Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer /lnzeigrr

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 NM. Bei Lieferungsbehinderungen durch

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine §ulöa. un- Haunetal Zul-aer Kreisblatt

Ansprüche. Verlag: Christian Seip el, Fulda.

Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.

Nr. 244 1932

Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossen» schäften, Banken usw. kostet die Kleinzeile 0.30 Mart., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für alle anderen 0.15 Mk. Die Reklame.

Reöaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-Rnschluß Nr. 2-44 zelle kostet 0.90 Mk. / Bei Nechnungsstellung Ga4)èni# 6« mit * etrfehentn betitel not mit «ßntUenangob* ,$titoaer fnyeietr'etdaeei. Hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen.

Fulda, Montag, 17. Oktober

9. Jahrgang

Dienst am Volk und am Staat!

Der Reichskanzler sprach in

Paderborn und Dortmund.

In der überfüllten mehr als 6000 Personen fassenden Schützenhalle zu Paderborn sprach auf einer Tagung der Vereinigten Wirtschaftsverbände Paderborns und Umgebung Reichskanzler von Papen.

Der Reichskanzler ging zunächst auf den Wirtschafts­plan der Reichsregierung und die Ziele der Wirtschafts­politik ein. Arbeit und Brot zu schaffen und dem Wieder­anstieg der Wirtschaft die Bahn frei zu machen, ist das vornehmste Ziel. Der W i r t s ch a f t s k a m p f ist ein wichtiger Teil unseres nationalen Freiheitskampfes. Der führende Gedanke im Wirtschaftsplan der Regierung war es, aus dem Stellungskrieg zur Beweg ung überzu­gehen und

die moralischen Energien der Nation wieder frei zu machen zum entschlossenen Handeln. Die Staatsführung ist vorangegangen und drängt un­aufhaltsam weiter. Die Wirtschaftsführung hat diesen Vorstoß mutig ausgenommen und wird ihn hoffent­lich immer weitertreiben. Wir haben uns Mn besonderes S y st e m" ausgeklügelt, sondern wir gl «üben, daß der Appell an die persönliche Verantwortung und den persön­lichen Wagemut auch der Allgemeinheit den größten und nachhaltigsten Nutzen bringt. In diesem Sinne ist das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung auch von der Wirtschaft verstanden worden. Aber dieses Programm ist keineswegs nur für die Großen bestimmt, es soll und wird allen Wirtschaftenden zugute kommen.

Was wir wollen, ist ausgesprochene Mittelstands- Politik, ist ein wirtschaftlicher Wiederaufbau auf breitester Grundlage. Nur s o sind auch die Opfer zu r e ch t f e r t i g e n . die wir in Durchführung unseres Programms vom Lande fordern müssen.

Der Reichskanzler ging dann auf die Arbeits - ch a s f u n g s f r a g e ein und betonte die Bereit- schäst der Regierung, Arbeitsbeschaffungs- p l ä n e, die aus dem starken Drang, zu helfen, entstanden sind, zn erörtern. Eine Vorbevinguna müssen aber alle vorgeschlagenen Maßnahmen erfüllen: die Arbeiten müssen produktiv sein und dürfen Währung und Kredit nicht aufs Spiel setzen. Eine noch so große Ausweitung der öffentlichen Aufträge hätte für sich allein niemals ein solches Maß von Arbeit und zusätzlicher Gütcrerzcugung schaffen können, wie es zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erforderlich ist. Keine von oben her geleitete Wirtschaft, keine Sozialisierung, keine Planwirt­schaft würde das Problem lösen können, Deutschland durch den nächsten Winter zu führen. Die Reichsregierung wird sich bemühen, ihren Wirtschaftsplau noch durch wei­tere Maßnahmen zu vervollständigen. Der Kanzler wies dabei auf die Auftragserteilung durch die öffentliche Hand, Reich, Länder und Gemeinden sowie- Reichsbahn und Reichspost hin und kennzeichnete dann die bereits in seiner Münchener Rede erwähnte Geschäftsbelebung und Entlastung des Arbeitsmarktes.

Seit der Ankündigung der wirtschaftspolitischen Maß­nahmen ist der Kurs der Wertpapiere, die an den Börsen gehandelt werden, um rund 2 % Milliarden Mark g e - stiegen. Dabei handelt es sich nicht um spekulative, son­dern um reine Anlagekäufe, womit die Kredit- unterlage der deutschen Wirtschaft beträchtlich ausgeweitet worden ist. Infolge der Besserung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage hat sich der Rerchs- finanzmiNister schon jetzt entschlossen, die monatliche Aus­schüttung der Wohlfahrts Hilfe an die Gemeinden im Oktober von 50 auf 60 Millionen Mark, im November um weitere 5 Millionen Mark zu erhöhen.

übergehend zur sogenannten Lohnsenkungs- Verordnung vom 5. September, betonte der Kanzler, daß die Schwierigkeiten, die zunächst entstanden, durch Zusammenwirken von Unternehmer und Arbeiterschaft bereits zum größten Teil gelöst seien, sc daß eine Ge­fährdung des Wirtschaftsfriedens nich mehr zu be­fürchten sei. Der Kanzler wies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Unternehmern, Arbeitern und Angestellten hin, da nur eine friedliche Durchführung des Wirtschaftsplanes die Möglichkeit gebe,

die Arbeitslosenunterstützung für den Winter sowie gewisse Sozialleistungen zu erhöhen. Die stark kritisierte Ermächtigungsverordnung bezüglich der Sozialpolitik soll die sozialen Einrichtungen leistungs­fähig erhalten und ihre Verwaltung zum Nutzen der Ver­sicherten vereinfachen. Der Kanzler ging in diesem Zu­sammenhang auf einen offenen Brief der Verbands- Präsides der katholischen Arbeitervereine ein unb betonte unter starkem Beifall der Versammlung, daß er gern an sein katholisches Gewissen appellieren lasse. Er müsse es aber als im höchsten Grade bedenklich be-

von verantwortlichen geistlichen Leitern der athoftschen Arbeiterschaft der Eindruck erweckt werde, als

'^lUvrung daran, die Wohlfahrt aus dem Staat überhaupt zu vertreiben. Aus diesem offener Brief spricht

ein so krasses Mißverstehen der Absichten und Auswirkungen,

die der Wirtschaftsplan der Reichsregierung in sozialer Hinsicht haben soll und haben wird, daß ich d i e s e Ver­fälschung der Bestrebungen der Reichsregierung" nicht scharf genug zu ruck weisen kann.

f.-er Kanzler behandelte dann h and elsp oli- 2 11 Ke Fragen, Aer KrM gn der ReMung der Einfuhr

gewisser landwirtschaftlicher Produkte stellte er die Schilde­rung der schweren Notlage der Landwirtschaft gegenüber, die zu der Notwendigkeit führe, die Einfuhr gewisser Lebensmittel einer Regelung zu unterwerfen. Gerade

die Einfuhrkontingentierung trifft den Verbraucher am wenigsten und schützt die nationale Produktion. Im Hinblick aus den Widerstand des Auslandes gegen die Kontingentierungspläne sprach der Kanzler die Erwartung aus, daß die augenblicklichen Schwierigkeiten bald überwunden sein werden. Ausdrücklich trat der Reichskanzler den Gerüchten ent­gegen. daß die Konlingentierungspolitik möglicherweise die Währung gefährden könne. Eine solche Gefahr lieat nicht vor. He ist auch von keiner Stelle behauptet worden, die für die Währung Verantwortung trägt. Dem Vorwurf einer zwiespältigen Wirtschaftspolitik be­gegnete der Kanzler mit dem Hinweis, daß eine, Wirt­schaftspolitik geführt werden muß, die alle Wirtschafts­zweige im Rahmen des Möglichen vor der völligen Zer­rüttung schützt.

Aufgabe einer jeden Reichsregierung muß es fein, die Grundproduktion des Landes als Basis für die seelische und materielle Wiedergeburt der Nation zu schützen. Von diesen Gesichtspunkten hat sich die Reichsregierung auch bei ihren jüngsten Maß­nahmen leiten lassen, die sie den, Reichspräsidenten vor. schlagen wird: bei der Reorganisation der P r e u tz c n - lasse und bei der Entschuldung des Osthilfegebietes.

Die Reichsregierung hat im Einverständnis mit der preußischen Staatsregierung trotz der Bereitstellung er- lieblicher Mittel geglaubt, auf das L e i t u n g s r e ch t über das neue Institut, dieDeutsche Zentralgenossenschafts- fasse", zu verzichten und an seine Stelle eine körper­schaftliche Willensbildung durch dessen Organe setzen zu können, da sie

verantwortliche Selbstverwaltung an die Stelle des

Staatskapitalismus

zu setzen wünscht. Der Kanzler behandelte dann die Frage der Auslandsverschuldung. Wenn es auch gelungen ist, in kurzer Zeit über 5 Milliarden Reichs­mark ausländischen Leihkapitals zurückzuzahlen, so ist ein abermaliger Abzug fremder Gelder doch gegen­wärtig nicht möglich. Es muß daher erwartet werden, daß über das Bestehen des Stillhalteabkommens hinaus das Ausland die von ihm nach Deutschland ge­liehenen Gelder konsolidieren läßt. Der Reichs­kanzler wies dabei darauf hin, daß Deutschland auf der Weltwirtschaftskonferenz seinen Standpunkt dahin vertreten-wird, daß der Schuldner seine Verbind­lichkeiten

nur durch Zahlung in Waren

erfüllen kann. Die Glänbigcrländer können also nur dann mit der Abzahlung der deutschen Auslandsschulden rechnen, wenn sie bereit sind, deutsche Waren als Zah­lung dieser Schulden entgegenzu nehmen. Das setzt voraus, daß sie unseren Waren ihre Grenzen öffnen.

Zum Schluß gab der Reichskanzler einen kurzen Aus- blick auf die politische Lage. Eine starke Staats- gemalt ist dazu da, daß sie die Unsicherheitsfak- t o r e n nach Möglichkeit beseitigt und dem Volk das Ge- fühl gibt: Wir gehen voran, wir fassen die Unsicherheiten an der Gurgel! ,

Aus diesem Grunde haben wir außenpolitisch den Kampf um Deutschlands Recht und Freiheit auf­nehmen müssen. Das Ziel ist nicht A u f r ü st u n g auf den Rüstungsstand unserer Nachbarn, sondern Ab­rüstung in ganz Europa und in der Welt, gleiches Recht und gleiche Sicherheit. Unser Ziel ist ein Zustand, in dem cs innerhalb Europas

keine Hegemonie und kein System politischer Bündnisse gibt, sondern wo die Völker in gegenseitiger Acht un a ihren Menschheitsziclen nachstreben können. Unter starkem Beifall erklärte der Kanzler, es wäre emp­fehlenswert, wenn manche Auslandsredaktionen ihre geo­graphischen Kenntnisse dahin vervollkommnen wollten, daß es deutscheAlpen und einedeutsche Memelgibt.

übergehend auf die i n n e r e P o l ftt i k, verwies der Kanzler aus seine Münchener Ausführungen, in denen er den Neubau des Staates umrissen hat. Seit der not­wendig gewordenen Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen ist die Erkenntnis von der

Notivcndiglcit einer Rcichsreform

auf dem Marsch. Der Reichskanzler widerlegte dann den Vorwurf, daß die Regierung den n o r m a l e n Weg und die Beständigkeit der politischen Verhältnisse ver­lassen habe, mit dem Hinweis darauf, datz diese anor­male Situation l ä n g st b e ft a n b e n hat und das Pro­dukt der Perantworlungsschen und Unbeständigkeit des deutschen Parteiwesens ist. Wer fordert, zu den so­genannten normalen Perfassungszustünden zurückzukehren, der vergißt, daß wir leider solche normalen Zustände eines inneren Gleichgewichts schon lange nicht besessen haben. ~ ,

Der Kanzler erntete st ü r m i s ch e Z u st i m m u n g, als er fragte, wie lange Deutschland noch ans die Ver­nunft seiner Parteien warten wolle, nachdem dies 13 Jahre lang vergeblich gewesen sei. Wer von uns ein Zurück fordert, der fordert das schlimmste Experiment, das heute gemacht werden könnte. Es ist vielmehr nötig, daß wir uns rasch für eine neue, bessere Form der Staatöfüvruna entschließen.

Aus der Verwirrung der parteipolitischen Meinungen und Phrasen muß das deutsche Volk heraus und sich auf die ständischen Ordnungen seiner Existenz besinnen. Der Kanzler schloß seine Ausführungen mit einer

Mahnung an die Wirtschaftsführer, auf die große Erwartungen gesetzt worden sind. Persön­liche Perantworlung heißt, nicht nur seinem eigenen Ge- wissen folgen, sondern auch dem P o . k e und seiner Regierung für alles wirtschaftliche Lun persönlich haften. Echter deutscher Staatsgeist besagt: Frei­heit i st D i e n st. In dieser Notzeit ist nur eine poli­tische Weltanschauung berechtigt, der Glaube an das deutsche Polk, der Glaube an das Deutsche Reich! Ihm gelten in dieser Stunde alle unsere Kräfte, unser Denken und Handeln und unser Gebet:Mit Hindenburg für ein neues Deutschland!"

Die Rede des Reichskanzlers wurde von der Ver­sammlung mit außerordentlichem Beifall ausgenommen. Die Ausführungen des Kanzlers wurden häufig von leb­haften Beifalls- und stürmischen Zustimmungskund- gebungen unterbrochen. Abschließend wurde ein

Antworttelegramm des Reichspräsidenten bekanntgegeben, in dem der Reichspräsident der Tagung für den Willen zur Mitarbeit dankt und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß es gelingen möge, bald aus der schwie­rigen Lage herauszukommen. Das Deutschlandlied be­schloß die Tagung.

*

Hilse für das Ruhrgebiet.

Die Rede Papens in Dortmund.

Bei seiner Rede in Dortmund hielt sich der Reichskanzler im wesentlichen im Rahmen der Ausführun­gen, die er in Paderborn gemacht hatte. Darüber hinaus brachte die Rede noch einen kurzen Hinweis auf die besonderen Verhältnisse im Ruhrgebiet.

Der Reichskanzler wies darauf hin, daß er in Dort­mund im Zentrum des größten und machtvollsten Jndu- striebezirks des Landes spreche, wo aus allen Werkstätten die zusammexigeballten Energien deutschen Erfindungs­geistes, deutscher Unternehmungslust und deutscher Arbeilertugend Zusammenwirken. Hier ist, so be­tonte der Reichskanzler, der Ort, wo ich über die wirt­schaftlichen Probleme zu der Einheit der deutschen Wirtschaft, dem Arbeiter und Unternehmer sprechen kann. Im Zusammenhang mit seinen Ausführungen über

die öffentliche Auftragserteilung

erklärte der Reichskanzler, daß diese in erster Linie dort in Frage komme, wo die Wirtschaftsnot Ausmaße ange­nommen hat, die über den allgemeinen Durchschnitt weit hinausgehen. Wenn in der Stadt Dortmund die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen auf 72 gerechnet auf 1000 Köpfe der Bevölkerung gestiegen ist, während die gleiche Ziffer für das ganze Reichsgebiet 33 beträgt, so zeigt das mit grausamer Deutlichkeit

das Elend dieser Stadt.

Darum wird in Fällen dieser und ähnlicher Art versucht werden müssen, die Auftragserteilung der öffentlichen Hand, soweit irgend möglich, der Linderung dieser be­sonderen Not dienstbar zu machen. Der Reichs­kanzler ging dann noch auf die Frage der Preis­bildung ein.Ich möchte nicht den geringsten Zweifel darüber lassen," erklärte der Reichskanzler,daß die Reichsregierung keinerlei ungerechtfertigte Preissteigerung z u l a s s c n wird. Sie wird jeden Ver- fuch in dieser Richtung unnachsichtlich unterbinden.

DieVereinigtenVaterländischenBerbände für papen.

Die Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutsch- fands geben als Ergebnis der Sitzung ihres Gesamtvor- standcs unter Vorsitz deS Generals Grafen von der Goltz am 15. Oktober 1932 eine Stellungnahme zur politischen Lage bekannt, in der es heißt:

Wir sehen in der nationalen Reichsregierung das erste Kabinett seit dem Umsturz, das mit Entschlossenheit und sachlichem Können die Probleme sozialen und wirt­schaftlichen Wiederaufbaues zu lösen bemüht ist. Eine solche Regierung bedarf aber der Unterstützung aller nationalen Kräfte, um die große Verfassungs- und Rcichs- reform durchzuführen. Wir rufen alle Nationalgesinnten auf, sich über den innerpolitischen Hader hinweg h i n t e r den Kampf der Regierung um die Wicder- erlrengung der Wehrfreiheit und um die Beseitigung des Versailler Diktats und seiner Schmachparaaraphen zu stellen.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Eine Steigerung des deutschen Exports nach den europäi­schen Ländern zeigen die Ziffern der letzten Autzcnhanvcw- bilanz.

* Ter ehemalige preußische Finanzministcr Dk Klepper nunmehr Stellung zu den gegen ihn im Ausschuß erhöbe Angriffen genommen.

* Reichskanzler von Papen sprachJ ^^b ""^ in Dortmund über politische und wirtschaftliche Strobl m .

Adolf Hitler besuchte auf seiner Wahlreise Nordbayern und Thüringen. *

* 2« den deutsch-italienischen Besprechungen über ^ Zah. lungdn im HrmdclpvorkeHr ist eure Ernrgung erMt wo.