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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 8 1933

Fulda, Dienstag, 10. Januar

10. Jahrgang

Schleicher bei Papen.

Papen berichtet dem Reichskanzler.

Aussprache über die Kölner Unterredung.

Reichskanzler von Schleicher hat Herrn von Papen zu einer etwa anderthalb Stunden währenden Aussprache empfangen. In dieser Unterredung hat Herr von Papen den Reichskanzler über den Verlauf seiner Aussprache in Köln mit Hitler unterrichtet und ihn ebenso über die Vor­geschichte dieser Aussprache in Kenntnis gesetzt. Amtlich wird über die Unterredung Schleicher-Papen folgendes mitgeteilt:

Der Reichskanzler empfing Herrn von Papen zu einer Rücksprache über seine Begegnung mit Herrn Hitler vom 4. Januar und die daran geknüpften irreführenden Pressekommentare. Die Aussprache ergab die völlige Haltlosigkeit der in der Presse aus dieser Begegnung ge­folgerten Behauptungen über Gegensätzlichkeiten zwischen dem Reichskanzler und Herrn von Papen."

Über den tatsächlichen politischen Inhalt der Gespräche gibt, wie man sieht, diese amtliche Mitteilung wenig Auskunft. Wie aus guter, zuverlässiger Quelle indessen verlautet, ist in der Unterredung zwischen Schleicher und Papen auch

die gesamte innenpolitische Lage besprochen worden. Herr von Papen hatte Gelegenheit, dem Reichs­kanzler besonders die Auffassung rheinischer Wirtschafts­kreise über die von der jetzigen Reichsregierung verfolgte Politik zu überbringen.

Es ist nämlich bekannt geworden, daß Herr von Papen in den letzten Tagen nach seiner Zusammenkunft mit Hitler auch

Besprechungen mit einigen Wirtschaftsführern,

so u. a. mit Generaldirektor Dr. Vogler und Dr. Springorum hatte. Bei diesen Besprechungen ist von den westdeutschen industriellen Kreisen erklärt worden, daß man gewisse Bedenken gegen bte Sozialpolitik und die Arbeitsbeschaffungspolitik des jetzigen Reichskabinetts habe. Dr. Springorum hat nach offiziösen Erklärungen westdeutscher industrieller Kreise in der Unterhaltung mit Herrn von Papen darauf hingewiesen, daß in vielen In­dustriezweigen wieder ein Stillstand eingetreten sei, dessen Ursache die allgemeine Unsicherheit bilde, da man nicht genau wisse, welchen wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Kurs das jetzige Kabinett einschlagen werde. Es ist dabei offenbar auch

das Arbeitsbeschasfungsprogramm

Dr. Gerekes kritisiert worden. Herr von Papen ist von den Vertretern der westdeutschen Industrie gebeten worden, diese Bedenken dem Reichskanzler bei der Bericht­erstattung über die Kölner Unterredung gleichzeitig mit­zuteilen. Daraus ergibt sich, daß die Unterhaltung zwischen Schleicher und Papen alle politischen und wirt­schaftspolitischen Fragen berührt, ohne daß selbstver­ständlich Herr von Papen andere Absichten als die der loyalen Unterrichtung des Reichskanzlers hätte.

Wie von anderer Seite weiter bekannt wird, sollen die Besprechungen auch zu dem Zweck geführt worden sein, nach Möglichkeit

eine Rcichstagsauflösung in nächster Zeit zu vennciben,

die bestimmt kommen würde, wenn etwa der Reichstag bei seinem Zusammentritt der jetzigen Reichsregierung ein Mißtrauensvotum aussprechen würde. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Reichskanzler von Schleicher in den nächsten Tagen mit Hitler selbst eine Unterredung haben dürfte; bisher ist jedoch ein bestimmter Termin dafür nicht anberaumt worden. Auch dem Reichspräsidenten wird über die Kölner Verhandlungen Bericht erstattet werden, sei es vom Reichskanzler selbst, sei es von Herrn von Papen; doch ist auch für diese Berichterstattung noch kein Zeitpunkt festgesetzt.

Auf jeden Fall soll die jetzt in Gang gekommene Fühlungnahme zwischen führenden politischen Persönlich­keiten bis zum Zusammentritt des Ältestenrates, am 20. d. M., fortgesetzt werden. Einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die weitere innenpolitische Entwicklung schreibt man in politischen Kreisen den am 15 Januar er­folgenden Landtagswahlen in Lippe zu, von deren Er­gebnis die weitere Haltung sowohl der Reichsregierung tote der Nationalsozialisten abhängig gemacht werden soll.

*

Hiller über seine Begegnung mit Papin.

Einem im Völkischen Beobachter enthaltenen Bericht der NSK. aus Detmold zufolge äußerte sich Adolf Hitler auf Fragen des Reichspressechefs der NSDAP. Über seine Begegnung mit Herrn von Papen u. a. wie folgt:

Frage: Der Kern der öffentlichen Angriffe scheint in der Behauptung zu liegen, daß der Grund Ihrer konse­quenten Opposition in der Absicht zu suchen sei, sich und Ihre Bewegung der Verantwortung am Staate zu entziehen. Hat dieses Argument sachliche Bedeutung?

Antwort: Nein! Tatsächlich war ja meine Forderung nicht eine andere, als gerade die Übertragung der per­sönlichen B e r a n t w o r t u u g an die NSDAP. Allerdings setze ich hier selbstverständlich voraus, daß die Partei dann aber auch die ihr z u k o m m c n d e F ü h - r u n g erhält. Mir zuzumuten, die Verantwortung zu übernehmen für das. was andere tun, ist ein mehr als

starkes Stück. Wenn der Herr Reichspräsident im November glaubte, dank der Ratschläge seiner Umgebung es nicht verantworten zu können, mir die Verantwor­tung zu übertragen, dann sind damit die Männer auch heute die Verantwortlichen für die traurigen Folgen und für all das Elend, die aus dieser Weigerung dem deutschen Volke erwachsen müssen.

Frage: Sind die Behauptungen in der gegnerischen Presse zutreffend, daß Sie Fühlung mit Herrn von Papen gesucht und auf diesem Wege Anschluß an die angeblich hinter ihm stehenden schwerindustriellen Kräfte gesucht hätten?

Antwort: Es ist selbstverständlich, daß ich keine Fühlung mit Herrn von Papen gesucht habe. Aber ebenso selbstverständlich ist es, daß ich mir von niemandem vorschreiben lasse, mit wem ich sprechen darf und mit wem nicht. Ich bin Politiker und werde, wenn ich es für zweckmäßig anschc, jede Besprechung führen. Die deutsche Schwerindustrie ist c i n T c i l der deutschen Wirt­schaft. Ich brauche daher ebensowenig an sieA n - s ch l u ß zu suchen wie an irgendeine andere Wirt­schaftsgruppe. Ein Politiker hat mit allen bestehenden

Am Krankenbett der Weltwirtschaft.

Schlechte Aussichten für die Weltivirtschastskonferenz.

Der große Vorbereitende Sachverständigenausschuß für die Weltwirtschaftskonferenz ist in Genf zu seiner zweiten abschließenden Tagung zusammen­getreten. Die Verhandlungen wurden gleich zu Beginn für st r e n g g e h e i m erklärt. In dem Ausschuß sind die einladenden Mächte der Lausanner Konferenz: Deutsch­land, Frankreich, England, Italien und Japan, ferner auf Beschluß des Völkerbundrates die amerikanische und belgische Regierung, das Internatio­nale Arbeitsamt, das Internationale Landwirtschafts­institut in Rom sowie eine Reihe von vom Völkerbundrat ernannten Finanzsachverständigen vertreten.

Der Präsident der holländischen Nationalbank, Trip, der Vorsitzende des Ausschusses, eröffnete die Verhand­lungen mit einer ungewöhnlich ernsten Mah­nung an den Ausschuß, jetzt endlich zu praktischen Er­gebnissen zu gelangen, die jedoch nur durch gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Zugeständnisse, nicht aber auf dem Wege des bisherigen wirtschaftlichen Ab­schlusses und wirtschaftlichen Kampfes erreicht werden könnten. Trip betonte nachdrücklichst, daß die Sachverständigen selbstverständlich das Recht hätten, auch politisch schwierige Fragen zu behandeln. Diese offensichtliche Anspielung auf die großen, bisher un­geklärten internationalen Finanzfragen wurde von dem amerikanischen Sachverständigen ausgenommen, der unter allgemeiner Aufmerksamkeit betonte, der Ausschuß könnte sich naturgemäß auch mit den politisch schwierigen Fragen befassen.

Die Aussichten für eine materiell ergebnisreiche Be­handlung der dringenden Finanz- und Wirtschafts­probleme werden nach wie vor wenig günstig be­urteilt, da die i n t e r u a t i o n a l e S ch u l d e n f r a g e und die großen Gegensätze in der Frage der Gold­währung völlig ungeklärt sind und diese beiden be­herrschenden Hauptprobleme die sachliche Arbeit voll- stäudig lähmen.

*

Arbeitslosenzahl und Beschäftigtenzahl.

Die Rückschlüsse auf die Arbeitsmarktlage.

Die Veröffentlichung der neuesten Arbeits­losenziffern ist in den nächsten Tagen zu erwarten. Im Zusammenhang hiermit wird von zuständiger Stelle darauf hingewiesen, daß es ratsam sei, nicht nur die A r b e i t s l o s e u z a h l c n miteinander zu vergleichen, sondern auch die Z i f f e r n der Beschäftigt e n. Erst hieraus ließen sich einigermaßen sichere Rückschlüsse aus der Lage auf dem Arbeitsmarkt ziehen. Das Institut für Konjunkturforschung habe schon einmal darauf hin- gewiesen, daß es eine große Zahl von Arbeitslosen gebe, die sich statistisch nicht erfassen lasse. Es müsse als sicher angenommen werden, so wird an zuständiger Stelle weiter erklärt, daß sich bei sich bessernder Konjunktur mehr A r b e i t s l o s e bei den Arbeitsämtern meldeten, als das gemeinhin der Fall sei. Tas gehe u. a. auch aus folgenden Ziffern hervor: Die Krankenkassen- st a t i st i k habe im August vorigen Jahres 12 755 000 Personen verzeichnet, die bei den Krankenkassen gemeldet gewesen seien. Ende November vorigen Jahres hätten die Krankenkassen 12 699 000 Personen gemeldet, also 56 000 Beschäftigte wenige r. Demgegenüber stünden die Ziffern- über die Entwicklung der Arbeitslosig­keit. Ende August habe sich die Zahl der Arbeitslosen auf 5 224 000 belaufen, und Ende November seien bei den Arbeitsämtern 5 355 000 gemeldet gewesen, was also einer Steigerung von 131000 glcichkommc. Die Zu­nahme der Arbeitslosenzahl entspricht also nicht der Ab­nahme der Beschäftigtenzahl.

Faktoren zu rechnen und kann ihre Existenz nicht weg­zaubern. Wenn ich aber jemals die Notwendigkeit empfinde, darüber hinaus mit irgendeiner Wirtschasts- gruppe eine besondere Fühlung zu nehmen, so benötige ich dazu keines besonderen Fürsprechers.

Über die Erfolgsaussichten des Arbeits­beschaffungsprogramms der Regierung von Schleicher befragt, erklärte Hitler: Arbeitsbeschaffungs­programme sind nicht ihrer selbst wegen da. Ich ent­halte mich daher jedes Urteils über derartige Probleme, sondern beurteile nur ihre Auswirkung auf die allgemeine deutsche Wirtschaftskrise. Diese Krise aber wird durch Maßnahmen des Kabinetts Schleicher nicht beseitigt.

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Zur NSDAP. übergeireien.

Ter deutschnationale oldenburgische Landtags- abgeordnetc und Erste Vizepräsident des Oldenburgischen Landtages, Studienrat Dr. Osterloh, ist zur NSDAP, übergetreten. Er hat gleichzeitig seine Mandate zum oldenburgischen Stadtrat und zum Oldenburgischen Land­tag niedergelegt. Er gibt als Hauptgrund an, daß die Teutschnationalen den Nationalsozialisten das Recht auf die Führung im Reiche abgesprochen hätten.

Das Anschwellen des tschechischen Arbeitslosenheeres.

Stillgelegte Industriebetriebe.

Trotz aller amtlichen Beschönigungsversuche geht die Wirtschaftskrise in der Tschechoslowakei unbeirrt ihren Gang. Ihre Folge ist ein gewaltiges L(n- schwellen der Arbei tslo sig kett in sprunghaftem Tempo. Nach der vorläufigen Zählung ist die Zahl der Arbeitslosen wieder um 149 000 auf 750 000 (im Vorjahr 486 000) gestiegen, während die schlimmsten Erwartungen 715 000 Arbeitslose voraussagten. Schuld trägt vor allem die Stillegung zahlreicher Industriebetriebe, die in­folge der Maßnahmen der Tevisenzentrale keine Rohstoffe mehr einführen können.

^Finnische Seefestung in die Luft geflogen.

H e l s i n g f o r s , 10. Jan. (Eigene Funkmeldung.) Die Seefestung Mac Elliot ist, wie die VZ. meldet, i n die Luft geflogen. In der Festung war ein Groß- feuer ausgebrochen, das die Munitionslager er­griff. Diese explodierten. Die Annäherung der Lösch- und Rettungsschiffe an den Unglücksort wird durch einen schweren Schneesturm behindert.

Die Festung liegt auf einer Insel etwa 30 f' von Hel- singfors entfernt. Wie das Blatt weiter meldet,' sieht man vom Festland aus beständig ungeheuere Feuergar­ben zum Himmel schießen, und man hört das Dröhnen schwerer Explosionen. Sieben Kasernen und große Teile der Festungsbauten sollen z e r st ö r t sein. Man befürchtet schwere Verluste an Menschen- leben.

Arbeitslosenelend in Ostoberschlesien.

Kündigungen ohne Ende und Unterstützungskürzung.

Infolge der immer geringer werdenden Zuschüsse aus den Mitteln des Arbeitslosenfonds hat der Magistrat K a t t o w i H die Sätze für die W o h l f a h r t s u n t e r - stütz un gen ab 1. Januar erneut herabgesetzt. Danach erhält in Zukunft ein lediger Handarbeiter 4 Zloty und ein lediger Kopfarbeiter 7 Zloty. Die. Familie eines Arbeitslosen mit fünf oder mehr Kindern muß sich mit 30 Zloty begnügen. Die Zahlen sind ein Beweis für das immer größer w e r d e n d e E l e n d der zahlreichen Arbeitslosen in Ostoberschlcsien. Dabei wächst die Zahl der Arbeitslosen in Ostoberschlesien immer weiter an. Eine Anzahl Betriebe der Rybniker Industrie hat bei dem Demobilmachungskommissar weitere Anträge aufEnt- l a s s u n g von Arbeitern gestellt. _ So hat die Donnersmarck-Grube, die etwa 1700 Mann Be­legschaft zählt, die Entlassung von 500 Arbeitern und die Blücher-Schächte die Entlassung von 700 Arbeitern der etwa 2000 Mann zählenden Belegschaft beantragt. Beide Gruben begründen ihren Antrag mit Absatzmangel.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Reichskanzler von Schleicher hatte mit Herrn von Papen eine längere Unterredung.

* Ter große vorbereitende Sachverstândigcnausschuß für die Weltivirtschastskonferenz ist in Genf zu seiner abschließenden Tagung zusammengetretcn.

* In Spanien kam es erneut zu blutigen Aufständen, die nach schweren Kämpfen niedergeschlagen würben.