Zuldaer /lnzeiger
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Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda.
Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.
Nr. 206 — 1332
NeLaktlon und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernsprech-Nnsthluß Nr. 2-4-
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Fulda, Freitag, 2. September
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9. Jahrgang
Die Forderung nach Rüstungrgleichheit
Um Deutschlands Verleidigungsrecht
Zu den Meldungen aus Paris, Deutschland habe dort eine Note mit der Forderung auf Gleichberechtigung in der Nüstungsfrage überreichen lassen, wird von maßgebender deutscher Seite Stellung genommen und dazu erklärt, daß es sich nicht um eine Note handelt, die Berlin in dieser Sache nach Paris geschickt habe, sondern um die schriftliche Aufzeichnung der Darlegungen, die der deutsche Außenminister v. N e u r a t h dem französischen Botschafter in Berlin zur Nüstungsfrage gegeben hat. Mit dem Schritt des deutschen Außenministers haben die diplomatischen Verhandlungen um die deutsche Gleichberech- tigungsforderung begonnen.
. Schon bei den Genfer Verhandlungen der Abrüstungskonferenz wurde verabredet — so wird von zuständiger Seite betont —, daß die Verhandlungen über die deutschen Forderungen Ende August wieder ausgenommen werden sollen. Entsprechend diesen Abmachungen hat der deutsche Außenminister v. Neurath den französischen Botschafter in Berlin, Fran?ois-Poncet, aufgesucht und ihn über die Auffassung der deutschen Regierung unterrichtet. Am Schluß der Unterredung hat der deutsche Außenminister seine Äußerungen, um Mißverständnissen vorzubeugen,
schriftlich dem französischen Botschafter überreicht, der sie dann an seine Regierung in Paris telegraphieren ließ. Es handelt sich also nicht, wie von zuständiger Seite betont wird, um eine deutsche Note. Minister v. Neurath hat in der Unterredung mit dem Vertreter Frankreichs den Standpunkt eingenommen, auf dem seit jeher in allen Verhandlungen über die Rüstungsfrage verharrt worden ist, den Standpunkt nämlich, daß die Abrüstung der andern entsprechend den Bestimmungen von Versailles
dem Muster der deuftchcy Abrüstung
müsse. Nach den bisherigen Beschlüssen der
Abrüstungskonferenz wollen aber die anderen in ihrer Abrüstung nicht so weit gehen, wie es der Versailler Vertrag von Deutschland verlangt. In diesen Beschlüssen war nicht davon die Rede, daß auch Deutschland das Recht haben soll, von den Bestimmungen des Versailler Vertrages ebenso abzuweichen wie die anderen. Aus diesem Grund hat es Deutschland abgelehnt, diese Beschlüsse zu unterschreiben und hat sich weitere Schritte vorbehalten. Die anderen Mächte haben ganz klar zu erkennen gegeben, daß sie für sich eine andere Abrüstungsmethode verlangen, als sie Deutschland auferlegt worden ist.
Aus dieser Tatsache ergibt sich für Deutschland das selbstverständliche Recht,
seinen Abrüstungsstand dem der anderen anzupassen.
Welche Maßnahmen da für Deutschland in Frage kommen, richtet sich ganz nach Art und Umfang der Abrüstung, wie sie für die anderen auf der Abrüstungskonferenz beschlossen werden. Deshalb können auch von deutscher Seite noch keine Einzelheiten über die Maßnahmen bezüglich der Ausgestaltung des Heeres genannt werden. Erst muß das Schlußergebnis der Abrüstungskonferenz vorliegen, dann wird man sich auch mit den Einzelheiten beschäftigen. Die Pariser Blätter haben zwar behauptet, Deutschland hätte schon ganz genaue Einzelforderungen vorgelegt; das stimmt aber nicht. Die jetzigen Verhandlungen drehen sich
nur um die grundsätzliche Anerkennung des deutschen Standpunktes.
Deutschland hat die Verhandlungen darüber zunächst mit Frankreich ausgenommen, weil sich die französische Regierung noch am w c n i g st e n den deutschen Forderungen genähert hat. Die übrigen Mächte sind über die mit Paris aufgenommenen Verhandlungen gleichzeitig informiert worden.
Über die Unterredung des deutschen Außenministers mit dem französischen Botschafter war beiderseits Geheimhaltung vereinbart worden, aber die Franzosen haben sich, wie die Meldung aus Paris beweist, nicht an diese Abmachung gehalten.
*
Pariser Trommelfeuer
gegen Deutschland.
In der französischen Presse hat die Überreichung der deutschen Denkschrift über die Rüstungsglcichheit wie eine Bombe eingeschlagen. Die Pariser Blätter setzten sofort mit stärkstem Trommelfeuer gegen Deutschland ein, um aus diese Weise auch die Weltöffentlichkeit auf ihre Serie zu ziehen. Ministerpräsident Herriot wird beschworen, den deutschen Forderungen ein unnachgiebiges Nein entgegcnzusetzen und sich nicht zu irgendwelchen Zu- gestandnlssen auf dem Gebiet der Versailler Militärklauseln bewegen zu lassen. Es wird ihm vorgcworfcn, in Lausanne zu entgegenkommend gewesen zu sein. Es er- ubrigt sich, hier einzelne französische Stimmen anzuführen, da sie m ihrer Grundtendenz alle vollkommen ablehnend und von Haß gegen Deutschland diktiert sind.
Das „Journal" will übrigens in der Lage sein, die Forderungen Deutschlands, die in der Denkschrift auf- geführt werden, zu kennen. Danach fordere Deutschland:
1. Eine Änderung der bisherigen Statuten der Reichs- 9 A^ie sich aus der lLjährigen Dienstzeit aufbanen, Einführung enger Mllltärdieâeit. die ein Mittel
zwischen der Militärdienstpflicht und der Dienstzeit
eines Berufsheeres darstellt,
3. Schaffung eines Heeres von 300 000 Mann,
4. Wiederherstellung der schweren Artillerie und Küstenartillerie,
5. die Schaffung eines Parks von Tanks,
6.
7.
8.
Schaffung einer Militârsliegerei, Einrichtung von Schulen zur Ausbildung Militärfliegern,
der
von
Ausdehnung der Marine durch den Bau Kreuzern, Panzerkreuzern und Unterseebooten.
9. Anlegung von Befestigungswerken,
10. die Schaffung von 35 neuen Fabriken für die Herstellung von Kriegsmaterial.
Es dürfte sich bei diesen Angaben des „Journal" mehr oder weniger um Kombinationen handeln, die das Blatt aus Äußerungen zusammengestellt hat, die führende
von
deutsche Politiker in letzter Zeit zu dieser dringenden Frage gemacht haben.
Die Auffassung in England.
Der englische Standpunkt zur deutschen Rüstungs- erklärung kann folgendermaßen umrissen werden. England erkennt die Logik der deutschen Forderung vollkommen an und ist sich über den moralischen und ethischen
Politische Tagesfragen
Nie Iertzandlunsen zwischen
Nationalsozialisten und Zentrum.
In einer Sitzung von Vertretern der National- sozialksten und des Zentrums, die unter dem Vorsitz des Reichstagspräsidenten Göring stattsand, wurde folgende Verlautbarung vereinbart:
„Gegenüber zahlreichen Kombinationen in der deutschen Öffentlichkeit wird bezüglich der zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum schwebenden Verhandlungen festgestellt, daß diese Verhandlungen begonnen wurden und fortgesetzt werden mit dem Ziel der Beruhigung und Festigung der innenpolitischen Verhältnisse in Deutschland auf längere Sicht, da nur aus der Grundlage der Wiederherstellung des Vertrauens eine erfolgreiche und eine dauernde wirtschaftliche Besserung und Beseitigung der außenpolitischen Isolierung erzielt und gesichert werden kann."
3um Empfang des lleichstagspräsidiums.
Zum Empfang des neuen Reichstagspräsidiums bei Hindenburg, der für die nächste Woche festgesetzt ist, äußerten sich die Parteimitteilungen der Deuts ch n a - tionalen Volkspartei zur Haltung des Vize- Präsidenten Gräf, der der DNVP. angehört, wie folgt: Gräf wird bei dem bevorstehenden Besuch des Präsidiums, wenn es durch die Haltung der anderen Mitglieder des Präsidiums notwendig werden sollte — zum Ausdruck bringen, daß die Deutjchnaüonalen nicht der Auffassung des Herrn Göring sind, daß der jetzige Reichstag eine „große arbeitsfähige nationale Mehrheit" hat, und daß die Deutschnationalen deshalb keinen Schritt mitmachen würden, der von dem jetzigen System des Prä - s i d i a l k a b i n e t t s auf das varlamentarische System zurückführt.
Kurze politische Nachrichten.
Die Politische Polizei hat in Berlin an zwei Stellen eine mehrstündige Durchsuchung der Räume der I n t c r n a t i o n a l e n A r b c i t c r h i l f e vorgenom- mcn. Es wurde zahlreiches belastendes Schriftenmaterial entdeckt und beschlagnahmt. Außerdem wurden elf Ausländer, die sich ohne Genehmigung in Deutschland aufhalten und in den Räumen angetroffen wurden, festge- nommcn und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Die Durchsuchung erfolgte wegen dringenden Verdachts des Hochverrats.
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Die anhaltische Staatsregierung hat mit Wirkung vom 1. September 1932 die Wohnungs - Zwangswirtschaft in Anhalt aufgehoben. Lediglich in einigen Städten werden Wohnungen mit weniger als 300 Mark Friedensmiete im Jahr durch den Magistrat verwaltet. Der Mieterschutz bleibt im ganzen Lande nur für Wohnungen mit einer Friedensmiete von 599 Mark 'n Kraft.
Vom 20. bis 27. September finden in der Gegend von Sissonne—Mourmelon—Reims die großen französischen Herbstmanöver statt, an denen etwa 40 000 Mann beteiligt sein werden. Diese Manöver stehen unter der persönlichen Leitung des Chefs des Großen Generalstabs, General Gamelin. Schon jetzt finden zahlreiche Trnppcnverschlc- bnng.cn statt, und alle MOeMtUMen werben getroffen.
Inhalt der Forderung klar. In der juristischen Frage ist Englands Stellung deshalb zweifelhaft, weil sein Außenminister, der berühmte Jurist Sir John Simon, unbedingt im französischen Lager und auf dem Wortlaut des Versailler Vertrages sieht. Deshalb ist in der deutschen Rüstungsfrage eine Spaltung im englischen Kabinett zu verzeichnen, denn der Premierminister Macdonald steht dem deutschen Standpunkt sympathisch gegenüber. Die liberalen Mitglieder des Kabinetts stehen âuf der Seite des Außenministers. Der englischen Presse ist die ganze Frage höchst unbequem. Das Normal- argument wird überall gebraucht, daß die Deutschen wieder einmal unzeitgemäß handelten.
Volles Verständnis in Amerika.
In der amerikanischen Öffentlichkeit zeigt man für den Schritt Deutschlands volles Verständnis. Der Pariser Vertreter der „New Vork Times" ist sogar optimistisch, da das deutsche Verlangen zu größeren Fortschritten auf der Genfer Abrüstungskonferenz führen dürfte. Auf die „Herald Trioune" macht die deutsche Forderung so gewaltigen Eindruck, daß sie sie dreispaltig auf der ersten Seite wiedergibt, wodurch die langen Berichte über die Sonnenfinsternis und andere Tagesereignisse völlig in den Hintergrund geschoben werden. Der „New Bork American" befürchtet, daß die französische Politik nunmehr darauf abzielt, zwischen Amerika und Deutschland einen Keil zu treiben, um „Onkel Sam" wieder einmal die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen.
RSDAP. und Arbeitsbeschaffung.
Die nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten beschäftigten sich in einer Sitzung mit den Fragen der Arbeitsbeschaffung. Der Vorsitzende des nationalsozialistischen Reichswirtschaftsrates, Feder, berichtete über die bereits geleistete Vorarbeit und die beabsichtigten Maßnahmen. Die Finanzierungspläne der Papen- Regierung seien unter stürmischer Zustimmung der gesamten Fraktion restlos abgelehnt worden. Anschließend sprach von der Reichsleitung der NSDAP, der Abgeordnete Köhler. Er betonte, das sogenannte große Programm des Herrn von Papen diene nicht der Beseitigung der Arbeitslosigkeit und nicht der Herstellung des Rechtes aus Arbeit, sondern nur der sogenannten Sicherung des Staatshaushalts und der Entlastung der Arbeitslosenversicherung. Der Kampf der NSDAP, gehe nicht nur darum, den Ärbeitslosen wieder Arbeit zu verschaffen, sondern auch ganz unmittelbar darum, daß die künstliche und verbrecherische Erhaltung der Arbeitslosigkeit durchbrochen, die Diktatur des Leihkapitals entthront und die Arbeit in ihr Recht als Herrscherin der Wirtschaft eingesetzt werde. In diesem Zusammenhang bezeichnete Abg. Köhler die Anträge der Sozialdemokraten als „S ch e i n a n t r ä g e". Weiter sprach dann der Abgeordnete Tholens von der Reichsleitung Die Referate faßte Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser in einem Schlußwort zusammen.
Kein Sozialdemokrat im Neichsragsvorflano.
Die Schriftführerwahl des Reichstages.
Nach dem Ergebnis der vom Reichstag vorgenommc- nen Wahl der l 2 S ch r i f t f L h r c r, die zusammen mit dem Präsidium den V o r st a n d des Reichstages bilden, sind acht Nationalsozialisten, drei Zentrumsabgeordneie und ein Deutschnationalcr zu Schriftführern gewählt worden, so daß die sozialdemokratische Fraktion im Vorstand des Reichstages überhaupt nicht mehr vertreten ist.
um den „Kriegsschauplatz" für die Durchführung der Manöver herzurichten.
Der vielfach mit Aushungerungsversuchen durcy- geführte Kampf der Farmer im amerikanischen Staat Iowa um Erhöhung der Getreide- und Milchpreise hat jetzt die ersten Opfer gefordert. Zahlreiche Bauern hatten die Straße von Cherokee (Iowa) blockiert, um alle Lebensmitteltransporte nach den Städten auszuhalten. Aus Cherokee kamen mehrere Autos, deren Insassen das Feuer auf die Streikposten eröffneten. Nach den bisherigen Berichten wurden etwa zwanzig Personen verletzt.
Kleine Zeitung für eilige Leser
fr * Reichskanzler von Papen hat einen bemerkenswerten Artikel über „Konservative StaatSführung" veröffentlicht.
* Die internationale Diskussion über die Frage der wehr- politischen Gleichberechtigung Deutschlands ist durch die » reichung einer Denkschrift der ReichSregierung in pari». neues Stadium getreten. . _ «,,,
* Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist wieder alückl'ch in L nambuko gelandet. , . „ ..
* Den Auftakt zum KciMfrontjoW^ ein Presscempsang, bei d-m der zweite Bundessutirer oc^ ^.lag
Helms eine Rede hielt. -
* 3m Verlauf einer großen Kuavgebuna der Nv.D.lP. im Berliner Sportpalast sprach gestern .ldolf Hitler.