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Zulüaer /lnzeiger

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Nr. 163 1932

Fulda, Donnerstag, 14. Juli

9. Jahrgang

Die täglichen Strahenkiimpfe.

Nachtgefechte in Köln.

Auch ein Panzerwagen ist dabei.

In Köln kam es wiederum an mehreren Stellen zu Ausschreitungen von Kommunisten, die teilweise die Form des planmäßigen Angriffs gegen die Poligeikommandos annahmen. Die in großer Stärke ausgebotene Polizei mußte häufig von der Schußwaffe Gebrauch machen und Zur Wiederherstellung der Ordnung

einen Panzerwagen einsetzen.

Schon in den ersten Abendstunden wurde ein Umzug von Nationalsozialisten in Köln-Kalk vom organisierten kom­munistischen Massenselbstschutz gestört. Polizcibeamte wurden, als sie einschritten, an einer Stelle aus den Häusern beworfen, beschossen und mit heißem Wasser über­gossen. 17 Rädelsführer wurden bei dieser Gelegenheit sestgenommen.

Zu regelrechten Kampfhandlungen kam es dann um Mitternacht in der Elsaßstraße. §ier hatte der kommu- nlstlsche Massenselbstschutz an verschiedenen Stellen das Straßenpflaster aufgerissen, den Fahrdamm mit Glas­scherben überschüttet, Straßenlaternen gelöscht und die Durchfahrt durch Mülltonnen gesperrt.

Auf Polizeistreifen wurde geschossen.

In planmäßig durchgeführter Gegenaktion konnte schließ­lich unter Einsetzung des Panzerwagens die Ruhe in den Morgenstunden wiederhergestellt werden. Ganze Täufer- blocks wurden durchsucht, Hieb-, Stich- und Schußwaffen wurden beschlagnahmt. 5 3 Personen wurden fest- g e n o m m e n. Ob auf Seiten der Aufrührer Verletzungen vorgekommen sind, war nicht festzustellen. Ein Polizei- beamter wurde leicht verletzt.

Zusammenstöße im Kreise Plön.

In Elmschenhagen im Kreise Plön kam es Zn ^m'Ä^argeu frühe zu einem Zusammenstoß zwischen Reichsbanncrleuten und Nationalsozialisten, beide auf dem Heimweg von einer Kundgebung. Zwei Reichs­bannerleute wurden durch Schüsse verletzt. Als die Stelle des Zusammenstoßes abgesucht wurde, fand man Schlag- Instrumente aller Art sowie Hieb- und Schußwaffen. Die Polizei löste die Gruppen auf und sorgte für einen ge­trennten Abmarsch. 51 Personen wurden festgenommen und dem Polizeigefängnis zugeführt.

Schüsse auf Kommunisten.

In Wuppertal-Barmen wurde ein Lastauto, das mit Kommunisten besetzt war, beschossen. Zwei Insassen wurden verletzt. Einer erhielt einen lebens­gefährlichen Bauchschuß, der andere einen Schuß ins Gesicht. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Bei Marne in Holstein wurde der seit einigen Tagen vermißte Funktionär der KPD. Adolf Bauer in einem Landstraßengraben t o t aufgefunden. Die Leiche wies keinerlei äußere Verletzungen auf, doch fand man in der Nähe des Grabens Spuren eines heftigen Kampfes. Die weitere Untersuchung muß ergeben, ob es sich um ein Verbrechen handelt.

In S e l d e n b e i m an der Brenz wurde der 18jährige Nationalsozialist Weiß von Kommunisten durch drei Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Der Haupt- tater, der Kommunist John, konnte verhaftet werden.

Nürnberg wurde in der Nacht ein von einem Mädchen begleiteter Nationalsozialist von acht Leuten gestellt und gezwungen, seine Uniform auszuziehen. Die unbekannten Taler entfernten sich mit der Uniform

Die Zahl der Todes opser von Oh lau soll sich in- ^Üèn auf vier erhöht haben. Die vier Getöteten sind sämt­lich Nationalsozialisten. Zwei von ihnen hatten so schwere Verletzungen, daß sie noch nicht identifiziert werden konnten.

MH* $ s

Ausruf Severings.

Gegen die blutigen politischen A n s e i n a n d e r s e tz u n g e n.

Der preußische Innen- und Polizciminister Seve- r_t n a veröffentlicht einen Aufruf, in dem er sich mit dem

Freiwilliger Arbeitsdienst beschlossen.

Amtlich wird mitgctcilt: Da8 Reichskabinctt verab­schiedete in seiner Sitzung am Mittwoch nach Vortrag des Reichsarbeitsmtnistcrs eine Verordnung über den f r c i w i l l ig e n A r b e i t s d t c n st. 1

Die Verordnung wird veröffentlicht werden, nachdem sie dem Reichsrat zur Kenntnis gebracht worden ist.

*

Wie soll der Arbeitsdienst gestaltet werden?

Zu den zahlreichen Stimmen,' die zu dem Plan eines Arbeitsdienstes bisher laut wurden, kommt jetzt aiis den Kreisen von Handel u n d I n d u st r i e eine Stellungnahme. Die Industrie- und Handelskammern Boch um,Dortmund,Essen und Münster haben zur Frage der Arbeitsdienstpflicht folgende Entschließung angenommen: Die Einführung einer Arbeitsdienstpflicht in Deutschland erscheint uns angesichts der verheerenden Italischen und materiellen Lluswirkungen der Arbeitslosigkeit aus unsere Jugend ein Ziel zu sein, dessen

nuf nach Schutz gegen den zunehmenden blutigen Terror beschäftigt. Der Aufruf lautet:

Von Tag zu Tag werden die politischen Leiden­schaften wilder aufgehetzt, immer stärker überwuchern Verhetzung und blinder Haß die Besonnenheit und Vernunft, und lassen verkennen, daß auch der politische Gegner Volksgenosse und gleichberechtigter Staatsbürger ist. Die gewaltsamen Zusammenstöße mehren sich in er­schütternder Zahl. An Stelle geistiger Auseinandersetzung tritt der Kampf mit Messer und Revolver. Tag für Tag färbt das Blut deutscher Bürger das Pflaster, rast der politische Mord durch die Straßen der Dörfer und Städte.

Alle politischen Parteien überschütten die Behörden mit Klagen über mangelhaften Schutz und mit Beschwerden über den Terror der anderen. Wer

die Tätigkeit unserer Polizei aufmerksam verfolgt und gerecht beurteilt, wird zugeve» müssen, daß sie in diesen Unruhezeiten mehr als ihre Pflicht tut. Aber Wunder verrichten kann auch die Polizei nicht. Sie kann Bluttaten verfolgen, die Täter verhaften und dein Richter zuführen, die politischen blutigen Kämpfe verhindern kann die Polizei nur dann, wenn Frauen und Männer aller Parteien diese entsetzliche Entartung politischer Meinungskämpse einmütig ab- letznen und verabscheuen.

Man verlangt Sicherheit, mit Recht; die Polizei wird sie mit allen Kräften aufrechterhalten, aber die größte Sicherheit der Staatsbürger beruht auf dem Verzicht, die Sicherheit der anderen zu bedrohen. Man spricht von Selbstschutz; aber der wirksamste Selbstschutz ist die S e l b st z u ch t. Jeder andere vermeintliche Selbstschutz muß schließlich zu brutalem Faustrecht führen, und neue Blutströme würden seine unausbleibliche Folge sein. Aber es darf kein Blut mehr fließen.

Ich richte darum an alle, die guten Willens sind, die d ri n gen de B i t t e, der ruhige» Besonnenheit wieder Eingang ins politische Ringen zu verschaffen. Wenn dieFühreraller politischen Parteien und Verbände mithelfen, jeden Versuch gewaltsamer Auseinandersetzung zu unterdrücken und zu brandmarken, dann wird dem Morden Einhalt geboten und Deutschlands Ansehen in der Welt wiederhergestellt werden können."

*

Strengstes Vorgehen gegen unbefugtes Waffentragen.

Der preußische Minister des Innern hat an alle Polizeibehörden folgenden Funkspruch erlassen: Die täglich sich mehrenden Gewalttätigkeiten unter Ver­wendung von Schußwaffen machen schärf st es Vor­gehen gegen unbefugten' Waffenbesitz erforderlich. Alle Polizeibehörden haben gegen das unbefugte Führen von Waffen in jedem Falle unnachsichtlich vorzugehen und polizeiliche Haft gegen mit Waffen Betroffene auf die läng st mögliche D auer anzuordnen. Es muß mit allen Mitteln angestrebt werden, Schuß-, Hieb- und Stoß­waffen denjenigen aus den Händen zu nehmen, die Gewalttätigkeiten im politischen Kampf nicht ablehnen. Dabei erwarte ich von den Polizeiverwaltern, daß die strenge Durchführung dieser Maßnahmen gegen gewalt­tätige Elemente nicht zu einer Störung des politischen Lebens der friedfertigen Staatsbürger führt."

Gleichzeitig wird angeordnet, Versammlungen und Umzüge nur dann zu genehmigen, wenn genügend Polizeikräfte zur Sicherung der Ordnung zur Verfügung stehen.

Die Polizeibehörden sind bekanntlich berechtigt, wenn zemand im Besitz einer Waffe betroffen wird, Polizei- h a f t b i s z u 3 M o n a t e n ohne richterliche Anordnung durchzuführen. Durch richterlichen Spruch kann dann noch einmal eine dreimonatige Haft verfügt werden.

Verwirklichung mit allen Kräfte n zu cr st re bc n i st. Die Schwierigkeiten der Finanziern n g brauchen trotz unserer verzweifelten finanziellen Lage nicht unüber­windlich zn sein. Unter allen Umständen dürfen nur Arbeiten in Angriff genommen werden, die die P r i v a t - wirtschaft nicht würde übernehmen können. Eine wettere Voraussetzung zum Gelingen des Ganzen scheint uns zu sein, daß das Gänze schrittweise a u s d c m f r e i - w i l l i g e n A r b c i t s d i e n st entwickelt wird. Voni den vielen geistigen, politischen und wirtschaftspoli ttchen Rich­tungen her wird zur Zeit an der Verwirklichung der ^dee der Arbeitsdienstpflicht gearbeitet. Es besteht die Gefahr, daß sie sich gegenseitig zum Schaden der Sache den R a >r g a b z u l a n f e n s u ch e n. Wir schien deshalb an alle diese Stellen den dringenden Appell, sich bald zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuschlretzen, damit aus der Fülle der zum Teil sehr guten Ideen sich bald ein Plan herausschält, dessen BerwlrkUchung Deutschland vor wärtsbringt.

Ltmorganisaiion des Rundfunks.

Seit einiger Zeit sind Bestrebungen im Gange, das ganze Rundfunkwesen neu zu organisieren. Wie vom Reichsinnenministerium mitgeteilt wird, sind dort schon Pläne für die Umgestaltung vorbereitet. An Sielle der bestehenden Rundfunkgesellschaften sollen neue Gesell­schaften treten, deren Anteile zu 75 Prozent das Reich und zu 25 Prozent die Länder übernehmen. Den Intendanten werden Rundfunkkommissare beigegeben, die zum Teil vom Reichspostministerium, zum Teil vom Reichsinnenministerium ernannt werden. Der Reichsrundfunkkommissar wird durch zwei Direk­toren ersetzt, von denen der eine Chef der Technik und der andere Leiter der Verwaltungsgeschäfte wird. Den ersten ernennt der Reichsinnenminister.

Der Deutschlandsender Königswusterhausen soll R e i ch s s e n d e r werden und als solcher für Regie­rungsstunden zur Verfügung stehen. Die übrigen Sender müssen auf Wunsch derartige Vorträge weiterverbreiten.

DieGeheimnisse von Lausanne".

Einen Augenblick soll noch einmal auf den Schluß­satz des Lausanner Protokolls zurückgekommen werden. Dieser Satz hat nämlich einen nicht unerheblichen Reiz der Originalität; denn in ihm wird gesagt, daß das Lau­sanner Abkommen nurin einem einzigen Exem­plar" niedergelegt ist. Das ist nicht bloß auch einzig da­stehend in der Geschichte der Reparationskonferenzen seit dem Versailler Diktat, sondern ist gewissermaßen sym­bolisch für die Art, wie man in Lausanne zum Entschluß und Abschluß gekommen ist. Wobei man übrigens noch hinzufügen darf, daß nur der französische und englische Text amtlichen, international anzuerkennenden Charakter besitzt, es einen derart offiziellen deutschen Text aber nicht gibt.

Die in der Hast des Sich-Entschließens und des Ab- schlietzen-Müssens sich ergebenden Lücken und Zweifels­fragen, oie verschiedenen Auslegungs- und Ausdeutungs­möglichkeiten tauchten daher auch gleich bei der ersten Ge­legenheit auf, als nun einer der in und an Lausanne be­teiligten Ministerpräsidenten das Ergebnis vor das Par­lament seines Landes hinstellte. Das ist durch Mac­donald geschehen. Sieht man von den sympathischen, ja eindringlichen Worten ab, mit denen er die Notwendig­keit unseres wirtschaftlichen Wiederaufbaus begründete, so richtete sich gleich ein für uns deutsche überaus bedeut­samer Satz an die französische Adresse:Wenn der Plan von Lausanne nicht völlig ausgeführt wird, dann wird eine neue Konferenz stattsinden, so d man nicht auf den Aoung-Plan zurückzugreifen braucht." Das klingt ganz anders als die Äußerung Herriots, man werde diealten Stellungen" wieder beziehen, wenn eine allgemeine Ratifizierung des Lau­sanner Abkommens nicht zustandekomme. Allerdings ist dieses wie jenepersönliche" Auffassung der beiden Ministerpräsidenten!

Nicht minder bemerkenswert ist aber die Deutlichkeit in der Abwehr Macdonalds, sein Land in eine Art antiamerikanische Front" einspannen zu lassen, nur weil angeblich die interalliierte Schulden- regelungallein von Amerika abhänge" und damit auch die Ratifizierung des Lausanner Abkommens. Allerdings ist Macdonald mit keinem einzigen Wort auf die angeb­lichen oder wirklichen Geheim Verträge, dieGentle­men agreements" eingegangen, die wegen jener Schulden­regulierung zwischen England, Frankreich und Italien abgeschlossen sein sollen und auf die Herriot ganz unmiß­verständlich anspielte, was ebenso deutlich auch eine Festlegung Englands auf dieseenglisch-französisch-italie­nische Zusammenarbeit" vor aller Öffentlichkeit sein soll! DieseGeheimnisse von Lausanne" die es aber kaum noch sind stellen sich immer mehr als ein überaus kitzliger Punkt heraus. Und zwar nicht bloß für Amerika, wo man bereits mit lautem Schelten über diesen moralischen Druck" geantwortet hat, sondern auch für England, wo man schon befürchtet, die Zeche dieser Ge­heimverträge bezahlen zu müssen, wenn Amerika hart­hörig bleibt. Denn mit Fug und Recht kann England hoffen, von Washington in der Schuldenfrage sehr viel entgegenkommender behandelt zu werden als das in Gold­massen und Waffen strotzende Frankreich, das außerdem auch noch von der Arbeitslosigkeit in nur mäßig fühlbarer Weise getroffen ist und einen drei Vierteljahre dauernden G o l d k r i c g' mit Amerika geführt hat. Wenn man nun in Washington bei der interalliierten Schuldcnfrage dasselbe gegenüber Frankreich tut, was dieses Land uns gegenüber in der Tributfrage versucht, nämlich das Prinzip und die Prüfung der Zahlungsfähigkeit des Schuldners?! Hiergegen soll ja die geheimnisvoll in Lausanne vereinbarte antiamerikanische Front auf­marschieren.

Wenn man freilich die Worte und Bitten hört, die Macdonald in seiner Parlamentsrede an die Adresse

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Kleine Zeitung für eilige Leser

* Zu nächtlichen Strastenkäinpfen kam in aus anderen Teilen Deutschlands werden wieder polms-ye sammenftöße gemeldet.

* Aus AßmannShausen am Rhein schweiz und Norditalien kommen Nachrichten über schwere Unwetter, die große Schäden verursacht Haven.

* Die Besetzung deö HafcnS EharSin durch japanische und mandschurische Polizei hat erneut eine scharfe ^..annung zwischen Rußland und Japan geschaffen.