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Nr. 166 - 1832__________________________ Fulda, Montag, 18. Juli 9. Jahrgang
Straßenschlachten in Altona!
12 Tote, mehr als 20 Schwerverletzte.
Kommunisten beschietzen Nationalsozialisten und Polizei. Die Polizei erwidert das Feuer und setzt Panzerwagen ein. — Wieder Ruhe.
Die ersten Berichte:
Die Kommunisten haben in Altona gegen die auf- marschierenden Nationalsozialisten in der Altstadt, in der Großen Bergstraße, in der Johannisstraße und in der Bachstraße mehrere Überfälle verübt; es wurde dabei von beiden Seiten geschossen. Auf dem Schauplatz der Zu- iammcnstöße blieben viele Schwerverletzte zurück.
Nach den bisher vorliegenden Meldungen gab es drei Tote. Wie Augenzeugen berichten, gaben die Kommunisten, als der nationalsozialistische Zug die Straßen de Arbeiterviertels passierte, Schüsse aus den Häusern und von den Dächern auf die Zugteilnehmer ab. Die marschierenden Kolonen lösten sich teilweise auf, während der Rest gegen die Angreifer vorzugehen versuchte. Die an- rückende Polizei wurde ebenfalls aus den Häusern heraus beschossen, so daß sie gezwungen war, das Feuer zu erwidern.
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Es kam aber weit schlimmer!
Die schweren Zwischenfälle in Altona haben neueren Meldungen schlimme Folgen gehabt. Sie
nach sind
offenbar auf ein planmäßiges Vorgehen der „Antifaschistischen Aktion" zurückzuführen. Der Demonstrationszug der NSDAP, und die ihn begleitende Polizei wurden aus Häusern heraus beschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer. Die Zahl der Todesopfer soll sich auf 12 belaufen. Nach dem Bericht des städtischen Presseamtes sind 55 Personen ins städtische Krankenhaus cinge- licfert worden, darunter neun Tote und 28 Schwerverletzte.
Die Sanitätskolonnen hatten reichlich Arbeit, um die Verletzten zu bergen, die von ihren Parteigängern zumeist in die Häuser und Höfe abtransportiert worden sind. Der Straßenbahnverkehr in Hamburg war stellenweise vollkommen lahmgelegt, an vielen Straßenbahnen waren die Scheiben durch Schüsse zertrümmert. Trotz Einsatzes von Panzerwagen fuhren die kommunistischen Dachschiitzen fort, auf die Polizei zu feuern. Ganze Straßenzüge mußten von der Polizei Haus für Haus abgesucht werden, und eine große Anzahl Personen — man spricht von über 200 — wurde zwangsgestellt und ins Polizeipräsidium gebracht.
Die Ruhe in Altona wieder hergestellt.
Hamburg, 18. Juli. (Eigene Funkmeldung.) Um Mitternacht war in dem Unruhegebiet an der Hamburg-Alto- naer Grenze wieder völlige Ruhe eingekchrt. Die Polizei steht weiter mit Panzerwagen und Uebersallwagen bereit.
' Wie die NSDAP. Altona mitteilt, hatten die Nationalsozialisten bei den Unruhen zwei Tote und 30 Verletzte zu verzeichnen.
- Die blutigen Ereignisse in Altona.
* Altona, 18. Juli. (Eigene Funkmeldung.) Ueber die blutigen Ereignisse am gestrigen Sonntage liegt ein neuer amtlicher Bericht bisher nicht vor. Nach privaten Mitteilungen soll die Zahl der Todesopfer mindestens 12 betragen. Man rechnet auch mit dem Ableben verschiedener Verletzter und glaubt, daß von den Beteiligten noch weitere Todesopfer den Behörden geheim gehalten werden.
Unter den Verhafteten soll eine Anzahl mit der Waffe der Hand angetroffen worden sein. — Die Erregung in
in der Hand „ „ den Straßen ist heute früh wieder aufgeflackert, so daß die Polizei weiter mit starken Kräften eingesetzt werden mußte.
&
In Berlin ein SA.-Mann erschossen.
An verschiedenen Plätzen Berlins ist cs in der Nacht zum Sonntag sowie im Laufe des Sonntags selbst zu zahlreichen Zusammenstößen politischer Gegner gekommen, wobei die Polizei des öfteren von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte.
Im Südwesten Berlins
an der Ecke der Alten Jakob- und Hollmannustraße hatte sich eine große Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten entwickelt, wobei etwa zehn Schüsse abgegeben wurden. Der 23jährige SA. Mannn Friedrich Schr o v er aus der Blüchcrstraßc erhielt dabei einen Schutz in den How und verstarb kurz nach seiner Einlieferung int Urban-Krankenhaus. Kurz nach diesem Zusammenstoß und nicht weit davon entfernt, an der Ecke der Alexandrinenstraße, wurde ein Überfall/ wagen der Polizei beim Auscinanderbringen von streitenden politischen Gegnern mit Gläsern und Blumentöpfen b c- worfen. Die Polizei sah sich genötigt, Schreckschüsse av- zugeben. ...
Im Bezirk L i ch tcnber g wurde ein angeblich parteiloser Radfahrer von seinem Fahrrad gerissen unb durch mehrere Stiche im Rücken verletzt. In der Hauptstraße in Schöne« b e r g kam cs zu einem Handgemenge, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Desgleichen kam es zu größeren Ansammlungen von Kommunisten auch auf dem Küstriner Platz, in der Memeler Straße, in der Wcbcrwiese und in der Frankfurter Allee, wo die Kommunisten eine drohende Haltung gegen die Nationalsozialisten entnahmen. An all diesen Plätzen sah sich die Polizei gezwungen, Mit dem Gummiknüppel energisch vorzugehen unb Verhaftungen vorzunehmen.
Drei Monate polizeihast für verbotenen Waffenbesitz.
Die Schutzpolizei nahm bei den Zusammenstößen in Witten und Annese (Ruhr) zwischen Nationalsozialisten, Reichsbannerleuten und Kommunisten, wobei es mehrere Schwer- und Leichtverletzte gab, insgesamt 23 Personen fest. Die Polizei hielt nmsangrciche Durchsuchungen nach Waffen ab, wobei acht Schußwaffen und vier Totschläger vorgefunden wurden. Zwölf Personen, die als Besitzer der Waffen ermittelt wurden, sind gemäß § 17 der Notverordnung vom 17. Juni 1932 auf drei Monate in polizeiliche Haft genommen worden. Es dürfte dies der erste Fall der Verhängung von drei Monaten Polizeihaft für verbotenen Waffenbesitz sein.
*
Das Reichskabineti
vor schweren Entscheidungen.
Die Reichsminister sind ant Sonnabend zu einer Sitzung zusammengetreten, in der zunächst der Beschluß gefaßt wurde, die Osthilfemaßnahmen auch auf die an dieTschechei grenzenden bayerischen Gebiete auszudehncn, da diese Gebiete unter den tschechischen Grenzmaßnahmen besonders leiden. Weiter beschäftigten sich die Reichsminister mit der Lage auf der Genfer Abrüstungskonferenz. Der Hauptpunkt der Beratungen dürfte jedoch die innenpo litische Lage gewesen sein. Hier spitzen sich die Dinge immer mehr zu. Der scharfe Wahlkampf trägt natürlich dazu bei, die Gemüter aufs stärkste zu erhitzen. Nationalsozia- l t st i s ch e F ü h r e r haben in den letzten Taaen in Wabl-
Kolonie Oesterreich
Veerdigungsmsiitui Völkerbund.
Man hat in Genf beim Völkcrbunorat wieder einmal in aller Fröhlichkeit ein Leichenbegängnis veranstaltet. Mit lautem Schlag wurde der Sargdeckel zugeworfen und der letzte Rest jenes Versuches in die Erde versenkt, Deutschland und Österreich wenigstens wirtschaftlich und handelspolitisch zusammenzubringen. >zn Genf ist mit der A n l e i h e g e w ä h r u n g des Völkerbundes an Österreich etwas beerdigt worden, über das der französische Ministerpräsident die Leichenrede im Auswärtigen Ausschuß der Deputiertenkammer gehalten hat: „Österreich hat in Lausanne für 20 Jahre freiwillig aus den Anschluß unb ein Handelsbündnis mit Deutschland verzichtet." Diese „Freiwilligkeit war allerdings die eines Ertrinkenden, dem im letzten Augenblick ein Seil zugcworsen wird; nur weiß er, daß man es sofort zurückzieht, wenn er nicht alle ihm gestellten Bedingungen für seine „Rettung" annimmt, übrigens patzt diese „Hilseleistung" für Österreich recht gut zu der ganzen Lausanner Konferenz, nach deren formeller Beendigung man sich anch noch daran erinnerte, daß draußen vor der Tür der österreichische Bittsteller stand! «ur bau Linsengericht von etwa 20 Millionen Mark mußte er die politische, finanzielle und wirtschaftliche Souv^ ränität seines Staates verkaufen, — soweit davon noch etwas vorhanden war. Denn nun regieren in Österreich wieder die V ö l k c r b u n d k o in m i s s a r e , und von bei großen Anleihe erhält die Wiener Regierung nur etwa 40 Millionen Schilling, während rund 200 Millionen dazu dienen, um die ausgelaufenen Zins - und Amorti- sationsVerpflichtungen für ausländische Anleihen Österreichs zu bezahlen. Das meiste davon geht direkt oder indirekt doch wieder an Frankreich, so daß es diesem Staat weniger als ein Linsengericht kostet, wenn er sich jetzt in verbrieften und versiegelten Besitz der st a a t - lichen Hoheitsrechtc Österreichs setzen konnte. Unter beredtem Schweigen hörte sich der Volkerbnndrat du Erklärung des deutschen Vertreters an, er — enthaltc sich der Stimmabgabe bei dieser finanziellen StlfSaftiott, die an politische Bedingungen gebunden sei Deutschland hoffe, durch eine eigene Aktion an der Wicderaufnchtung Österreichs tcilnchmcn zu können. Das Ivar ein nicht gerade flammender Protest gegen dieses politische Er- Pressungsmanöver an Österreich, das der französischen Regierung und ihren ost- und südostcuropäischcn Trabanten- floaten nur allzu gut geglückt ist und bei dem man einen italienischen oder englischen Widerspruch nicht mehr gehört hat. Der Sargdeckel knallte zu.
Aber noch etwas anderes knallte zu: Es ist die ^ur, durch die Deutschland die Verbindung wirtschaftlicher Art mit dem Südosten Europas, mit dem „Donau-Raum , offensten wollte, wenn sich dort wirtschaftliche odei handelspolitische Neuordnungen vollziehen sollten. Dar- über ist schon genug geplant, geredet und konferiert, abei bisher noch nichts beschlossen worden, da den allzu drastl- schen Hcgemonicabsichten Frankreichs noch vor ein paai Monaten England einen gewissen Widerstand leistete. Allzu unverfroren hatte Tardieu versucht, Deutschland dabei.auszuschaltzn. Ob letzt. RaHLa.usqnne, Macdonald
Versammlungen übereinstimmend erklärt, die NSDAP, werde zur Selbsthilfe greifen, wenn nicht von Reichs wegen irgendwie gegen die Kommunisten vorgegangen werde. In Bielefeld kündigte Gregor Strasser an, man könne nur noch einige Tage warten, dann sei der Bogen überspannt. In Braunschweig erklärte Rechtsanwalt Frank II, wenn die Reichsregierung nicht innerhalb von 24 Stunden für Ordnung sorge, dann werde seine Partei zur Selbsthilfe greifen. Ähnlich hat sich Göhring im Berliner Sportpalast geäußert. Man darf wohl annehmen, daß den Reichsministern in ihrer Sitzung diese Äußerungen vorgelegen haben. Ob die Neichs- regierung sich zu irgendwelchen Sondermaßnahmen gegen die Kommunisten entschließt oder ganz allgemein zu verschärften Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung, darüber dürfte diese Woche einige Klarheit bringen.
Der Beginn der neuen Woche bringt der Öffentlichkeit auch die Verordnung des Reichsarbeitsministers über die
Neuregelung des freiwilligen Arbeitsdienstes.
Mit der Herausgabe der Verordnung wird die Reichsregierung ankündigen, daß die Vorbereitung für die Einführung einer Arbeitsdienst Pflicht mit größter Beschleunigung betrieben wird.
Auch parlamentarisch bringt die neue Woche etwas Neues: einen Reichstagskampf im kleinen
im sogenannten Überwachungsausschuß.
Dieser Reichstagsausschuß ist bekanntlich dazu bestellt, zwischen den Wahlen die verfassungsmäßigen Rechte des Parlaments gegenüber der Regierung zu wahren. Der Ausschuß tritt am Freitag zusammen, und zwar gegen den Willen seines Vorsitzenden, des Nationalsozialisten Strasser. Er hat die Einberufung abgelehnt, darauf hat das älteste Mitglied, ein Sozialdemokrat, die Mitglieder cinberufen. Es wird nun höchstwahrscheinlich zu einem kräftigenKrachim Ausschuß zwischen Sozialdemokratie und Zentrum einerseits und den Nationalsozialisten andererseits kommen.
Daß auch die Preutzenregierung heiße Tage erwartet, zeigt ihre Aufforderung an alle int Urlaub befindlichen politischen Beamten, den Urlaub sofort abzubrcchen und nach Berlin zurückzukehren.
dem so eng „befreundeten" Herriot in den Arm fallen wird, wenn nun wirklich die wirtschaftlichen Reformplänk für die Donaustaaten festere Formen unter Frankreichs Leitung und italienischem Wohlwollen annehmen?
Gewiß sind diese Pläne wirtschaftlicher Irrsinn, wenn man Deutschland dabei fernhalten will, aber es wäre jo nicht das erstemal, daß die wirtschaftliche Vernunft von der Politik einfach aus den Kopf gestellt wird mit dem Trost, das geschehe „freiwillig"! Und man dürfte uns kaum Gelegenheit geben, uns „am Wiederaufbau Österreichs zu beteiligen", übrigens ist diese Völkerbund- Anleihe französischer Herkunft auch ein geradezu klassisches Beispiel dafür, wie man mittels eines solchen finanziellen Rettunksstrickes den Anleihenehmer politisch fesseln kann, — was zu wissen und zu sehen auch für uns Teutsche recht lehrreich sein mag!
Werden doch die Folgen der Lausanner Ergebnislosigkeit auch nach anderen Seiten auf handelspolitischem Gebiete immer deutlicher sichtbar! Rings um uns bildeten oder bilden sichgrößereWirtschaftsräumc durch zoll- und handelspolitischen Zusammenschluß kleinerer Staaten, — immer mit unverkennbarer Spitze gegen Deutschland. So hat sich schon längst der skandinavische Norden mit Einschluß Dänemarks zusammengefunden, dann folgten die neuen Ostseestaatcn, und jetzt die Vereinbarungen zwischen Holland und Belgien-Luxcm- burg. Man stößt zum mindesten einige Löcher in die zoll- politischen Jsolierwände, die man gegeneinander errichtet hat, — aber gegenüber Deutschland denkt man nicht daran, das gleiche zu tun. Und daß England heute nicht nach dem europäischen Kontinent blickt, wo es sich übrigens auch durch den Artikel 4 des Konsultativ-Abkommens mit Frankreich, Italien und Belgien Handels- und zollpolitisch vor unangenehmen Überraschungen bis auf weiteres gesichert hat, — daß England vielmehr jetzt und für die nächste Zeit nur auf die Reichskonferenz von Ottawa horcht, das alles kann das Bild von der Vereinsamung Deutschlands nur noch unverkennbarer machen.
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Anleihe und — Anschlußverbot.
Bölkerbundrat hat österreichisches Anleiheprotokoll angenommen.
Der Völkerbundrat nahm das Protokoll über die Anleihe an Österreich, das von dem Ausschuß finanzieller Regierungssachverständiger während der Lausanner Kon-
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Kleine Zeitung für eilige £efer
* Reichskanzler v. Papen ist von Neudeck nach Berlin zurück-
grkehrt. , h.
* Der preußische Innenminister hat die «ck ÄAâAöden lichen politischen Beamten im Hinblick auf die de
Wahlen telegraphisch zurückgerufen. -in-iaen
* Eine Hitzewelle forderte in «mer.ka an emem einzigen Tage 42 Todesopfer Rumänien meldete al Grad 4^ .
* Zn Altona kam cs ^ ©o««^ ^ JS zwischen Kommunisten und Polizei: " Personen m.roen g. tötet, viele verletzt, _____. - - - ------ - -