Erschcintjeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch „Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Christian Seipel, Fulda. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.
Nr. 154 — 1932
Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zulöa- und Haunetal >§ul-aer Kreisblatt
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9. Jahrgang
Der Druck auf Deutschland.
Ein unannehmbarer Vorschlag.
In Lausanne ging der Endkampf nicht mehr um die E n d l ö s u n g , sondern um die Grundlage für weitere Verhandlungen. Als die ersten Nachrichten über den Plan der Gläubigermächte bekannt wurden, war cs klar, daß sie bedeutende Abänderungen erfahren mußten, ehe Deutschland sich bereiterklärcn konnte, auf dieser Basis zu verhandeln. Denn der Gläubigerplan enthielt nach englischen Mitteilungen folgende Einzelheiten:
Das sofort eintretende
Moratorium für Deutschland
wird auf drei Jahre festgesetzt. Nach dem Ablauf dieser drei Jahre soll der Verwaltungsrat der Baseler BIZ. den Zeitraum festsetzen, innerhalb dessen die Unterbringung der von der deutschen Regierung zu gebenden
Reichsbahnobligationen endgültig erfolgen soll. Von englischer Seite ist versucht worden, die Klauseln, die den Zusammenhang zwischen den interalliierten Schulden und den deutschen Tributzahlungen betreffen, so elastisch und lose wie möglich zu gestalten, um der deutschen Regierung die Annahme dieses Gesamtvorschlages zu ermöglichen. Auf englischer Seite behauptet man, sich auf bestimmte diplomatische Zusiche- rungen von amerikanischer Seite zu stützen, nach denen eine allgemeine Regelung der Tributfrage in Lausanne die amerikanische Regierung
zu einem weitgehenden Entgegenkommen in der interalliierten Schuldenfrage führen und damit eine Gesamtregelung aller politischen Schuldenprobleme ermöglichen würde. Ferner bestand auf englischer Seite die Absicht, den deutschen Forderungen auf
Streichung des die Tribute behandelnden Teiles des Versailler Vertrages in der Weise entgegenzukommen, daß in das Schlußprotokoll der Konferenz eine Erklärung ausgenommen wird, daß entsprechend dem Wunsche des Präsidenten der Konferenz, Macdonald, politische Fragen auf der gegenwärtigen Konferenz nicht mehr entschieden werden könnten und daher die Mächte sich in diesen Fragen ihre Handlungsfreiheit vorbehielten. Auf diefe Weise glaubte man auf englischer Seite die Aufrollung dieser Fragen für Deutschland zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen.
Dieser Vorschlag konnte von deutscher Seite nicht als annehmbare Verhandlungsgrundlage angesehen werden, da nach ihm der gegenwärtig bestehende
Zustand der Unsicherheit und Ungewißheit weiter fortbestehen bleiben würde. Ferner würde durch den Gläubigervorschlag eine unmittelbare Verbindung zwischen der Regelung der Tributsrage und der interalliierten Schulden hergestellt werden, die für Deutschland nicht besteht und nicht anerkannt werden kann. Durch diesen Vorschlag würde auch nicht das von der deutschen Regierung angestrebte Ziel erreicht werden, daß nunmehr eine
sofortige endgültige Vereinigung der gesamten Tributfrage
eintritt.
Der Sonntag
Mitteldeutsches NS.-Treffen in Dessau.
Das mitteldeutsche NS.-Treffen in der auhaltischcn Landeshauptstadt Dessau vereinigte etwa 20 000 SA.- und SS.-Leute, zu denen sich noch etwa 5000 Festteiluehmer gesellten. Der Fackelzug mit etwa 3000 Fackelträgern, der durch die Stadt führte und auch das Arbeiterviertel berührte, ging ohne jeden Zwischenfall vonstatten.
Die anhaltische Regierung hat im Einvernehmen mit Den Polizeibehörden von Magdeburg, Halle und Leipzig Sorge getroffen, daß eine gründliche Überwachung der Anzugsstraßen nach Anhalt stattfindet, um etwaige Störungsversuche zu vereiteln.
SA.- und SS.-Ausmarsch in Müchen.
Der anläßlich des oberbayerischen Gautages der NSDAP, veranstaltete Aufmarsch von 12 000 Mann SA. und SS. in den Straßen Münchens ging ohne Störung vor sich. Adolf Hitler, der mit Hauptmann Röhm und dem Stab erscheinen war, nahm die Parade der SA. und SS. ab. Die SA.- und SS.-Gruppen waren vielfach mit Blu- men geschmückt und trugen ihre Kriegsauszeichnungen. Während die SA.-Lcute vielfach noch nicht eingekleidet waren und an Stelle des Braunhemdes ein weißes Hemd mit der schwarzen Hitler-Krawatte und der roten Arm- wnde trugen, rückte die SS. in einheitlicher schwarzer Uniform mit Braunhemd und der schwarzen Totcukopf- mützc an. Der Vorbeimarsch dauerte anderthalb Stunden. Hitlers Rede bei der nationalsozialistischen Kundgebung in München.
In dem in unmittelbarer Nähe des Stadions errichteten Rieseuzel das Platz für 30 000 Zuhörer bietet, sprach Adolf Hitler iin Anschluß an den Aufmarsch der SS. und SA. über die politische Lage.
Hitler führte u. «.aus: Die Gegner der Nationalsozialisten wollten in der Bewegung nichts anderes sehen als nur den Ausdruck der heutigen Not. Die Bewegung fei
In dem Vorschlag fehlte außerdem die Streichung des Kapitels 8 des Versailler Vertrages mit den Bestimmungen über die Kriegsschuldlüge und die Tribute.
Deuischland
(eNf $en GLäubigervorschlag â
Der Vorschlag der Gläubiger, der eine Restzahlung von vier Milliarden Mark als Höchstsummc, ein dreijähriges Moratorium und die Abhängigkeit dieser Tributregelung von dem Zustandekommen einer Schuldcn- einigung mit Amerika Vorsicht, wurde der deutschen Abordnung offiziell überreicht.
Die Besprechungen zwischen den deutschen Ministern und den Gläubigermächten über den gemeinsamen Vorschlag der fünf Mächte zur Regelung der Tributfrage haben am frühen Sonnlagmorgen begonnen. Macdonald hat in der Unterredung den Reichskanzler und den Reichsaußenminister über die wesentlichen Punkte des Vorschlages der Gläubigermächte unterrichtet.
In dieser Unterredung ist von deutscher Seite den Gläubigermächten mitgctcilt worden, daß der Vorschlag der Gläubigermächte in der vorliegenden Fassung nicht annehmbar sei. Aus deutscher Seite ist wiederum mit voller Bestimmtheit erklärt worden, daß eine Verbindung der Tributfrage mit der interalliierten Schuldenfrage, der Vorschlag eines Höchstbctragcs für die A b s ch l u ß z a h l u n g o o n 4,2 M i l l i a r d e n und die vorgeschiagene Sichcr- Heitsbedingung für die Ausgabe der Bonds der deutschen Regierung nicht annehmbar wären. Ein Gegenvorschlag ist von deutscher Seite nicht erfolgt.
Die deutschen Minister haben sich darauf beschränkt, ihren grundsätzlichen Standpunkt Macdonald zum Ausdruck zu bringen.
Englischer Vermittlungsversuch.
Gleich nach der Unterredung mit den deutschen Ministern fand bei Macdonald eine Besprechung der fünf Gläubigermächte statt, in der der deutsche Standpunkt erörtert worden ist. Auf englischer Seite sind starke Bestrebungen im Gange, den Gläubigervorschlag i m S i n n e des deutschen Standpunktes abzuändern. Es verlautet, daß die englische Regierung sich bereit gefunden hat, die ursprüngliche Summe von 4,2 Milliarden erheblich herabzusetzen. Ebenso soll in der Frage des Zusammenhanges zwischen der Tributfrage und den interalliierten Schulden eine weitgehende Abänderung des bisherigen Textes vo-cgenoinmen werden. Man rechnet mit dein Abschluß der Lausanner Konferenz nicht vor Mitte odcrEnde dieser Woche.
Amerika für Endregelung.
Von hoher amerikanischer Regierungsseite wird erklärt, daß Amerika eine Endregelung der Tributfrage in Lausanne für unerläßlich ansieht und daß es nach wie vor gegen eine Verquickung der Tribut- und der Schuldenfrage ist.
der NSDAP. aber in erster Linie der seelischen Not des deutschen Volkes entsprungen. Sie sei der Ausdruck der Ideale, die dem deutschen Volke vorschweben. Die Nationalsozialisten wollten keinen Stand oder Beruf retten, sondern die deutsche Nation. Wenn man sage, die Nationalsozialisten hätten nicht das Recht, Sieg oder Macht zu beanspruchen, so würde darüber nicht die Politik der Bayerischen Volkspartei entscheiden. Die nationalsozialistische Bewegung sei entschlossen, den Wiederaufbau Deutschlands durchzuführen, auch wirtschaftlich, und zwar in dem Sinne, daß das Kapital der Wirtschaft, dem Volk dienstbar sein müsse. Die Arbeiterschaft müsse dem wiedererwachten Deutschland gewonnen werden, das Fundament aber für den Wiederaufbau müsse der Bauer sein. Wenn man auf gegnerischer Seite sage, es müsse abgerechnet werden mit dem Regiment Papen, so kümmere das ihn nicht. Ihn interessierten nur jene, die vorher das Regiment geführt hätten, vom 7. November 1918 bis in die Gegenwart.
Die Kundgebung verlief ohne Störung.
NSDAP, und Reichsregierung. „Wir tolerieren die Regierung v. Papen nicht".
Auf dem Gautag des Gaues München-Oberbayern der NSDAP, wies der Gauleiter, Landtagsabgeordneter Adolf Wagner, darauf hin, daß man den Nationalsozialisten jetzt alles mögliche anzuhängen versuchen werde: man werde versuchen, sie verantwortlich zu machen für die Politik und die Notverordnungen der Regierung v. Papen, vielleicht sogar dafür, was in Lausanne als Ergebnis herauskomme. Die NSDAP, könne diese Angriffe überwinden durch die klare Feststellung:
„Wir tolerieren die Regierung v. Papen nicht, denn man hat uns nicht gefragt. Wir binden uns nicht an diese Regierung, wir geben ihr feine Vollmachten, denn wir haben mit dieser Regierung garnichts zu tun! Wir sehen nur, daß sie uns das Recht wiedergibt, das man uns bisher genommen hatte".
Weiter wandte sich Wagner gegen die Haltung der Bayerischen Regierung gegenüber der NSDAP.
Ohne Deutschland geht es nicht.
Zwei unumstößliche Tatsachen sind zum Mittelpunkt der Lausanner Tributkonferenz geworden. Einmal die Tatsache, daß Deutschland unfähig geworden ist, auch nur noch einen Pfennig an Tributen zu zahlen, und zweitens die Tatsache, daß ohne Deutschlands Wiedererholung und Mithilfe die Weltkrise nicht überwunden werden kann. Das sind die beiden Tatsachen, die auch nicht mehr mit den Perdrehungskünsten der französischen Diplomatie wegzuzaubern sind. Wäre die Welt nicht durch Haßund Gier verblendet gewesen, dann hätte sie längst zur Einsicht kommen können, und es wäre uns erspart geblieben, daß erst ein langer Leidensweg der Völker, insbesondere des deuischen Volkes, der Wahrheit die Bahn freimachen mußte. In Paris, in London und auch drüben in Amerika hat man sich vor 13 Jahren den Gang der Weltgeschichte anders vorgestellt. Man muß sich einiges aus jenen Jahren ins Gedächtnis zurückrufen, wenn man die ungeheuerliche Verblendung jener Zeit erkennen will. Unsere einstigen Kriegsgegner haben alle geglaubt, sie könnten ein altes Kulturvolk von fast 70 Millionen Menschen einfach aus dem Kreis der Völker hinausdrängen und zu Sklaven zu machen. Der Welt würde es ohne Deutschland besser gehen, dachte man in Paris, London und Washington. Das Wort des Tigers, des alten Deutschenhassers Ele- mencaus: „Es sind 20 Millionen Deutsche zuviel aus der Welt", ist noch in aller Erinnerung. Zu gleicher Zeit sagte ein englischer Staatsmann, man müsse Deutschland a u s - pressen wie eine Zitrone, bis die Kerne quietschen. Ein Finanzberater der englischen Regierung hat sogar ausgerechnet, man könnte aus Deutschland jähr- lich über 20 Milliarden Mark in Gold herauspressen. Mit solchen Wahnsinnsideen wurde einst Politik gemacht. Die Engländer meinten, sie könnten ganz gut ohne Deutschland auskommen, und träumten von ihrem Weltreich als künftigen Absatzmarkt für London. Den Franzosen genügte überhaupt, wenn in der Welt nur Franzosen eiisticrten, und die Amerikaner verkündeten das Evangelium der „Prosperity", von der ständig steigenden Wohlfahrt Amerikas und der Amerikaner.
Es ist doch ein wenig anders gekommen, die Weltgeschichte hat die Träume, die aus haßerfüllten Herzen in die Gehirne stiegen, ganz gründlich zerstört. Aus dem englischen Weltreichtraum ist bis heute nichts geworden, die Engländer haben einsehen müssen, daß ihre gesamten großen Kolonien ihnen nicht das ersetzen können, was sie auf dem deutschen Markt verloren haben. Das Millionenheer der englischen Arbeitslosen beweist das deutlich. Auch Paris hat allmählich einiges lernen müssen, die französischen Kurorte bemühen sich nicht weniger um den deutschen Kunden als der französische Kaufmann, und die großen Pariser Hotels versprechen sogar freie Reise von Deutschland nach Paris und zurück, wenn sich der deutsche Gast verpflichtet, eine bestimmte Zeit in dem betreffenden Hotel zu wohnen. In Italien hat 'sich die Gesinnung gegenüber Deutschland unter dem Druck der Verhältnisse so "sehr gewandelt, daß die italienischen Staatsmänner die deutsche Forderung nach Streichung der Tribute in Lausanne glatt unterstützten.
Die bitterste Lehre aber haben die Amerikaner bekonnnen. Jahrelang haben sie unbekümmert um die Veruichtungspolitik des Versailler Vertrages frischfröhlich drauflos gelebt, und die Statistiker haben schon ausgerechnet, wann es möglich sein würde, jedem Neugeborenen der Vereinigten Staaten sein Auto neben die Wiege zu stellen. Was flimmerte sie Europa, was kümmerte sie deutsche Not! Der Amerikaner fühlte sich allein auf der Welt. Vermessenheit hat noch immer in der Weltgeschichte ihre Strafe gefunden. Auch der Amerikaner ist ikr nicht entgangen, und die zehn Millionen Arbeitslose lverden sich heute über die Glücksprediger der amerikanischen Nb- zahlungswirtschaft ihre eigenen Gedanken machen. Auch die amerikanischen Politiker haben einiges dazu lernen müssen. Vor einiacr Zeit hat der amerikanische Minister des Äußeren vor dem Parlament folgenden bemerkenswerten Ausspruch getan. „Ich erkläre hiermit, wenn Deutschland bankrott geht, den anderen europäischen Ländern und auch d e n Vereinigten Staaten das gleiche Schicksal droht!" Offener kann man nicht eingestehen, daß cs ohne Deutschland einfach nicht geht. Wenn cs ein Land allein schaffen könnte, dann müßte es Amerika sein. Hat es nicht den größten Goldvorrat der Welt, hat cs nicht alle Naturschätze im Lande, die die Industrie braucht, hat es nicht Lebensmittel in ungeheurer Fülle? Und doch müssen Millionen hungern. Man hat drüben einen Wirtschaftsgeneralstab eingesetzt mit dem genugsam bekannten General D a w e s an der Spitze,' man hat den Gcncralstab mit Geld und mit Vollmachnm versehen; aber er bat nichts erreicht. Das Geschäftsleben ist immer weiter berabgegangen. General D a w e s hat wohl cin- gesehen, dâß es leichter ist, einem wehrlosen Volke einen Tributplan aufzustellen, als mit den Folgen der Tributerpressungen fertig zu werden. Die Milliarden- fummen, die Amerika künstlich in das Wirtschaftsleben bin- eingepumpt hat, blieben zum größten Teil in den Banken liegen, denn es fanden sich keine Unternehmungen —, keine anten natürlich —. die mit den Krediten ihre Geschäfte er«
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Ter vierte RejchSkriegertag fand unter fa^kr^ der Kriegervereine des Kyffhâuserbundeo in Dortmund statt.
* Die deutschen Leichtathletikmeifterschaften wurden in Han- nover ausgctragcil. ,
* Die Zivischcnzöllc von Speck und schmalz sind hcranp ausgesetzt^vordcn.