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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 19 1933

Fulda, Montag, 23. Januar

10. Jahrgang

M^

Der Sfl.=£lufmar$ am Bülow-Platz.

Die Horst-Wesse!-Feier der Berliner FaiiSKaisszialisten.

1 8 0 0 0 S A. - und SS. - Lente aus d e m B ü l o w p I a & überall Slürungsversuche der KPD.

Zahlreiche Verletzte.

Der Aufmarsch der Berliner SA. und SS. zur Gedenkfeier am Grabe Horst Wessels und die Aufforde­rungen der kommunistischen Presse, dem Aufmarsch der Nationalsozialisten auf dem Bülowplatz Widerstand cnt- gcgcnzusctzcn, hatten die Berliner Polizei zu Vorsichts- matznahmen veranlaßt, wie sie in diesem Umfang bisher noch nicht in Berlin zu verzeichnen waren.

Die Nacht zum Sonntag sowie der Sonntagvormittag war in Berlin recht unruhig verlaufen. An zahlreichen .Stellen war es zu Zusammenstößen zwischen den politischen Gegnern gekommen, überall waren einzeln gehende Nationalsozialisten von Kommunisten überfallen imb mißhandelt worden. Daher waren die gesamte Ber­liner Schutzpolizei und die Politische Polizei am Sonntag­vormittag aufgeboten. Ein großer Teil der Schutzpolizei war mit Karabinern ausgerüstet. Der Bülow­platz war bereits um 11 Uhr vormittags in weitem Umkreis polizeilich abgesperrt. Das Karl-Lleb- knecht-Haus, auf dem eine große Sowjetfahne wehte, wurde von der Polizei nach Waffen durchsucht und durch eine starke Polizeitruppe besetzt Zeder Zutritt zum Play war unmöglich gemacht. Die Anmarschstraßen der Nationalsozialisten waren ebenfalls polizeilich stark ge­sichert. Zeder Zug wurde von mehreren Polizeikraft- wagcn begleitet.

Mittags spitzte sich die Lage in einzelnen Stadtteilen bedenklich zu. Die Kommunisten versuchten durch Aus­streuung unwahrer Gerüchte die Massen auszupeitschen. Die Sammelputikte der Nationalsozialisten waren stellen­weise von großen Menschenmengen umgeben, die Schmâh- rufe ausstießen. Immer wieder wurden einzeln gehende Nationalsozialisten und kleinere DruppS von Kommu­nisten überfallen. Bis gegen 14 Uhr waren etwa 30 ver­wundete Nationalsozialisten festgestellt. Der Alexander- platz wurde schließlich von der Polizei wegen der bedroh­lichen Lage vollständig geräumt.

Die Kommunisten versuchten immer wieder Demon­strationszüge zu bilden. An der Gormannstraße mußte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen, dabei wurden zwei Personen schwer verletzt. Ferner wurde ein Oberwachtmeister mit schweren Stichverletzun­gen in die Universitätsklinik gebracht. Bedrohlich ge­staltete sich die Lage vorübergehend in Neukölln und am Görlitzer Bahnhof. Hier gab es eine größere Anzahl von Verletzten. Zn der Grünauer Straße hatten Kommunisten

mit Petroleum übergossene Matratzen angezündet, die jedoch erst in Flammen aufgingen, als der Zug der Nationalsozialisten bereits vorüber war. Auf der A»-

lonnenbrücke wurde der Bau einer Barrikade versucht. Auch an anderen Stellen wurden Pctrolcum- eimer auf die Straße geworfen und angezündet. Zn der Äckerstraße warf man eine große Anzahl von Müll- kästen aus den Häusern.

Hitlers Ansprache bei der Gedenkstein- enthüllung.

Gegen %3 Uhr nachmittags standen etwa 1 8 0 0 0 uniformierte Nationalsozialisten auf bem Bülowplatz mit der Front gegen das Karl-Lieb- kn e ch 1 - H a u s. Von dort aus erfolgte dann der Weiter­marsch zum alten N i k o,l a t f r i e d h o f. Alle Wege des Friedhofs, besorzders die Umgebung des Grabes von Horst Wessel, wären dicht mit.-Leuten besetzt.

Bei leichtern Schneefall marschierten immer neue SA.- Akrteilunaett auß, deren Fahnemrbprdnutlgen hinter dem

Grabhügel Aufstellung nahmen, der mit Dannengrün und Blumensträußen geschmückt war. Der Gedenkstein war verhüllt. Neben dem Grab hatte der 5. Sturm der Ber­liner SA., dessen Führer Horst Wessel war, mit umflorten Fahnen und Standarten Aufstellung genommen. Dann traf Hitler am Grabe ein. In seinem Gefolge sah man u. a. den Berliner Gauleiter Dr. Göbbels, die obersten SA.- und SS.-Führer Nöhm und Himmler, den Prinzen August Wilhelm und General Epp.

Nach einem Musikvortrag und einer Ansprache eines Geistlichen nahm Adolf Hitler das Wort Er bezeichnete Horst Wessel als den Sängerdesdeutschen Frei­heit s k a m p s e s der nationalsozialistischen Bewegung, der sich durch sein Lied selbst ein unvergängliches Denkmal gesetzt habe. Hitler schloß:Meine Kame­raden! Halten Sie die Fahne hoch. Der Sänger unseres Liedes ist nicht tot für uns, sein Geist lebt in unseren Reihen fort!"

Unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden wurde der G e d e n k st e i n enthüllt. Es ist ein etwa 50 Zentimeter hoher Granitwürfel, auf dem ein in Bronze gearbeiteter Lorbeerkranz und eine gesenkte Fahne ruhen. An der einen Seite trägt der Stein den Namen, das Ge- burts- und Sterbedalum Horst Wessels und die Zuschrift Die Fahne hoch!" Nachdem noch ein Alter Herr des Berliner Corps Normannia kurze Gedenkworte gesprochen hatte, folgte die Niederlegung zahlreicher Kränze, u. a. bemerkte man auch eine Kranzspende des Kronprinzen. Mit dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-Liedes und dem Vorbeimarsch der SA.- Gruvpen am Grabe schloß die Feier auf dem Friedhof, die einen vollkommen ungestörten Verlaus nahm Zm An­schluß daran fand vom Bülowplatz aus ein Vorbei­mars ch d e r S A an dem Obersten SA.-Führer Haupt­mann Röhm statt. Der Abmarsch vollzog sich in voller Ordnung.

Zn den frühen Abendstunden kam es dann in allen Teilen Berlins zu neuen Überfällen ans National­sozialisten. Nach vorläufigen Schätzungen haben ins­gesamt etwa 40 Personen Verletzungen erlitten. Die Polizei blieb jedoch überall Herr der Lage und vereitelte jeden größeren Zusammenstoß.

*

Mer an die NSDAP -FührersKafi.

Zm Berliner Sportpalast sprach Adolf Hitler vor den Amtswaltern der Berliner nationalsozialistischen Parteiorganisation. Zahlreiche Reichstags- und Land­tagsabgeordnete wohnten der Veranstaltung bei. Hitler ging in seiner Rede nicht auf Einzelfragen der Tagespolitik ein? Er führte u. a aus:

Wer einen so gigantischen Kampf um die Erhebung eines Volkes führt wie unsere Bewegung, benötigt nicht nur Zeit und Kraft. Mut und Ausdauer, sondern vor allem

Die nationalsozialistische Horst-Wessel Kundgebung in

Berlin.

Die Massen der SA.-Lcute auf dem Bülowplatz vor dem Ab­marsch nach dem Kirchhof. Im Hintergründe das Karl Lieb- knecht-Haus, der Sitz der Koin- munißischen Partei.

Beharrlichkeit auch denen gegenüber, die sich v o n Tages - e r e i g n i s s e n blenden lassen. Von der Führung einer solchen Bewegung muß man erwarten, daß sie nicht plötzlich angesichts der Möglichkeit, zu eine' billigen Ver­ständigung zu kommen, tue Zukunft preisgibt und die Opfer der Vergangenheit vergißt. Es geht nicht an zu sagen, eine Bewegung, die 14 Zähre gekämpft und geopfert hat, könne die jetzigen Opfer, die viel kleiner find, nicht mehr bringen. Das wäre noch verständlich bei dem kleinen Mann im Volk, der die Ereignisse nicht überschauen kann. Aber niemals darf eine solche Ansicht ein Mann vertreten, der sich zur Führung berufen glaubt. Man darf nicht plötzlich glauben, daß taktische Winkelzüge Grundsätze ersetzen können. Die Führung muß mit heroischem Entschluß dem verfluchten Defaitismus das Genick brechen. Wer in unsere Bewegung eintritt, kann nicht nach eigenem Ermessen

handeln, sondern muß seinen Willen' zusammenschmel'zen mit dem von Millionen. Mag die Führung, mag ich selbst mit Fehlern behaftet sein; aber wer will behaupten, er sei ohne Irrtum und Fehler? Einzeln werden zehn Millio­nen vielfältig irren, unter einer Führung unterliegen sie vielleicht nur einem Fehler; aber die Kraft von zehn Millionen ist stärker, als wenn diese auseinanderfließend sich selbst den Weg suchen. Entscheidend ist, wer am Ende die geringsten Fehler zu verzeichnen hat. Ich habe diese Bewegung geschaffen, cs ist möglich, daß ich irre, aber ich irre mich dann aus bestem Willen und Wollen. Wenn mich heute jemand fragt, ob ich denn jetzt noch an einen Erfolg glaube, so antworte ich ihm nur: Wenn ich so kleinmütig gewesen wäre, stünden wir heute nicht hier. Ich habe bei 12 000 Mann nicht verzagt, und ich müßte mich wohl schämen, bei 12 Millionen zu verzagen. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, daß jeder Gedanke der Regierungs­kreise, diese Bewegung zerschlagen, wirklich lächerlich ist Eher wird sich die Wilhelmstraße zerschlagen. Wir werden dafür sorgen, daß die Generation, die die Schuld des November 1918 auf sich geladen hat, diese Schuld auch selbst wieder abwäscht.

NGOAp. und Kabinett Schleicher.

Reichstagspräsident Göring in Dresden.

In einer Kundgebung der Dresdener NSDAP, sprach Neichstagspräsidenl Göring. Er charakterisierte vor allem die Stellungnahme der NSDAP, zur Negierung Schleicher. Göring bezeichnete Brüning als den Kanzler der Zrrungen, Papen als den Kanzler der Wirrungen und Schleicher als den Kanzler der Mischungen und Bei­mischungen. Wenn Herr Schleicher mit Torpedos schießen wolle, möge er begreifen, daß die nationalsozialistische Bewegung mit den Panzerplatten der Treue versehen fei. Göring verwahrte sich dann gegen den Vorwort als Reich^agspräsident den Parlamentarismus g e- retteten haben. Allerdings habe er den Kamps für die Rechte des Volkes gegen die Anmaßung einer Regierung ausgenommen. Die nationalsozialistische Bewegung sei Deutschlands letztes Aufgebot; wenn dies vernichtet wer- den würde, würde der Bolschewismus herrschen. Wenn Hitler das große Ziel erstrebe, ein neues Deutschland zu schaffen, könne er nicht bei Papen oder Schleicher als Vize­kanzler eintreten. Es gehe um das Letzte; deshalb müsse Hitler an die Front kommen und Schleicher verschwinden.

politische Zusammenstöße.

Überfälle in Offenburg, Kassel, Düsseldorf und Aue.

In Offenburg kam es im Verlauf einer Ver­sammlung der NSDAP., in der der ehemalige Kommunist und jetzige Nationalsozialist Klötzner aus Hannover über das ThemaTas wahre Gesicht Sowjctrußlands" sprach, zu einer großen Saalschlacht zwischen Mitgliedern der NSDAP, und Kommunisten. Etwa 100 Stühle wurden zerschlagen. Die Polizei mußte einschreiten und den Saal sowie die Straße räumen. 31 Verletzte wurden amtlich festgestellt, doch dürfte die Zahl der Verletzten größer sein. Zehn Personen wurden zwangsgestellt.

Die Kasseler SS. und SA. unternahm einen Propagandamarsch nach dem nahegelegenen Orte Wolfs­anger. Als die Nationalsozialisten in Wolfsanger ein­marschierten, wurden sie mit einem Steinhagel emp­fangen. Zu gleicher Zeit fielen mehrere hundert K o m m u n i st e n, die sich in den Gärten versteckt ge­halten hatten, über die Nationalsozialisten her, so daß es zu einem Handgemenge kam. Als die Kasseler Polizei, die den Zug begleitete, zusammen mit den Landjägern einschritt, gingen die Kommunisten auch gegen die Polizei­beamten tätlich vor. Dabei erhielt

ein Polizciwachtmeistcr einen Messerstich in den Kopf.

Drei Nationalsozialisten wurden durch Steinwürfe ver­letzt. Ein weiterer Nationalsozialist soll eine Schußver­letzung erlitten haben. Ten Kommunisten gelang es, in dem unübersichtlichen Gelände zu entkommen.

In Düsseldorf wurde der Sturm 13 39 der SA., als er auf dem Heimmarsch von einer Versammlung in Bilk an einem kommunistischen Verkchrslokal vorbei­marschierte, beschossen. Etwa 20 Schüsse wurden-auf ihn abgegeben. Ter 46 Fahre alte SA.-Führer Wilhelm Wetekamp wurde dabei durch zwei Schüsse tödlich verletzt.

Im Laufe einer öffentlichen Versammlung der SPD. in Aue, die von etwa 700 Personen besucht war, und in der der Sozialdemokrat Frenzel aus Chemnitz über das ThemaWer morbete den SA.-Mann Hentsch?" sprach, kam cs, als ein nationalsozialistischer Gegenredner auftrat, zu einer wüsten Schlägerei mit Stuhlbeinen unb Tischen, d-c sich zwischen Reichsbannerleuten und Natio­nalsozialisten abspielte. Zahlreiche Personen wurden verletzt.

Steine Zeitung für eilige £efer

* Der Reichspräsident empfing Vertreter des Allgemeinen Deutschen GcwerlschaftSbundcs und des Allgemeinen Freien Angestclltcnbundes.

* Der Beschluß des Ältestenrats des Reichstages soll auf den starken Druck der Wirtschaft hin erfolgt sein, die unter allen Umständen für eine wirtschaftliche Beruhigung eintritt.

* Zn verschiedenen Teilen des Reiches kam cs zu ernsten Zu> kammenstöften zwischen Nationalsozialisten, Kommunisten und Rcichsbauncrlcmcu.