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Nr. 41 — 1933
Fulda, Freitag, 17. Februar
10. Jahrgang
Revolveranschlag auf Roosevelt.
Das Attentat von Miami.
Sechs Opfer eines Revolveranschlags.
Ganz Amerika steht unter dem Eindruck de« Revolver- attentats, das aus den neugcwähltcn Präsidenten der Ver° einigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, der am 4. März sein neues Amt antreten soll, in dem großen Seebad Miami im Staate Florida verübt worden ist. Roosevelt selbst blieb unverletzt, dagegen wurden sechs andere Personen zum Teil schwer verwundet, darunter der Chikagoer Bürgermeister Cermak, der vor lunem in Deutschland weilte, um hier für die in diesem - Jahre stattfindende Weltausstellung in Chikago zu j werben.
Wie das Attentat geschah.
Der Attentäter verübte den Anschlag, als Roosevelt in den Anlagen der Stadt Miami von seinem Kraftwagen aus eine Ansprache hielt. Fünf Meter neben Rovtevelt ; stehend, feuerte der Attentäter mehrere Schüsse ab Während Roosevelt unver'etzl blieb, wurden der in nächster Nähe stehende Chikagoer Bürgermeister Cermat sowie f fünf weitere Personen, darunter auch Frauen, verletzt. Die Schüsse lösten in der etwa 50 000 Menschen zählenden Menge einen unbeschreibliche «Tumult aus. Während die Geheimpolizisten, die sich in nächster Nähe Roosevelts aufhielten, den Attentäter verhafteten, rief die ; Menge: „Hängt ihn aufs Schießt ibn nieder!" Eine Frau, die ncbm d-'m Attentäter stand, war geistesgegenwärtig genug, den Arm des Attentäters nach dem fünften Schutz ! hochzuschlagen, so daß ein letzter sechster Schutz in die ‘ Lust aing.
Von den Chikagoer Behörden wurde zunächst an- ! genommen, daß der Anschlag nicht Roosevelt, sondern ; formn! gegolten habe. Angeblich sollte es sich um einen Versuch Chikagoer Unterweltler handeln. die Iben ihnen verhaßten Bürgermeister töten wollten. Diese s Annahme bat üch indessen nach Vernehmung des Attentäters als falsch erwiesen.
Der Attentäter.
Bei dem Attentäter, der auf der Stelle verhaftet | werden konnte, soll es sich ' um einen in Calabrien ge- I bereiten Italiener namens Giuseppe Zanagara handeln. Er ist ein schmächtiger Mensch, der anscheinend -geistig minderwertig ist. Seine Angaben vor der Polizei I sind ziemlich verworren. Zanagara erklärte, er habe stets Ibie Neichen und Mächtigen gehaßt und habe setzt gehofft, »daß er diesmal mehr Glück als vor zehn Jahren haben »werde, als er sich in Italien eine Pistole kaufte, um den »König Victor Emanuel zu erschießen. Durch »einen merkwürdigen Zufall sei aber dasselbe wie damals | eingcireten, nämlich daß eine zu dichte Menschenmenge »ibn daran gehindert habe, sein Opfer zu töten. Er habe 8Roosevelt töten wollen, weil er infolge einer KMagenoperation an dauernden Schmerzen H gelitten habe.
Cermak in Lebensgefahr.
Nachdem der Attentäter Zanagara seine Schüsse ab- b gegeben hatte, zog Roosevelt geistesgegenwärtig de«
Stützung des Getreidenrarktes.
Ame
der Reichsregierung.
Beralilngen landwirtskhactUcher und sozialer Fragen.
Die Reichsregierung ist am Donnerstagnachmittag zu Beraèungen zusammengetreten, die vor allem Maßnahmen Zugunsten der Landwirtschaft galten. In erster Linie sollte krne umfangreiche Stützungsaktion für den Getreidemarkt beraten werden, um den weiter ab- imkenden Getreidepreisen entgegenzutreten. Außerdem sollten mehrere Fragen der Sozialpolitik behandelt werden. Es handelt sich hierbei einmal um eine Milderung von Härten in der Kriegsbeschädigten- und Kriegshinter- vliebenenyersorgung weiter um eine Prüfung der Frage, ob einzelne Persorqunqsvorschriften der Invalidenversicherung, die zeitweise außer Kraft gesetzt waren, jetzt wieder wirksam werden könnten. Es wird hierbei daran gedacht, vor allem das Ruhen von Invalidenrenten bei gleich- zeuigem Bezug von Kriegsbeschädigtenrenten zu be- selilgen. Schließlich soll bei dieser Gelegenheit auch die drage besprochen werden, ob die Gebühren für
en Krankenschein in Höhe von 25 und 50 Hennig in Fortfall kommen können, sollte es die Zeit Klassen, so war auch die Besprechung personalpolit,scher Fragen geplant. Dabei handelt es sich um die Besetzung der Staalssekretärpostens im Reichsarbeltsmrmswnum, '"r den der Stahlhelmführer Ausfeld in Auspcht genommen ist.
Umbau der Polizei in Preußen?
, ^uch das preußische Staatsministerium wird in den ochsten Tagen eine neue Sitzung abhalten, da noch eine nkoße Reihe von Personals ragen zu regeln ist.
preußischen Innenministerium wird gegenwärtig 'W. FratzeWirM^ob die Schutzpolizei eine neue. Organi
schwerverwundeten Bürgermeister Cermak in den Kraftwagen und brachte ihn persönlich znm nächsten Krankenhaus. Die Untersuchung Cermaks hat ergeben, daß der Schutz zwischen der Leber und den Nieren am elften Rückenwirbel steckte. Sein Zustand ist außerordentlich kritisch. Der Zustand der gleichfalls schwerverletzten Frau Gill ist ebenfalls gefährlich. Sie hat einen Schutz in den Magen bekommen, während ein Detektiv einen Schutz in das rechte Auge erhielt. Cermo-k wurde nach der Untersuchung sofort operiert: sein Zustand ist lebensgefährlich.
Cermak ist seit April 1931 Bürgermeister von Chikago. Sein Erfolg — er schlug seinerzeit den republikanischen Kandidaten und langjährigen Beherrscher Chikagos, William Thompson, mit mehr als 200 000 Stimmen — war um so bedeutungsvoller, als Cermak gebürtiger Tscheche
ist, seine Laufbahn in Amerika als Mauleseltreiber in einer Kohlengrube begann und sich erst nach und nach als Rechtsanwalt und Politiker durchzusetzen verstand, während Thompson als Sohn einer alteingesessenen Familie hundertprozentiger Amerikaner ist. Sofort nach seinem Amtsantritt begann Cermak einen schonungslosen Kampf gegen die Unterweltbanden in Chikago: schon immer hatten seine Freunde befürchtet, daß eines Tages ein Attentat auf ihn verübt werden würde.
Glückwünsche Hindenburgs und der Reichsregierung.
Aus Anlaß des erfolglosen Revolveranschlages auf den gewählten amerikanischen Präsidenten Roosevelt haben der Reichspräsident und die Retchsregierung den deutschen Botschafter in Washington beauftragt, in ihrem Namen dem Präsidenten Hoover ihre Genugtuung über die Errettung deS Präsidenten Roosevelt zum Ausdruck zu bringen.
Als Präsident Hoover vom Anschlag erfuhr, erklärte er: Ich bin durch die Nachricht tief erschüttert. Es war eine gemeine und feige Tat. Hoover telegraphierte sofort an Roosevelt: Zusammen mit jedem anderen Bürger freue ich mich, daß Sie nicht verletzt worden sind. Ich wäre Ihnen dankbar für Nachrichten über den Zustand CermakS.
sation erhalten soll. Nach den neuen Plänen soll die Schutzpolizei nicht mehr den Oberpräsidenten und RegierungS- präsidenren unterstellt sein, sondern drei Schutzpolizei- kommissaren, die ihren Sitz im Osten, im Westen und in Berlin haben sollen. Über diesen drei Kommandeuren soll ein Inspektor stehen, der seinen Sitz im preußischen Innenministerium hat.
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Die Sitzung des Neichskabrncits.
Das Reichskabinett beschäftigte sich am Donnerstagabend in mehrstündiger Sitzung zunächst mit einer Reihe jetzt akut werdender landwirtschaftlicher 3 o 113 fragen. Anschließend wurden die s o z i a l p o l i tisch e n M i l d e r u n g e n behandelt. Die Verhandlungen über die Aufhebung eines Teiles der Remenkürzun- gen wurden abgeschlossen. Mit der Bekanntgabe des diesbezüglichen Kabinettsbeschlusses ist wahrscheinlich für Sonnabend zu rechnen. Außerdem beschäftigte sich das Kabinett mit Maßnahmen zur Sicherung des G e t r e i d e m a r k t e s. Die Verhandlungen sowohl hierüber als auch über die landwirtschaftlichen Zollfragen werden noch fortgesetzt. Der letzte Punkt der Tagesordnung galt politischen Fragen. Eine amtliche Mitteilung wurde über die Kabinettssitzung nicht veröffentlicht.
Stieler bleibt Reg erungsprättdent von Aacben.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hatte der Reichskommissar für das preußische Ministerium des Innern, Reichsminister Göring, mit dem Reaie- rungspräsidenlen von Aachen, Stieler, eine grundsätzliche Aussprache, in deren Verlaus Reichsminister Göring den Negierungspräsiventen in Anerkennung seiner Amtsführung ersuchte, sein Amt weiter f o r t z u f ü b r e n. Die Beurlaubung des Regierungspräsidenten von Aachen ist damit aufMbobe«..
Amerika in der Krise.
Das Goethesche „Amerika, du hast es besser als unser Kontinent, der alte" stimmt schon längst nicht mehr. Seit im Herbst 1929 - ein Jahr nach Ausbruch der deutschen Krise — der Newyorker Börsenkrach erfolgte und damit das Ende der „prosperity", des „allgemeinen Wohlstandes", da war, ging es unaufhaltsam bergab. Man hatte lange, viel zu lange geglaubt, es handele sich hier um eine der von früher her nicht unbekannten Konjunkturkrisen, um ein Tal im Wellengang der Wirtschaft, das eines Tages sich »in einen neuen Emportrieb umwandeln würde. Und da Amerika ein Land ist, in dem es staatliche Eingriffe in die Wirtschaft - abgesehen von der Zollpolitik, die sich in steigendem Maße auf die Verhinderung der Einfuhr umstellte — gar nicht gibt, sich Die staatliche Wirtschaftspolitik eigentlich nur, und zwar mit ausgesprochenstem Mißerfolg gegen die Kartell- und Trustbildung zu wenden versucht, so sah die Welt äm amerikanischen Wirtschaftsleben den Niederbruch eines Hoch- kavitalistischcn Wirtschaftssystems unbedingt liberalistr- scher Prägung.
Das Endergebnis sind 17 Millionen Arbeitslose und eine Industrie, die über einen gewaltigen, aber heute nur zu geringem Teil ausgenutzten Produktionsapparat verfügt. Außerdem eine Landwirtschaft, deren Erzeugungs- krâft, ins Maßlose gesteigert, die Welt mit Getreide und Baumwolle zu überschütten versuchte. Seit Jahren liegen in Amerika — übrigens auch in Kanada — die Getreidepreise tief unter den Erzeugungskosten, und bei den mit riesigen Mitteln unternommenen Versuchen, die unhaltbare Situation bei den Farmern zu retten, kam nichts anderes heraus, als was „unser Kontinent, der alte" in dieser Beziehung auch schon einige Male erlebte. Die riesenhafte Überproduktion, bie .Sägergebirge suchten^vergeblich nach Verbrauchern. Und wenn es jetzt ganze Teile dieses Landes gibt, in denen den Landwirten ;._ B von den Versicherungsgesellschaften, aber auch von sonstigen Gläubigern ein Moratorium gewährt wurde, so aesckah dies, weil die Farmer vielfach den „Vollstreckungsschutz^ in eigene Hand nahmen, auf deutsch: sie bedrohten bei Zwangsvollstreckungen den Erekutor und jeden Bieter einfach mit Lynchjustiz oder warfen sie zum Haus hinaus.
Doch das ist alles eine Entwickluna, die seit Jahren vor sich ging und die in einem der wichtigsten Wirtschaftszweige Amerikas, in der Autoind u st rie, insofern ein Gegenbeispiel hat. als auch hier nach dem Bankenkrach die Erzeugung vorerst nicht gedrosselt wurde und sich infolgedessen eine rasch steigende Überproduktion entwickelte. Hinzu kam, daß die amerikanische Autoaus- fuhr auf immer höhere Zollmauern stieß, die auch durch Gründung von Filialen im Ausland nicht recht überwunden werden konnten, weil hinter diesen Mauern die überall wirkende Wirtschaftskrise den Bedarf schnell zusammenschrumpfen ließ. Außerdem wurde das konzentrierte technische und betriebsora.an>satorische Können der Amerikaner von den europäischen Leistungen bald ein-, vielleicht sogar überholt. Die Krise, in die die amerikanische Autoindustrie geriet, äußerte sich in massenhaften, in die Hunderttausende gehenden Arbeiterenilassungen — in den Detroiter Werken Fords, des Erfinders des „laufendes Bandes", wurden allein 100 000 Arbeitet entlassen — und natürlich in finanziellen Schwierigkeiten, weil die Bankkredite festgefroren waren Riescnheere fertiger Autos stehen da, aber kein Mensch kauft sie. Unö als nun die Autofabrikation im Staate Michigan, dessen Hauptstadt Detroit ist, ihr neues Produkiionsprogramm „ankurbelten", da fehlte es bald an „Öl", also an Krediten. Der Krach war da, und als nun gar die Einleger und Großdebitoren ihre Gelder bei den Zentralbanken in Detroit kündigten, mußten diese sich als zahlungsunfähig erklären. Gerade wie bei uns im Juli 1931! Und gerade wie bei uns kam das Bankenmoratorium
Und nicht anders als wie bei uns waren sie Banken auch deswegen ißiguibe geworden, weil sie einen großen Teil der ihnen anvertrauten Gelder in mehr oder weniger gewagten Spekulationen festgelegl hatten. Schon zweimal mußte bis auf Veranlassung der Bundesregierung gegründete „Reconstruction Finance Cooperation", die etwa unserer Akzept- und Garantievank entspricht, die Banken in Detroit wieder flottmachen, was sie ungefähr 350 Millionen Mark Kredite kostete. Jetzt hat sie neue 200 Millionen angewiesen: außerdem erhalten die Banken noch von privater Seite 150 Millionen, so daß das Loch in Detroit nicht nur gestopft ist, sondern auch die Autoindustrie umfangreiche Kredite dazu erhält.
Aber von neuem hat sich gezeigt, daß Amerika noch tief in der Krise drinsteckt und mit immer neuen Rückschlägen bei seinen fast verzweifelten Versuchen zum Wiederemporkommen rechnen muß.
Neuer Austritt aus der OVP.
Okonomierat Dr. Schiftan hat in Vereinbarung mit der Leitung der Deutschen Volkspartei feine Beziehungen zur Parteiorganisation g e 1 ö ft. Der Grund zu dieser Entscheidung liegt in der verschiedenartigen Beurteilung wirtschaftlicher Einzelfragen zwschen Schiftan einerseits und der Gesamtpartei andererseits.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die Reichsregierung hat Beratungen über die Stützung des Getreidewarktes ausgenommen.
* Zu blutigen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Militär vu- Polizei kam es in verschiedene« Ländern.