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Lul-aer Anzeiger

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Nr. 25 1933

Fulda, Montag, 30. Januar

10. Jahrgang

Hitler Reichskanzler.

Schleicher zurückgetreten.

Papen mit neuen Verhandlungen beauftragt.

Reichskanzler von Schleicher hat im Verlauf der Aus­sprache, die er am Sonnabend mit dem Reichspräsidenten hatte, diesem sein Rücktrittsgesuch überreicht. Der Reichs­präsident hat cs angenommen und ihn mit der vorläufigen Führung der Geschäfte beauftragt. Schleicher hatte vom Reichspräsidenten die Vollmacht zur Auslösung des Reichs­tages verlangt. Der Reichspräsident glaubte nicht in der Lage zu sein, bei der augenblicklichen politischen Lage ihm diese Vollmacht geben zu können. Dann berief der Reichs­präsident den Reichskanzler a. D. von Papen und beauf­tragte ihn, durch Verhandlungen mit den politischen Par­teien die politische Lage zu klären und durch diese Ver­handlungen die Möglichkeit zu einer Regierungsbildung sestzustellcn.

Diese Bitte an Herrn von Papen bedeutet noch nicht etwa den Auftrag zur Bildung eines Kabinetts. Aus der Umgebung des Reichspräsidenten wird noch bekannt,

Adolf Hitler. Franz von Papen.

daß Hindenburg Herrn von Papen gegenüber den Wunsch zum Ausdruck gebracht habe, die Lösung im Rahmen der Verfassung und mit dem Reichstag zu suchen.

Vor dem Besuch Schleichers bei Hindenburg war das Reichskabineti zu einer Sitzung zusammengetreten, in der Herr von Schleicher seine Ministerkollegen über die Ent­wicklung der politischen Lage im Zusammenhang mit dem' Beschluß des Ältestenrates, eS bei dem Zusammentritt deS Reichstages am 31. Januar zu belassen, unterrichtete. Der Kanzler entwickelte bei dieser Gelegenheit dem Kabi­nett auch die Gedankengänge, die er dann unmittelbar im Anschluß an die Kabinettssitzung dem Reichsprä­sidenten von Hindenburg vortrug.

Die Unterredung zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler von Schleicher dauerte etwa eine halbe Stunde. Der Reichskanzler hatte die Kabinettsmitglieder gebeten, zusammenzubleiben, um das Ergebnis der AuS-

mit dem Reichspräsidenten sofort entgegennehmen m .Wie noch bekannt wird, hat der Reichspräsident dem Reichskanzler sowie den Mitgliedern der Reichsregierung seinen ^ank für die dem Vaterlande in schwerer Zeit ge­leisteten treuen Dienste ausgesprochen.

. (Obige Meldung ist in einem Teil unserer heutigen Auflage wiederholt da rott den Rücktritt des Kabinetts Schleicher schon in einem Teil der Samstagauflage mitteilen konnten.)

Schleicher sah drei Möglichkeiten.

- S de* Unterredung zwischen Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler von Schleicher werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Reichskanzler v. Schleicher hat die Auslassung vertreten, daß drei Lösungsmöglich- kettcn vorhanden seien:

1. Die Bildung einer parlamentarischen Mehrheits- rcgleruttg, die wahrscheinlich nur unter Führung Hitlers möglich sei,

2. eine auf starke Volksströmungen gestützte Minder- Heltsreglerung, die sich hauptsächlich auf die National­sozialisten, möglicherweise auch aus die übrigen Gruppe« der Rechten stützen könnte,

3. ein über den Parteien stehendes Präsidialkabinett wie das gegcnivärtigc als Sachwalter des gesamten Kolkes. Ein solches Kabinett müsse aber auch die nötigen Vollmachten gegenüber dein Reichstag haben. Gewarnt habe Reichskanzler von Schleicher vor einem Kabinett, das sich unter dein Namen eines Präsidialkabinetts nur auf er,le Partei stütze und daher Angriffen aus der ge­samten Öffentlichkeit ausgesetzt sein würde.

Hindenburg und Schleicher.

_ ^^ interessante Einzelheiten über den Bruch zwilchen Hindenburg und Hitler glaubt die D. A. Z. mit kSnnen. Danach wird der eigentliche Grund des Mischen dem Reichspräsidenten und Reichskanzler âuf eine Erschütterung der Vertrauensbasis Anfänge bereits ziemlich weit zurück- daran erinnert, daß Reichskanzler von Eigenschaft als Reichswehr- Ä.^1 der denkwürdigen Unterredung

Hitler am 13. August 1932 die Anregung gegeben hat, dem nationalsozialistischen Parteiführer die Regierung zu über­tragen. Dieser Vorschlag, der damals besonders von den Deutschnationalen als Angriff Schleichers auf den damaligen Reichskanzlerv. Papen hin­gestellt wurde, hat seinerzeit n i ch t eie Billigung Hindenburgs gefunden, und als gegen Ende des Jahres neue Verhandlungen mit Hitler einsetzten, wurde die erneut gegebene Anregung Schleichers nur insoweit berücksichtigt, wie das bei den damals veröffentlichten Doku­menten zutage trat: Hitler erhielt einen umgrenzten Auf­trag, den er glaubte ablehnen zu müssen. Wenn der Reichspräsident trotz der Einstellung, die er gegenüber den Vorschlägen Schleichers in bezug auf die Einbeziehung der Nationalsozialistischen Partei in die Verantwortung ein­nahm, den Neichswehrminister nach dem Rücktritt des Kabinetts Papen mit der Neubildung der Regierung be­auftragte, so habe der Reichspräsident, wie heute erklärt wird, offenbar in einer gewissen Zwangslage gehandelt. Er habe schon damals die Negierung Schleicher nur als eine kurze Notlösung betrachtet, und auch der Reichskanzler habe mit seiner Ablösung durch »ine andersgeartete Negierung gerechnet.

Keine Reichstagssitzung am Dienstag.

Aus dem Hauptbüro des Reichstages wird amtlich mitgeteilt: Die nächste Reichstagssitzung am Dienstag fällt aus. Der Ältestenrat ist für Dienstag nachmittag 15 Uhr einberufen.

papens Verhandlungen mit den Partei- sührein.

Zwischenbericht denn R e t ch S p r t s c » » n t e » er- stattet. Di» Unterredung»« tu11 Hugenberg,

Hitler und 8 a e 4

Der vom Reichspräsidenten mit der Führung der Ver- Handlungen über die innenpolitischen Möglichkeiten für eine Regierungsneubildung beauftragte frühere Reichs­kanzler von Papen hat mit den in Frage kommenden Per­sönlichkeiten seine Besprechungen am Sonnabend und Sonntag geführt. Papen hat dann am Sonntag nach­mittag dem Reichspräsidenten einen Zwischenbericht über seine bisherigen Besprechungen erstattet.

Zunächst hatte von Papen eine längere Unterredung mit dem deutschnationalen Führer Dr. Hugenberg. Danach folgte eine Besprechung mit dem nationalsozialt- stischen Führer Ad o l f Hitler. Ferner wurden Unter­redungen mit dem Vorsitzenden der Zentrumspartei, Kaas, und mit einem Vertreter der Bayerischen Volkspartei sowie einem Vertreter der sogenanntenTechnischen Frak­tion" des Reichstages gepflogen.

Adolf Hitler beriet weiter mit seiner Umgebung über die Voraussetzungen, die von den Nationalsozialisten für eine Beteiligung an einem Kabinett gefordert werden fallen. Neben den Bemühungen von Papens versuchten ferner Zentrum und Bayerische Volkspartei Verhand­lungen über eine Mehrheitsregierung im Reichstage zu führen. Wie weit diese Verhandlungen fortgeschritten sind, läßt sich gleichfalls noch nicht übersehen, jedoch ver­lautet, daß die N a t i o n a l s o z i aj i ft e n mit Zentrum

General von Schleicher nach seinem Rücktritt.

General von Schleicher mit feiner Gattin nach der letzten Unterredung beim Reichspräsidenten, in der bk Warni^^ RsgiewM «riMäunen wâr

: Adolf Hitler ^zum Reichskanzler ernannt.

B e r l i n , 30. Jan. (13 Uhr). Der Reichsprä­sident empfing heute vormittag Adolf Hitler sowie den Reichskanzler a. D. von Papen zu einer längeren Be­sprechung. Der Reichspräsident hat Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und auf dessen Vorschlag die Reichsregierung wie folgt neu gebildet: Reichskanzler a. D. vonPapen wurde zum Stellvertreter des Reichskanzlers und zum Reichskommissar für Preußen berufen, Frhr. von Neurath zum Reichsaußen­minister, Staatsminister a. D. M. d. R. Dr. F r i ck zum Reichsinnenminister, Generalleutnant Frhr. von Blomberg zum Reichswehrminister, Graf Schwerin v. Krosigk zum Reichsfinanzminister, Geheimrat Dr. Hugenberg zum Reichswirt­schaftsminister und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Franz Seldte zum Reichs­arbeitsminister, Frhr. vonEltz-Rübenach zum Reichspost- und Reichsverkehrsminister, Reichstags­präsident Goering zum Reichsminister ohne Ge­schäftsbereich und Reichskommissar für den Luftver­kehr. Goering wurde gleichzeitig mit der Wahrneh­mung der Geschäfte des preußischen Innenministers betraut. Der Reichskommissar für die Arbeitsbe­schaffung, Dr. G e r e k e , wurde in seinem Amt be­stätigt. Das Justizministerium bleibt vorläufig noch offen.

Hitler wird, wie wir hören, noch heute Verhand­lungen mit dem Zentrum und der Bayerischen Volks­partei aufnehmen. Das neue Kabinett tritt zu seiner ersten Sitzung heute nachmittag 5 Uhr zusammen.

und Bayerischer Volkspartei die Fühlung ausgenommen haben.

Gegen die von Reichstagspräsident Göring ab­gesagte Reichstagssitzung am 31. Januar und die zum gleichen Datum einberufene Ältestenratssitzung haben Sozialdemokraten und Kommunisten p r o t e st i e r t. Sie verlangen eine Sitzung des Ältestenrats am Montag, offenbar in der Annahme, daß am Dienstag dann doch der Reichstag zusammentreten könnte. Eine Beratung des Reichstags würde aber, solange eine Regierung nicht ge­bildet ist, nutzlos sein.

Urteile über Schleichers Rücktritt.

Der sozialdemokratische Vorwärts bezeichnet Schleichers Sturz alsAlarmzeichen erster Ordnung"; das Blatt wünscht eine neutrale Beamtenregierung. Der Deutsche, das Blatt der Christlichen Gewerkschaften, nennt den Sturz eineunerhörte Herausforderung" und wendet sich gegen eine Rückkehr Papens. Das demokratische Berliner Tage­blatt fürchtet, der Tag könne dem Lande schwere Erschütte­rungen bringen. DaS Zentrumsorgan die Germania meint, Schleichers Schicksal sei durch gewisse unterirdische Kräfte bestimmt worden, sein Sturz sei über Hintertreppen erfolgt. Die volksparteiliche Deutsche Allgemeine Zeitung sagt, die Ungewißheit darüber, was nun an Stelle des zurückgetretenen Kabinetts kommen soll, laste auf allen Beteiligten. Der bürgerlich-nationale Berliner Lokal- anzeiger stellt fest, daß die Absage der Deutschnationalen an Herrn v. Schleicher dem zum Günstling des Zentrums und der Demokratie Gewordenen den letzten Halt raubte und seinen Sturz besiegelte. Der Völkische Beobachter, das Hauptblatt der NSDAP, sagt, Schleicher habe zwischen allen Lagern laviert und habe versucht, die NSDAP. zu spalten. Die Bewegung habe diese Prüfung bestanden, Schleicher aber sei gestürzt worden.

Meine Rettung für eilige Leser

* Reichskanzler von Schleicher ist mit seinem Kabinett zurück- getreten, da Hindenburg sich weigerte, ihm die Vollmacht zur AeichSlagsauflösung zu geben.

* Reichspräsident von Hindenburg hat den ehemaligen Reichs­kanzler von Papen beauftragt, in Verhandlungen mit den Parteien die innenpolitische Lage zu klären.

* Die für den 31. Januar festgesetzte Reichstagssitzung ist der schoben worden.

* Die Ausstellung derGrünen Sport- und Tierzuchtwochc y@ü«*' Burve WMkLL.