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Zul-aer /lnzeiger

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Nr. 221 1932 Fulda, Dienstag, 20. September 9. Jahrgang

Echo der Englandnote

Keine Antwort aus die englische Äste

Die schroffe Antwort der englischen Regierung auf die deutsche Forderung nach g l e i ch m ä ß ig c r Abrüstung für alle, entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrages, wird von der deutschen Regierung n i ch t b e - antwortet werden, da diese Note an dem bisherigen deutschen Standpunkt in dieser Frage nichts ändert. Die Reichsregierung wird also, wie angekündigt, zu den demnächst beginnenden neuen Beratungen der Abrüstungs- konserenz keineVertreter mehr schicken, denn cs hat fa für Deutschland gar keinen Zweck, an Beratungen über Rüstungsbestimmungen teilzunchmcn, die nur für die anderen, nicht aber für Deutschland gelten sollen. Die Reichsregierung erklärt, daß sie die weiteren Beratungen der Abrüstungskonferenz in Genf mit Interesse verfolge und ihre weiteren Entschlüsse vom Ergebnis der Genfer Beratungen abhängig mache.

für eingeweihte politische Kreise war die eng- lliche Jtote eine Überraschung, denn nack der bis-

. -- - erraschung, denn nach der bis­

herigen Haltung Englands konnte man annehmen, daß -ondon in dieser Frage mehr die Rolle eines Vermittlers zwilchen Frankreich und Deutschland einnehmen würde. Dhne Zweifel ist eine auffallende Schwenkung in der englischen Politik eingetreten. Welche Gründe dabei eme Rolle gespielt haben, läßt sich natürlich noch nicht erkennen. Verschiedentlich wird behauptet, die Eng­länder hätten sich durch das sogenannte

Pariser Geheimmaterial über angebliche deutsche Geheimrüstungcn

beeinflussen lassen. Mit diesem Geheimmaterial bat schon der frühere französische Ministerpräsident Tardieu ope­riert, hat aber nie den Mut gefunden, dieses Material der Öffentlichkeit vorzulegen, wahrscheinlich weil er selbst wenig Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des Materials hatte. Aus Paris kommt jetzt auch'die Drohung, man MOe eme neue uhlitäri siche Untersuchung 3 - rvmmtifton nach Deutschland schicken. Die deutsche Regierung sieht einer solchen Kommission, die bekanntlich den schönen Namen Jnvestigationskömmission trägt, mit Gelassenheit entgegen; aber wenn man in Paris solche Beschlüsse fassen sollte, so wäre das gleichbedeutend mit einer ungeheuren Verschärfung der ge­samten weltpolitischen Lage. Auffallend ist, daß die maßgebenden Blätter in England, die sonst in allen außenpolitischen Fragen die Auffassung ihrer Regierung unterstützen, diesmal Meinungen äußern, die auch dem deutschen Standpunkt Rechnung tragen. Ob die englische Regierung damit ihren offiziellen Stand­punkt, den sie um Frankreich willen eingenommen hat, in der Öffentlichkeit mildern will, ist möglich, bleibt aber natürlich nur eine Vermutung.

*

Die Widersprüche in der englischen Note.

England zeigt in dem Schreiben an Deutschland, daß es aus den Beratungen der Abrüstungskonferenz unter allen Umständen etwas Greifbares herausholen will, teils aus geldlichen Gründen, um einen Abbau der militärischen Ausgaben zu erzielen, teils aus Rücksichten auf die Ameri­kaner, die bekanntlich sagen, solange Europa nicht abrüste, sei an einen Schuldennachlaß nicht zu denken. Deshalb versucht England mit allen Mitteln, die Abrüstungskonfe­renz zu einem greifbaren Ergebnis zu bringen. Man weiß aber auch in England, daß aus den Beratungen nicht viel herauskommt, wenn Deutschland wegbleibt. Im ersten Teil ihres Schreibens an die deutsche Regierung haben die Engländer sich ganz auf die französisch e'n Wünsche eingestellt und erklären, an eine Änderung des Versailler Vertrages sei gar nicht zu denken, Deutschland müsse sich unter allen Umständen an diese Bestimmungen halten. Wie man das in Paris ja auch sagt. Im zweiten Teil des Schreibens werden aber gewisse

Vcrhandlungsmöglichkciten offengclassen, die dem deutschen Standpunkt Rechnung tragen sollen. Wie schwer es den Engländern gefallen ist, ihr Ein­treten für die französischen Wünsche zu rechtfertigen, zeigen

die offenen Widersprüche

in diesem Schreiben. So wird im ersten Teil der Reichs- regierung vorgeworfen, sie habe unklug gehandelt und nicht weise, daß sie gerade jetzt, wo die anderen dem be­drängten Deutschland entgegenkommen wollen, ungemüt­lich werde und die Forderung nach Gleichberechtigung auf- stelle. Dadurch würden, sagen die Engländer, doch alle Be- Bemühungen um den Wiederaufbau gestört. Im zweiten Teil des Schreibens aber heißt cs:

.. D'c Fragen der Gleichberechtigung schließen Betrach­tungen über den nationalen Stolz und die £2 * 0 *c Würde ein, die das Herz eines jeden Volkes tief berühren und den Groll w a ch h a l t e u, bet sonst abstcrbcn und freundlicheren Gefühlen Platz machen wurde. Im Interesse der allgemeinen Ver- füfynung ist es daher wünschenswert, daß alle derartigen Fragen durch freundschaftliche Behandlungen beseitigt lull vllh

sind genau die gleichen Gedanken, mit denen Deutschland seinen Schritt in dieser Angelegenheit begründet hat. Um des nationalen Stolzes ' um der nationalen Würde willen, und um den Groll zu beseitigen nnd den Weg zur Versöhnung freizumachen, hat die Reichsregierung ihre Forderung »ach Gleichstellung des peMchen Volkes mit den anderen Völkern aufstellen

müssen. Man soll uns nicht länger das verweigern, was allen anderen Völkern erlaubt ist: das natürliche Recht auf Selbstverteidigung. Solange uns dieses Recht verweigert wird, wird auch die politische Beruhigung nicht eintreten, die England selbst ebenso wie wir als Voraussetzung für den Wiederaufbau bezeichnet.

Interessant ist es auch, zu sehen, wie sich England um die Bestimmungen des Versailler Vertrages herumwindet,

wo ausdrücklich gesagt ist, daß die deutsche Abrüstung nur der Anfang für die Abrüstung aller beteiligten Mächte sein soll. An diesem Wort ist gar nicht herum- zudeuteln. Aber die englischen Kronjuristen sind nun auf folgende Ausrede verfallen: Die WorteAbrüstung der anderen" wäre gar keine Bedingung und keine Ver­pflichtung für die anderen; diese Worte bedeuteten nur ein Ziel, aber keine Bedingung und keine Ver­pflichtung. Das sind offenkundige Spitzfindig­keiten.

Auch im zweiten Teil des Schreibens finden sich solche Widersprüche. Vor allem aber ist eines festzustellen: Die Engländer sagen in ihrem Schreiben kein Wort davon, wie sie sich eigentlich die Abrüstung denken, sie begnügen sich damit, allgemeine Redensarten zu machen.

Deutschland soll zur AbrüfiungSlonserenr kommen.

Hendersons Antwort an Deutschland.

Das Schreiben, das der Präsident der Abrüstungs­konferenz, Henderson, an den Reichsaußenminister in Be­antwortung der deutschen Pfote vom l4. September (miP der Ankündigung des Fernbleibens Deutschlands von der Bürositzung der Abrüstungskonferenz) gerichtet hat, wird nunmehr vom Völkerbundsekretariat ^veröffentlicht In dem Schreiben drückt .venverjon sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß die Reichsregierung beschlossen habe, an der Bürositzuüig nicht teilzunehmen. Die deutsche Regie­rung scheine der Auffassung zu sein, daß nach der Annahme der großen Vertagungsentschließung des Hauptausschusfes der Abrüstungskonferenz vom 23. Juli nunmehr feststehe, daß das kommende Abrüstungsabkommen weit unter dem Abrüstungsregime des Versailler Vertrages bleiben werde. Als Präsident sei es nicht seine Aufgabe, eine Aussprache überdas Abrüstungsregime des Versailler Vertrages" zu eröffnen. Da jedoch die Form und der Inhalt der Ab­rüstungsmaßnahmen des kommenden Abrüstungsabkom- meus jetzt noch nicht bestimmt seien, müsse er seinen Zweifel an der von der deutschen Regierung zum Ausdruck gebrachten Auslegung der Vertaguugsentschließung vom 23. Juli geltend machen.

Henderson sucht sodann den Nachweis zu erbringen, daß gewisse Bestimmungen dieser Entschließung durchaus als eine wirksame Abrüstungsmatznahme auszufassen seien. Henderson weist daraus hin, daß die Vertagungsent- schlietzung in keiner Weise weitergehenden Abrüstungs­matznahmen vorgreife. Die deutsche Regierung müsse zu- gebcn, datz schon jetzt weder die Form noch der Inhalt noch die Tragweite des Abrüstungsabkommens als feststehend anzuschen seien und daß diese Fragen erst auf der weiteren Tagung der Abrüstungskonferenz entschieden werden könnten. Henderson ersucht sodann die deutsche Regie­rung, seine Rede nachzulesen, die er am 23. Juli bei der Beratung der Vertagungsentschließung gehalten habe, und

Hetze in Ost und West

Maßlose französische Heße im Elsaß.

Bei der Einweihung eines Denkmals zu Ehren des im Jahre 1675 gefallenen französischen Marschalls T u r e n n e in Türckheim im Elsaß wurden eine Reihe Ge­denkreden gehalten, welche die elsässische Frage be­sonders unter dem Gesichtswinkel der deutsch-französischen Beziehungen betrachteten. Der ehemalige Umerstaats- sekretär und jetzige Senator Dr. Pfleger verlas die Rede des abwesenden Generals Bourgeois, in der dieser u.a. ausführte, daß das elsässische Volk heute mehr denn je die Ereignisse auf der anderen Seite des Rheins verfolgen müsse, wo man als Friedenshhmnen nur Kriegs- g e s ü n g e und Aufrufe zum R c v a n ch e k r i e g höre (!). Dr. Pfleger selbst führte u. a. aus, daß der elsässische Patriotismus das beste Bollwerk am Rhem dar­stelle. Gegenüber den Unverschämtheiten D e u 1 s ch l a n d s (!) sei es mehr denn je notwendig, den Refrain des bekannten Nationalgesanges in die Welt hinauszusingen:Ihr werdet Elsaß-Lothringen nicht be­kommen und gegen euren Willen bleiben wir Franzosen! Diesen Refrain müsse man in der historischen Stunde der Wiedervereinigung des Elsaß mit Frankreich laut genug singen, damit Deutschland ihn verstehe und die ganze Welt ihn höre.

poLnischeFestreden".

Ein vielsagendes Denkmal.

In Gegenwart des schlesischen Wojewoden Grazhnskp wurde in Bogutschütz an Stelle des vor einigen Jahren ge- sprenaten Aufstündischeu-Denkmals ein neues Denkmal ent-

in der er betont habe, daß er nicht wieder nach Genf kommen werde, wenn nicht in der zweiten Phase der Ab­rüstungskonferenz praktische Ergebnisse erzielt würden. In seiner Rede habe er ferner ausdrücklich betont, daß sämt­liche Mächte nach Gens mit dem festen Entschluß zurück- kehren würden, zu einer wesentlichen Herabsetzung der Weltrüstung, zu einem allgemeinen Abkommen zu gelangen.

Henderson schließt mit der Aufforderung an die deutsche Regierung, aufs neue so schnell wie möglich an den Arbeiten des Büros der Konferenz teilzunehmen, um so mehr, als eine längere Abwesenheit Deutschlands von den Verhandlungen in ernstester Weise den gesamten Ab­rüstungsgedanken gefährden könnte. Henderson teilt dann mit, daß er die deutsche Note vom 14. September gleich­zeitig mit seinem Schreiben sämtlichen Mitgliedern des Büros zur Kenntnis bringe.

*

Oie zugeschlagene Tür.

Die englische Note im Spiegel der englischen und französischen Presse.

Ein Blick in die große englischePresse zeigt die bemerkenswerte Tatsache, daß im Gegensatz zu dem schroffen ablehnenden Ton der offiziellen eng­lischen Note die öffentliche Meinung sich bemüht, der deut­schen Forderung auf Gleichberechtigung einigermaßen g e r e ch t zu werden. Man glaubt hier Ton und Zeit­punkt der deutschen Note zwar kritisieren zu müssen, be­zeichnet aber die Tatsache der deutschen Forderung an sich als wohlbegründet und nicht von der Hand zu weisen, das ist doppelt bemerkenswert, weil die englische Presse so diszipliniert ist, daß sie sonst der Regierungspolitik in auswärtigen Angelegenheiten nicht in den Rücken zu fallen pflegt.

.So erklärt der Leitartikel der maßgebenden Zeitung Time s", jedermann in England und auch die englische Regierung gebe zu, daß der deutsche Anspruch auf Gleich­berechtigung tatsächlich gut sei. Eine souveräne Nation sei ganz offensichtlich zum Handeln berechtigt, wenn sie nicht einmal ein einziges schweres Geschütz oder einen kleinen Tank bauen dürfe. Noch sei der Grundsatz der Rüstungsbegrenzung von allen angenommen. Es sei daher im höchsten Grade wünschenswert, daß die in Genf versammelten Staatsmänner baldigst zu einer Ent­scheidung darüber kämen, die Bestimmungen im Teil V des Versailler Vertrages aufzuheben, die sich mit den Bedingungen eines neuen Abrüstungsabkom­mens nicht in Übereinstimmung bringen ließen.Dail y T e l e g r a p h" ist der Ansicht, daß die englische Mitteilung die Grundlage für eine Verständigung biete und die Fortsetzung der Konferenz sichere.

Die englische Presse zeigt offenbar das Bestreben, die Tür wieder zu öffnen, die der englische Außen­minister Simon allerdings mit hörbarem Krach zu­geworfen hat.

Paris angenehm überrascht.

Der Standpunkt der englischen Regierung zur Gleich­berechtigungsforderung Deutschlands hat in franzö­sischen politischen und parlamentarischen Kreisen all­gemein angenehm überrascht. Die Blätter be­grüßen die englische Auffassung, die besonders in ihrem ersten Teil vollkommen derjenigen Frank­reichs entspreche und darüber hinaus mit noch sehr viel größerer Deutlichkeit und Schärfe an die Verpflichtun­gen erinnere, die Deutschland mit dem Versailler Vertrag übernommen habe. Man erklärt, die Auslegung, die Sir John Simon dem Versailler Vertrag gebe/werbe sicher­lich nicht ohne Folgen bleiben.

hüllt. Es stellt einen Hüttenmann dar, der m i t e i n e m Hammer d e m s y m b 0 l i s ch d a r g e st e l l t e n Deutschtum d e n Schädel z e r t r ü m m e r t.

Bei den Enthüllungsfcicrlichkeiten hielt Grazynsky eine Rede, in der er an die Kämpfe um den A n n a b e r g erinnerte, wo 35 Aufständische von Bogutschütz gefallen seien.Um denselben Anuaberg", so führte der Wojcwode aus,hört mau heute noch die p 0 l n i s ch e S p r a ch c bis Oppeln, Ratibor und Groß-Strelitz. Die auf unserer Seite verbliebenen Gräber sind und bleiben der Ausdruck unserer unerfüllten Rechte und Hoffnungen. Vom Westen her erheben sich neue Drohungen, die wir aber nicht fürchten, da auf unserer Seite das Recht der Ver­gangenheit steht. Über dieses Recht lassen wir nicht streiten. Angesichts des Denkmals für unsere gefallenen Aufständi­schen geloben wir, daß wir weiterhin in gemeinsamer Arbeit an dem Aufbau und an der Stärkung der polnischen Nation und des polnischen Staates arbeiten werden."

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Bahn für eine deutsche DiSkoMsenkunfl ist sU ^, Baseler Tributdank aus ihr Einspruchsrecht gegen

rung des ReichSbanlstatuts verzichtet hat. 8,

* Der Reichspräsident empfing den ^

Präsidenten Serri zu einem Vortrag ö

des Parlaments zu dem Rcichskommwar. . ,

* Die erste öffentliche W'^^

Sagung des Gustav Adolf Vereins fand in -ripzrg