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Nr. 100 — 1932
Fulda, Freitag, 29. April
9. Jahrgang
Bomben-Anschlag in Schanghai
auf führende japanische Persönlichkeiten. — Täter war ein Koreaner. — Grohe Erregung in japanischen Kreisen. — Verschlechterte Friedensaussichten im Fernen Osten.
Funkberichte des „Anzeigers".
Vier Schwerverletzte.
Schanghai, 29. April. Während einer großen Parade japanischer Truppen im Hongkew-Park schleuderte ein Koreaner eine Bombe gegen den mittleren Teil der großen Tribüne, auf der eine Anzahl hervorragender japanischer Persönlichkeiten versammelt war. Der japanische Gesandte in China, Cchigemitsu, wurde durch die Explosion lebensgefährlich verwundet. General Uyeda, der anfangs die militärischen Operationen in Schanghai geleitet hatte, und General Schirakawa, der im Februar bei der Entsendung japanischer Verstärkungen an seiner Stelle zum Oberbefehlshaber ernannt wurde, sind schwer verwundet worden. Auch der japanische. Generalkonsul ist schwer verletzt. Admiral Nomura wurde am Kopf verwundet. Japanische Truppen halten jetzt den Hongkew-Park umzingelt.
Verhaftung des mutmaßlichen Attentäters.
Lchrnghai, 29. April. (Reuter) Nachdem die japani- schm Truppen mach dm Attentat den Park von Hongkew abgeriegelt hatten, untersuchten sie tausende von Zubern nach Waffen. Schließlich wurde ein Mann fest- Mmmen, von dem man glaubt, daß er den Anschlag aus- Scsühü hat. Außerdem wurden noch 7 Chinesen verhaf-
Streifzüge durch die Innenpolitik.
Arbeiisbeschaffungspläne.
Im Reichsarbeitsministerium fand eine Konferenz der Vertreter der Rcichsministerien und der zuständigen Ministerien der Länder statt, in der die verschiedenen Pläne des Rcichsarbeitsministers zur Arbeitsbeschaffung und zur Entlastung des ArbeitSmarktes besprochen wurden. An erster Stelle steht der Plan, die 4 0 - S t u n d e n- Woche einzuführcn. Neben den Besprechungen der Be- hördciivertreter laufen auch Besprechungen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerorgani- folioncn.
, Die Hoffnung auf eine wesentliche Verminderung des Arbeitslosenheeres durch Belebung deâ Frühjahrs- Schaftes hat sich leider nicht erfüllt. Die Voraussagen .Wirtschaftspropheten haben sich als falsch erwiesen, «blieben ist nur die eine Tatsache, daß wir immer noch t? nesiges Heer von Arbeitslosen haben, und daß endlich wirksame Maßnahmen ergriffen werden müssen, um «nigstens einem Teil der Arbeitslosen wieder Äeschäfti- ^*n9 zu geben. Von all den verschiedenen Plänen hat 1'9 in letzter Zeit der Plan der Ä r b e i t S z e i t v e r - ung sehr stark in den Vordergrund gedrängt. Auch *l Amerika hat der Präsident Hoover erklärt, er sehe die °>nzige Möglichkeit, die Arbeitslosenkrise zu mildern, in I 1 Einführung der Fünftagearbeitswoche. Bekanntlich die Reichsregierung schön lange durch eine Not- "erordnung die Ermächtigung erhalten, Maßnahmen n dieser Richtung zu unternehmen, aber sie hat von escin Recht noch keinen Gebrauch gemacht, weil sich Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten türmten. Zu- einmal zeigte es sich, daß ein sehr großer Teil der -- «riebe für eine Arbeitszeitverkürzung gar nicht in Frage nweil schon lange in diesen Betrieben Kurz- n ; c 1 t geleistet wird. Dann tauchte die schwierige Frage 2 k tote die Zeitkürzung erfolgen soll, Änderung der täglichen Arbeitszeit oder durch Ein- ^1" Fünftagewoche. Aber die s ch w i c r i g st c l,/ "ragen ist die Frage des L o h u a u s s a l l s in- di-?^ 1 verkürzten Arbeitszeit. Eine Einigung über all Klagen ist bis heute in den beteiligten Kreisen nicht , Mkommen. Von Unternehmer-seite wird ferner »„..«.angewiesen, daß durch die Arbeitszeitverkürzung rührt Umständen auch die Gestehungskosten bc- ' r^werdeu könnten.
Verbindung mit der Arbeitszeitverkürzung spricht bcr von der Einführung des sogenannten Krüm- c m s. Der Gedanke dabei ist der: Die Bc- 2 Arbeitsstellen jeweils nach einer bestimmten Arbeit c^u oder zwei Monaten zu wechseln und die A^'.^den durch Arbeitslose abzulösen. In einigen Ers!, ""liegenden soll man mit diesen, System günstige Ho* "."wen gemacht haben. Neben diesen Plänen laufen lickst« nl,cn Arbeitsbeschaffungspläne durch ösfcnt - lose , m t/.^ä g e, wodurch man etwa 400 000 Arbeits- innu I^üstigung geben will. Die Mittel dazu will Sn > .eure öffentliche Anleihe aufbringen. M man, daß auf diesem W^i ? 250 Millionen Mark cinachen werden. Auch besch».-" d l u » g s p r o g r a i» m spielt in diese Arbeits- Euu., ""Wspläuc hinein, ebenso die Gedanken über die der A r b e i t s d i e n st p f l i ch t.
sind Dings, die so bald als möglich in Form verwirklicht werden müssen.
tet. Der schwerverletzte General Schirakawa mußte sich im Krankenhaus einer Operation unterziehen. Die Luppen hatten große Mühe die Menge zu hindern, den Attentäter zu lynchen.
Dieser neuerliche schwere Zwischenfall ist geeignet, die Friedensaussichten im Fernen Osten zu verschlechtern, obwohl der Anschlag von einem Koreaner gegangen worden ist. Die Tat, die in Schanghai gerade zu einer Zeit ausgeführt worden ist, wo man auf den Abschluß eines Waffenstillstandes hoffen konnte, kann zu einer außerordentlichen Stärkung des militärischen Geistes in Japan führen. Man fürchtet, daß die Rückwirkung auf die japanische Bevölkerung sehr heftig sein wird.
Die Japaner erobern Hailiv.
Charbm, 29. April. (Reuter) An der südöstlichen Front der Mandschurei ist es zu heftigen Kämpfen zwischen japanischen Truppen und Chinesen gekommen, die sich gegen die neue mandschurische Regierung im Aufruhr befinden. Die japanische Hauptkolonne unter General Murai griff die Aufständischen an, die Hailin besetzt hielten. Der Kampf dauerte die ganze Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag an. Die Chinesen, deren Zahl auf 6000 Mann geschätzt wurde, hatten 200 Tote zu verzeichnen. Die Japaner, die Hailin besetzt haben, erbeuteten einen Panzerzug, zwei Geschütze und anderes Kriegsmaterial.
Wichtige sozialpolitische Maßnahmen.
Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist zur Zeit ein Gesetzentwurf zur Änderung der I n v a l i d e n - Versicherung in Vorbereitung. Die Änderung soll nicht durch eine Notverordnung, sondern durch den Reichstag erfolgen. Der Invalidenversicherung fehlen rund 300 Millionen Mark zur Erfüllung ihrer laufenden Verpflichtung. Schon lange besteht der Plan, durch eine allgemeine Sozialreform die Kosten zu mindern, vor allem die Verwaltungskosten herabzusetzen. Aber die Pläne sind aus politischen Gründen nicht weitergedichen. Die Reichsregierung versucht nun auf einem anderen Wege die fehlender:^)0 Millionen Mark zu beschaffen. Wie sie das machen-Horll, ist bis jetzt nicht bekannt. Gleich- zeitig braucht auch die A r b e i l s l o s e n v e r s i ch e - r u n g neue Mittel. Es fehlen ihr 600 Millionen Mark zur Deckung der laufenden Ausgaben. Hier besteht an- geblich der Plan, die Unterstützungssätze bis zu einem gewissen Grade den Sätzen der Wohlfahrt anz «- passen, d. h. durch Kürzung der Unterstützungssätze die fehlenden Mittel zu gewinnen.
Zu diesen Sorgen kommen noch andere. Auch die Städte schreien unaufhörlich nach Hilfe von der Reichskasse. Sie haben jetzt eine dringende Forderung von 600 Millionen Mark angemeldet, und weisen von neuem darauf hin, daß ohne Übernahme der Krisenfürsorge auf das Reich eine Besserung in den Finanzen der Städte nicht möglich sein werde. Aber die Reichsregierung zeigt bis jetzt sehr wenig Neigung, die Lastenvertcilung zu ändern und die Städte zu entlasten. Woher sic aber diese 600 Millionen Mark nehmen will, um den Städten zu helfe«, ist noch völlig unklar.
Aeue Aotverordnung r-mSA.-Berboi
Gleich nach der Rückkehr des Kanzlers aus Genf, wo die Konferenz lvegen Erkrankung des französischen Ministerpräsidenten geplatzt ist, werden in Berlin wahrscheinlich am Montag die Verhandlungen darüber bc- ginnen, was nun mit dem ist eichsbanner und anderen juilitärisch aufgezogenen Parteiorganisationen geschehen soll. Bekanntlich hat sich dieser Tage der Reichsinnen- minister drei Stunden lang mit dem Reichspräsidenten über diese Dinge unterhalten, woraus man schließen kann, daß Hindenburg diese Angelegenheit als sehr dringlich ansieht Dazu kommt noch, daß das SA.-Verbot bei den Regicrungsverhandlungen zwischen Zentrum und Nationalsozialisten eine Rolle spielen wird. Die interessierten Kreise werden evtl. darauf bedacht sein, bieten enipfind- iieben Punkt in der augenblicklichen politischen Lage zu beseitigen. Wie man hört, soll den Nationalsozialisten das SA -Verbot dadurch erträglicher gemacht werden, daß man alle ähnlich organisierten Partcigebilde ebenfalls verbieten will Die Notverordnung zum Verbot der SA. soll ergänzt und erweitert werden. Ob nun dadurch auch das Reichsbanner erfaßt wird, ist nicht bekannt.
In Verbindung mit diesen Planen soll auch der Groencrschc Plan verwirklicht werde«, bie Arbeit der Organisation zur Ertüchtigung der Bugcnd irgendwie gesetzlich zu ersassen.
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Oie Rolle der Kommunisten.
Die Haltung der Kommunisten im neuen Preußischen Landtag scheint bei den Verhandlungen über die Regierungsbildung eine immer größere Rolle zu spielen. Es taucht jetzt die Frage auf, was die Kommunisten tun werden, wenn ein Antrag auf Änderung der Bestimmungen für die Wahl " . J Minister riäsiden« ten gestellt wird. Bekanntlich haben die Kommunisten sich gegen die Änderung der Wahlregel ausgesprochen. Wenn sie bei dieser Haltung verbleiben, oder zum mindesten auf eine Teilnahme an einer Abstimmung verzichten, dann könnte die Rechte mit ihrer Stimmenzahl den Abänderungsbeschluß der alten Regierungsparteien wieder rückgängig machen. Dann würde es also möglich sein, einen Ministerpräsidenten mit einfacher Mehrheit zu wählen. Ob diese Rechnung stimmt, ist allerdings sehr fraglich, denn über die wirklichen Absichten der Kommunisten ist Sicheres nicht bekannt.
Die künftige Politik der Mittelparteien.
Die Mittelparteien, die bei den Parlamentswahlen so schlecht abgeschnitten haben, beraten nun darüber, welche Folgerungen sie aus dem Wahlausgang ziehen sollen. Tie Reichstagsfraktion der W i r t s ch a f t s p a r t e i, die bekanntlich im Preußischen Landtag keine einzige Stimme bekommen hat, beschäftigte sich in einer Aussprache mit den Ursachen ihrer Niederlage und mit der künftigen Haltung der Partei im Reichstag. Entgegen der Annahme, die Wirtschaftspartei werde sich nun im Reichstag in die Opposition zurückziehen, hat die Fraktion beschlossen, auch weiterhin die Brüningsche Politik zu unter- st ü tz e n. Man will jedoch dem Reichskanzler gewisse Forderungen unterbreiten, von deren Erfüllung die künftige Haltung abhängig gemacht werden soll.
Die Tagesordnung der nächsten Reichsiags- sitzung.
Die Tagesordnung für die Sitzung des Reichstages vom 9. Mai liegt jetzt vor. Den ersten Gegenstand bildet die Beratung eines Schuldenttlgungsgesetzes, mit der die allgemeine politische Aussprache verbunden wird. Weiter ist damit verbunden u. a. die Interpellation der Kommunisten über die Erwerbung des Zündholzmonopols durch den Kreuger-Konzern sowie die Beratung von nationalsozialistischen Anträgen über die Auflösung der SA., ferner auf Auflösung des Reichstages und über die Frage, ob öffentliche Mittel bei der Reichspräsidentenwahl verwendet wurden. Ferner ist die Beratung des Gesetzes über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten voraeseben.
llnzureichender Schuß
der IeredelllngMirWafi.
Reichslandbund an Reichsernährungsminifter.
Der Reichs!andbund hat an den Reichs- crnährungsminister ein Schreiben zur Frage des Butterzolles gerichtet, in dem es u. a. heißt: Ter Reichskanzler soll in Genf mit dem dänischen Außenminister über den Butterzoll verhandelt haben, wobei es sich gegebenenfalls um eine Herabsetzung deS Butterzolls von 100 auf 75 Mark gehandelt haben soll. Gleichzeitig soll auch der Reichs verband der Industrie mit dänischen und holländischen Stellen über eine Herabsetzung des Butterzolls verhandelt haben. Wenn von den an unserer Buttereinfuhr besonders interessierten Länder», in erster Linie von Dänemark und Holland, anstatt des zollbegünstigten absoluten Finnlandkontingents von 50 000 Doppelzentner ein „proportionales- Kontingent entsprechend den Einfuhrmengen der einzelnen in Frage kommenden Länder verlangt wird, so liegt darin eine ungeheure Gefahr. Das Finnlandkontingent liegt handelsvertraglich fest. Eine Ausdehnung des Finn- landkontingcnts für die Großlieferanten würde aber nichts anderes als eine Herabsetzung des Buttcrzolls bedeuten. Der Reichslandbund muß derartigen Absichten s di ■ i st e n Wider st and entgegensetzen.
Der Brief schließt mit der dringenden Bitte an den Reichscrnährungsministcr um eine baldgesälligc Mitteilung, waS in der Frage des Butterzolls tatsächlich beabsichtigt ist. Der Rcichslandbund lehnt jede Verantwortung für die Folgen eines Abbaues des an sich schon völlig unzureichenden Schutzes der deutschen Veredelungswirt- schaft ab.-
Kleine Zeitung für eilige Leser
* In Genfer Bötterbundkreisen herrscht über die Mitteilung TardicuS, daß er nichl zur Fünf Müchlc-Kvnfercnz nach Genf kommen könne, starke Verstimmung.
* Im Reichsarbeitsministerium fand eine Konferenz statt, \ auf der die verschiedenen Pläne zur Arbcilsbeichaffung und zur Entlastung deS ArbeitSmarktcS besprochen wurden.
* Bei einer Schlngwetterkatastrophe in Hindenburg (Ober- schlestcul wurden acht Bergleute verletzt, sechs davon schwer.
* ^cr türkische Ministerpräsident ist zu einem mehrtägigen Besuch in Moskau cingetroffcn, wo er mit grotzen Ehren empfangen wurde.
• 3n Schanghai ist auf führende japanische Persönlichkeiten während einer Parade ein Bomdenatteutat verübt worden. Fünf Japaner wurden größtenteils schwer verletzt.
• In TirschenrMth (Oberpfalz) hat ein Lrck-rtrÄsitzr feise ganze Familie mit einem Beil erschlagen.