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Kil-aer Anzeiger

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Nr. 160 1932 Fulda, Montag, 11. Juli 9. Jahrgang

Abschied von Lausanne.

Isolierung bedeutet und würde schwere politische Gefahren im Gefolge gehabt haben.

*

Schlußstrich mii goldener Feder.

Die f e i e r l i ch e U n t e r z e i ch n u n g i n L a u s anne

In der feierlichen Schlußsitzung der Lausanner Kon­ferenz unterzeichneten Reichskanzler von Papen, Reichsaußenminifter Freiherr von Neurath und Neichsfinanzmittister Gras Schwerin-Krosigk im Namen der deutschen Regierung das Lausanner Ab­kommen der fünf Gläubigermächte mit Deutschland, in dem das Reparationssystcm des Versailler Vertrages und des Nouna-Planes bescitiat wird.

Macdonalds große Abschlußrede.

Die Lausanner Konferenz wurde mit einer großen Schlußrede des Präsidenten der Konferenz, Mac­donald, abgeschlossen. Macdonald sprach in dem ihm eigenen Pathos. Er wies darauf hin, daß das Lausanner Abkommen mit einem

Siegel aus dem Jahre 1525

besiegelt worden sei, das bei dem Abschluß eines Friedens- Vertrages zwischen Freiburg und Lausanne verwandt wurde, und in dem die beiden Völker sich nicht nur die Einstellung der Feindseligkeiten, sondern gegenseitige Annäherung und Freundschaft zusicherten. Macdonald betonte, daß auch dieses Lausanner Abkommen von dem gleichen Geiste getragen sein müsse.

Er erklärte dann u. a.: Die entscheidende Frage erhebt sich jetzt, wie in den

Genfer Abrüstungsarbeiten

in baldiger Zeit ein voller Erfolg erzielt werden kann. Die moralische Abrüstung ist ebenso notwendig wie die materielle Abrüstung. Hierbei handelt es sich nicht nur um England und Frankreich, sondern um alle Mächte, die an diesen Arbeiten teilnehmen. Es besteht

eropnet worden ist, das neue Erfolge möglich macht.

Die Lösung der großen politischen und finanziellen Fragen muß", so fuhr Macdonald dann fort,die früheren Gedanken des Krieges verschwinden lassen. An deren Stelle muß jetzt der Gedanke der Zusammen­arbeit treten.

Für die endgültige Beseitigung der deutschen Repara­tionen ist nunmehr eine Grundlage gefunden worden. Aber dieses jetzt erreichte Ziel genügt nicht, wenn sich nicht die Gesinnung der Herzen ändert. Der Geist der Freundschaft und der Zusammenarbeit muß jetzt an die Stelle der bisherigen Geistesverfassung treten."

Herriot sprach hierauf im Namen der Konferenz­mächte dem Präsidenten Macdonald seinen Dank aus und Macdonald richtete noch einige Dankesworte an Herriot.

Mit einem Hammerschlag beendete sodann der Prä­sident Macdonald die Lausanner Reparationskonferenz und erklärte die Konferenz für geschlossen.

Lausanne-Delegation wieder in Berlin.

Reichskanzler von Papen und die übrigen Mit­glieder der deutschen Abordnung für die Lausanner Konfe­renz trafen am Sonntag aus Lausanne wieder in Berlin

^Um ^ärüßung hatten sich auf dem Anhalter Bahn­hof der Relchsinncnmiuister als Vertreter der Rcichsmini- sterlen eingcfundcn. Aus der Menge erschollen Hoch- und Bravorufe, als der Kanzler in Begleitung des Reichs- lnnenmlnistcrs den Seitcnausgang des Bahnhofs verließ.

Persönlicher Bericht in Neudeck.

. , tritt am Montag zusammen, um VhV?^ skauzlcrs über Verlauf und lusgang <ii ^ au fanner Verhandlunaen eutaeaeu- zuneluneu. Auch die übrigen MitgUeder der deutschen Ab- ordnung weiden bis zu diesem Zeitpunkt wieder in Berlin i mit Ausnahme des Reichüanßcnministers von Neu- Äp Genf bleibt. Etwa Mitte der Pap-" nach Neudeck a^lleuen, um dem ..Reichspräsidenten veriönlick» über Lausanne zy berichten. ' n p>riontt-y

Die umstrittene Präambel.

Ein großer Streitpunkt bei der Abfassung des Lau­sanner Vertrages bildete die sogenannte Präambel. Das ist eine Einleitung zu dem Vertrag, in dem die Unter­zeichner gewissermaßen ihre Auffassung über die Wirkung des Werkes niederlegten. Bekanntlich haben die deutschen Vertreter den Versuch gemacht, ein Entgegenkommen gegenüber den politischen Forderungen in irgendeiner Form wenigstens in diese Einleitung hineinzubringen. Aber es ist nichts daraus geworden, Herriot hat sich dagegen gewehrt. So hat man in der Präambel nur einige unverbindliche Sätze ausgesprochen. Da heißt es u. a., die Mächte sind nicht der Ansicht, daß das in Lausanne geschaffene Werk ausreicht, um den Frieden zu erreichen, den die Völker wünschen. Aber sie hoffen, daß diesem Ergebnis neue Taten folgen werden. De? wirkliche Friede muß auf einer wirtschaftlichen und gleichzeitig auf einer politischen Ordnung fußen.

*

Was der Reichsbankpräsident sagt.

Reichsbankpräsident Luther bezeichnete in einer Rede tu Kiel das Konferenz-Ergebnis als wirtschaftliche Liquidierung des Weltkrieges. Die deutschen Vertreter in Lausanne hätten das Bestmögliche er-- reicht. Dieses Lausanner Ergebnis sei auf politischem Wege gewonnen, sei ein politisches Ereignis, welches für die gesamte Wirtschaft der Zukunft von richtunggebender Bedeutung sei. Der Fehlgedanke des Young» Plans sei gewesen, lediglich durch Sachverständigengutachten und Vereinbarungen eine Lösung herbeisühren zu wollen, für welche die Völker damals das noch nicht genügende Matz politischer Einsicht besessen hätten.

Ein Scheitern der Lausanner Verhand­lungen hätte für Deutschland eine völlige wirtschaftliche

Das Ausland zum Lausanner Ergebnis.

Die Reparationen sind tot", sagt die englische Presse.

Die englische Presse drückt mit wenigen Ausnahmen ihre große Befriedigung über das Ergebnis von Lausanne aus. überall wird in großen Überschriften die Tatsache gebracht, daß die Reparationen tot seien. Der erste Teil des Kriegsschulden­problems ist gelöst, so schreibt man. Ein Gift ist aus dem euro­päischen Wirtschaftskörper entfernt worden. Die Krankheit wird sich nicht weiter ausdehnen. Der große Erfolg von Lausanne liegt darin, daß die einseitigen Zahlungen von einem Land zum anderen beseitigt sind. Als einzige Zeitung bekennt der Dailh Herold" offen seine Enttäuschung. Das Ab­kommen schwebe vollkommen in der Luft, und falls Amerika nicht nachgebc, werde es null und nichtig. Auch die politische Präambel sei äußerst nichtssagend.

Paris beglückwünscht Herriot.

Die gesamte Pariser Presse begrüßt ohne Unterschied der politischen Einstellung den Abschluß der Lausanner Be­sprechungen und beglückwünscht den französischen Ministerpräsidenten, die französische These auf der ganzen Linie zum Siege geführt zu haben. Man unterstreicht besonders, daß Frankreich nicht eine einzige seiner Forderungen aufgegeben habe. Frankreich habe die Schlacht gewonnen. Man bedauerte nur, daß die fran-ösische Abordnung sich ein so mäßiges Ziel gesteckt habe. Min hätte eine weit höhere Abfindung von Deutschland fordern müssen Das der Regierung nahestehendeOeuvre" ist der Auffassung, daß man nicht nur das greifbare Ergebnis der Konferenz berücksichtigen dürfe, sondern insbesondere die Tatsache, daß die europäische Atmosphäre für die nächste Zukunft von den Gewitter­wolken befreit sei, die sie bisher bedrohten.

Amerikas Schlußfolgerung.

In der Newyorker Presse wird sestgestellt, die amerika­nische Regierung sei jetzt gezwungen, entweder die Kriegs- schulden zu streichen oder beträchtlich hcrabzusetzcn, oder aber die Schuld für die Verhinderung der Wiederkehr normaler Wirtschaftsbeziehungen auf sich zu nehmen. Wenn man die Haltung des Kongresses berücksichtige, so werde die amerikanische Regierung wahrscheinlich nichts anderes tun können, als int Dezember ein neue s Moratorium <ur die dann fälligen Zahlungen zu bewilligen.

W

Freude und Erbitterung in Amerika.

Die Befürchtungen der Steuerzahler.

In hohen politischen Kreisen Washingtons äußert man sich über die Lausanner Regelung höchst erfreut. Im Staatsdepartement wird erklärt, daß nun­mehr der Weg für die Regelung der Kriegs- schuldenfrage frei sei. Man betont jedoch wieder­um, daß die amerikanische Regierung eine Gesamtregelung ablchnc, sondern mit den Schuldncrländcrn einzeln verhandeln wolle. Die nächsten Schritte müßten nun von den Schuldncrländcrn unternommen werden.

Mitglieder des amerikanischen Kongresses äußern sich über die Regelung stark verbittert. Der republikanische Senator Johnson erklärte, bezüglich der S ch u l d e n st r c i ch u n g sei der Kongreß nicht so leicht zu betören, wie bei der Annahme des Moratoriums. Der Führer der demokratischen Mehrheit des Repräsentanten­hauses, Rainey, bezeichnete das Abkommen von Lausanne als nieder schmetternd. Präsident Hoover habe durch die Bewilligung. des Pioratoriums die LerMuM.

Was müssen wir jeht bezahlen?

Zu der Frage, was Deutschland trotz des Lausanner Abkommens auch weiterhin an politischen Zahlungen ans Ausland leisten muß, ist folgendes zu sagen: Zunächst ist wichtig zu wissen, daß die deutschen Zahlungen an Ame­rika in Lausanne nicht auf der Tagesordnung standen und deshalb durch das Abkommen nicht berührt werden. Das sind zunächst Zahlungen für die amerikanischen Scha­denersatzansprüche, zur Zeit jährlich fast 41 Millionen bis 1981, ferner Abzahlung der amerikanischen Besatzungs­kosten in Höhe von 25 Millionen Mark jährlich bis 1966. Nicht berührt durch Lausanne werden ferner die Zahlun­gen an Belgien auf Grund des sogenannten Mark­abkommens. Das sind zur Zeit 26 Millionen jährlich bis 1966; der Betrag verringert sich im Laufe der Jahre auf etwa 20 Millionen Mark. Weiter müssen laufend die Zinsen und die Tilgung aus der sogenannten Dawes- Anleihe und aus der Young-Anleihe bezahlt werden, zusammen zur Zeit 170 Millionen Mark jährlich. Die erste Anleihe ist 1949 getilgt, die zweite 1965. Dazu kommen nun noch die Zinsen und die Tilgung für die drei Milliarden Schuldverschreibungen, die wir als Abschlußzahlungen leisten sollen. Das erfordert jährlich rund 180 Millionen, die fällig werden, sobald die Schuld­verschreibungen auf den Markt kommen. Alles in allem ergibt das eine jährliche Belastung von 441 Millionen Mark durch politische Zahlungen an das Ausland. Dazu treten dann noch die schweren Belastungen durch die privaten Auslandsschulden. Wie war es mit den früheren Tributzahlungen? Nach dem Dawes- Plan aus dem Jahre 1924 sollte Deutschland jährlich 2500 Millionen aufbringen, nach dem Young-Plan aus dem Jahre 1930 war uns eine jährliche Belastung von durchschnittlich 2000 Millionen Mark bis zum Jahre 1988 auferlegt worden.

verletzt und zehn Milliarden Dollar aus der Hand gegeben, die die amerikanischen Steuer­zahler jetzt bezahlen müßten.

Fragezeichen.

Natürlich würde man es als Deutscher brennend gern glauben und erhoffen, daßdas Ergebnis von Lausanne politisch den Beginn einerneuenÄra unter den Völkern bedeute", wie der Reichskanzler in seinem Rückblick auf die Konferenz äußerte. Aber wir haben bei dem Gang, den die Reparationsfrage" seit 1924, dem Jahre des Dawes-Ver­trages, genommen hat, doch vor allew eines lernen müssen: lins vor übertriebenen Hoffnungen zu hüten. Ge­rade vor einem Jahr, als Amerikas Präsident Hoover durch den Vorschlag des Schuldenfeierjahres die Weltkrise wirklich anpackte, hat ihn Frankreich derart auf die Hand geschlagen, daß diesegroße Geste", daß dieser Rettungs­versuch nicht mehr die geringste Wirkung auszuüben ver­mochte und die Hoffnung auf Wiederbelebung des heiß er­sehntenWeltvertrauens" rasch dahinwelktc. Auch jetzt wieder wurde aus der von Deutschland und dem größten Teil der Welt geforderten endlichenGesamt­liquidierung des Weltkrieges" schließlich doch bloß eine endlose Paragraphenreihe. DasIch will nicht" Herriots erzwang ein Kompromiß. Zu der Dawes- und der Young-Plan-Anleihe soll noch eine dritte Verpflichtung solcher Art treten, und noch jahrzehntelang wird Deutsch­land die daraus sich ergebenden Leistungen tragen und er­füllen müssen, denen irgendwelche finanziellen oder wirt- schaftlichen Gegenleistungen nicht entsprechen. DerTri- b u t"charakter bleibt bestehen, und doch haben gerade die einseitigen Leistungsverpflichtungen Deutschlands die Welt­krise auf die Höhe von heute mit hinauftreiben helfen! Daß der Baseler Sachvcrständigenbericht diesen wirtschaft­lichen Irrsinn kennzeichnete, hat den französischen Minister­präsidenten nicht bewegen können, endlich davon abzu- stchen.I ch w i l l n i ch t!" war seine Antwort.

Aber hinter dem Ergebnis von Lausanne stehen noch verschiedene Fragezeichen, die einen wirklich entschie­denen und entscheidendenStoß nach oben" verhindern. Wenn wie mehrfach angedeutet wurde die Lage der deutschen Wirtschaft und unserer Finanzen das Nachgeben des Reichskanzlers gegenüber dem französischenNein!" erzwungen haben soll, so wäre das nur so etwa wie eine Wiederholung dessen, was sich beim Entstehen des Young- Plans abgespielt hat. Und wie damals stellt auch jetzt hin­sichtlich des Lausanner Abkommens die Frage der Rati­fizierung eine besondere Schwierigkeit dar. Denn alles hängt ja nun davon ab, wie sich Amerika als Gläubiger

Kleine Zeltuna für eilige £efer

* Reichskanzler v. Papen kehrte von Lausanne nach Berlin zurück. .

* Die Lausanner Konferenz wurde in einer feierlichen Sitzung geschloffen.

* In Schmiedeberg kam es zwischen Anhängern verschie­dener politischer Parteien zu blutigen Stratzenkampfen, an denen mehr als 600 Personen beteiligt waren.