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fulöaer /lnzeiger

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Ar, 94 1932

Fulda, Freitag, 22. April

9. Jahrgang

Frankreichs Völkerbundsheer

(Störenfried Frankreich.

Der symbolische Eisenbahnzug.

M a c d o n a ld und Tardieu sind mit dem gleichen äuge aus Paris in Genf eingetroffen. Bei der Abreise aus Paris bestiegen Macdonald und Taudieu g e * 1 rennte W a g e n. Während Tardieu die Reise in einem i Salonwagen am Anfang des Zuges zurücklegte, reiste s Macdonald in einem ihm eigens zur Verfügung gestellten i Wagen am E n d e des gleichen Zuges. Die völlig uner­wartete Abreise Tardieus nach Genf, der noch kurz vorher Mitteilen ließ, daß er diese Woche nicht kommen könne, wird in unterrichteten Kreisen auf eine telephonische Unter­redung zwischen Tardieu und Paul-Boncour zurück- gesührt, in der Paul-Boncour über den Vorstoß des eng­lischen Außenministers Simon und den englischen Antrag auf Abschaffung der großen Angriffswasfen be- I richtete. Es bestätigt sich, daß der erste Versuch von e n g - i lisch- amerikanischer Seite, auf der Abrüstungs- lonferenz zu praktischen Ergebnissen zu gelangen, auf den schärfsten Widerstand der französischen Regierung stößt, i deren wahre Haltung in der Abrüstungsfrage damit wie-

i der einmal eindeutig zutage tritt. Die französische Regie- I rung ist entschlossen, den Versuch, auch aus Teilgebieten, I zu einet Verminderung der gewaltigen Rüstungen Frank­reichs auf dem Wege internationaler Regelung zu laugen, mit allen Mitteln zu verhindern.

L«-

*

Tribuifrage Abrüstungssrage.

Die Beratungen des Kanzler» in Genf.

Bon z u st ä n d i g e r Stelle der deutschen Abord­nung in G e n s werden über die bisherigen Verhandlun­gen öch Reichskanzlers Brüning Mitteilungen gemacht, in denen es u. a. heißt:

In den zahlreichen Gesprächen, die der Reichs- kanzler mit den leitenden Staatsmännern geführt hat, sind sämtliche Gebiete der internationalen Politik, insbe­sondere die Abrüstungsfrage, die Repara­tion s f r a g e und die D o n a u f r a g e erörtert worden.

In den Unterredungen mit den italienischen und eng- ischen Außenministern hat ein weitgehender und vertvoller Gedankenaustausch über die Reparationsfrage md damit eine Vorbereitung der Lausanner tonferenz stattgesunden. Es ergab sich, daß nicht mr eine dringende und schnelle Lösung der Reparations- srage, sondern im Zusammenhang damit auch die Lösung ^or Wirtschaftskrise in Angriss genommen werden soll.

JnderReparationsfrage hat sich der begrün­dete Eindruck ergeben, daß keine großen Entscheidungen Por den französischen Kammerwahlen zu erwarten sind, und daß erst nach den Wahlen die Verhandlungen in das entscheidende Stadium eintreten werden.

Der amerikanische Staatssekretär Stimson will in Sletcfjer Weise wie der Reichskanzler Brüning seinen Gen­ier Aufenthalt zunächst zur allgemeinen Orion- ueiung über die Lage benützen.

Ein persönliches Hervortreten des Reichskanzlers auf °er Abrüstungskonferenz wird erst in dem entscheidenden lugenblid der Verhandlungen, jedoch erst nach der Be- itocyung mit Macdonald erfolgen.

n "der die Donausragen wird erklärt, daß die Londoner Konferenz eine Etappe bedeute, in der sich ge- A" hat, daß bei der endgültigen Lösung des Donau- . lems in erster Linie den Forderungen der "Ortschaft Rechnung getragen werden müsse.

. Donausrage am 23. April in Genf.

D auf der Londoner Donaukonferenz eingesetzten ^verständigen der englischen, deutschen, italie-

""d französischen Regierung werden nunmehr

G Qm 23. April in Gens zur Aufnahme der Ver- fhirin zusammentreten. Es sollen in erster Linie bie Apolitische Fragen behandelt werden, insbesondere "Nernationale Kreditgewährung an die Donaustaaten.

Waffen für den Völkerbund.

Völkerbund" sprich:Frankreich".

iv>u^"^"Uplausschuß der A b r ü st u n g s k o n s e r e n z ^eatp durch den neuen Vorschlag der englischen cingcleitcte große Aussprache über die ^iiaba un^ fortgesetzt. Die Vertreter von dic .Ä» Norwegen sprachen sich uneingeschränkt für grosser ^ der englischen Regierung aus. Unter den S^>.^!"'o^k>a»lkeit setzte sodann Paul-Bo ncour "ßlitoc^ französischen Regierung zu dem Zarten °£ Vorschlag auseinander. Er lehnte, Ivie zu er* den englischen Vorschlag ab.

Poffos erklärte er, eS sei außerordentlich ^llerbm.s ^uu die Abrüstungskonferenz jetzt dem T«M -die mistigste Waffe entziehe, die er eines Heiib np(' Interesse der internationalen Sicherheit drin- >s!c>i nW. könne. Wenn die schweren Angriffs- würden, so sei damit eine einzigartige ""wen».! " "^'dorgclasscn worden, beut Völkerbund die ®S'^ zu geben.

Wienen * - r Übersetzung der Rede Paul BonconrS Ai her* * $ skanzler B r ü n i n g und kurz bar* ^u«asl^? Ministerpräsident Macdonald im Wir ^ Präsident der Konferenz unterbrach urrcn Auaenblick die Vcrhandluna. Macdonald.

von allen Seiten auf das herzlichste begrüßt, nahm am Sitz der englischen Abordnung dicht neben der deutschen Abordnung Platz und begrüßte den Reichskanzler.

Als nächster Redner sprach der amerikanische VotschafterGibson und erklärte, daß er den Antrag des englischen Außenministers auf Abschaffung der schweren Angriffswaffe im Namen seiner Regierung wärmstens unterstütze. Sinn und Ziel des englischen Antrages stimme voll mit dem amerikanischen Vorschlag überein, durch Abschaffung der Angriffswaffen die Ver­teidigungsmöglichkeiten zu erhöhen und damit die allgemeine Sicherheit zu stärken. Diese Vor­schläge bedeuten in keiner Weise, daß nicht auch andere Mittel zur Erreichung des Hauptzieles der Konferenz ge­funden würden.

Frankreich steht allein!

Von 13 Rednern in der Aussprache erklärten sich alle bis auf Paul-Boncour uneingeschränkt für den englischen Antrag, darunter die englischen Dominions, Australien, Kanada, Neuseeland, Irland und Südafrika. Warme Unterstützung fand der englische Vorschlag durch die Außenminister von Holland und von Schweden. Nur der japanische Botschafter Sato nahm mit gewisser Vorsicht den englischen Vorschlag an. Mit herzlichen Worten setzte sich auch der Vertreter der indischen Regierung für den Vorschlag ein. Auch der Vertreter Chinas nahm den englischen Vorschlag in vollem Umfange an.

Die Aussprache hat in allen Konferenzkreisen den Ein­druck verstärkt, daß die Stimmung in verstärktem Maße zugunsten des englisch-amerikanisch italienischenVorschlags wächst und daß die franzöfische Regierung damit in eine außerordentlich schwierige Lage geraten ist, da die Isolie­rung Frankreichs und der mit Frankreich verbundenen Staaten deutlich zutage tritt.

Um das Reichsbannerverbot

Groener trifft sich mit Brüning. Besprechung über das Reichsbanner.

Die Entscheidung darüber, ob das Reichsbanner ver­boten werden soll oder nicht, wird erst Anfang nächster Woche fallen. Diese Verzögerung sei, wie aus dem Reichs­innenministerium mitgeteilt wird, dadurch entstanden, daß aus dem Bureau des Reichspräsidenten noch neues Ma­terial im Reichsinnenministerium eingegangen sei. Der Reichsinnenminister habe dem Reichsbannerführer Hölter- mann sofort von diesem Material Kenntnis gegeben. Da die Angelegenheit ohne Zustimmung des Reichskanzlers nicht erledigt werden könne, so werde Minister Groener am Sonnabend nach Süddeutschland reisen, um sich dort mit dem Reichskanzler zu treffen, der zur Ausübung seiner Wahlpflicht von Genf nach Süddeuts " " "

Höltermann hat an den Re

Schreiben gerichtet, in dem er zunächst mitteilt, daß ein Rundschreiben an sämtliche Gauvorstände des Reichs­banners herausgegangen sei, in dem die Auflösung der Schutzformationen des Reichsbanners angeordnet werde. Dem Schreiben liegt eine eidesstattliche Versicherung bei, aus der sich ergibt, daß die Führerschaft deS Reichs­banners mit den Maßnahmen der Bundesleitung einver­standen war und ist, ferner daß die Führerschaft bereit sei, das gesamte Bitten material den Behörden zur Kenntnis-

kommen wird.

Innenminister ein

Auch RußlandsGicherheii" bedroht.

Die Rote Armee kampfbereit.

In der Eröffnungssitzung des 9. Gewerkschafts­kongresses der R ä t e u n i o n in Moskau hielt Molotow eine längere Rede. Er erklärte über die außen politische Lage, daß die Imperialisten im Fernen O st e n die Vorbereitungen für den A n g r i f f a u f d e n R ü t e b u n d bereits so gut wie abgeschlossen hätten. Es bestehe kein Zweifel mehr, daß zwischen dem japanischen Generalstab und verschiedenen Generalstäben in Europa engste Verbindung bestehe. Die japanischen Imperialisten hätten keine Bedenken gehabt, die Mandschurei zu besetzen und dadurch einen schweren Konflikt herauf- zubeschwören. Die Räteunion verfolge nach wie vor eine F r i e d e n s p o l i t i k, sie könne sich jedoch Herausfordc- rungen nur bis zn einer gewissen Grenze gefallen lassen, -^ic Rote Armee stehe an den Grenzen und werde sämtliche Angriffe abzuwehren wissen.

*

Die chinesische Regierung hat von dem Chef der amerikanischen Flotte im Fernen Osten, Admiral Taylor, die Nachricht erhalten, daß amerikanische Kriegsschiffe bei Tschifu und Tsingtau Übungen ab­halten würden. Chinesische Kreise behaupten, daß diese tibuugcn als eine Kundgebung gegen die japa­nische Politik zu betrachten seien.

Deutscher Klottenbesuch in Norwegen.

An Oslo wird auch in diesem Sommer deutscher Flottenbesuch erwartet. Für den 6. bis 12. -Juli ist der Besuch der beiden deutschen Llnicnschlfse »Hessen und Schleswig-Holstein" angemeldet worden.

~r um änische Gesandte Titulescu brachte zum Schluß der Verhandlungen als Beauftragter von vierzehn Staaten einen Gegenvorschlag gegen den englischen Antrag ein, der eine Hinauszögerung der Entscheidung über den Grundsatz der qualitativen Abrüstung bezweckt und auf diese Weise den gesamten englischen Antrag zu Fall zu bringen verrückn

Heuer amerikanischer Abrü-nngsvorschlag

Wie in unterrichteten Genfer Kreisen verlautet, hat der amerikanische Staatssekretär Stimson in seiner Unterredung mit Macdonald und Tardieu einen neuen amerikanischen Abrüstungsvorschlag' vor­gelegt, der einen bis in alle Einzelheiten ausgearbeiteten Plan der qualitativen und quantitativen Abrüstung unter Berücksichtigung des Sicherheitsproblems darftellt.

Dieser amerikanische Vorschlag, der auf den Bestim­mungen des Kellog-Paktes aufgebaut sein soll, wird zunächst noch von allen Seiten streng vertraulich behandelt.

Brünings Genfer Besprechungen.

Genf, 22. April. Reichskanzler Dr. Brüning empfing den französischen Ministerpräsidenten Tardieu zu einer Besprechung über die aktuellen Fragen, die heute nach­mittag fortgesetzt werden soll. Am Vormittag nahm der Kanzler an einem vom englischen Luftfahrtminister ge­gebenen Frühstück teil, bei dem u. a. Macdonald und Tardieu anwesend waren.

Tardieu will Genf verlassen.

Paris, 22. April. DemMatin" wird aus Genf be­richtet, Tardieu werde heute abend Genf verlassen und sich direkt nach Belfort begeben, wo er bis Montag bleiben

werde. Nach einem kurzen Aufenthalt in

üris am

Dienstag werde er für kurze Zeit nach Genf zurückkehren.

nähme zu geben, auch keine Tarnabsichten beständen. In dem Schreiben an Minister Groener geht Höltermann weiter ausführlich auf das ihm von Minister Groener zu­letzt übermittelte Material ein.

Fünf ehemalige SA.-Führer festgenommen.

Wie die Pressestelle der Ortsgruppe Nürnberg der NSDAP, mitteilt, wurden am Dienstag fünf ehemalige SA.-Führer in Mittelfranken festgenommen. Zu dieser Verhaftung erklärt die Polizei, daß gegen die Festgenom­menen wegen unrechtmäßigen Waffenbesitzes vorgegangen sei. Tie Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Ein­zelheiten könnten daher noch nicht mitgeteilt werden.

Am Montag Sitzung des Reichskabinetts.

Berlin, 22. April. Reichsinnenminister Dr. Eroener wird nach seiner Rückkehr von der Besprechung mit dem Reichskanzler in Sigmaringen, die die D. A. Z. meldet, nicht nur dem Reichspräsidenten, sondern auch den im Berlin verbliebenen Ministern Bericht über die Ergebnisse der innenpolitischen Rücksprache mit Dr. Brüning erstatten. Infolgedessen wird sich das Reichskabinett am Montag zu einer Sitzung versammeln, die falls sofort Entschlüsse zu fassen sind, hierzu ohne Aufschub Stellung neh­men soll.

Oeutschland und die Memelfrage.

Deutsche Denkschrift

an die Unterzeichnerstaaten der Memelkonvention.

Die deutsche Regierung hat den vier Unterzeichner- staaten der Memelkonvention eine n:' - : . e Denkschrift überreicht, in der aus dre neuen Vorromruu.sic im M e m e l g c b i e t, insbesondere auf die unrechtmäßige Zusammensetzung der Wahlausschüsse, die Beschränkung der Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit und auf die neuen Einbürgerungen hingcwicscn wird.

Der Überreichung der Note sind zahlreiche vertrau­liche Besprechungen des Leiters der Ostabteilung, Ministerialdirektor Meher, mit den in Genf anwesenden Vertretern der vier Mächte vorausgegangen. Eine Srcl- lüngnahme der vier Unterzeichnerstaaten zur deutschen Note liegt noch nicht vor.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* An Genf erfuhr der französische Antrag auf Beibehaltung der schweren AngriffSwaffen von den meisten Delegierten eine scharfe Abweisung.

* ReickSinnenministcr Dr. Groener wird am Wochenende in Süddeulschland eine Zusammenkunft mit Dr. Brüning haben, in der über das WcilerSeskchen deS Reichsbanners Beschluß gefaßt werden folL

* ^um BorsiUcndcn der Vereinigung Deutscher Arbeitgeber, verbünde ivurde der Gencraldirelwr der Siemens Lchuâert- Werte A. G . Dr.-Ang. e. b. Karl Köttgen gewählt.

Die Zahl der Arbeitslose« na Deutsch«, Reich betrug am 15. April 5 934 000.