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Zul-aer MZeiger

erlernt jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Höhere Gewalten" Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Christian Seipel, Fulda. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.

M. 99 1932

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg*Ä

5»l-a- und Haunetal «Zul-aer Kreisbla«*::

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Fulda, Donnerstag, 28. AprU 9 Jahrgang

Preußen und das Reich

Möglichkeiten und Rückwirkungen.

Bei der Regierungsbildung in Preußen.

Tagtäglich wird jetzt darüber orakelt, was aus der Regierungsbildung in Preußen werden wird. Aber man kann auch hier sagen,Nichts Gewisses weiß man nicht." Nur eines steht fest, daß zwischen Persönlichkeiten des Zentrums und der Nationalsozialisten verhandelt wird, aber die Zentrumsblätter erklären, auch diese Nachrichten seien falsch. Die Nationalsozialisten schweigen sich ganz aus. Es ist klar, daß die Beteiligten die ersten An-

sänge dieser schwierigen Verhandlungen von außen her nicht gestört haben wollen. Der Parteivorstand des Zentrums, der am nächsten Sonnabend in Berlin zu­sammentritt, wird aber wahrscheinlich schon bestimmte ' " hläge über die Möglichkeiten eines Zusammengehens den Nationalsozialisten vorgelegt bekommen. Es

Vorschläge

mit

stellt sich nun immer mehr heraus, daß die größten Schwierigkeiten weniger bei der Machtverteilung in Preußen als bei den Rückwirkungen auf das Reich liegen. Wenn die Sozialdemokraten in Preußen

iche Folge, daß sie Politik Brünings

èusgeschaltet werden, so ist die natürlu im Reichstag nicht mehr länger die Z

Anstichen werden. Brüning wird aber auch nicht ohne fiteres in den Nationalsozialisten Ersatz für die Sozial­demokraten finden, denn die Nationalsozialisten werden die Unterstützung der beiden Reichsminister Brüning und Groener, die für das Verbot der SA. die Verantwortung tragen, für unmöglich erklären. Man kann sich auch nicht Mt denken, daß Brüning und Groener das, Verbot gegen Die SA.-Formationen aufheben, um diese Schwierigkeiten in den RegierungSverhandlungen wegzuräumen. UnauS- blMch scheint also vorläufig wenigstens als Rückwirkung der preußischen Regierungsumbildung eine Regie­rungskrise im Reich. Vielleicht muß man sogar 'nit der Möglichkeit rechnen, daß es noch dieses Jahr zu einer Reichgragsauflösung kommt. Die Nationalsozia- tiften haben bereits einen entsprechenden Antrag für die nächste Reichstagssitzung eingebracht.

Gleichzeitig d r o h e n die Nationalsozialisten auch mit der Auflösung des neugewählten Preußischen Land- kages für den Fall, daß ihre Wünsche in Preußen nicht er« füllt werden. Dabei rechnen sie mit der immerhin nicht geringen Wahrscheinlichkeit, daß es durch eine enge Ver­bindung der bürgerlichen Rechtsparteien gelingt, die noch Wenden neun Sitze für eine reine RechtSmehrheit in Preußen in einem neuen Wahlkampf zu gewinnen. Wird ich daS Zentrum durch derartige Drohungen irgendwie beeinflussen lassen? Jedenfalls ist so viel klar, daß der Kampf um Brüning, der jetzt immer stärker in den Vorder­grund rückt, gleichzeitig den empfindlich st en Punkt m der Politik des Zentrums bildet. Das wissen die Nationalsozialisten natürlich sehr wohl und stellen das bei chren Forderungen gegenüber dem Zentrum in Rechnung, melfach hat man zu Anfang geglaubt, daS Zentrum hätte jetzt nun sehr leicht und könnte nach Belieben diktieren.

zeigt sich aber jetzt, daß das parlamentarische Spiel °uch für das Zentrum nicht leicht zu spielen ist.

Vermerkt sei noch zum Schluß, daß bei den Erörie- Mgen der Öffentlichkeit über die Regierungsbildung auch ?en Kommu n iften gesprochen wird. Von Ver« Webenen Seiten wird es als bemerkenswert verzeichnet, die Kommunisten jetzt die Parole ausgebenKanrpf oem Faschismus unter Zurückstellung aller Streitigkeiten glichen KPD. und SPD.!" Man folgert daraus eine -Bereitschaft der Kommunisten, im Londtag unter Um« Milben die Regierung Braun-Severing zu dulden. Es ' nicht zu glauben, daß die Kommunisten ihre Opposi- wnsstellung mit einer Übernahme von Verantwortung "»tauschen iverdeu.

Nationalsozialisten wieder in den Neichstagsausschüssen.

Die Nationalsozialisten werden ab 9. Mai wieder an den Sitzungen der Reichstagsausschüsse teilnehmen. Wie verlautet, wollen die Nationalsozialisten besonders im Haushaltsausschutz und im Auswärtigen Ausschuß An­träge einbringen, um die Parteien zu zwingen, sich zu diesen Anträgen zu äußern.

*

Die NSDAP, teilt halbamtlich mit, daß die Mel­dungen von bereits im Gange befindlichen Koalitionsver­handlungen der NSDAP, mit anderen Parteien nicht den Tatsachen entsprechen. Hitler wird Donnerstag in Berlin eintreffen, und erst dann werden die Entscheidungen über das weitere taktische Vorgehen der NSDAP, getroffen werden.

Severing für Beteiligung der Nationalsozialisten

, an der Regierung.

In einer Unterredung mit dem Vertreter einer aus­ländischen Nachrichtenagentur erklärte der preußische Innenminister Severing, daß ohne Frage durch den Ausfall der Wahlen die Aussichten einer Regierungsbe­teiligung der Nationalsozialisten in Preußen und im Reich erhöht worden seien. ES sei begreiflich, daß deshalb so­wohl im Zentrum wie bei den Sozialdemokraten her

Wunsch vorhanden ist, nunmehr den Nationalsozialisten Gelegenheit zu geben, ihre Worte mit den harten Tatsachen in Einklang zu bringen. Aber eine Regierungsbelcili- gung der NSDAP. in Preußen und im Reich könne natür­lich nur als eine BeteiligunganderRegierung in Frage kommen, d. h. im Verein mit anderen Parteien, die eine Gewähr dafür bieten, daß die Grundgesetze der Verfassung nicht verletzt werden.

Hindenburgs zweite Amisperiode.

Feierliche Einleitung geplant.

Die zweite Amtsperiode des Reichspräsidenten von Hindenburg soll, wie von unterrichteter Stelle ver­lautet, in einer feierlichen Weise eingeleitel werden. Die Reichsregierung wird Flaggenschmuck anordnen, und die Länderregierungen werden das gleiche tun. Es ist weiter in Aussicht genommen, daß ein Gottesdienst im Dom stattfinden wird, an dem der Reichspräsident von Hindenburg teilnehmen wird. Die Reichswehr wird es sich nicht nehmen lassen, ihrem Oberbefehlshaber aus Anlaß seiner zweiten Amtsperiode militärische Ehren zu erweisen, außerdem dürfte ein Empfang der Reichs- regierung und des Reichstagspräsidiums stasifinden.

Die Frage der Eidesleistung wird dadurch ge- Närt sein, daß der Reichspräsident von Hindenburg als Staatsoberhaupt selbst der Auffassung ist, daß aus ethischen und religiösen Gründen ihn der einmal geleistete Eid für immer bindet.

Fahrpreissenkung bei der Reichsbahn

BerWe Urlaubs arten abljuni

2 0 prozentige Fahrpreisermäßigungen.

Eine besondere BerbiMgung wird in diesem Jahr der Sommerurlaubsverkehr erfahren. Die Reichsbahn hat die Einführung von sogenannten Sommerurlaubs, karten mit einer Ermäßigung von 20 Prozent beschlossen, die an jedermann für Erholungs- und Urlaubsreisen, du in die Zeit vom 1. Juni bis 15. Oktober fallen, aus- gegeben werden sollen. Die Geltungsdauer dieser Karten beträgt zwei Monate.

Um einem Mißbrauch für andere Zwecke als Er­holungsreisen vorzubeugen, muß die Hinreise am ersten Geltungstage angetreten werden, während die Rückreise frühestens am elften Geltungstage erfolgen darf. Sommer- urlaubskartcn werden für alle Verkehrsvcrbindungcn der Reichsbahn aufgelegt, für die auch gewöhnliche Fahr­karten vorliegen. Dabei ist die Mindcstcntfernungsgrenze aus 200 Kilometer scstgelegt. Bei Benutzung von Schnell- und Eilzügen ist der tarifmäßige Zuschlag zu zahlen. Die Sommerurlaubskarten sind nicht übertragbar und müssen vom Inhaber unterschrieben werden. Da die Ferien- sonderzüge gleichfalls eine Ermäßigung von 20 Prozent genießen, werden an den Tagen, an denen Fcricnsondcr- züge verkehren, nach den Zielen dieser Züge keine Sommerurlaubskarten ausgcgebcn werden.

Senkung der Schnell- und Silzugszuschlâge um 50 Prozent.

Um den Bestrebungen nach Erleichterung des Reise­verkehrs entgegenzukommen, wird die Reichsbahn mit Wirkung vom 1. Juni 1932 die bisher gültigen Sätze für Schnell- und Eilzugszuschlägc um die Hälfte herabsetzen. Nach dieser Regelung werden die Schncllzugszuschlägc

ist, der Inhaber einer Monatskarte 2. Klaffe mit Eilzug­berechtigung in der 3. Klasse Schnellzüge benutzen können.

Heute ist die Spanne zwischen diesen einzelnen Zeit- karlenpreisen weitaus größer und komplizierter. Die neue Maßnahme stellt also eine Vereinfachung dar und bringt für die Monatskarte 3. Klaffe mit Eilzugbenutzung eine Ermäßigung um 8,7 Prozent, für die Monatskarten 2. Klasse Personenzug eine Ermäßigung um 14,6 Prozent und für die Monatskarten 2. Klaffe mit Eilzugberechtigung eine Ermäßigung um 21 Prozent gegenüber den heutigen Sätzen.

Die neue Staffelung findet Anwendung bei den Monatskarten, Schülermonatskarten und Teilmoncu^- kartcn.

*

WMp. verlangt Reichslagsauslösung.

Gegen Reichölommiffare in den Ländern.

Die Rcichstagsfraktion der NSDAP, hat drei Anträge .'M^acht: Der erste verlangt, den Reichspräsident^! zu " Uchen, den Reichstag gemäß Artikel 25 der Reichsver- Lt"9 aufzulös en. Der zweite fordert einen Unter« für die Frage, ob und welche öffentliche,l im w die Hindcnburg - Wahlpropaganda vw^"chspräsidentcnwahlkampf in Anspruch genommen S9i & Der dritte endlich geht auf Aushebung des erb o tes.

U Völkischen Beobachter erklärt sich Frank II, scharf 0cdcn die Einsetzung von Reichs- ^,: â'jsarcn in den Ländern. Die Rational« wären ganz dem Wortlaut der republikanischen Dai,J1-1^ ihrer Gegner entsprechend koalitionsfähig, nicht unter dem Vorwand, die Nationalsozia- ^c^ J.^n ^ oderStaatöfcinde", einer

uns, ^kl^Mldung mit ihnen and dem Wege gegangen "für ein Reichskommissar gefordert werden.

*

T Ein Aufruf zur Sammlung.

^nèai^ d " u t s ch n a t i o tt a l c Reichstags- und Laud- Dr. Fritz Willer in Stuttgart NlNignW in einem Aufruf an die Anhänger der früheren Stille ° ,ü^ Partei und schlägt vor, daß die

Denjs^ikspartcilichen Organisationen sich den innert * ioualcn ««schließen. Der Ausruf er« und di» P^u, daß vor 13 Jahren die Nationalliberalen sich ebenfalls zu einer GesinnungL-- zusarnm.LNgefmrden haben.

wie folgt bemessen:

Zone 1 ( 175 km)

2

3

4

( 76150 (151225 (226300

3. Kl. 0,50 1,00 1,50 2,00

2. u. 1. «L 1,00 2,00 3,00 4,00

5,00

5 (über 300 , ) 2,50 5,00

In gleicher Weise erfahren auch die Eilzugszuschläge eine Herabsetzung um 50 Prozent in folgenden AuS-

maßen: Zone

1

2

3

4

( 1 75 ( 76150 (151225 (226300

km)

8 (über 300 ) Die bisherige Nahzonc bei

0,50 0,75 1,00 1,25 Eilzügen

(1

0,50

1,00

1,50

2,00

2,50

bis 35 km)

fällt fort.

Für die Benutzung von l^v-Zügen (bisher ernheit- sicher Zuschlag von 4 Mark) treten zu den Schnellzugszu- schlägcu 2. und 1. Klasse hinzu für Entfernungen bis 300 km 2 Mark, darüber 3 Mark, für die Benutzung von st^ü Zügen (bisher einheitlicher Zuschlag 8 Mark) für Entfernungen bis 300 km 4 Mark, darüber 6 Mark. Herabsetzung der Zeitkartenpreise der Reichsbahn.

Mit Wirkung vom 1. Juni 1932 wird die Reichsbahn die große Spanne, die zwischen den Zeitkartcnprciscn für Personen- und Eilzüge und zwischen den Zcitkartenprciseu der 2. und 3. Klasse besteht, verringern, und zwar wird die Monatskarte 3. Klasse mit Eilzugbcrcchtigung denselben Preis haben wie die Monatskarte für den Personenzug in der 2. Klasse. Ein Inhaber einer Monatskarte für die 2. Klasse Personenzug darf also ohne weiteres einen Eil- zug in der 3. Klasse auf Grund seiner Monatskarte bc- nutzen bzw. darf der Besitzer einer Monatskarte für die 3. Klaffe Eilzug in dem Personenzug 2. Klasse fahren In ähnlicher Weise wird, wie cs auch deute schon «Melassen

Verbilligte Wandersahrten.

FllhrpreiSvergünstigung für Gcmcinschaftsfahrten Jugendlicher.

Bei der Deutschen Reichsbahn besteht seit dem 20. April 1932 die Bestimmung, daß der Fahrpreis bei gemeinschaftlichen Fahrten Jugend« l i ch e r unter zwanzig Jahren zu Zwecken der Jugend­pflege mit sachverständigen Führern aus d i e H ä l f t e er­mäßigt wird, wenn mindestens sechs Fahrkarten gelöst werden. Wie der Reichsverband für Deutsche Jugend­herbergen dazu mitteilt, ist in den Kreisen der wandernden Jugend noch nicht genügend bekannt, daß die Vergünsti­gung auch dann gewährt wird, wenn weniger als sechs Teilnehmer vorhanden sind. Es lohnt sich, sie noch bet vier Teilnehmern in Anspruch zu nehmen. Die Ermäßigung beträgt dann für den einzelnen immer noch bei fünf Teilnehmern 40 Prozent, bei vier Teilnehmern 25 Prozent. Allemal müssen aber minde st ens sechs Fahrkarten znm halben Preis gelöst werden. Auf fünf bis neun Jugend­liche entfällt ein Führer, der die gleiche Ermäßigung gcurcßt, auf je weitere neun Jugendliche, auch wenn diese Zahl nicht voll erreicht ist, noch ein Führer. Das bedeutet, daß von zehn Jugendlichen an zwei Führer, von 19 Jugendlichen an drei Führer usw. zulässig sind.

Reichspräsident von Hindenburg Ehrenbürger von Nürnberg.

Nürnberg. Der Stadtrat von Nürnberg bat beschlossen, dem Reichspräsidenten von Hindenburg das Ebrenbürgcrrccht zu verleihen und die am Gefallenendenkmal im Luitpoldbain vorüberführende Schultbeiß-AlleeHindenburg-Allee" zri benennen. Der Reichspräsident hat in einem persönlichen Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Luppe die ihm zugedachte Ehrung mit Dank angenommen. Gleichzeitig bat der Siadtrat beschlou'en, zur Erinnerung an den verstorbenen ersten Reichs­präsidenten den WodanplatzFricdrich-Ebert-Platz" nennen.

zu be«

Verhandlungen über die Kurzarbeit in der Nordtvestgruppe.

Essen. Die Verhandlungen über daS KurzarbcirS.wkom- men in der nordwestlichen Gruppe der Eisen und 2mW« industrie, die zwischen den Vertretern deS Arbeitgeberve^ bandeS und der Angestclltenvcrbände unter dem Imin? des Schlichters in Essen stattfinden, wurden nach zweistündiger Dauer auf Dienstag, den 3. Mai, vertagt.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die RcichSbmik hat ihren Diskont erneut gesenkt.

* Die Reichsbahn hat bcschlossrn. vom 1. Juni ab eine 2öprozcnlige Ermäßigung für Urlaubsreifen eintreten zu lassen. Außerdem werden die Preise für Zeitkarten sowie die Zuschtäae für Schnell- und Eilzügc ermäßigt.

* ReichstagSauflösung und ApfheSung beS SA fordert ein £mran -xr RrichStagSfraktiLn der RSDAP.