Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 91 — 1932
Fulda, Dienstag, 19. April
9. Jahrgang
Abrüstung in Raten
Konserenzdiplomaien
en
ien
Die große Konferenz in Genf hat erst angefang^ zu beginnen, und schon ist man in unterrichteten Politische. Kreisen der Meinung, daß ihr Erfolg dem ihrer Vorgänger entsprechen Wiro, d. h. daß sie nur wieder als Vorbereitung zu einer neuen Konferenz, nämlich der in Lausanne dienen wird. So schließt sich Glied an Glied zu einer Kette von Konferenzen, deren Ende noch gar nicht abzusehen ist. Man sollte eigentlich meinen, daß die politische und wirtschaftliche Lage der Welt sich so zugespitzt hat, daß ein schnelles entschlossenes Handeln die dringendste Forderung des Tages bedeutet, man sollte annehmen, daß die leitenden Staatsmänner jetzt endlich genug „Fühlung genommen" und die persönliche Einstellung und Gesinnung ihrer Gegenspielere kennengelernt haben, als daß man nicht endlich das Fazit aus diesen endlosen Zusammenkünften ziehen könnte. Wenn einstmals diese internationalen Konferenzen als Beruhigungsmittel für die öffentliche Meinung angewandt wurden, wenn die Situation allzu gespannt wurde, und man hoffend und tröstend auf ihre Vorzüge und die wahrscheinlichen Erfolge für Deutschland hinwies, so ist die Öffentlichkeit jetzt durch die vielen Fehlschläge und Enttäuschungen mutlos geworden und steht diesen Massenversammlungen leitender Staatsmänner mit Mißtrauen gegenüber. Bei jeder Konferenz ist zuviel versprochen und zuwenig gehalten worden. Bei Berücksichtigung aller gewaltigen Schwierigkeiten, die die Ron* serenzthemen bieten, wird man doch den Eindruck nicht los, daß in der Weltpolitik ein großes Treiben lassen Platz gegriffen hat, und jeder Staat sich scheut, sich als erster der Sturmflut der wirtschaftlichen und poli- tychen Krise entgegenzustemmen. Diesmal sieht man den „Silberstreifen" in der Anwesenheit des amerikanischen Staatssekretärs Stirn* lott, von dem man ein richtunggebendes Eingreifen in her Abtüstungs- und hauptsächlich in der Reparattonsfrage erhofft. Einen abkühlenden Wasserstrahl hat der neue amerikanische Botschafter in London, Mello n, bereits nach Genf gesandt, indem er erklärt hat, daß ” zwecklos, wenn nicht gar überhaupt verhängnis-
die europäischen Schuldner Amerikas wäre, in diesem Augenblick die Frage einer Schuldenrevi- iton aufzuwerfen. Die amerikanische öffentliche Meinung sei noch zu sehr mit dem wirtschaftlichen Niedergang und der Erhöhung der Steuern beschäftigt, als daß sie mit Meichmut oder etwa gar mit lebhaftem Interesse eine bcr*
Erörterung aufnehmen könnte. Sie würde sich viel* lange gänzlich ablehnend verhalten, bis Europa FA -äs^arationsfrage selbst nach gesunden und wirt- lâlastllchen Richtlinien geregelt und seine Bereitwilligkeit habe, hinsichtlich der Herabsetzung und Begrenzung gen praktische Maßnahmen zu ergreifen. ES
"tcht damit zu rechnen, daß S t i m f 0 n während -„„Aufenthalts in Europa die Revision der Schulden- Mge offentlidf anschneiden werde.
Tas ist wieder das bekannte Zurückweichen vor einem Umgreifen in europäische Verhältnisse und man muß sich
warum dann eigentlich Stimson nach Genf ge* ^men ist. Darauf erhält man die nichtssagende Ant- t’Ä rr beabsichtige, sich während seines Genfer Aufent- Angehend „über die gesamten dringenden internatio* prägen zu unterrichten". Das hätte er, so meint der eigentlich schon längst tun müssen.
c Konferenzen sind allmählich S e l b st z w e ck ge* nss ■• ^d Werden nicht als Mittel angesehen, so schnell ^,„,.?wSlich, unter Umgehung des langwierigen diplo- diotenwechsels, zu einem Resultat zu kommen. lullt es scheinen, als ob die viel gelästerte Vor* J 8 sdipl 0 matie mit ihren jetzt so geschmähten
Kneller zum Ziele kam, als die jetzt mit allen r , ^enschaftcn der Neuzeit" arbeitenden Rouse* "uzdiplomaten.
*
Deutschlands grundsätzliche
Abrüstungsforderung.
Wo bleibt die Zurückweisung von Tardicus Vorschlägen?
$” Hanptausschnß der A b r ü st un gsk0 nsere n z 'M einer mehrtägigen Unterbrechung unter dem
1)0,1 Henderson zu der Aufnahme der jetzt cm- V «den Verhandlungen über die grundsätzlichen zusammen. Reichskanzler V r ü n i u g und tei/ ycfrctär Sttms 0 n nahmen an der Sitzung nicht to'forr Hauptausschuß nahm ohne Aussprache den vom und angenommenen Arbeitsplan an und ging so- V erste" Punkt über, der den Grundsatz der rUn6 der Rüstungen behandelt, und zwar end- z i 'L^beiführung der Abrüstung in einem ein« ina 6 , ” b k 0 m m e n, Herabsetzung auf ein M iude ft* bie L ™ stufe n w eise Herabsetzung. Über diese für jchf eren Verhandlungen entscheidenden Fragen wird Hauptausschuß Stellung nehmen.
in tra f,.."ster Redner gab Botschafter Nadolny Sprache Erklärungen zu der deutschen '9 auf Herabsetzung der Rüstungen ab.
ist . Ter grundsStzkiche deutsche Staudpuizkt folgender: Deutschland erachtet cs für not* de» M>, tc Gedanke« einer einfachen B »schränk u n g an, wü '.^^n «Aszpfchsttci, und steht es als unerläßlich Enemle die Rüstungen aut das mindest«
mögliche Maff herabzusetzen. Sobald diese Herabsetzung beschlossen ist, mutz die Durchführung in einer möglichst kurzen Frist durchgeführt werden.
Die Methode für die Durchführung dieses Beschlusses wird nach deutscher Auffassung von dem Artikel 8 des Völkerbundpaktes bestimmt, nach dem den besonderen Bedingungen der einzelnen Staaten Rechnung getragen werden muß. Die Festsetzung der Rüstungsziffern der einzelnen Staaten muß nach möglichst einfacher Methode durchgeführt werden. Nur auf diesem Wege wird die der Abrüstungskonferenz gestellte Aufgabe erfüllt werden können.
Je größer und entscheidender die Herabsetzung der Rüstungen auf der Konferenz ist, um so stärker wird die für die ganze Welt so notwendige
finanzielle Erleichterung
sein und um so stärker wird vor allem auch die politische Entspannung feiz, deren die ganze Welt heute noch mehr bedarf als der finanziellen Erleichterung; denn die politische Entspannung bedeutet die unerläßliche Bedingung für die wirtschaftliche Gesundung der Welt.
Die Entwaffnung Deutschlands
zeigt, bis zu welchem Grade ein Staat in sehr kurzer Frist abgerüstet werden kann. Von dem deutschen Beispiel kann man sich jetzt leiten lassen. In wenigen Jahren hat Deutschland sein ganzes Militärsystem umgeändert, hat seine A r m e e auf ein Achtel und seine Kriegsflotte auf ein Zehntel des Vorkriegsstandes herabgesetzt, hat große Mengen Kriegsmaterial, insbesondere die Militärluftfahrt, schwere Artillerie, Linienschiffe und Unterseeboote vernichtet. Die Zahl der zerstörten deutschen Flugzeuge beträgt allein 15 700. Fraglos kann das, was Deutschland gemacht hat, mit gutem Willen
allgemein durchgeführt werden.
Der Eindruck der M-e.
einzigen Abkommen
3, und berührt aus
Die Rede des Botschafters Nadolny beschränkt sich bswußt nur auf die zur Verhandlung stehende Frage der Herabsetzung der Rüstungen in einem einzigen Abkommen stufenweise, oder auf ein Mindestmaß, und berührt aus diesem Grunde nicht die grundsätzlichen deutschen Forderungen auf
Gleichberechtigung und Rechtsgleichheit ebensowenig wie die Frage der Abschaffung der An g r i f f s w a f f e n entsprechend dem italienisch-amcrika Nischen Vorschlag, wird, von deutsch
Zu diesen Fragen wird, wie erklärt . .icr Seite zu gegebenem Zeitpunkt im Hauptausschuß Stellung genommen werden. Die äußerst vorsichtig formulierten Ausführungen Botschafter Na-
Wird das Reichsbanner aufgelöst?
Beschleunigte Prüfung des Reichsbannermaterials.
Die Ausführungen des Reichsinnenministers Groener, in denen er sich gegen Angriffe wehrt, die gegen ihn wegen der Auflösung der SA. gerichtet worden sind und tu denen er sich auch gleichzeitig gegen die Forderungen nach Lluf- lösung des Stahlhelm und besonders aus des Reichs- banners wendet, haben in der Öffentlichkeit große Beachtung und natürlich auch Widerspruch gefunden. In der Rechtspresse wird Groener vorgeworfen, daß er mit diesen Ausführungen den Untersuchungen über das Reichsbanner vorgreifen würde, die auf Veranlassung des Reichspräsidenten eingeleitet worden sind.
An zuständiger Stelle wird erklärt, daß der Artikel verfaßt gewesen sei, noch ehe Minister Groener auch nur von der Absicht Kenntnis gehabt habe, daß der Reichv- präsidcut den Brief an ihn richten würde. Auf die «rage, ob denn seine technische Möglichkeit bestanden habe, die Veröffentlichung des Artikels auf Grund der neuen Tatsache hintanzuhallen, da er vielfach als eine Antwort aus den Brief des Reichspräsidenten ausgefaßt worden sei, wird erklärt, der Artikel Groeners enthalte eine R e ehe anderer wichtiger Gesichtspunkte bezüglich der Beurteilung der Frage der Wehrverbände überhaupt, deren Herausstellung wichtig und von allgemeiner Bedeutung gewesen sei. Es sei völlig abwegig, den Artikel Groeners so auszulegen, als ob damit schon ein Urteil über das Material abgegeben sei, das der Reichspräsident dem Reichsinnenminister zur Prüfung übersandte. Viel- mehr sei cs die Ansicht des Ministers Groener nach wie vor, daß, wenn andere Organisationen den Versuch machen würden, einen Staat im Vtaatc zu bilbcu oder eine Ent- wicklungstendenz dahin zeigten, sie genau so behandelt werden müßten, wie die nunmehr aufgelöste SA
Gegenüber weiteren Kritiken an der Behandlung der Gesamtfrage in der Presse wird vermerkt daß auf der dem Verbot der SA. vorangegangenen Landcrkonscrcn; der Minister Groener den Vertretern der Länder lediglich den Beschluß de Auflösung dieser Orgamsationcu habe Mitteilen können, zumal sich der Reichspräsident Entschei- düngen über den Erlaß von Notverordnungen immer selbst Vorbehalte. Abgesehen davon aber hatte die Mehr- zahl der Länderregicrungcn schriftlich wie mündlich die Auflösung der SA.Organisationen verlangt. Was das vom Reichspräsidenten dem Rc'ÄSlnnenmmrstcr zuge- lei^üts Material angehe, so sei dem Relchslnncmnimstcr am Sonnând erst ein Teil zugegangen. der andere TeO erst am' Lu-ruaa. Die Pruimm wurde bcidücunigji wer«
dolnhs haben in Konferenzkreisen den Eindruck hervorgerufen, daß die deutsche Abordnung keineswegs die Absicht hat, ultimative Forderungen auf Anwendung dir allgemeinen Abrüstung entsprechend den Bestimmungen der Friedensverträge zu stellen, sondern
zu Verhandlungen bereit ist, falls das Hauptziel der wesentlichen und sofortigen Herabsetzung aller Rüstungen auf dieser Konferenz erreicht wird. Entgegen allgemeinen Erwartungen hat Botschafter Nadolny zu dem
Vorstoß Tardieus
in der vorigen Woche nicht Stellung genommen. Die Rede hat den Eindruck hinterlassen, daß die deutsche Abordnung sorgfältig jeder scharfen Auseinandersetzung mit der französischen Regierung aus allgemeinen politischen Gründen aus dem Wege zu gehen sucht und ihren Standpunkt bisher nur in vorsichtigen allgemeinen Formulierung gen darlegt.
Die entscheidende Auseinandersetzung zwischen der deutschen und französischen Stellung auf der Abrüstungskonferenz steht noch bevor und wird allgemein als unvermeidlich angesehen.
Im Anschluß an die Rede Nadolnys brachten die Tschechoslowaken mit Unterstützung der Belgier, Spanier und einiger anderer kleinerer Staaten einen Antrag ein, nach dem die Konferenz sich endgültig auf den Grundsatz der etappenweisen Herabsetzung der Rüstungen f e st l e g e n soll. Dieser Vorschlag fand sofort die vorbehaltlose Unterstützung der Franzosen und Polen. Gegen den Vorschlag opponierten Botschafter Nadolny und der russische Außenkommissar Litwinow.
Schließlich wurde ein Sonderausschuß eingesetzt, dessen Leitung in die Hände Beneschs und Politis' gelegt worden ist. Der Ausschuß soll eine endgültige Entschließung über den Grundsat, der etappenweisen Regelung ausarbeiten.
Frankreichs Druck auf seine Gläubiger.
Tardieu über die Lausanner Konferenz.
Tardieu hielt in seinem Wahlkreis Belfort eine große Wahlrede, in deren Verlauf er kurz auf die bevorstehende Lausanner Konferenz einging. Die französischen Unterhändler würden einer schweren Aufgabe gegenüberstehcn. Die Bedingungen, unter denen das Hoover-Moratorium geboren sei, beständen fort; die Auffassung derjenigen Mächte aber, die diesem Moratorium zugestimmt hätten, sei jedoch heute nicht mehr die gleiche. Für Frankreich sei eine Regelung dieser Angelegenheit nur dann annehmbar, wenn allein die Gläubigermächte dadurch belastet würden.
den, wobei auch nachzuprüfen sei, wie weit die Weiterbehandlung in die Zuständigkeit von Ländern falle.
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Hitler beantragt Disziplinarverfahren gegen sich.
Hitler läßt durch seinen Rechtsanwalt mitteilen, er habe ein Disziplinarverfahren wegen der unwahren Mel- dung gegen sich beantragt, nach der er behauptet haben sollte, "daß die Auflösung der SA. unter dem Druck von Frankreich erfolgt sein soll. Gleichzeitig hat er gegen die Verbreiter dieser Nachricht Strafantrag wegen übler Nachrede gestellt.
Ein neues Opfer der Wirtschaftskrise.
Liquidation der „Deutscher Crediwcrein A.-G."
Tie im Jahre 1889 gegründete Bank „Deutscher Creditvcrcin Aktiengesellschaft" Berlin wird in Liquidation treten, da die immer mehr fortschreitende Krise es der Bank unmöglich macht, die Außenstände in dem zur Aufrechterhaltung der Liquidität notwendigen Umfange einzuziehen. Es soll eine ruhige Liquidation zwecks möglichster Vermeidung von Verlusten angcstrebt werden. Ein Berliner Mittagsblatt hat an die Mitteilung, daß der Deutsche Creditverein die Zahlungen eingestellt habe, die Behauptung geknüpft, daß der Deutsche Credit- verein dem Kreise um Geheimrat Hugenberg uahcstehe. Demgegenüber wird von unterrichteter Seite -rklärt, daß die Jntercsscnnahme des Kreises von Geheimrat Hugenberg an der Bank schon seit einer Reihe von Fahren aufgcgcbcn worden ist.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der lebte Ausweis der Reichsbank zeigt einen crnemcn Rückgang der Gold- und Devisendeckung.
* Auf der Abrüstungskonferenz in Genf entwickelte der deutsche Vertreter, Radolnv, dir grundsätzlichen Forderungen Deutschlands zur Avrüstuna.
* Zu ganz Preußen sind heute Haussuchungen bei kommunistischen Organisationen vorgenommen worden.
* Die Lage im Fernen Osten hat sich erneut zugespitzt.
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