Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer ^nscigcr

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis : monatlich iTAdfrKlAff ftlF l^K^tl tttlA V^AA^IaR^I*^ Anzeigenpreis: Für Behörden, Eenossenschaf-

1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch X-MyUVWU ten, Banken, usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 Mk

Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, ^fttA*. HtlÄ simitl^Ml 4 $111Aa^F fèrfrWtlrtft für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk, für die Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine $UIVW- UIW ^UUUOUl * ^Ul^U^ mClWlUU Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Ansprüche. Verlag Christian Seipel, Fulda. NeSaktion und Geschäftsstelle: Könlgstraße 42 Zernsprech-flnschluß Nr. 2484 Reklamezeile 0.60 Mk. / Bei Rechnungsstellung Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit (huellenangabe ,$ul»atr ftnzeiger"gepattet. hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen.

Nr. 81 1932

Fulva, Donnerstag, 7. April

9. Jahrgang

Beginn der Donaukonferenz.

Donauplan und Tribuifrage.

Eine unmögliche Verkoppelung.

Die Staatsmänner Deutschlands, Englands, Italiens und Frankreichs sind in London Der- sammelt zur Konferenz der vier Großmächte, die am Schicksal der Donauländer interessiert sind. Für Frankreich hat Tardieu bei seinem Besuch bei Macdonald gut vor­gearbeitet. Es ist eine englisch-französische Einigung zu­stande gekommen darüber, daß der Bund der Donau­länder nach französischem Vorschlag gebildet werden muß, wenn auch über das W i e noch keine Beschlüsse gefaßt wurden. Vor diese Tatsache werden jetzt Deutsch­land und Italien gestellt und um ihre Meinung befragt. Da dieser Bund unter französischer Finanzoberhoheit den Plänen Deutschlands für einen wirtschaftlichen Auf­bau Mitteleuropas entgegensteht und dieses nicht ohne weiteres geneigt sein wird, sich in ein Paneuropa Tardieus als Objekt fremder Außenpolitik einfügen zu lassen, so wird Frankreich nach bewährtem Muster Deutschland unter Druck setzen, um es für seine Absichten gefügig zu machen. Das wird sich insbesondere darin ausdrücken, daß Frankreich die Donaufrage mit der T r i b u t f r a g e verkoppeln wird. Damit wird aus Deutschland dann über kurz oder lang allerdings ein außerordentlich starker Druck ausgeübt werden, ein Druck, von dem Frankreich hofft, daß Deutschland ihn angesichts seiner Finanzlage nicht lange auszuhalten vermag.

Zwei Möglichkeiten gibt eS dann für Deutschland. Wird die Donaufrage mit der Tributfrage verknüpft, so liegt darin unter Umständen vielleicht viel Verlocken­des insofern nämlich, als wir von Frankreich eine Ver­längerung der bestehenden wirtschaftlichen Erleichterungen und womöglich noch ihre Erweiterung erlangen können, sofern wir uns mit dem politischen Inhalt des franzö­sischen Donauvorhabens einverstanden erklären. Es be­deutete dies freilich für unabsehbare Zeit den Verzicht a u f d e u t s ch e P o l i t i k s ch l e ch t h i n. Wir wären eingegangen in das von Frankreich so zähe und geschickt betriebene Paneuropa. Die andere Möglichkeit ist die, daß wir ein k l a r e s und g l a t t e s N e i n sagen. Täuschen wir uns aber nicht, daß mit diesem Nein an das deutsche Volk aus allen Gebieten seines Lebens schwerste Anforderungen gestellt würden, nicht vorüberaebend. sondern wahrscheinlich für lange Zeit.

*

NieSröffnungderVier-M-te-Konsttenz

Eine große schaulustige Menge hatte sich in der Downingstreet in London eingesunden, um sich die A u f - jährt der ausländischen Abordnungen zu der Vier-Mächte-Konferenz anzusehen. Zuerst erschien die französische Abordnung unter Führung des Finanz­ministers Flandin und kurz darauf trafen die Mitglieder der italienischen Abordnung soweit sie nicht an dem Frühstück beim Ministerpräsidenten Macdonald teil- genommen hatten auf dem Hofe des Foreign Office ein. Sann kamen Staatssekretär von Bülow und

Der Milliardär als Bilanzfälscher.

Kreugers Buchfälschungen.

Das Doppelleben eines Wcltfinanziers.

.. Die englische Trenhandgescllschast, die mit der Durch- Uo^ung der wirtschaftlichen Lage des Kreuger-Konzerns ,:x?"sisâgt worden ist, hat jetzt einen Zwischenbericht vor- aus dem hervorgcht, daß sich

Kreuger der Bilanzfälschnng und Bilanz-

Verschleierung schuldig gemacht

®ic Feststellung über die falsche Buchführung des ^.mer-Konzerns hat sowohl in Stockholm wie in der interessierten Welt w ie eine Bombe ein- «schlagen.

eKreuger hat, wie sich jetzt herausstcllt, seine Finanz- te mit vollkommen ungenügenden Mitteln durchzn- ""d ist oft riesige Anleiheverpflichtungen ehe er überhaupt wußte, woher er die Mittel lichte Jte5mcn sollte. Die Konzernleitung Kreugers sich in ein

Nii!, s Möglichst tiefes Dunkel zu hüllen.

beinahe stereotvp gewordenen Redensart: lwu Kreuger ist verreist, in der Zentrale weiß man ober Är. Ersuchte man, sich alle nnangcnchmcn Besucher Es's^?â ^Dm Hâlse zu halten.

. 5 sich hcrausgcsteüt. daß Kreuger

. * sich hcrausgesteüt. daß Kreuger

t(t r.Ic Buchführung für den gesamten Konzern oft

er Aktentasche mitführte. Erst wenn toten Reisen zurückkam, erfuhren die Mitdirek- itWöiM.L "Uch sein Mjähriger Vater gehörte, was bann ""d abgeschlossen war. Danach erhielt Wie es Lv'rt)^ des Konzerns ihre Anweisungen, ^rausaeâ!' J°FCU ^ Unregelmäßigkeiten, die sich wtzt âenomm»» ^1' schon viele Jahre hindurch vor- ist, ftA ^Â?1'^ sein. Und wenn es Kreuger gelungen M allein^ ^ ^S® Zeit über Wüster zu halten, so ist " $ darauf Mückzuführen, daß sein Name in der

Ministerialdirektor Posse sowie der italienische Außen­minister Grandi mit Begleitung auS dem Hause her­aus. Ihnen folgten Handelsminister Runciman und Außenminister Sir John Simon. Als letzter kam Ministerpräsident Macdonald in Begleitung des Schatzkanzlers Neville Chamberlain. Sie begaben sich in den Locarnoraum, wo sie die Abordnungen begrüßten und hierauf die Sitzung über die Donaufragen im alten Kabinettsraum eröffneten.

*

Zweite Donaukonferenz in Lausanne?

Französische Intrigen gegen Deutschland.

In den Kreisen der französischen Abordnung zur Viermächtekonferenz sind umfangreiche Vorbereitun­gen getroffen worden, um die von Deutschland er­hobenen Ansprüche auf seine besonderen Inter­essen an dem Donauhandel zu entkräften. Zu den statistischen Angaben, auf die sich die deutschen Forderun­gen zum Teil stützen, sind Gegenstatistiken ausgearbeitet worden. U. a. wird darin behauptet, daß Deutschlands Ausfuhr nach den Donaustaatèn nur 10 Prozent be­trage, während die entsprechenden Zahlen sich für P o l e n auf 15 bis 20 Prozent, für Italien auf 4 Prozent und für Bulgarien auf Q Prozent stellten. Diese Zahlen werden französischerssits auch angeführt, um die Berechtigung Polens zur Teilnahme an den Verhandlungen nachzu­weisen.

In der französischen Abordnung glaubt man be­stimmt, daß auf der Viermächtekonferenz eine Einigung hinsichtlich der an die Donaustaaten abzusendenden Ein­ig d n n g e n erfolgen wird. Dies würde schlimmstenfalls dadurch erreicht werden, daß etwaige Schwierigkeiten auf die zweite Donaukonferenz verschoben werden, von der man in französischen, allerdings nicht amtlichen Kreisen glaubt, daß sie nicht in Genf, sondern in Lau­sanne stattfinden wird. Dort würde es erst zum Aus­trag der noch bestehenden Schwierigkeiten kommen.

*

1-Mittiar-e-Kranc-An1eihe

für die Donaustaaien?

Österreich wieder unter Finanzkontrolle.

In der gut informierten PariserLiberte" wird mit- geteilt, daß Frankreich eine große Konverticrungsanleihc für die Donaustaaten vorbereitet und in Vorschlag gebracht habe. Diese Anleihe soll cs den Donauländern ermög­lichen, eine umfassende Sanierung durchzuführen. Was den Betrag anbelangc, so werde ziemlich übereinstimmend von einer Milliarde gesprochen.

Wenn man Österreich eine neue Anleihe gebe, so könne das nur unter der Voraussetzung geschehen, daß die

Finanzkontrolle wieder eingeführt

werde. Es frage sich nur, ob Wien bereit sei, sich der Finanzkontrolle zu unterwerfen, und ob Deutschland einem derartigen Vorschlag zustimme. Die Entscheidung darüber müsse in den nächsten Tagen fallen.

ganzen internationalen Geschäftswelt größtes Ansehen besaß. Erst jetzt konnte festgestellt werden, daß er

ein wirtschaftlicher Hochstapler war und schon lange mit unredlichen Mitteln ge­arbeitet hat.

Um Heimat und Schotte.

Bauernunrilhen im entrissenen Nordschleswig.

W i r t s ch a f t s n o t und die Unzufriedenheit der unterdrückten deutschen M i n d e r h e i t in Dänemark führen immer nneber zu stürmischen Demonstrationen u o r d s ch l e s w i g s ck c r B a u e r n auf dänischem Gebiet. Als vor einigen Tagen der alte Gntsbesitz der Familie Nissen im Kreise Sonderburg versteigert werden sollte, konnte dieses erst geschehen, nachdem die dänische Polizei den Widerstand zusammengeströmter Bauern gebrochen hatte. Jetzt sammelten sich wieder nach Beendigung einer Protestkundgebung etwa 600 bis 700 Bauern um das ehemalige Gehöft Nissens, der in einem in der Nähe liegenden Hause mit seiner Familie Unter­kunft bekommen batte. Dort huldigte ihm die Bauern­schaft, während der neue Besitzer verhöhnt wurde. Ein paar Bauern hatten bereits den Gartenzaun des Gehöftes überschritten, als plötzlich Schutzleute, die im Gehöft stationiert waren, auf sie losgingen und sie mit ihren Gummiknüppeln bearbeiteten. Die Bauern leisteten Widerstand, und eS kam zu einem w ü st c n H a n d - gcmcnge, das erst durch das Eingreifen der Kopcn Hagener Schutzleute nach anderthalb Stunden beendigt werden konnte. Es gab einige Schwerverletzte. Auf der Versammlung wurden geharnischte Reden gegen D ä n f m a r f gehalten. Es wurde mit Jubel ausgenommen, als cm Bauernführer erklärte, Nordschleswig habe tausend I ab rf 1 o n « für seine Ireshei-t gekämpkt Jetzt müsse es sich vielleicht aus eigene Füße stellen.

Ein überflüssiger Versuch.

Während sich in Deutschland unter gewaltigem Lärm, «wer auch unter stärkster innerer Anteilnahme der Wähler­massen der Kampf um die Reichspräsidentschaft abspielt, während auch in Frankreich die ersten Takte des Wahl­kampfes erklingen, ringt man draußen in der Welt mit weniger Lärm aber noch größerer Energie um die furchtbar schwer gewordenen wirtschaftspolitischen Probleme. Man möchte selbst einmal nur einen Augenblick von den poli­tischen Hintergründen derTonausrage" absehen, und dann kann man vielleicht sagen: DasOb- undWie' der Lösung dieser Frage ist geradezu derPrüfstein dafür, ob Europa einen für sein Leben wichtigen Teil rein wirt­schaftlich zu retten vermag oder nicht. Oder, um mit Macdonald selbst zu sprechen: Hier liegt ein Probefall der europäischen Politik vor, ob es gelingt, diePolitik- aus- zufchalten, das Donaugebiet wirtschaftlich zu stabilisieren. Man wird sehen, ob nun die zweite diesbezügliche Konfe­renz in London den Weg weiter geht, den die Entrevue Tardieus und Macdonalds anscheinend wenigstens nicht mit übergroßen Hindernissen vorgesehen hat. ^Auf einem anderen Blatt steht freilich, wie es damit auf der eigent­lichen, der GenferDonaukonferenz- aussehen wird.

Auch dabei sind einigeNebentöne- hörbar, deren Erklingen von den politischenMusikanten" auch gar nicht verhehlt werden. Daß man für diesereparations­politischen- Töne bereits bei den Londoner Besprechungen eine gemeinsame Melodie oder den Anfang dazu ge­funden hat, entzieht sich vollkommen dem Wissen der Außenwelt; denn die Andeutungen der Beteiligten gehen über das Unverbindlich-Allgemeine amtlicher Erklärungen kaum hinaus. Man sucht in England und auch in Frank­reich selbst nach Auswegen aus der Lage, die nicht nur vom Reichskanzler eindeuttg dargelegt ist, sondern von unseren Tributgläubigern recht ungern als Wirk­lichkeit anerkannt werden mußte! Deutschland ver­mag auch nicht einen einzigen Pfennig zu zahlen; es vermag aber auch nicht, in die völlig unge­wisse wirtschaftliche Zukunft hinein irgendwelche binden­den finanziellen Versprechungen zu machen. Und selbst mit Gewalt könnte man aus Deutschland keinen Pfennig herauspreffen, mit Gewaltanwendung die allgemeine Weltkrise nur noch furchtbarer machen.

England hat ja schon einmal im Januar bei Dr. Brüning angefragt, ob Deutschland mit einer einfachen Verlängerung des Hoover-Moratoriums bis etwa zum Dezember einverstanden sei; der Reichskanzler hat mit Rein geantwortet. Nun hört man davon, datz man uns in England mit einem ganz eigenartigen Ver­mittln ngsvorschlag doch nochherumkriegen' möchte. Dieser Vorschlag hat um dies gleich von vorn­herein noch zu bemerken den Zweck, eine allzu lange Ansdehnung der für den Juni in Lausanne angesetzten Reparalionskonferenz- zu vermeiden, schon deswegen, um den Engländern eine rechtzeitige Abreise nach Kanada zu der großenReichskonferenz- zu ermöglichen, aus der sich alle Vertreter Englands, seiner Dominien und Kolo­nien zusammenfinden werden vor allem zu schwerwic-en- den wirtschaftlichen Beratungen. Außerdem glaubt man in London immer noch, daß in Lausanne aus einer ganzen Reihe von Gründen eine wirkliche Lösung der Reparationsfrage nicht gefunden werden könne, also sucht man nach einem Um- und Ausweg, der nicht gerade wie ein Scheitern der Konferenz anssieht, sondern eine Verschiebung ist.

Wenn die Gerüchte hierüber auf Wahrheit beruhen, dann soll England nämlich einen doppelten Vorschlag machen: Eine internationale Kommission stellt fest, wieviel Deutschland bisher fürReparations-zwecke gezahlt hat, ferner wird von ihr untersucht, wieviel von Frankreich (Belgien) bisher für dieWiederherstellungen" , in ^bcn kriegszerstörten Gebieten ausgegeben wurde. Diese Idee wirkt im ersten Augenblick unbedingt bestechend, entspräche auch tausendmal geäußerten deutschen Wünschen und wir wären mit einer solchen Untersuchung mehr als einver­standen. Aber sofort erhebt sich ebenso schnell der E i n- wand: Was hat das alles mit der g e g c n w artigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage Deutschlands und Europas z» tun, die ganz unter dem Druck der deutschen D o n n g - P l a n - V e rp fli chtu n g c n steht? Was ändern jene Feststellungen ganz gleich gültig, wie sie ausfallen an diesem Zustand? r och gar nichts! Es ist ja alles auch nur der Versuch, eine hesserc, eine klarere,objektivere" Atmosphäre zu schaffen: aber man kann heute wohl sagen, daß dies von der Welt­krise schon viel ausgiebiger besorgt worden ist.

Zwischenfall im Anhaltischcn Landtag.

Dessau. Im Anhaltischen Landtag ging während der Siebe veS nationalsozialistischen Abgeordneten F r i e S l e de » der Kommunist Kmiec auf den Redner zu und spuckte sinn am die Hand. Der Präsident schloß darauf Kmiec acht -tage von den Sitzungen aus. Ms Kmiec daS HauS nicht verNen und den bciüfdmationalcn Abgeordneten Kraaz beleidigte, unter­brach der Präsident die Sitzung für kurze Zeit.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

Die Vicr-Müchrc-Konscren, in London über die Regelung der Svirtschaftsverhältnisse im Donandecken hat begonnen.

» Durch eine Treuhandgcsellschaft wurde festgestellt, daß sich der ehemalige Zündholzkönig Kreuger schwerer Vilanz- fälschungen schuldig grmacht hat.

* Das Krotzilugztuq der Strecke Berlin- Wien geriet bei der Landung im Wiener Mughsf-n in Brsqd. Fluggäste ms» F: acht WMm tmnerfthrj.

* Der anhsltijche Landl«« hat den LtaatrhauKhali aMclelM