, den der Nationalsozialismus geführt habe, eine bis zum Sieg. Am 10. April werde ein UM,?-$ beschlagen werden. Am 11. April beginne drin»»» ^ampf. Der 24. April werde eine neue Schlacht sorimir L. «m 25. April werde der Kampf der National- ^crbc. ^"ergehen, bis endlich Deutschland frei sein G» ch ? rcsde n sprach auch RelchstagSabgeordneier SouiiMa fl' bcr klonte, daß jeder Deutsche am nächsten eine öL entscheiden habe, ob in Deutschland endlich sieben Aufstieges anheben oder ob noch weitere solle, ^"«rc das gegenwärtige System am Ruder bleiben treten y £ Lj 0 sprach Prinz August Wilhelm von ^vd " Hitler den „Führer des kommenden Deutsch- ^illiono» Er habe in den Jahren seiner Tätigkeit toenit . sich gebracht. Nie habe er nachgcgcben, ^Mtdnissi versucht habe, ihn einzuspinnen in politische
Der Kronprinz für Hitler.
Der Kronprinz richtet folgende Kundgebung an die Öffentlichkeit: „Wahlenthaltung im zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl ist unvereinbar mit dem Gedanken der Harzburger Front. Da ich eine geschlossene nationale Front für unbedingt notwendig halte, werde ich im zweiten Wahlgang Adolf Hitler wählen. Schloß Oels, de« 1. April 1932. gez. Wilhelm, Kronprinz.
Hindenburg an den Stahlhelm.
Die Landvolknachrichten verbreiten eine Meldung, wonach sich Reichspräsident von Hindenburg nachdrücklichst vor diejenigen Stahlhelmmitglieder stelle, die ihm im vor diejenigen Stahlehelmmitglieder stelle, die ihm im ersten Wahlgang die Treue gehalten hätten und deshalb vom Stahlhelm gemaßregelt worden seien. Er habe die Bundesleitung des Stahlhelms aufgefordert, ihm bis zum 5. April mitzuteilen, ob sie bereit sei, die Maßregelungen zurückzunehmen.
Von feiten des Stahlhelms verlautet hierzu, daß sowohl die beiden Bundesführe^ als auch der Bundeskanzler gegenwärtig nicht in Berlin weilten, daß aber tatsächlich ein Schreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg vorliegen dürfte, das nur durch eine Indiskretion der Öffentlichkeit bokanntgsworden s«n könne.
Der Aufmarsch zu den preußeuwahlen.
Sitzung deS ParteivorstandeS der Deutschnattonalen Vollspartri.
Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei legte die Kandidatenlisten für die Länderwahlen fest. Er billigte in allen Punkten die Politik des Parteiführers und der zur Reichspräsidenten- und zur Preutzenwahl ausgegebenen Parolen. In einer Beteiligung an dem durch das Ergebnis des 13. März bereits praktisch entschiedenen Reichspräsidemenwahlkampf sieht der Parteivorstand nur eine nutzlose Demonstration, die lediglich geeignet ist, dem schwarz-roten System zu einem billigen Triumph zu verhelfen. Für den Wahlkampf um Preußen legte der Vorstand die Richtlinien fest. Das Bekenntnis der Partei zum Lebensrecht der Länder und der Selbstverwaltung kam in einer besonderen Erklärung zum Ausdruck.
In einer weiteren Erklärung wurde ein besonderer Appell an den Reichspräsidenten und an die Reichsregierung gerichtet, jeden eventuellen Mißbrauch des preußischen Staatsapparates zugunsten der bedrohten Regierungsparteien im Wahlkampf zu verhindern.
„Nationale Front deutscher Stände."
Die zwischen der W i r t s ch a f t s p a r t e i, der Landvolkpartei und den Volkskonservativen geführten Verhandlungen mit dem Ziele eines gemeinsamen Vorgehens bei den bevorstehenden Wahlen zum Preußischen Landtag können nunmehr als abge-
Die kommunale Finanzkrise
Verschuldete Gemeinden.
Ein Gefahrenherd erster Ordnung.
In einer Eingabe an den Reichskanzler nimmt der Langnamverein in grundsätzlichen Ausführungen Stellung zur kommunalen Finanz krise, die zu einem Gefahrenherd erster Ordnung für die öffentlichen Finanzen in ihrer Gesamtheit und damit für die ganze Volkswirtschaft geworden sei. Aus diesem vor allem im Industriegebiet bedrohlich gewordenen Zustand müßten unverzüglich die notwendigen Folgerungen gezogen und vor allem drei Maßnahmen sofort und in organischer Verbindung miteinander ergriffen werden. — Die kurz- und mittelfristige
Verschuldung der deutschen Gemeinden,
die drei Milliarden Mark übersteige, bedürfe raschester Konsolidierung. Diese Umschuldung, die notfalls unter Bürgschaft des Reiches vorzunehmen sei, werde über den Kreis der unmittelbar Interessierten hinaus allgemein beruhigende Wirkungen auslösen und so auch die Kreditgrundlagen für die ganze Volkswurtschaft bessern. , . , .
Die Hilfe, die das Reick den Gemeinden durch eine Umschuldung angedeihen lasse, berechtige das Reich, von sich aus eine
einheitliche neue Finanzordnung für sämtliche deutschen Gemeinden
und Gemeindeverbände zu schaffen, um eine Garantie gegen eine Wiederholung der Fehler der Vergangenheit herzustellen. In diesem Zusammenhang verlangt die Ein- gäbe eine Modernisierung der Gemeindeverwaltungen zur Erzielung größerer Wirtschaftlichkeit und eine Unter- suchung der Frage, wieweit die kommunalen Unter- nehmungen zweckmäßigeNveisc der ö f f e n t l i ch e n Bewirtschaftung entzogen und privaten Wirtschasts- trägeni überlassen werden. Leitender Gesichtspunkt dieser Prüfung müsse neben der Wirtschaftlichkeit, bei deren Untersuchung die Steuerbefreiung entsprechend in Ansatz zu bringen sei, die Beseitigung deS heute besonders uner- träglichen Wettbewerbs der öffentlichen Hand mit der Privatwirtschaft sein. — Schließlich werde die
Reorganisation der ErwerbSlvscnbctreuung
schloffen gelten. Die Parteien werden in den Wahlkreisen an sich selbständig vorgehen, aber Listenverbindungen untereinander haben. Es wird eine gemeinsame Landeskiste geschaffen, die die Bezeichnung „Nationale Front deutscher Stände" führt.
Staatspartei geht selbständig in den Wahlkampf.
Die Deutsche Staatspartei wird, ebenso wie das Zentrum, in allen Wahlkreisen selbständig vorgehen, und voraussichtlich werden beide Parteien auch für sich Landeslisten aufstellen.
Der neue Kurs in Mecklenburg-Gtreliy.
Zu den Verhandlungen der Regierungsparteien in Mecklenburg-Strelitz teilt die Pressestelle der NSDAP, folgendes mit: „Die Aussprache zwischen Natio- nalsozialisten und Teutschnationalen brachte eine grundsätzliche Klarheit über die Einstige Zusammenarbeit sowohl in der Regierungsbildung als auch im Parlament. In allen Punkten wurde restlose Einmütigkeit erzielt. Es zeigt sich, daß es durchaus möglich ist, Wiederaufbauarbeit im Volks- und Staatsintereffe zu leisten, wenn zwei Rechtsparteien, von dem gleichen Gedanken getragen, zu- fammenarbeiten. Dabei wurde einstimmig und ausdrücklich festgestellt, daß es jeder Fraktion im Mecklenburg- Strelitzschen Landtag freistehen soll, unabhängig von jeder politischen Bindung ihre Programmpunkte und ihre politischen Aufgaben durch Gesetzentwürfe und Gesetze zu erfüllen. ‘
Hillers Pläne nach »er Machtergreifung.
Ein Beleidigungsprozeß Hitlers gegen das sozialdemokratische Blatt Münchener Post dreht sich um die Frage, ob es wahr ist, was die Münchener Post behauptet, daß die Nationalsozialisten Listen mit Namen von Persönlichkeiten vorbereitet hätten, die nach der Machtergreifung von Hitler zum Tode verurteilt werden sollen. Der Hauptzeuge in dem Prozeß ist ein früherer SA.-Mann,' der vor Gericht zugestanden hat, daß er die Listen selbst anfertigte und für 120 Mark der Münchener Post verkaufte. Im Verlauf des Prozesses, der noch nicht zu Ende ist, kam man natürlich auch zu der Frage, ob Hitler tatsächlich plane, wenn er zur Macht komme, gegen gewisse Persönlichkeiten vorzugehen. Dazu hat der Rechtsanwalt von Adolf Hitler, Dr. Frank n, folgendes erklärt:
„Adolf Hitler hat bekanntlich aus Anlaß des Reichswehrprozesses in Leipzig als Zeuge unter Eid erklärt, daß nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten ein legaler Slaatsgcrichtshof zusammentreten werde, der legal urteilen werde und daß dann voraussichtlich auch Kövfe in d e^t Sand rollen würden. An der Tatsache dieser Äußerung kann und will ich, Rechtsanwalt Frank n, nichts ändern. Ich kann die marxistischen Gegner in ihrer Furcht vor Adolf Hiller nicht beruhigen. Der Standpunkt Hitlers ist heute genau derselbe wie früher. Er wird legal zur Macht kommen und diese legalisierte Macht rücksichtslos im Dienste des Deutschtums zur Anwendung bringen."
immer dringlicher. Das Reich habe sich von den steigenden finanziellen Anforderungen der Massenarbeitslosigkeit zu Lasten der Gemeinden und Gemeindeverbände befreit. Die in Krise und Depression als unbrauchbar erwiesene D r e i - gliederung der Erwerbslosenbetreuung in Arbeitslosenversicherung, Krisenfürsorge, Wohlfahrtserwerbs- losenfürsorge führe zu reibungsvoller und kostspieliger Doppekspurigkeit. Die Zusammenfassung der gesamten Gr werbslosenbetreuung in einer einzigen Organisation, die den Arbeitsämtern zu übertragen fei, und die allgemeine Einführung der Prüfung von Bedürftigkeit und Arbcitswilligkcit sei dringend erforderlich.
Würden Umschuldung, Neuregelung der Finanz- ordnung, Reform der Erwerbslosciifürsorgc als einbeit liche Maßnahme, wie vorgeschkagen, sofort - 7 . ; durchgeführt, so bestehe begründete Hoffnung für baldige Gcsunduna der Gemcindcwirtschaft.
Brasilianischer Kaffee gegen deutsche Rohkohle.
Sao Paolo. Der brasilianische Finanzminister bat die Unterzeichnung dc§ Kaufvertrages des brasilianischen Kaffee- auSschuffes im Austausch gegen 75 000 Tonnen deutsche Ruhrkohle davon abhängig gemacht, daß Deutschland 300 000 Sack brasilianischen Kaffees ohne Anwendung von Einfuhrbeschränkungen kauft.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
♦ Mit dem Abschluß des politischen Osterfriedens am 3. April hat der Wahlkampf bereits am Sonntag stark eingesetzt.
* Der Langnamverein hat eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, in der zu der kommunalen Finanzkrise Stellung genommen und die Einleitung geeigneter Magnahmen zu ihrer Behebung gefordert wird.
* Der Verein Deutschre Evangelischer Lehrerinnen wendet sich in einem Aufruf gegen Freidenkertum und Eottlosenbe- wegung.
* Der 10. Evangelische Reichselterntaa wurde nach einer Aussprache über die Aufgaben der christlichen Elternschaft durch eine öffentliche Kundgebung geschlossen.