M-aer Anzeiger
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Deutschlands Donaupolitik.
Bisher keine Einigung in London. — Die Konferenz wird heute wahrscheinlich vertagt werden, nachdem Tardieu eine von Macdonald vorgeschlagene, von Deutschland und Italien befürwortete „Neunmächtekonferenz" abgelehnt hat.
„Sankierstaaten" gegen
Schwer überbrückbare Gegensätze in London.
Das bisherige Ergebnis der Londoner Konferenz kann man etwa wie folgt zusammenfassen:
Macdonald ist nach wie vor optimistisch und erwartet ein positives Ergebnis. Flandin rechnet damit, daß es gelingen wird, die Italiener ziemlich bald und die Deutschen vielleicht zur Annahme des englisch-französischen Standpunktes zu bewegen. In italienischen Kreisen beurteilt man die Aussichten sehr pessimistisch. In Kreisen der deutschen Abordnung wird diese Kolrferenz als eine Art Vorkonferenz angesehen, obgleich zugegeben wird, daß sie die erste wirkliche Vorbereitung für die Lau - sannerTribulkonferenz als auch für die Lösung anderer wichtiger Fragen ist. Man betont, daß die Gegensätze zur Zeit keinerlei politischen Charakter tragen. Sie seien überbrückbar, aber es fei fraglich, ob die Rechnung de- französischen Planes aufgehe und den gewünschten Erfolg bringen werde. Im großen und ganzen sei die Konferenz bei den verschiedenen Denkschriften der verschiedenen Großstaaten über die Donaufrage stecken- geblieben und habe darüber hinaus keinen Fortschritt gemacht. Die Frage, wievieleStaaten an das Donau- Ihftein angeschlossen werden sollen, wurde auf der Kon- jerenz auf Grund eines allgemeinen stillschweigenden Übereinkommens nicht berührt, so daß der Name Bulgarien nicht gefallen ist. Auch fanden keinerlei Erörte- rungen über die etwaige Teilnahme Polens und der Schweiz statt. Die Aussprache war zeitweilig äußerst ^WUaber stets freundschaftlich.
Nach Äußerungen der englischen Presse haben die ersten Besprechungen, die schwer überbrückbaren Gegensätze Mischen den „H a n d e l s st a a t c n" Deutschland und Italien und den „B a n k i e r st a a t e n" Frankreich und England offen klargelegt.
: Als Diskusstonsbasis lag der französische Plan zu- llrnnde. Als Gegenvorschlag wurde von der italienischen Delegation vorgebracht, daß nicht einer Konferenz der Donaustaaten die weitere Ausarbeitung eines Meist- begiinstigungssystems überlassen bleiben solle, sondern «Her Neun- oder Zehnmächtekonferenz, in der neben den Donauländern ebenfalls die vier Großmächte vertreten seien. Auch die deutsche Delegation dat ihre Opposition zu dem französischen Plan offen ausgesprochen, der deutsche Standpunkt ist im wesentlichen der gleiche wie der italienische. Von beiden Ländern ist als Gegenargument vorgebracht worden, daß daS sranzö- stlche Projekt ausser für Deutschland und Italien auch für Tschechoslowakei schwer tragbar sei.
Auch in Paris steht man den Arbeiten der Vierer* Konferenz ziemlich skeptisch gegenüber. Seit dem Eintreffen der italienischen und deutschen Abordnung, so
.^-.hätten die Aussichten aus den Erfolg stark an -ä-ahrscheinlichkeit verloren. Der französisch-èng- u s ch e n Front stehe eine geschlossene italienisch- ^utsche Front gegenüber, die die Verhandlungen «ußerst behindere.
Sie deutsche Auffassung vom Donauplan.
Treibt Deutschland Obstruktion?
,. Jil Berliner politischen Kreisen ivird ans ^sache hingewiesen, daß sich die deutsche Auffassung
~onouplan genau im Rahmen dessen hält, was noch ,acht Wochen, also vor dem Bekanntwerdcn des cigent- Tardieu-Planes, den französischen entsprochen hat. Deutschland ist auch heut»
dcn Getreideländern im Donauraum eine Getreidc- Präferenz
fern., n' Während cs Osterrei ch eine allgemeine Prâ- neben gewillt ist. In diesen beiden Punkten hat .Zwischen Deutschland und Frankreich völlige ” u i m m u n g bestanden. Wenn uns in g-ranf* ftrnff- ^ jetzt vorgeworfen wird, wir trieben Ob- frnn/JJ? n' nur weil wir an den u r s p r ü «gliche n twun.1 ! 'N Plänen fcsthalten, so fauu das nicht scharf '?s,?nrüÄgewiesen werden. htnirt«^ der allgemeinen europäischen Wirt- Ez hflt ri "" Frankreich eine Schwenkung vollzogen. $rimihrl, twn dem immer wieder ansgcsprochencn Heb,. .), Grundsatz abgewandt, daß eine nürtfdjaft* müsse zwischen allen Ländern stattfindcn
Frankreich sich früher immer wieder gegen beut Tardieu Pl^U"^" ausgesprochen hat, tritt es mit obinor,f . j^r regionale Abmachungen ein, ^ermitVn.^ i" Berliner politischen Kreisen betont wird, der ^oh»,,?^1^ gesagt sein soll, daß Deutschland sich Milben r * einer gründlichen Hilfe für die notlci- ^lltW Im Gegenteil ist die ^"nestelst ^Penuiq nach wie vor positiv zu dieser Frage Win hcYt„r:v.m übrigen ist es nach Berliner Ausfasftittg ^ spreck-^ "-etwa von einer französisch-englischen Front ^^erfte^r ^er eine deutsch italienische Front gegen»
v. Bülow gegen die Einbeziehung der Tschechoslowakei.
Während der Verhandlungen des Viererausschusses der Donaukonferenz erklärte der deutsche Staatssekretär von Bülow zunächst, daß bei den Verhandlungen der Vollkonferenz bereits in einigen Punkten eine
Übereinstimmung erzielt
worden sei, und zwar handle es sich um die Erkenntnis, daß der durch die Friedensverträge geschaffene Zustand keine wirtschaftliche und finanzielle Lebens- Möglichkeit für die einzelnen Donaustaaten gewährleistet. Das Ziel der Besprechungen sei, die Lebensfähig-
Die Londoner Donaukonferenz.
Von der Londoner Vicr-Mächte-Konfcrcn; unter Beteiligung Deutschlands, Frankreichs, Englands und Italiens zeigt unser Bild die Delegierten (Don links): der italienische Außenminister Grandi — Sir John Simon, der englische Staatssekretär des Äußern — der deutsche Botschafter in London, v v n N e u r a t h — Staatssekretär v o n B ü l o w, der als Vertreter Dr. Brünings an der Konferenz teilnimmt: seit der Donaustaaten nur durch ein gemeinsames Vorgehen zu sichern.
Die Beteiligten stimmten darin überein, daß eine Hilfsaktion für die Donaustaaten im unmittelbaren Interesse der betroffenen Großmächte und ganz Europas liegt. Tic Sanicrungsaktion für den Donauraum bedeutet ein Vorbercitungsstadium für eine rationellere Gestaltung der g c s a in t c n europäischen Wirtschaft.
v. Bülow ging daraus auf den französischen Vorschlag ein und betonte, daß von den fünf betroffenen Donaustaaten vier anerkannt hilfsbedürftig seien, während die Zusammenfassung dieser Länder mit der T s ch e ch o - flowakei eine solche mit einem Staat bedeute, der nach eigener Erklärung des tschechoslowakischen Außenministers sich nicht in einer Notlage befinde, und der als Abnehmerstaat für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der agrarischen Donaustaaten und daher für deren wirtschaftliche Konsolidierung nicht ausreiche.
Die politischen Forderungen des Handwerks
Handwerks- und Gewerbekammertag fordert Vertretung im Reichslabmett.
Freie ober gebundene Wirtschaft?
Aus Anlaß der Tagung des De«tschen Hand' Werks- und Gcwerbekammertages in Dresden fand eine öffentliche Vertretmvcrsammlung statt an der auch Vertreter der Reichs-, Staats-und städtischen Behörden sowie gleichgerichteter beruflicher -Organisationen leilnal)! wies in seiner Rede auf
den ErnstderStu^ Die Arbeitslosigkeit sm von der Reichsregierung nicht behoben worden. Man Se TmÄI «stM. dl- Sirte®»f™“'^ brr Qi'it anzuvasten. Dem Handwerk seien dnich oit Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik des Reiche» immer wieder
unbillige schwere Lasten aiifcrlcgt worden. Durch Steigerung der Kaufkraft. de^ Abdes habe die Reichsregierung geglaubt, bu deutsche Wirtschaft aus ihrem Stillstand heranssuhren zu können. Sie habe aber dadurch nur eine weitere Einschrumpfung de deutschen Wirtschaft verursacht.
Das ftberwachungSsYstcm, wie es sich in dem von der Reichsregierung eingesetzten P r c i sk oiii m Ufa r darstellt erinnere an dw KiE und Nachkriegszeit unseligen Angedenkens. Die Wirt schaftliche Not sorge von selbst für niedrigste Prcis- bemessung Die Wirtschaftslage fordere die Abwehr von der bisher geübten vffcntlidicn Festsetzung der -obn..
Was die übrigen vier Staaten Österreich, Ungarn, Sudslawien und Rumänien betreffe, so sei bei diesen Staaten der Grad der Hilfsbedürftigkeit verschieden. Es sei kein Zweifel darüber, daß Österreich und Ungarn hilfsbedürftiger seien als Südslawien und Rumänien, überdies zeige der letzte Finanzbericht des Völkerbundausschusses, daß sich auch andere auf dem Balkan befindliche Staaten in einer akuten Notlage befinden.
Das Vorzugszollsystem.
Es sei schon seit Jahren versucht worden — erklärte b. Bülow — das Vorzugszollsystem durchzuführen, ohne daß jedoch ein Erfolg zu verzeichnen gewesen wäre. Dies treffe auch für die Versuche der Tschechoslowakei, eine wirtschaftliche Annäherung der Staaten der Kleinen Entente herbeizuführen, zu. Nach deutscher Auffassung würden Vorzugszölle nicht zu einer Gesundung führen können.
*
Ein Vermittlungsvorsch lag Macdonalds.
Die Londoner Berichterstatter der französischen Presse melden übereinstimmend, daß der englische Ministerpräsident Macdonald gestern abend, um die Konferenz doch noch zu retten, einen Vermittlungsversuch unternommen habe, in dem er den italienischen Antrag, die Vierer-Konferenz durch eine Konferenz der neun Mächte zu ersetzen, vorgeschlagen habe. Der französische Finanzminister Flandin habe Vorbehalte gemacht und erklärt, sich zunächst mit Tardieu in Verbindung setzen zu müssen. Um 8 Uhr abends habe sich — so berichtet „Echo de Paris" — Flandin ins Unterhaus begeben, um Macdonald die ablehnende Antwort des französischen Ministerpräsidenten zu überbringen.
„Echo de Paris" berichtet weiter, daß bei dieser Besprechung Macdonald—Flandin auch der Wortlaut der Entschließung, in der die Vertagung der Konferenz begründet werden soll, festgelegt worden sei. Die Vertagungs-Entschließung werde erklären, daß die Vierer- Konferenz nicht in der Lage sei, ihre Arbeiten fortzusetzen, weil die Abrüstungskonferenz am 11. April wieder anhebe und sich bei Verbandlungen ,ehr viele Lücken in der Dokumentierung der einen und der anderen Frage herausgestellt hätten, daß aber die Verhandlungen eines Tages wieder aufgenommen werden könnten und in der Zwischenzeit die Regierungen Memoranden austauschen würden, in denen die verschiedenen Standpunkte präzisiert und begründet werden würden.
Ablehnung eines italienischen Kompromißvorschlages in der Donaufrage durch Tardieu.
London, 8. April. (Eigene Funkmeldung.)
„Daily Telegraph" meldet, Tardieu habe gestern abend von Paris aus telephonisch einen Kompromißvorschlag des italienischen Außenministers Grandi verworfen, wonach ene Neunmächtekonferenz nach Genf mit „elastischer Prozedur" einberufen werden sollte. Tardieu habe gesagt, die Annahme dieses Vorschlages würde die grundlegenden Schwierigkeiten eher steigern als lösen.
Wer ist an der Erfolglosigkeit der Konferenz schuld?
Die Londoner Zeitungen „Times" und „Morningpost" stellen fest, daß der von Italien und Deutschland befürwortete und von Macdonald übernommene Vorschlag auf Abhaltung einer Neunmächtekonferenz an dem entschiedenen Wider st and der Franzosen gcschei- tret sei. — Die Pariser Presse hingegen versucht einmütig, Deutschland für den ungünstigen Verlauf der Londoner Konferenz verantwortlich zu machen.
Die sozialen Lasten könnten von der heutigen .Wirtschaft nicht mehr getragen werden. Die grundlegendste Forderung des Handwerks sei und bleibe seine
Vertretung im Rcichskabinctt.
Die Ausführungen des Redners fanden ibren Riederschlag in einer Entschließung, die fcststcllt, daß die staatliche Wirtschaftspolitik der letzten Jahre dem Handwerk nicht gerecht geworden ist. Die D c f l a r i o n s - Politik der Notverordnungen habe den gewerblichen Mittelstand in einer auch vom staatspolitischen Standpunkt aus außerordentlich zu bedauernden Weise ge- schwächt.
Notwendig sei eine unmittelbare Fühlungnahme zwischen Reichsregierung und gewerblichem Mittelstand durch Aufnahme eines sachverständigen Vertrauensmannes der mittclständischcn Wirtschaft in das Rclchs- Tabinett Das deutsche Handwerk werde seine künftige Stcllunimalnne -mr Politik der Rcicksrenicruna davon ab-
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die Birr-Machtc-Kauscrenz trat in London in tue Beratung der Vorschläge der einzelnen Mächte in der ^onau- buitbfiagc ein.
• 3u einer großen Schlacht zwischen Japanern und Chinesen kam es in der Mandschurei an der koreanischen Grenze.
* 3n der zweiten Märzvälstc ist die Zatzl bei Arbeitslosen im Deutschen Reiche um 98 000 zurückgcgangcn.
* Der „Gras Zeppelin" hat seine 2 diesjährige SüLawLkika- sât 'w ersten Abschnitt in Rekordzeit durchgkführt.
» E»n xootsvn-lstck bei Berlin forderte 5 Todesopfer.