Zul-aer Anzeiger
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Nr. 176 — 1932
Fulda, Freitag, 29. Juli
9. Jahrgang
Der Platz an der Sonne.
Für Veutschlaads Gleichbelechiiguns
Eine Unterredung mit Reichskanzler von Papen.
Reichskanzler von Papen äußerte sich einem Vertreter der amerikanischen Nachrichtenagentur United Preß gegenüber eingehend über die Absichten seiner Regierung. Der Kanzler hob zunächst hervor, der rascheste Weg zur Wiederherstellung der Wohlfahrt der Welt bestände darin, daß Deutschland seinen PlatzandcrSoune zurück- erhalte. Die Welt könne nicht wieder zu Wohlstand gelangen, bevor nicht Deutschland seine Stellung als gleichberechtigter Staat wieder cinnehme; das gelte sowohl für das moralische und politische Gebiet wie für Wirtschafts- sragen. „Meine Regierung", erklärte er, „sieht ihre
vornehmste Ausgabe
darin, Deutschland die wirtschaftliche und politische Stellung im Völkerleben zurückzugewinnen, aus die es Anspruch hat. Bei Erfüllung dieser Funktion würden wir nicht nur die Lebensfähigkeit Europas erhöhen, sondern auch in erheblichem Maße zur Lösung der gesamten Welt- krisis beitragen. Dabei habe ich selbstverständlich im An/e, daß im Interesse der Welt den ungeheuerlichen 3) i § f ^ i = minationen, deren Gegenstand Deutschland durch den Versailler Vertrag geworden ist, ein Ende gemacht werden muß, und daß z. B. die moralische Ächtung Deutschlands, die in der K r i e g s s ch u l d l ü g e liegt und in der Wegnahme unserer Kolonien zum Ausdruck kommt, dre unter der Begründung erfolgte, daß wir die schlechtesten Kolonisatoren der Welt seien, abgeschafft werden muß.
7.<Wf gegen diese Ächtungsbestimmungen wird unerbittlich svrtgeführt werden."
Über
die Stabilität seiner Regierung
befragt, meinte der Kanzler, daß sich wegen der Ungewiß- JHL^ Ausganges der Wahlen am Sonntag für des •«KW seiner Regierung kaum eine Prognose stellen lasse. Er erwähnte icdoch die Möglichkeit, daß die National- ™ zusammen mit den 'Deutschnationalen eine Mehrheit im Reichstag erzielten oder daß diese Parteien gemeinsam mit dem Zentrum das neue Kabinett bildeten, oder daß sie sich schließlich auch auf die Stützung der gegen, wärtigen Regierung einigen könnten.
Auf die Frage, ob Deutschlands Forderung aus Gleichberechtigung in Rüstungssragen oedeute, daß Deutschland aufrüsten wolle, wenn die anderen Mächte nicht abrüstetcn, erklärte der Kanzler: „Nein, mir wollen ein Heer lediglich für unsere eigene Sicherheit und den Schutz unserer Grenzen, die keineswegs so gesichert sind wie die Grenzen Frankreichs. Das heißt ilicht, daß wir ein Heer verlangen, das Mann für Mann so stark sein mutz als das Frankreichs, sondern daß wir auf moralischer Ebenbürtigkeit und dem Recht bestehen, eine moderne militärische Ausrüstung zu besitzen."
Auf die Bitte, seine Auffassung über
die deutsch-französischen Beziehungen
näher darzulegen, betonte der Kanzler, daß er nie ein militärisches Bündnis zwischen Deutschland und Frankreich vorgeschlagen habe. Er habe jedoch bei Herriot ge- ^bâche Besprechungen zwischen den Generalstäbcn Deutschlands und Frankreichs angeregt, die dazu dienen wüten, Mißtrauen zu zerstreuen und beiden Staaten Sicherheit zu gewährleisten.
Äsmmmkheit Mei Reich md Preuße«.
Einsparung von Landkreisen und Amisgerichlen.
Verwâltungsvercinfachuug in Preußen.
Das preußische Staatsministerium hat sich mit der grundsätzlichen Frage einer Verwaltungsreform in Preußen beschäftigt. Das Staatsministerium ist der Ansicht, daß die Verwaltungsreform mit größter Beschleunigung durchgeführt werden und mit der Zusammenlegung einer ganzen Reihe von Landkreisen beginnen muß. Es wird sich im wesentlichen darum handeln, daß die Land- rretse mit weniger als 20 000 Einwohnern mit anderen ' nn l^n zusämmengelegt werden.
„ 0t beabsichtigt, 58 kleine Landkreise in Preusien Nit nur geringer Einwohnerzahl, die jedoch trotzdem bis- c ^mlidj großen Verwaltungsapparat gehabt , auszuhebert und mit anderen Landkreisen zusam- Betracht kommen einmal Gebiete in der 'n denen noch aus alter Zeit kleine Velwaltungseinherten üblich sind. Weiter kommen Gc- blete in der Provinz Hessen und in der Provinz Sachsen .Pracht. Die Zusammenlegung der Landratsämter soll im übrigen so erfolgen, daß keine besondere Bchinde-
der Bevölkerung eintritt. Die Verwaltungsreform in Preußen wird sich später auch auf eine Reihe von Amtsgerichtsbezirkeu erstrecken müssen.
Der mit der Wahrung der Geschäfte des preußischen Innenministers beauftragte Bevollmächtigte des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, gibt über die Verwaltungsvereinfachung folgendes bekannt:
— „3 h Ausführung der zweiten preußischen Sparver-
Aus die Frage, ob nach seiner Ansicht die Wiederherstellung Deutschlands auch
die Wiedereinführung der Monarchie mit sich bringen würde, meinte der Kanzler u. a.: „Wir haben andere Probleme zu lösen, die weit wichtiger sind. Die ganze Frage ist heute einfach nicht aktuell." Hinsichtlich der inneren Verhältnisse Deutschlands betonte der Kanzler, der Staat sei durchaus in der Lage, mit der
Kommunistengefahr
fertig zu werden. Ter gegenwärtige Kampf seiner Regierung gegen den Kommunismus richte sich gegen den geistigen und kulturellen Bolschewismus. Er fügte hinzu, daß die Kommunistische Partei nach den Reichstagswahlen nicht aufgelöst oder außerhalb des Gesetzes gestellt werden soll. Hinsichtlich der
Privatverschuldung Deutschlands
betonte der Kanzler, daß Deutschland durchaus die Absicht habe, seine Schulden zu tilgen. Wenn die Frage nach einer Herabsetzung der.Zinsrate für Deutschlands private Schulden an das Ausland zur Erörterung komme, so werde Deutschland gewiß nicht einseitig Schritte in dieser Richtung unternehmen, sondern eine Einigung mit seinen Gläubigern zu erzielen suchen. Er hoffe zuversichtlich, daß durch eine Einigung mit Deutschlands Privatgläubigern ein Transfer-Moratorium umgangen werden könne.
Zum Schluß betonte der Kanzler „die Enttäuschung, die in Deutschland Platz gegriffen hat, als der Erfolg der Lausanner Konferenz plötzlich durch die Art entwertet zu sein schien, in der das Gentlemenabkommen zwischen England, Frankreich, Italien und Belgien und der französisch- mglische Konsultativpakt ans Licht kamen und mißverstanden wurden". über die Aussichten für eine
Ratifizierung des Lausanner Abkommens meinte der Kanzler: „Deutschland braucht sich nicht zu beeilen, den Vertrag zu ratisizieren, sondern wird zunächst arten, .waL die anderen Mächte . ..."
*
Die ErtüchiLgung -er Jugend.
Die Absichten der Reichsregierung.
Die Reichsregierung hat die Absicht, sich besonders der Betreuung der Jugend anzunehmen, und zu diesem Zwecke werden Leitsätze zusammengestellt, um mit den vorhandenen geringen Mitteln eine möglichst weitreichende Wirkung zu erzielen. Gerade mit Rücksicht auf die geringen Mittel wird cs sich um keine neue Organisation handeln, sondern es wird zurückgegriffen auf die Verbände, die alle, soweit sie sich dem Plane der Regierung zur Verfügung stellen, an dem Ausbau mitarbeiten können, wobei selbstverständlich die kommunistischen Verbände wegen ihrer Gesamteinstellung nicht in Frage kommen.
Der Grundgedanke des Planes ist, den Volkssport und Wehrsport gewissermaßen positiv abzugrenzen und bestimmte Richtlinien zu geben, in welcher Form die Ertüchtigung der Jugend durchgeführt werden soll. Dabei werden nicht einzelne Verbünde subventioniert und auch kein neuer Verband gegründet. Man wird auf einem anderen Wege vorgehen, indem man den Unterführern der verschiedenen Verbände Gelegenheit gibt, sich nach den von der Reichsregierung aufzustellenden Grundsätzen auszubilden. Im Laufe dèr nächsten Woche werden die Richtlinien der Regierung und nähere Einzelheiten über die umfassende Organisation bekanntgegeben werden.
ordnung vom 23. Dezember 1931 ist durch Verordnung des preußischen Staatsministeriums vom 27. Juli eine größere Anzahl von Landkreisen und Amtsgerichten ei »gespart ivordcn. Die Einzelheiten dieser Verordnung können zur Zeit noch nicht bekanntgegeben werden, da mit Rücksicht auf den Umfang des Gcsetzgcbungswerks, das über einen Bogen umfaßt, sich eine Veröffentlichung in so kurzer Frist technisch nicht durchführen läßt, insbesondere aber auch deshalb, weil die Veröffentlichung einzelner Teile der Verordnung nicht den erforderlichen Gesamtüberblick geben würde und daher zu Mitzverständlichkeiten und falschen Schlüssen führen könnte. Abgesehen von diesen Einsparungen in der Lokalinstanz, stehen weitere Maßnahmen mit dem Ziel einer Konzentration in der Zentralinstanz bevor.
Mit der Reichsregierung sind Verhandlungen über eine engere Zusammenarbeit und zweckmäßigere Aufteilung der Aufgaben zwischen Reich und Preußen ein- gcleitct. Bei diesen Verhandlungen mirb die Frage im Vordergrund stehen, ob die unter dem Zwang der Verhältnisse durch die Notverordnung vom 8. Juni 1932 auferlegten drückenden Lasten wieder beseitigt o d c r n> c n i g st e „ s g c m i l d c r t werden können."
Es wird davon gesprochen, daß für eine Zusammenlegung mit Reichsministerien vor allem in Betracht kommen: die preußischen Ministerien für Landwirtschaft, Handel und Volkswohlfahrt, deren Aufgaben die Reichsministerien für Ernährung, Wirtschaft und Arbeit übernehmen sollen. Ob dieser Weg gemahlt wird, oder eine Zusammenlegung der preußischen Ministerien untereinander, läßt sich noch nicht übersehen. Sicher ist aber, daß eine erhebliche Verkleinerung der preußischen Zentralverwaltung bcvorstebt.
Die Landgemeinden gegen unzweckmäßige streiszusammenlegung.
Vom Verband der preußischen Landgemeinden wird zu der geplanten Verwaltungsreform in Preußen u. a. mitgeteilt: Wie wir hören, sollen 58 preußische Kreise verschwinden. Besonders wird davon die Provinz Hannover betroffen, in der sich eine beträchtliche Zahl von Kreisen mit geringerer Bevölkerungszahl befindet. Dieser Plan, der zum 1. Oktober durchgeführt werden soll, ist an sich nichts Neues. Immerhin muß man davon überrascht sein, daß sich die gegenwärtige Regierung für eine baldige Reform in diesem Sinne einsetzt, weil bekanntlich bereits seinerzeit dieser Plan zu den erheblichsten Widerständen in allen Teilen der Bevölkerung geführt hat und deshalb fallengelassen wurde.
Die Regierung ist sich sicherlich darüber klar, daß wesentliche finanzielle Ersparnisse bei einer derartigen Verwaltungsreform von unten nicht gemacht werden können. Die Vergrößerung der Verwaltungsbezirke wird vielfach eine Steigerung der Ausgaben für die kreis- eingesessene Bevölkerung und eine Erschwernis im Verkehr zwischen dieser und den Behörden zur Folge haben.
Nach den Erfahrungen, die mit der Vergrößerung der Verwaltungsbezirke bei den zahlreichen Eingemeindungen in den letzten Jahren gemacht worden sind, sollte man eigentlich erwarten, daß eine Reform der Verwaltung, wenn sie von praktischem Wert und Erfolg begleitet sein soll, nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten gemacht wird. Sie kann sich nur dann siegreich auswirken, wenn man die Selbstverwaltung st ä r k t, jedoch nicht durch schematische Aufhebungen und Zusammenlegungen von Verwaltungskörperschaften schwächt und untergräbt.
Der Reichstagsabgeordnete Schmid t-Hannover hat gegen die beabsichtigte Zusammenlegung hannoverscher Landkreise beim Reichskommissar für Preußen aus politischen und volkswirtschaftlichen Gründen nachdrücklich Widerspruch erhoben. Er hat gleichzeitig ersucht, vor der Entscheidung über diese Frage bodenständige Vertreter der betroffenen Kreise gutachtlich zu hören.
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Gayl und Hirisiefer.
Eine amtliche Richtigstellung zur Reichsratssitzung.
Amtlich wird mitgeteilt: In Berliner Zeitungen sind unwahre Nachrichten über den Verlauf der Sitzung der vereinigten Ausschüsse des Reichsrats vom 27. Juli 1932 verbreitet worden. Insbesondere ist mitgeteilt, daß der den Vorsitz führende Reichsinnenminister den zu der Sitzung erschienenen Staatsminister Hirtsiefer unter Androhung von Gewalt zum Verlassen der Sitzung aufgefordert habe. Richtig ist folgendes:
Als der Reichsinnenminister das Reichstagsgebäude zu der Sitzung der Ausschüsse über die neuen Rundfunkleitsätze betrat, wurde ihm gemeldet, daß Minister Hirtsiefer im Sitzungssaal des Reichsrates anwesend sei und offenbar die Absicht habe, als Vertreter des Landes Preußen an der bevorstehenden Sitzung teilzunehmen. Der Reichsinnenminister ließ Staatsminister Hirtsiefer in das Ministerzimmer bitten. In der dort abgehaltenen und einige Minuten dauernden Aussprache über die Rechtslage gelang es dem Reichsinnenminister, Staatsminister Hirtsiefer davon zu überzeugen, daß er seinen Zweck ebensogut durch ein Protestschreibcn an den Reichskanzler wie durch Erscheinen in der Sitzung erreichen könne.
Der Reichsinncnminister vertrat dabei den Standpunkt der Reichsregierung, daß mit der Ausübung der Tätigkeit des Ministeramtes auch das Amt als preußischer Bevollmächtigter zum Reichsrat ruhen müsse. Eine Beeinträchtigung der Rechte des Landes Preußen durch Stimmverlust trete nicht ein, da die preußischen Regierungsstimmen einheitlich von einem Bevollmächtigten abgegeben werden. Staatsminister Hirtsiefer und der Reichsinnenminister sind überhaupt nicht zusammen im Sitzungssaal gewesen. Von einem Hinausweisen und einer Androhung von Gewalt kann daher nicht die Rede sein. Nach der Unterredung, die in den angenehmsten äußeren Formen verlief, trennten sich die beiden Minister mit Händedruck.
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Neue Verabschiedungen in Preußen.
Das preußische Staatsministerium hat, wie amtlich mitgeteilt wird, folgende neue Personalverändcrungcn beschlossen:
Der Ministerialdirektor beim preußischen Staatsministerium Dr. Brecht wird mit Rücksicht aus die sich aus der Tatsache der Vertretung der bisherigen preußischen Staatsregierung vor dem StaatsgcrichtShof für sein Amt ergebenden Schwieriakeiten in den einsiweiliaen Rubcsiand verlebt: die
Meine Zeitung für eilige Leser
* Reichskanzler von Papen gab in einer Überredung wichtige Erklärungen über die internationale Stellung -cuucy lands ab. —
* Nach einem Beschluß der preußischen StaatSregien^ in Preußen eine Zusammenlegung kleiner -and Amtsgcrichtöbczirlc erfolgen. Tauchern fest-
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"fÄ^ tium herausgegcbcn werden sollen oic i t der Jugend regeln.