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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 1 1933

Fulda, Montag, 2. Januar

10. Jahrgang

W^ : /) g

Gemeinsam an die Arbeit für unser Vaterland!

Hindenburgs Botschaft anläßlich der Neujahrsempsänge.

"Der Neujahrsempfang beim Reichspräsi­denten vollzog sich in der feit Jahren üblichen Weise, lediglich mit dem Unterschied, daß der Empfang diesmal im Gebäude der alten Reichskanzlei stattfand, in dem Hindenburg bekanntlich seit einigen Monaten wegen Ausbesserung des Reichspräsidentenpalais Wohnung ge­nommen hat. In der Wilhelmstraße harrte trotz des un­freundlichen Wetters eine große Menschenmenge stunden­lang aus. Kurz nach 10 % Uhr zog

die verstärkte Ehrenwache,

die von einem badischen Truppenteil gestellt wurde, von einer großen Volksmenge begleitet durch das Brandenburger Tor und bog mit klingendem Spiel in die Wilhelmstraße ein. Während die Kapelle am Reichskanzleigebände vorbeimarschierte, schwenkte die Ehrenwache in den Vorhof des Gebäudes ein, in dessen Portal der Reichspräsident in Mantel und Zylinder erschien und die Meldung des Offiziers entgegennahm. Die Menge.begrüßte dabei den Reichspräsidenten mit lebhaften Hochrufen.

Die Halloren bei Hindenburg.

Als erste Gratulanten erschienen die Halloren, vier Mitglieder derSalzwirkerbrüderschaft int Thale zu Halle", um dem Reichspräsidenten die übliche Gabe: Salz, Schlackwurst und ein Neujahrsgedicht zu überbringen, für die der Reichspräsident bei dem Empfang mit herzlichen Worten dankte. Die in hellrote Fräcke mit bunten Westen und blauen Strümpfen gekleideten Halloren erregten natür- lick das besondere Interesse des Publikums.

Der Empfang des Diplomatischen Korps.

---- ^® --:>rmtnrnrCT lanMren Pmuse begann dann die Auffahrt des D i p l o m a t i s ch e n K o r p s. In kurzen Abständen fuhren etwa 60 Kraftwagen in den Torbogen der Reichs­kanzlei ein. Bei der Vorfahrt der Botschafter trat jedesmal die Wache unter Trommelwirbel ins Gewehr, während bei den Gesandten lediglich das Gewehr präsentiert wurde. Die Diplomaten wurden zum Kongreßsaal geführt. Punkt 12 Uhr nahm der Reichspräsident in Gegenwart des Reichskanzlers, des Reichsaußenministers und des Staatssekretärs Meißner die Glückwünsche der Vertreter der auswärtigen Mächte entgegen.

Der Apostolische Nuntius Orsenigo

brachte als Doyen des Diplomatischen Korps dessen Glück­wünsche in einer Ansprache zum Ausdruck. Der Nuntius kam dann vor allem auf das W i r t s ch a f t s p r o b l e m zu sprechen, das in der herzzerreißenden Notlage Tausen­der von Familien in Erscheinung trete, die in jeder Nation mit dem Hunger ringen. Er erinnerte dabei an den über­all geltenden Grundsatz: Wo Schiffbruch droht, haben die Schwächsten den ersten Anspruch auf die Rettungsboote. So sei heute das Problem der Arbeitslosigkeit das, dem man zuerst abhelfen müsse.

Reichspräsident von Hindenburg betonte in seiner Erwiderung u. o.: Unsere Sorge um die Zukunft werde verstärkt durch die Tatsache, daß sich wichtige inter- uatiouale Probleme ohne Lösung von einem Jahr ins andere schleppten und mit immer schwererem Druck auf der Welt lasteten. Sicherlich stehe hierbei das Wirt­schaftsleben an hervorragender Stelle. Es bedürfe der verständnisvollen Zusammenarbeit der Regierungen und vor allem einer großzügigen Neuordnung der

Ausziehen der Ehrenwache vor dem Rcichspräsidcntcnpalnis.

zwischenstaatlichen Handelsbeziehungen. Bon der wirtschaftlichen Seite allein lvcrde sich freilich die gegenwärtige Weltkrise nicht meistern lassen. Ihre Bc- wältigung kann n u r da n u gelingen, wenn die Grund­lage aller Bölkerbeziehungen, das gegenseitige B e r t r a ue n , wiederhcrgcstcllt wird. So treten neben die wirtschaftlichen Probleme mit nicht minderer Dring lichkeil die großen politischen Fragen, die heute dèr Lösung harren. Mit steigender Spannung wird ihre weitere Entwicklung gerade vom deutschen Volke verfolgt, dessen höchste L e b e n s i u t c r.e s s c n hierbei auf dem Spiele stehen. Möge cs im neuen Jahr endlich gelingen, einen c n t s ch e i d c u d e n W a n d c l der Dinge herbeizu- sührcn und den Weg wieder frei zu machen für den Fort­schritt der Menschheit!

Bei dem anschließenden Empfang der Reichsregierung erinnerte Reichskanzler von Schleicher an die

Ende des Jahres 1931 vom Reichspräsidenten an das Ausland gerichtete Mahnung, uns nicht das gute Recht auf gleiche Sicherheit vorzuenthalten. Er gab dann einen kurzen überblick über die außen- und innenpolitische Ent­wicklung des vergangenen Jahres und betonte besonders zur Abrüstungs- und Gleichberechtigungsfrage: Wir kehren nach der Anerkennung der Gleichberechtigung auf die Kon­ferenz zurück, um eine wahre a l l a e m e i n e A b -

Neujahrsempsang beim Reichspräsidenten.

r ü st u n g durchzusetzen und uns die g l"e i ch e Sicher­heit zu verschaffen, die jedes*andere Land genießt.

Wenn es hierbei gelingt, der deutschen Jugend im Rahmen der Miliz das Recht zu wahrhaftem Staatsdienst wiederzugeben, so wird zugleich ein großer Schritt zum Ausgleich der inneren Gegensätze und zur Herstellung des Friedens in unserem Vaterlande getan sein.

Als Sie mich, Herr Reichspräsident, vor wenigen Wochen an die Spitze der Reichsregierung beriefen, haben Sie mir gesagt: Schaffen Sie Arbeit und suchen Sic die Spannungen in unserem deutschen Volke durch sozialen Ausgleich zu mildern. Die Reichsregierung wird diese Leitsätze zur Richtschnur ihres Handelns machen, weil es nur auf diesem Wege gelingen kann, dem deutschen Volk wieder Ziel und Hoffnung zu geben.

In seiner Antwort sagte der Reichspräsident, die Wünsche bei Ablauf des vorigen Jahres seien zwar nicht alle in Erfüllung gegangen. Dennoch habe die Entwick­

Neujahrsbotschaft Hitlers.

Hitler richtete an seine Partei eine Neujahrsbotschaft, in der es heißt:

Das Jahr 1932 werde einst in der Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung als ein großer und er­folgreicher Abschnitt des Kampfes gelten. Nach zwölfjäh­rigem Ringen sei es der Bewegung in ihrem 13. Jahre gelungen, der marxistischen Herrschaft in Deutschland so schwere Schläge zu versetzen, daß in Preußen und im Reich die alten Novemberparteien ihre Stellungen hätten anf- geben oder räumen müssen. Die religiöse und weltanschau­lich wurzellos gewordene liberalistische Menschheit stehe am Ende ihres Zeitalters. Riesengroß erhebe sich die bol­schewistische Gefahr. Die bürgerliche Parteipolitik und die bürgerlichen Minister hätten von der ungeheuren Gefahr, die der Welt drohe, keine Borstellung.

Die innere Zersetzung

sei im Jahre 1918 eine krisenhafte gewesen, heute sei sie eine chronische. Daher sei ihre Überwindung die allererste und wichtigste Voraussetzung für jeden deutschen Wieder­aufstieg. Dieser könne aber nur durch eine Bewegung er­folgens die ebenso entschlossen, intolerant und ewig an- griMfreudig sei wie ihre Gegner. Die nationalsozia­listische Bewegung habe sich in nicht weniger als 12 Wahl- lämpsen von der unterdrückten und verfolgten, scheinbar olmmüdjnaeit Partei zum ersten politischen Faktor des Reiches erhoben. Es sei das Verdienst der nationalsozia­listischen Bewegung, die Epoche dieses in Wirklichkeit doch nur v e r t a r n l c n K 0 m m u n i s m n s abgekürzt und wohl auch beendet zu haben. Aber auch auf der anderen Seite der Nation sei Klarheit geschaffen. Die bürgerlichen Parteierscheinungen der Glitte seien fast vollständig auf = gerieben worden. In Deutschland hätten sich eindeutige Fronten gebildet. Der untaugliche Versuch der Regierung von Papèn. die Not des deutschen Volkes und die Not der

lung des Jahres 1932 manche Hindernisse beseitigt und uns zu der Hoffnung b e r e ch t i g t, daß die härteste Not­zeit Deutschlands überwunden sei. Auch die innen- p o l i t is ch e Lage zeige schüchterne Anfänge einer Ent­spannung. Um auf dieser Bahn vorwärts und auf­wärts zu schreiten, bedarf es der

Fernhaltung aller Störungen des politischen Lebens und der Zusammenfassung aller staatsbewußten und vaterlandsliebenden Teutschen. Unser erstes Ziel müsse es sein, unserem Volke Brot und Arbeit 31t schaffen, den Millionen arbeitswilliger Hände, die unfrei­willig feiern müssen, wieder Beschäftigung zu geben und den vielen Familien, in denen Not unb Ver­zweiflung herrschen, Hoffnung und den Glauben an bessere Tage wiederzübringen.

Daß dieses Werk gelingen und die Reichsregierung, gestützt auf die entschloffene und wertvolle Arbeit der Regierung Papen, das Problem der Arbeitsbeschaffung lösen möge, daß im Geiste der N ä ch st e n l i e b e und in s 0 z i a l e m M i t e m p f i n d e n allen Deutschen, die Ent­behrung leiden, tätige Hilfe gebracht werde, ist mein haupt­sächlichster Wunsch am heutigen Tage.

Freilich, Opfer und Geduld sind unerläßlich, wenn wir den Weg ins Freie finden und wieder aufwärts steigen wollen. Aber Kleinmut und Verzagtheit ist nie­mals deutsche Art gewesen und darf es gerade jetzt nicht sein. Wenn wir das Vertrauen in unsere eigenen Kräfte wiedergefunden haben, wenn wir uns in der Bereitwilligkeit, mitzuarbeiten und mitzuhelfen, zu­sammenfinden, so ist damit die sichere Grundlage gegeben, auf der wir zuversichtlich und erfolgversprechend weiter­bauen werden.

So lasten Sie uns in diesem Willen und in un­erschütterlichem Glauben an die Zukunft Deutschlands in das neue Jahr eintreten und gemeinsam an die Arbeit gehen für deutsches Volk und Vaterland!"

Anschließend an den Empfang der Reichsregierung fanden die Empfänge der Vertreter des Reichsrats, des Reichstagspräsidiums, der Reichswehr und der Reichs­marine sowie der übrigen Reicksbebörden, der Reichsbank und der Reichsbahn statt.

*

Glückwunschaustausch zwischen

Hindenburg und AlillaS.

Zwischen dem Reichspräsidenten und dem öster­reichischen Bundespräsidenten hat beim Jahreswechsel ein telegraphischer Glückwunschaustausch stattgefunden. Im Telegramm des Reichspräsidenten heißt es: Mögen, die ersten Anzeichen einer beginnenden Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Welt sich im kom­menden Jahre kräftig verstärken und damit unseren beiden Ländern die Hoffnung auf eine Wiederkehr besserer Zeiten gerechtfertigt erscheinen lasten.

Miklas drahtete u. a.: Im Geiste brüderlicher Verbundenheit mit den Deutschen im Reiche hegt auch Österreichs Volk die zuversichtliche Hoffnung, daß es im kommenden Jahre dem deutschen Volke beschieden sein wird, zu neuem wirtschaftlichen Aufstieg zu gelangen und mit Gottes gnädiger Hilft auch die großen und viel­fachen Schwierigkeiten zu überwinden, die einer glück­licheren Zukunft entgegenstehen.

deutschen Wirtschaft mit ihren bekannten Verordnungen zu beheben, sei, wie vorhergesagt, gescheitert. Der Versuch der

Regierung Schleicher,

dieses Programm weiter fortzuführen, werde noch mehr mißlingen." Es werde sich damit erweisen, daß auch die Absicht, den Sieg der nationalsozialistischen Bewegung durch scheinnationale Zwischenlösungen zu verhindern, an der ehernen Gesetzmäßigkeit der Entwicklung zerschelle.

Die Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung habe durch Lügen und Verleumdungen, Presseverbote, Ver­sammlungsverbote, Aufmarschverbote und Terrorakte blutigster Art, polizeiliche Schikanen usw. nicht aufgehalten werden können. Wen wundere es, daß man nun, als alles und auch dieses nichts nutzte, sich endlich entschloß, auch zum letzten Mittel zu greifen? Die Nationalsozialisten kennen ihre Gegner und deren Gedanken:Man beteilige die Partei an der Regierung,

so daß sie wohl mit der Verantwortung belastet lvcrde, aber ohne selbst etwas bestimmen zu können. Hat sie erst einmal ja gesagt, ist sie gefallen. Sie wird dann wohl vcr- suchen, ihre Gedanken durchzusetzen, allein man lvird ihr kalt lächelnd höflich aber bestimmt nein saaen. Bleibt sie

Kleine Zeitung für eilige Leser

* In den Vereinigten Staaten setzt eine Riesenpropaganda ein gegen den Kauf ausländischer Waren.

* Eine Reihe von Politikern und Verbänden hat zum neuen Jahr beachtenswerte Kundgebungen erlassen.

* Ter Auslieferungsantrag der sächsischen Staatsrcgieruug in der Angelegenheit der Ermordung des Dresdener SA.- Manncs Hentsch ist beim Auswärtigen Amt in Berlin ein- gegangen.