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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 34 1933

Fulda, Donnerstag, 9. Februar

10. Jahrgang

Deutsche Erde bebt.

Erdstöße in Suddeutschland.

Erhebliche Schäden in badischen Orten.

Am Mittwochvormittag um 8.06 Uhr wurde in ganz Baden, in einem Teile von Württemberg und in der Gegend von Worms ein ziemlich heftiges Erdbeben ver­spürt, das nach den Aufzeichnungen des Geodätischen In­stituts der Technischen Hochschule Karlsruhe zwei Minuten lang dauerte. Das Erdbeben war so heftig, daß ein Apparat dieses Instituts außer Tätigkeit gesetzt wurde. Der Herd des Erdbebens konnte zunächst nicht genau fest- gestellt werden. Man nahm an, daß er im Bodensee­gebiet oder in der Schwäbischen Alb zu suchen sei. Es handelte sich um einen wellenförmigen Erdstoß, der heftige Erschütterungen in den Häusern hervorgerufen hat.

Durch spätere Feststellungen wurde als Herd des Erd­bebens die

Gegend im oberen Murgtal,

die etwa 50 Kilometer von Karlsruhe entfernt ist, ermittelt. Dadurch erklärt sich auch, daß die Stadt Rastatt, die von Karlsruhe im Schnellzug in 20 Mi­nuten zu erreichen ist, von dem Erdstoß besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Etwa 150, Schorn­steine wurden auf die Straße geworfen. Fast in jedem Hause wurden mehrere Fensterscheiben zertrümmert. Viel­fach sindauch große Schaufensterscheiben gesprungen.

Wohnungseinrichtungen wurden durcheinander­geworfen,

und in einer Reihe von Küchen ist sämtliches Geschirr zerbrochen. Viele Häuser weisen Sprünge und Risse auf; in der Leopold-Kaserne sind mehrere Wände eingestürzt. In mehreren Schaufenstern sind die Waren durcheinander­gerüttelt worden und, soweit sie zerbrechlich waren, in Scherben gegangen. Die für die Weiße Woche in den Schaufenstern ausgestapelten Warenballen lagen wild durcheinander.

Der Bevölkerung bemächtigte sich ein ungeheurer Schrecken. Alles eilte auf die Straße. Kranke Leute wurden, nur notdürftig bekleidet, aus den Häusern ge­tragen, und die Schulen, soweit sie nicht wegen der Grippe geschlossen sind, beendeten rasch den Unterricht und ent­ließen die Kinder nach Hause.

Auch in einigen kleineren Orten der Umgebung von Rastatt ist das Erdbeben heftig verspürt worden. In dem Ort Kuppenheim fiel

ein steinernes Krenz von der Kirche auf die Straße hinunter. Im Bodenscegebiet ist das Erd­beben kaum verspürt worden, nicht sonderlich heftig war es in der Gegend von Lörrach, von Freiburg und auf dem Feldberg. Vielfach wirb berichtet, daß der Erdstoß von einem starken unterirdischen Rollen begleitet war.

In Württemberg

würden mehrere kräftige Erdstöße wahrgenommen, vor allem in S t u t t g a r t und in E ß l i n g e n. Weitere Erd­stöße werden gemeldet aus der Gegend von Worm s und aus Kaiserslautern, wo Möbel schwankten, Türen anfsprangen und Bilder von den Wänden fielen.

Neue Kabinettssitzung.

r Einzelheiten des Regierungs- Programms.

Hitler und Hugenberg werden sprechen.

Die Reichsregierung ist am Mittwoch zu einer neuen Beratung zusammengetreten, die vorwiegend politischen Fragen galt. Auch Personalangelegenheiten, die vor Mem das Reichsarbeitsministerium betrafen, sollten be­sprochen werden. Es handelte sich dabei vor allem um Die Frage, ob Reichsarbeitsminister Seldte das Reichs- kommissariat für den Arbeitsdienst selbst übernehmen würde, oder ob dieses Kommissariat mit einer anderen Persönlichkeit besetzt werden soll. Allgemein wurde an­genommen, daß Minister Seldte auch das Amt des Reichskommissars für den Arbeitsdienst erhalten wird, wobei er eine Persönlichkeit aus dem Stahlhelm zu seinem engeren Mitarbeiter in Arbeilsdienstfragen berufen wird.

Mit der Bekanntgabe von Einzelheiten des Regie- Nlngsprogramms wird in den nächsten Tagen zu rechnen sein. So wird Reichskanzler H i t l e r in seiner Rede, die er am Freitagabend auf einer Kundgebung der National­sozialistischen Partei im Berliner Sportpalast halten wird, Die politischen Aufgaben der neuen Neichs- regierung näher umreißen, während Reichswirtschafts- und Reichsernâhrungsministcr Dr. Hilgenberg auf Dem Teutschnationalcu Parteitag am Sonnabend Näheres über den künftig einzuschlagenden Weg der von ihm ge­leiteten Ministerien mittciich wird.

*

Hitler über die Ausgaben der preffe.

Reichskanzler Hitler empfing eine Anzahl leitender Redakteure der Berliner und in Berlin ver- trenen großen Zeitungen des Reiches. Er führte dabei aus, daß er persönlich und die Reichsregierung keines­

Von den deutschen Erdbebenwarten

hat die Münchener Warte das Erdbeben nur als ein schwaches Nahbeben verzeichnet, während es von der K ö u i g s st u h l w a r t e in H e i d e l b e r g sehr stark aus­gezeichnet wurde, so stark, wie ein Nahbeben auf dieser Warte seit 25 Jahren nicht verzeichnet worden ist. Über­haupt nicht verzeichnet wurde das Erdbeben von der württembergischen Wetterwarte in Ra­vensburg.

Das Erdbebengcbiet.

Wertere Erdstöße in Mitielbaden.

Im Verlaufe des Mittwochs haben sich die Erdstöße in Mittelbaden m e h r f a ch w i e d e r h o l t. Bis 17 Uhr zählte man fünf starke Erdstöße. Ter letzte war wiederum ziemlich h e f t i g , so daß die Bevölkerung st a r k beun­ruhigt ist. Die Apparate des Geodätischen Instituts der Technischen Hochschule in Karlsruhe sind immer noch in Bewegung, so daß man mit weiteren Erschütterungen rechnet. , .

Am heftigsten wurden die Stöße nach wie vor tn Rastatt verspürt. In der Zwischenzeit stellte stch her­aus, daß der Sachschaden dort noch weit großer ist, als anfänglich angenommen wurde. Die Zahl der um- aestürzten Kamine wird auf 200 geschätzt. Em löjähnges Mädchen erlitt durch herabstürzende Ziegelsteine erheb­liche Kopfverletzungen.

wegs auf dem Standpunkt siândcn, daß die Presie ge­knebelt werden solle. Was die Reichsregierung aber von der Presse erwarten müsse, sei, daß sie den neuen Man­nern den guten Willen zubillige,

das Beste für Volk und Vaterland zu leisten.

Sie müsse verlangen, daß die notwendige und sachliche Kritik sich von persönlichen Injurien fernhalte. Hitler kam wiederholt auf die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Kritik in der Presse zurück. Wenn sie manchmal auch unangenehm sei, so treibe sie die Dinge doch vor­wärts und zwinge die Negierenden, so sachlich und gut zu arbeiten, daß sic vor jeder Kritik eben bestehen könnten. Die neue Reichsregierung habe den festen Willen und die unerschütterliche Überzeugung, daß durch ihre Arbeit das deutsche Vaterland wieder zu einem glück­licheren, schöneren und freieren Dasein geführt werden würde, als das Reich von heute es seinen Bürgern zu bieten vermöge. Er sehe mannigfache Möglichkeiten einer negativen' Mehrheit in Deutschland. Aber eine andere positive Mehrheit als die heutige sehe er nicht.

Der Reichskanzler schloß seine Ausführungen mit der Ankündigung, daß gegen die wenigen, die Deutschland bewußt schädig c n wollten, allerdings mit äußerster Schärfe vorgegamzen werden müsse. Er gebrauchte wört­lich die Äußerung:In zehn Jahren wird es tn Deutsch­land keinen Marxismus mehr geben."

An die aber, die mit gutem Willen an der Rettung des Vaterlandes Mitarbeiten wollten, richte er die Bitte, diesen guten Willen auch bei der Regierung voraus- zusetzen.

*

Reichskanzler Hitler wird am nächsten Sonnabend zum Gaukongreß der NSDAP, nach Kassel kommen. Um 19.45 Uhr wird der Reichskanzler vom Balkon des Roten Palais aus eine etwa einstündige Rede halten, die aus den Rundfunk übertragen wird.

Der Mundfunk im Wahlkampf.

Was die Benutzung des Rundfunks im Wahlkampf anlangt, so gelten, wie vom Reichsinnenministerium mit­geteilt wird, die bisherigen Richtlinien, wonach die Be­nutzung für oder von Parteien ausgeschlossen wurde. Regierungsmitglieder fallen selbstverständlich nicht unter dieses Verbot. .

Der R e i ch s t a g s a u s s ch u ß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung wird in dieser Woche voraus­sichtlich nicht mehr zusammentreten. Zunächst wird erst eine Beilegungdes Konflikts zwischen den natio­nalsozialistischen Ausschußmitgliedern und dem Vorsitzen­den, Löbe (Soz.), versucht werden.

*

Nationale Landesregierung in Lèpße.

Ter neue Lippische Landtag wählte in seiner ersten Sitzung mit 12 von 21 Stimmen den national­sozialistischen Abgeordneten Reims zum Landtags­präsidenten. Bei der Neuwahl der Landes­regierung wurde gleichfalls mit 12 von 21 Stimmen zum Landespräsidenten der bisherige Leiter des Finanz­amts in Lemgo, Regierungsrat Dr. Krappe (Nat.-Soz.) mit den Stimmen der NSDAP., der Deutschnationalen, der Teutschen Volkspartei und des. evangelischen Volks­dienstes gewählt. Zu Mitgliedern der Regierung wurden ferner der Abgeordnete Wedderwille aus Lage (Nat.-Soz.) und der Landwirt Klöpper (parteilos) gewählt.

Der Landtag wählte ferner den Landtagsausschuß, den Hauptausschuß und die übrigen Ausschüsse, in denen die Nationalsozialisten und Rechtsparteien überall die absolute Mehrheit haben.

Holland in Not.

Nicht erst die phantastische Meutcrertat und -fahrt des holländischen PanzerkreuzersSieben Provinzen" hat die Decke von den schweren Sorgen weggezogen, die Holland mit seinem riesigen ost indischen Kolonialbesitz seit langem hat. Denn immer noch gewaltig groß ist dieser Besitz, den die Natur zu einem Paradies auf Erden machte. Aber auch in dieses Paradies schlich sich die Schlange der Weltkrise und schuf furchtbares Elend. Haben doch gerade die tropischen und subtropischen Länder ganz besonders darunter zu leiden, daß die Preise ihrer Naturprodukte aufs stärkste zusammengeschmolzen sind. Höher auch wieder wurden überall die Zölle, die von den Verbraucherländern gegen die Einfuhr dieser Natur­produkte errichtet waren. Holland und seine Kolonien sind in Not. Außerdem Asien rührt sich. Die Soldherabsetzung auf der holländischen Kriegs­flotte von deren Dasein wohl in Europa über­haupt nicht allzuviele gewußt haben mögen hat schon mal auf einer anderen Flotte, der englischen, einen Matrosenaufstand" zur Folge gehabt. Aber dort war dies wirklich nur eine Lohnbewegung gewesen und, war durch eine Lohnvereinbarung beendet worden. Bei der Meuterei der Eingeborenen-Matrosen auf dem holländi­schen Panzerkreuzer aber gesellten sich zu diesen lohnpoliti­schen Motiven auch solche revolutionärer Art, die von Ruß­land aus in die Massen Asiens hineingetragen wurden, China überfluteten, dort fast zum Siege gelangten, dann nach Westen vordrangen. Die Weltwirtschaftskrise ebnete überall den Weg und Holland kann nur mit An­spannung aller Kräfte seinen Kolonialbesitz gegen diese Welle schützen. .

Man hat bei der Meuterei auf dem holländischen Panzerkreuzer also nicht mit Unrecht an icne andere er­innert, die "vor 28 Jahren auf dem russischen Panzer­kreuzerP o 1 e m k i n" ausbrach und durchaus revolu­tionären Charakter trug. Auch hier führte ein fast un­bedeutender Vorgang zum Ausbruch einer Meuterei, die allerdings. wesentlich blutiger verlief als die Meuterertat auf den.Sieben Provinzen". Sehr unblutig endete sie aber für die Teilnehmer an ihr, da diese schließlich in einem rumänischen Hafen ungestört das Schiff verlassen konnten. Für die Meuterer auf dem holländischen Panzerkreuzer sah die ganze Sache aber von Anfang an ganz hoffnungs­los aus und es ist fast schon ein Wunder, daß das Schiff solange auf dem Indischen Ozean, an den Küsten von Sumatra, hernmgeisteru konnte. Aber ebenso wie der Schiffskommandant und seine Offiziere scheint die hol­ländische Zentralrcgiernng der Kolonien in Batavia von dem Ausbruch der Meuterei völlig überrascht worden zu sein. Allerdings soll der Kommandant der Seehäfen in Holländisch Indien schon vor einiger Zeit den Offizieren und Unteroffizieren befohlen haben, ihre Pistolen stets schußfertia zu halten. So ist der Ausbruch der Meuterei auf dem Panzerkreuzer eine Überraschungsaktion, die aber ohne weiteres beweist, daß eine Flotte mit derartiger

Kleine Geltung für eilige Leser

* Die Regierung Braun hat gegen die Auflösung deS Preußischen Landtages eine neue Klage beim Staatsgerichtshof in Leipzig überreicht.

* Die Bildung eines einheitlichen bcrufSpädagogischcn In­stituts in Preußen ist vom Reichskommissar verfügt morden.

* Bon einem ziemlich starken Erdbeben murdc ein Teil Bavens, Württembergs und der Pfalz heimgesucht. Erheb­lichen Schaden richtete das Beben in Rastatt und Umgebung an.