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Iul-aer /lnzeiger

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Nr. 83 1932

Fulva, Samstag, 9. April

9. Jahrgang

Das Wettrennen.

Die Präsidentenwahl Tardieus Paradesprung °- Der Ritt nach London.

Nun wird am Sonntag, den 10. April, das zweite roße Wahlrennen gelaufen, und wenn am Mon­tag früh das deutsche Volk zum Alltag aufsteht, dann hat cs seinen neuen Reichspräsidenten für die nächsten sieben Jahre gewählt. Was politisch zu diesem Wahlakt Nr. 2 31t sagen war, ist mehr als reichlich gesagt worden; mit allen Mitteln moderner Wahlagitation wurde dasVolk" bearbeitet. Ob diese Propaganda wie jede Werbung etwas und wieviel sie nützt, entscheidet ja immer erst und immer nur der Erfolg. Weiter nichts. Und wenn diese Riesenpropaganda wenigstens den Erfolg hat, eine mög­lichst starke Wahlbeteiligung herbeizuführen, dann wäre der geradezu ohrenbetäubende Lärm nachträglich noch zu verstehen.

Es ist wichtig, wer als Reichspräsident an der Spitze des deutschen Volkes steht. Wer hätte denn in Weimar, als di« Nationalversammlung den ersten Präsidenten wählte und die Verfassung schuf, auch nur im entferntesten geahnt, welche tatsächliche Machtverschiebung zwischen dem Präsi­denten und der Volksvertretung erfolgen würde, sehr zu­ungunsten der letzteren! Die politischen Kräfte und Per­sönlichkeiten leben und handeln, sind im Fluß oder suchen den Fluß der Dinge zu meistern und zu ändern. Auch eine Staatsverfassung ist nicht sür sich selbst da, sondern ist eine Form für jene Kräfte. Nicht aber eine Nornr, nach der sich jene Persönlichkeiten und diese Kräfte leben­digen Inhalts zwingen lassen. Und so ist auch aus dem Reichspräsidenten ganz etwas anderes geworden, als man cs sich 1919 wohl gedacht haben mag.Gesetz ist mächtig, mächtiger die Not", sagt Goethe einmal. Und zum mäch­tigsten Mann in Deutschland machte die Not den Reichs- Prasidenten. Darum möchte man für die bevorstehend« Bahl dem Staatsbürger, der zum Stimmlokal geht, ein« Mahnung mit aus den Weg geben, die man unter leichter Abänderung eines bekannten Versleins von Gellert etwa

.M^ie Worte Neiden kann:

Wähle, wie du nach der Wahl Wünschen wirst, gewählt zu haben!"

*

Auch in Frankreich machen sich die Waylkandi- baten schon zum Aufgalopp bereit, nm vor den Wählern zu paradieren, ehe das Rennen beginnt. Vorn an der Spitze reitet Herr Tardieu, aber damit ist nun noch lange nicht gesagt, daß er das Rennen macht! Man merkt als Deutscher schon jetzt und den Franzosen wird man es wochenlang einhämmern, daß Tardieu als offen« Wahlparole die Idee gebrauchen wird:Franzosen wahret euer heiligstes Gut, den Versailler Vertrag!" Ganz charakteristisch ist, daß auf vielen Wahlpla- katen der Kopf Poincaros sichtbar ist, also des Mannes, den man als den schärfsten, unbedingtesten Ver­teidiger jenesFriedens" in aller Welt und namentlich in Frankreich kennt. Und nicht minder charakteristisch ist daß Tardieu auf einem großen, von feinen politischen Freunden in Paris veranstalteten Bankett eine Rede hielt die mit dem Hinweis darauf begann, er sei noch einer der ganz wenigen aktiven Staatsmänner, die den Frieden von Versailles persönlich unterzeichnet haben. Dan« ichilderte er in breiten Ausführungen, wie die sranzö- füche Politik im allgemeinen und die feine insbesondere unmer dafür gesorgt habe, daß niemand di« Früchte von Versailles raube. Gewif braucht man selbst bei aktiven Staatsmännern 'n Wahlzeiten nicht jedes Wort einer Wahlrede aus d'c Goldwaage zu legen, aber Tardieu gab seinem Koß die Sporen zu einem üblen Galoppsprung: 2vgar die Gesetzmäßigkeit von Sanktionen nach einem urteil des Haager Schiedsgerichtshofes sei anerkannt worden. Für den Fall nämlich, wenn Deutschland ben Young-Plan böswillig verletzt.Anerkannt wor- oen. . /? Von Deutschland nicht, sondern der deutsch« Vertreter nahm nur zur Kenntnis, daß die Gläubiger- wachte sich sür einen solchen Fall die Freiheit ihres Han- s Vorbehalten hätten. Das Bild Poincarös uns den -wahlplakaten mag zu diesem o r a t o r i s ch c n P a r a d c> Lotung Tardieus wohlgefällig gelächelt haben. DL?" basRecht auf Sanktionen" stammt ja aus dem 0" Wort und Tatschatz jenes Mannes, bei dessen M- âhw französischen Ministerpräsidenten Clemenceau k ahnungsvollen Aussprach tat:Poin- c a r o i st p e r K r i c g !"

* so Tardieuunter diesem Zeichen siegen* will, An»»?? der Außenstehende dies als eine innenpolitische schor m n^t Frankreichs betrachten, darf sich als Deut- für dafür unbedingt verbitten, daß Tardieu selbst nero S" L"°" V l it m p c n A »griff aus unsern Gc- itäckn»» ^"^^all-Präsidenten unternahm. Wenn er in den treten, ^Tagen aus der Donaukonferenz mit den Per- horher ?hdcrn Mächte zusammeüsttzt, dann wird er roh hrrinn ^"rnl hohen, kriegerisch aufgezäumten Wahl- und die Wahlreden zu Hause lassen. SfafoAF »ach London war kein allzu geglückter

ein on?das außenpolitische Rennen an der Donau Wäll,-?' diese Rennstrecke überreich mit Hecken und Verses AI breiten Gräben und sonstigen Hindernissen Hum nrw M Zeigte die Besichtigung seit den Tagen, als Man sA^11. --d'c Strecke abgcsteckt" wurde. Und ivcnn »Schi?? ^^d weiterführen ivill: Für allerhand Wellungen" gibt's dort Gelegenheiten versn»?? 5 Ö c n it g! Sie werden zweifellos auch reichlich die^??, enl Denn in derartigen Machenschaften sind MnVn "Men Meister, und zwar nicht bloß auf den Renn- wndent ganz besonders in der Politik. Dr. Pr.

Schluß in London

Die kalte Schulter?

Die Londoner Vier-Mächte-Konferenz ist tot, ohne daß sie eigentlich überhaupt gelebt hat. Daß Deutschland und Italien dem Donauplan Tardieus nicht zustimmen konnten, stand von vornherein fest. Höchstens unter scharfem französisch-englischem Druck wäre eine Zustimmung zu erreichen gewesen. Aber das Liebeswerben Tardieus um Macdonalds Beistand, das er im letzten Augenblick noch einmal in London persönlich unternahm, blieb vergeblich. Auch England sah in dem französischem Vorschlag keinerlei Hilfe für die Donau­staaten und zeigte, wenn auch mit diplomatischer Ver­schleierung, Frankreich die kalte Schulter. So mußte Tardieu mit leeren Händen nach Paris zurückkehren. Er hatte stark gehofft, als außenpolitischen Erfolg, den er jetzt für die Wahlpropaganda doppelt nötig hatte, die neuen vereinigten Donaustaaten an seinen Triumphwagen spannen zu können. Daraus ist nun vorläufig nichts geworden.

Der Plan einer Umgestaltung des mitteleuropäischen Wirtschaftsraums bei Kaltstellung Deutschlands und unter der Hegemonie Frankreichs ist diesmal gescheitert. Man darf aber annehmen, daß Tardieu ihn nicht fallen lassen, sondern ihn auf anderen Wegen weiterverfolgen wird. Eine wirtschaftliche Sanierung der Donau­staaten, die fast alle vor ihrem Zusammenbruch stehen, ist dringend und schnellstens geboten, sie darf aber nicht erfolgen nur unter dem Gesichtspunkt, daß Frankreich sein Geld, das es aus politischen Gründen in das Donau- becken gepumpt hat und das sich jetzt in Gefahr befindet, zurückerhält. Ein mitteleuropäischer Wirtschaftsraum ohne Deutschland ist ein Unding. Nach dem Donaubund­plan Tardieus sollte aber Deutschland außerhalb deS neuen Wirtschaftsraums stehen bleiben und war nur gütigst aufgefordert, dem neuesten Kinde französischer Machtpolitik seinen Segen zu geben.

Wiè nicht anders zu erwarten war, werden Italien und besonders Deutschland in Paris für daS Scheitern der Londoner Verhandlungen verantwortlich gemacht. Man versucht die ganze Angelegenheit auf ein politisches Gebiet zu ziehen und behauptet, daß Deutsch­land und Italien nur deshalb zu ihrer ablehnenden Haltung getrieben worden seien, weil die Verwirklichung des französischen Planes die Festigung des territorialen und politischen Status Mitteleuropas bedeuten würde. (!) Außerdem hetzt man die Donaustaaten gegen Deutschland auf und erklärt, die beiden Länder Österreich und Ungarn, deren Freund sich Deutschland nenne, würden in absehbarer Zeit zur Verhängung eines allgemeinen Moratoriums schreiten müssen, und Deutschland allein werde die Verantwortung dafür tragen.

*

Ein deutscher Oonauplan.

Staatssekretär von Bülow teilte in London auch den deutschen Donauplan" mit, der bereits in den wesentlichen Zügen in der deutschen Antwort auf die französische Donaudenkschrift dargelegt worden ist. Er sieht folgendes vor:

Das Riesenfeuer in München.

UnvorsichiigkeikdieUrsachedesMünchenerBran-eS

Am Brandplatz der Münchener Schrannenhalle haben Feuerwehrleute und Arbeiter mit dem Abbruch des Daches des Freibankgcbäudcs begonnen, das einzustürzen drohte. Anhaltspunkte dafür, daß das Großfeuer der Schrannen­halle auf Brandstiftung zurückzuführen sein könnte, haben sich nicht craebcn.

Funkbild von der Brandstätte.

Die Brand Ursache dürfte Unvorsichtigkeit bei der Einbringung von Kraftwagen gewesen sein. Ein Gerücht, daß bei dem Brand die sämtlichen Münchener Wahlurnen verbrannt seien, bat sich als irrig erwiesen, da sie in dem vom Feuer verschontgebtiebenen südlichen Teil der Halle aufbewahrt sind. Die Höhe des angerichte­ten Schadens steht noch nicht fest, geht aber in die Hundert- tausende.

1. Gewährung von Vo rzugszöllen sür die Getreide-Erzeugung der Agrarstaaten des Donauraumes: Ungarn, Südslawien, Bulgarien und Rumänien. Deutschland und Frankreich hätten diesen Plan bereits durch Abschluß von Vorzugszollverträgen mit einigen dieser Staaten teilweise zur Durchführung gebracht.

2. Gewährung von allgemeinen einseitigen Vor­zugszöllen durch die Großstaaten für die Industrie und Landwirtschaft Österreichs. Auch dieser Plan bedeute noch ein großes Opfer für Deutschland, denn die vorzugsweise Aufnahme der Erzeugnisse der Donaustaaten würde eine schwere Konkurrenz für den deutschen Außenhandel bedeuten und außerdem würde die deutsche Ausfuhr nach den anderen Großmâstten, die dem Donauraum Vorzugszölle gewährten, beein­trächtigt werden.

Abschließend betonte v. Bülow, eine Verbindung der deutschen mit den französischen Vorschlägen sei u n m ö g - l i ch. Denn für Deutschland würde die Gewährung ein­seitiger Vorzugszölle an die Donaustaaten nur dann mög­lich sein, wenn die deutsche Ausfuhr in den Donauraum nicht durch gegenseitige Vorzugszölle der Donaustaaten untereinander erschwert oder unterbunden wird. Voraus­setzung für den deutschen Vorschlag sei daher, daß der französische Vorschlag nicht durchgeführt werde. Wenn der deutsche Export nach änderen Teilen der Welt gedrängt würde, insbesondere in die Übersee- gebiete, müßte Deutschland bei diesen Überseeländern als Gegenleistung einen großen Teil seines Bedarfs an land­wirtschaftlichen Erzeugnissen eindecken, was wiederum zu einer Schädigung des Tonauraumes führen würde.

Ein mageres Ergebnis.

Schlußsitzung der Donaukonferenz.

Die Vertreter der vier Mächte England, Deutschland, Frankreich und Italien traten zur Schlußsitzung der Viermächte-Donaukonferenz zu­sammen. Macdonald führte den Vorsitz. Der von der Konferenz ernannte Viererausschuß, der aus den Leitern der Abordnungen besteht, legte der Konferenz seinen Schlußbericht vor.

Nach der amtlichen Verlautbarung, die nach der Beendigung der Viermächte-Konferenz ausgegebcn wurde, ist das Ergebnis, daß die Konferenz sich auf unbestimmte Zeit und für einen unbestimmten Ort vertagt und die vor­bereiteten Arbeiten für eine spätere Sitzung durch einen Finanzausschuß weitergeführt werden.

Es ist zu erwarten, daß der von der Viermächte- Konferenz eingesetzte Ausschuß der Finanzsachver- st ä n d i g e n seine Arbeiten sofort aufnehmen wird. Ins­besondere wird es sich der Ausschuß zur Aufgabe machen, Klarheit über den tatsächlichen Grad der Bedürf­tigkeit der verschiedenen Donaustaaten zu schaffen, da­mit die finanziellen Unterstützungspläne festere Formen annehmen können.

Während des Brandes herrschte ein böiger Wind. Mit Schnee vermischter Regen peitschte durch die Straßen. Wie Maschinengewehrgeknatter klang das Bersten der vielen Fensterscheiben. Eine schwere Aufgabe hatten in­mitten des beißenden Qualmes die Feuerwehrleute, die nicht nur den Brandherd der Schrannenhalle selbst be­kämpfen, sondern zugleich die teilweise schon brennenden Nachbarhäuser schützen mußten. Da brennende Holzteile weit umhergcscbleudcrt wurden, mußte man für die ganze Umgegend, besonders auch für die Budenstadt des Viktua- lienmarktes, fürchten. Es gehen Gerüchte, daß eine Brand st istung vorliege.

Die Schrannenhalle.

Schranne" ist ein in Süddeutschland gebräuchlicher Ausdruck, der ursprünglich soviel wieSchranke", ver­schränkter 9taum, bedeutete (Gcrickitsschrannc, Fleisch­schranne, Brotschranne usw.). Die Münchener Schrannen­halle war früher als

Gctrcidchandelsplatz der baherlschen Landeshauptstadt von großer Bedeutung und später auch als Zentrale des Obst-, Hülsenfrüchte- und Lebensmittelhandels. Seit Jahren aber wurde dre Schrannenhalle nur noch als Lager und Einstellvalle an Speditionsgeschäfte und andere Firmen vermietet. Eigent­lich hätte die Halle längst abgebrochen werden sollen:

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der ReichSbankdiSkont ist um '*' Prozent auf SS Prozent gestillt worden.

* Die Donaukonferenz der vier Großmächte in London ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden.

* Die Nationalsozialisten haben aufgrund der zahlreiche« gegen sie gerichteten Angriffe entschiedene Proteste erhoben.

* Der große Stand in der Münchener SchranuenhMe soll durch Unvorsichtigkeit entstanden sein und einen in die hundert» taufende gehenden Schaden verursacht haben.