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Nr. 161 — 1932 ______________________Fulda, Dienstag, 12. Juli 9. Jahrgang
War Lausanne ein Erfolg?
Oie Auswirkungen
des Lausanner Pakis.
„ Was der Reichskanzler sagt.
In den Streit über die Wirkung des E r g e b n i s s e s der Lausanner Konferenz greift Reichs- kanzlervonPapen nach seiner Rückkehr nach Berlin mit Erklärungen ein, die er der öffentlichen Meinung über die Haltung der deutschen Delegation und das erzielte Endresultat unterbreitete. An die Spitze seiner Ausführungen stellte er die Bemerkung, daß die Entscheidung darüber, ob man zu einer endgültigen Regelung der Reparationsfrage kommen, oder es auf ein Scheitern der Konferenz mit allen sich daraus ergebenden Folgen ankommen lassen wollte,
nie durch irgendwelche innenpolitischen Erwägungen beeinflußt
worden sei. Zur Sache selbst führte er aus, es sei nicht so gewesen, wie man es in der Öffentlichkeit lange ange- ,Hommen habe, daß wir etwa 10 0 M c ter vor dem Ziel gewesen wären, nachdem wir erst vor zwei Jahren einen Vertrag über eine Leistung von 35 Milliarden unterzeichnet hätten. Zwar habe sich inzwischen die Zahlung dieser Summe als unmöglich herausgestellt, aber ebensowenig wie wir die seit Versailles durch Deutschland geleisteten Unterschriften durch einen c i n s e i t i g e n Akt aus der Welt schaffen konnten, so wenig sei es möglich gewesen, die Reparationsfrage durch einen einseitigen Akt zu liquidieren. Als Volk von Selbstachtung sei Deutschland nur
der Weg der Verhandlungen übriggeblieben. Wenngleich es nicht gelungen sei, einen vollen Strich unter alle deutschen Leistungen zu setzen, so sei doch die in Lausanne gefundene Lösung so, daß sie nicht mehr die wirtschaftliche Gesundung Deutschlands neu gefährde, sondern sogar zur Voraussetzung ^ÄJäÄr^0" MM aller intcrnatio-
sei es höchst fraglich, ob die drei Milliarden Schuldverschreibungen überhaupt auf dem internationalen Markt untergebracht werden könnten. Wenn aber dies doch möglich sei, so würde es ein Beweis dafür sein, daß Deutschland tatsächlich sein wirtschaftliches Gleichgewicht wiederbekommen habe. Man dürfe auch ferner nicht vergessen, daß die gesamte Sanktiousfrage mit der Lausanner Lösung gefallen sei.
Man müsse auch bedenken, daß wir aus dem Hoover- jahr 10 Jahre lang Annuitäten von 190 Millionen Reichs-
Der Reichskanzler unterzeichnet den Palt von Lausanne. mark ab 1. Juli 1932 zu zahlen und zu transferieren tn allen Formen Rechtens verpflichtet waren und daß das Hoover-Moratorium nur für die Dauer der Konferenz verlängert gewesen wäre, bei einem Scheitern von ihr also unsere Nechtspflicht zu den Nachzahlungen sofort aufgelebt wäre. Der Reichskanzler betonte ferner die Wieder- erringung der
vollen Souveränität über die Rcichsbanl und die Reichsbahn.
Über die sich daraus ergebenden Fragen werden sich diese Instanzen mit den Treuhändern noch anseinandersetzen. Der Kanzler befaßte sich dann mit dem Vorwurf, daß er politische Fragen in Lausanne
angeschnitten habe, ohne daß eine Lösung hierfür garantiert gewesen sei. Wäre cs, so fragte der Kanzler, möglich gewesen — welche Regierung es auch gewesen sei —, bei der letzten internationalen Konferenz, die die Endlösung der Reparationsfrage bringen sollte, nicht auch die Frage Mzuschneidcn, die die Voraus-
s e tz u n g der ganzen Diskriminierungen Deutschlands im Versailler Vertrag gewesen ist? Sollten die Reparationsfragen fallen, so mußte auch der Vorwand fallen, der für die Auferlegung der politischen Lasten maßgebend war. Ich bin mir mit Ihnen darüber einig, daß
die Kriegsschuldfrage
durch die inzwischen geleistete Forschungsarbeit in unserem Sinne positiv entschieden worden ist. Ich bin mir mit Ihnen auch darüber einig, daß die Beseitigung des Schuldparagraphen nur durch den Widerruf der Mächte möglich sein würde. Es war mir auch von einer Reihe von Delegationen zugesagt worden, daß dieser Paragraph mit dem Teil VIII des Versailler Vertrages als gestrichen betrachtet sei. Für uns ist dies der Fall. Die Voraussetzung der wirtschaftlichen Befreiung der Welt, zumal da das Entfallen der Reparationen durch das Hoover-Jahr ohnehin eskomptiert worden war, ist die
Beseitigung der Diskriminierungen des Versailler Vertrages,
der auch in Deutschland die geistigen inneren Spannungen verursacht hat. Eine der großen Mächte habe die politischen deutschen Forderungen als völlig berechtigt anerkannt. Er, der Reichskanzler, sei zwar nicht in der Lage, über die Unterredungen zu sprechen, die er mit dem englischen Ministerpräsidenten gehabt habe, er erinnere aber an die Schlußrede Macdonalds, in der der Appell, die Diskriminierungen zu beseitigen, deutlich zum Ausdruck gekommen sei. In den nunmehr folgenden Verhandlungen sei die Grundlage gegeben,
in Genf die Gleichberechtigung auch in der Wchrfrage zu erreichen.
Während die Presse der Welt, so fuhr der Kanzler fort, die in Lausanne gefundene Lösung als das Ende der Reparationen und den Beginn einer neuen Aera bezeichnet, erscheint das Ergebnis in Deutschland
_ „durchdxu Wahlkampf stqrl verzerrt.
Das können wir nicht ändern. Wir werden abwarten, wie sich die Abmachungen auf die Wirtschaft und den deutschen Kredit auswirken.
Der Patt von Lausanne hat die Beziehungen unter den Mächten wesentlich verbessert. Im Zusammenhang mit den Maßnahmen, die die Reichsreg icrung nunmehr im Innern in Angriff nehmen wird, und in Übertragung der Folgen auf die Wirtschaft werden wir die Auswirkungen des Paktes von Lausanne abwarten.
*
Einmütigkeit im Reichskabinett.
Dank an die Lausanner Delegation.
In einer Kabinettssitzung erstattete der Reichskanzler einen eingehenden Bericht über den Verlauf tind das Ergebnis der Konferenz von Lausanne. Der Reichsminister des Innern sprach im Namen der in Berlin zurückgebliebenen Mitglieder des Reichskabinetts dem Reichskanzler und den übrigen Mitgliedern der Delegation den herzlichen Dank für die geleistete Arbeit aus. Die anschließende Beratung ergab die völlige Einmütigkeit des Reichskabinetts.
Vom Schuhmacher zum Millionär.
Der tfMofMifdie Schiihgrchixdiiftriclle Basil tödlich ötronoÄ
Eigene Funkmeldungen.
Prag, 12. Zuli. Der bekannte Schuhgrogindustrielle und Millionär Thomas Bat« ist heute früh auf einer Flugzeugreise nach der Schweiz tödlich verunglückt. Ueber den Hergang liegen bisher nur unvollständige private Mitteilungen vor. Danach ist der Apparat, der gegen 6 Uhr früh gestartet war, noch über Batas Pri- vatflugplatz in Otrikovice aus der Höhe von etwa 700 Metern plötzlich abgestürzt. Der Pilot war auf der Stelle tot. Bata selbst lebte noch, als man ihn aus den Krümmern herausholte. Er starb aber während der Ueberführung ins Krankenhaus. Was den Absturz herbeigeführt hat, konnte noch nicht geklärt werden.
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Thomas Bata.
Prag, 12. Juli. Mit dem tödlich verunglückten Bata ist ein Vertreter des straffsten Kapitalismus, der mit dem Streben nach Produktivität Sinn für mustergültige soziale Einrichtungen verband, seinem Wirkungskreise entzogen worden.
Thomas Bata wurde 1876 in Zlin (Mähren) als Sohn eines armen Schuhmachers geboren. Er erlernte bei seinem Vater das Schuhmachergewerbe. Frühzeitig machte sich bei ihm der Selbständigkeitstrieb geltend. Im Jahre 1894 gründete er seinen ersten eigenen Betrieb. Zn der Hauptepoche der Mechanisierung und Rationalisierung groß g^ worden, war er bestrebt, auch seinen kleinen Betrieb nach den Grundsätzen der Rationalisierung zu organisieren. Er ging nach Deutschland, um sich dort dem Studium der für seine Branche in Betracht kommenden Spezialmaschinen zu Widmen Die Früchte dieses Studiums wandte er im Jahre 1904. hu der Errichtung einer Minen Fabrik an.
Der Neichswirtschastsminister über die Belastung.
Bei dem Empfang der Presse durch den Reichskanzler äußerte sich nach dem Kanzler der Reichswirtschaftsminister Dr. W a r m b o l d über die Zahlungslasten. Wäre Lausanne ohne Ergebnis geblieben, dann hätten wir im Jahre 1933 mit der Abzahlung der von 1931/32 gestundeten Tribute ansangen müssen. Das hätte jährlich zehn Jahre lang 190 Millionen Mark ausgemacht. Die Summe hätte ohne Rücksicht aus die deutsche Zahlungsfähigkeit geleistet werden müssen. Nach dem Abkommen von Lausanne werden erst im Jahre 1936 die ersten Zinsen für die Abschlußzahlung fällig. Wenn es der Baseler Tributbank gelänge, von den drei Milliarden Schuldverschreibungen des Deutschen Reiches im Jahre 1936 rund 400 Millionen unter das Publikum zu bringen —, sehr unwahrscheinlich—, dann müßten wir für Verzinsung und Tilgung sechs Prozent, das sind 24 Millionen im Jahre 1936, aufbringen. Der Reichswirtschaftsminister stellte diese Zahl den oben genannten 190 Millionen gegenüber, um so den Erfolg von Lausanne klarzumachem
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Rückkehr zum tzoung-plan?
Herriot über den „Triumph der französischen These".
Herriot äußerte sich noch einmal kurz über das Er< gebnis der Lausanner Konferenz und gab dabei seiner besonderen Befriedigung darüber Ausdruck, daß das endgültige Abkommen keinerlei politische Klauseln enthalte. Diese Tatsache allein, so betonte er, stellt für Frankreich schon einenbedeutendenErfolg dar. Auch die drei Milliarden Mark, die Deutschland sich ver- pflichtet habe, zu zahlen, dürften nicht unterschätzt werden Endlich müsse man auch den Triumph der französischen These von der Achtung vor den Verträgen be. rücksichtigen und das Gentleman-Agrement, das die enge Verbindung zwischen Reparationen und interalliierten Schulden feststelle. Im Hoover-Moratorium sei auch eine Art Gleichberechtigung dieser beiden Schulden festgelegl worden, die sich aber eher gegen Frankreich gerichtet habe.
Sollten die Verhandlungen mit Amerika zu keinem Ergebnis führen, so würde man zum Aoungplan zurückkehren. Die Gläubigermächte würden sich in diesem Fall zusammenschließen und das Haager Schiedsgericht anrufen.
Aus maßgebenden Kreisen verlautet, daß Herriots angebliche Erklärung, daß int Falle einer Nichtratifika- t i o n des Lausanner Abkommens der Uoung-Plau wieder in Kraft trete, mit den Vereinbarungen in Widerspruch steht. Bis zur vollzogenen Ratifikation treten die Übergangsbestimmungen in Kraft, die keinerlei deutsche Zahlungen mehr vorsehen. Ratifiziert einer der sechs Untcrzeichnerstaaten den Vertrag nicht, so müßte nach einet ausdrücklichen Erklärung Macdonalds einencueKon- f e r e n z stattfindcn.
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Hätte Brüning mehr erreicht?
Brünings Freunde sagen heute, v. Papen sei bei den Verhandlungen in Lausanne von der Linie abgewichen, die Brüning einhalten wollte. Brüning hätte keiner Belastung mehr zugestimmt. Ob Brüning nun wirklich bei einem Nein geblieben wäre, oder ob er nicht schließlich
bei der die Handarbeit weitestgehend durch Maschinen ersetzt wurde. Seinen hochgespannten Anforderungen genügte aber dieser Betrieb nicht. Er ging mit einigen seiner Arbeiter nach Amerika, um die dortigen Arbeitsmethoden zu studieren. Er selbst verdingte sich als einfacher Arbeiter, da er nur so die Grundlagen der amerikanischen Betriebsverfassung auf das genaueste zu erfassen glaubte. Zn die Heimat zurückgekehrt, stellte er zunächst nur Leinen- schuhe her, die sich auf den österreich-ungarischen Markt günstig absetzen ließen. Zn dieser Zeit begannen seine ersten Versuche, den. Export möglichst großzügig zu betreiben.
Der Krieg, vor allem die Produktion von Militär- schuhen, nötigte ihn, auf die Erzeugung von Lederschuhen überzugehen. Von nun an nahm die Produktion seiner Betriebe einen phantastischen Umfang an. Bereits im Zahre 1917 lieferte er täglich bei einem Stamm von 4000 Arbeitern 10 000 Paar Schuhe. Der Idee der vertikalen Konzentration folgend, geht er dazu über, die Schuhfabrikation vom ersten Rohstoff bis zum Kunden in seiner Hand zu vereinigen. Er gliederte seinem Stamm- unternehmen immer mehr Hilfsindustrien an. Ende 1930 befanden sich allein in Zlin 32 Bata-Fabriken, in denen rund 16 000 Arbeiter eine Tagesleistung von 100 000 Paar Sä'"''-» erbrachten.
Neben seiner industriellen Tätigkeit widmete sich Bata auch den Angelegenheiten des öffentlichen Lebens in weitem Maße. Zn feiner Geburtsstadt Zlin war er Bürgermeister. Außerdem gehörte er der mährischen Landcsver- tretung an.
Meine Zcituagdfürâe Leser
* Ausführliche Erklärungen über die Auswirkungen tzeS Lausanner Paktes gaben der Reichskanzler und der Reichs- wirtschaftsminifter der Presse.
* DaS ReichSkabinett billigte einmütig das Vorgehen der deutschen Dclegarioa ig -Lausanne^