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Nr. 42 1933 Fulda, Samstag, 18. Februar 10. Jahrgang

Wehrmacht und Nationalstaat

SieKehnuacht kennt keine Parteien

Ansprache des Reichswehrministers an die Marine.

Der Reichswehrminister General a. D. von Blom­berg und der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. e. h. Raeder, statteten in Kiel dem Stationschef, Vizeadmiral Albrecht, einen Besuch ab. In der Aula der Marinestation, wo das gesamte Offizierkorps versammelt war, hielt anschließend der Reichswehrminister an das Offizierkorps eine Ansprache. Tann fand ein Besuch beim Flottenchef auf dem LinienschiffSchleswig- Holstein" statt, wo die Flagge des Reichswehrministers in dem Augenblick gesetzt wurde, als er an Bord ging. Beim Anbordgehen wurden. lüSchutzSalut abgefeuert und beim Verlassen des Schiffes der Rangsalut von 17 Schuß. Darauf begab man sich nach den Deutschen Werken. Das HanzerschiffDeutschland" wurde dann vom Reichs- wedrminister, dem Chef der Marineleitung und ihrer Be­gleitung besichtigt.

Auf dem Kasernenhof in der Wik waren die Truppen des Standortes Kiel und die Abordnungen der Flotten- streitkräfte in einem großen Viereck angetreten, als der Reichswehrminister General von Blomberg in Generalsuniform und der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. e. h Raeder, die Front abschritten. Der Reichswehrminister hielt eine Ansprache, in der er aus­führte: Als mich das Vertrauen des Generalfeldmarschalls von Hindenburg auf diesen Posten rief, da waren es zwei Pun*'e, die mich besonders stolz machten, einmal daß ich Da 3 Mitglied einer Regierung sein durfte, hinter der

Millionen deutscher nationaler Männer

stehen, und zweitens, daß ich durch meine jetzige Stellung als Befehlshaber der Wehrmacht in ein besonderes Ver­hältnis zur Reichsmarine trete. Ich habe in den letzten Jahren als Befehlshaber in Ostpreußen die Marine kennengelernt und habe erfahren, welche entscheidend wichtige Rolle die Reichsmarine für die Verteidigung des Vaterlandes ausfüllen soll. Das deutsche Volk erlebt in diesen Tagen, in diesen Wochen und Monaten

eine besondere innere Bewegung.

Da sieht die Welt besonders auf uns, die Wehrmacht, denn wir vertreten in vorderster Linie die deutsche Ehre und das deutsche Ansehen, ja noch mehr, jeder weiß, daß wir Soldaten herausgehoben sind aus dem politischen Kampf des Tages.

Für uns gibt eS keine Parteien und eS gibt auch keine Klaffe. Für unS gilt nur das ganze Deutschland, und mit uns fühlen viele Millionen deutscher Männer. Sie fühlen mit uns und sie wissen, daß cs für einen wahren deutschen Mann nur eines gibt, für Deutschland zu leben, für Deutschland zu kämpfen und für Deutschland zu sterben.

Eineschwimmende Insel" im Ozean.

, Nicht geringes Aufsehen erregte und erregt noch der Eeutsche FilmF. P. 1 antwortet nicht". Die Kühnheit "er dem Film zugrunde liegenden Idee Aufbau einer umstlichen Fliegerinsel oder Fliegerschutzinsel mitten im Lzean gab Anlaß zu lebhaften Erörterungen. Man l^gte sich, ob die Errichtung einer solchenFliegerplatt- form" (F. P.) im Bereich der Möglichkeit liege. Diese Erörterungen der Techniker und der Flieger die Laien wollen wir ganz aus dem Spiele lassen sind noch nicht abgeschlossen, aber sie dürften vielleicht bald gänzlich Wenstandslos werden, denn dieFliegerinsel im Ozean" burkte in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden, wenn auch

Neue Wirlschaftsmahnahmen

Die sozialen Verbesserungen.

Der Inhalt der neuen Notverordnung.

. Mr Freitag war ein Vortrag des Reichsarbeits Mtnisters Seldte beim Reichspräsidenten vorgesehen, in orm der Minister Gerrit von Hindenburg den Entwurf

vom Reichskabinett beschlossenen sozialpolitischen Änderungen vorlegen sollte. Mit der Veröffentlichung ct Atzen Notverordnung ist bald zu rechnen.

.. Wie von gutunterrichteter Seite bekannt wird, sollen °re Vorschriften über die

Anrechnung der Renten

aus der Reichsversorgung und der Beamtenpension auf Pistungen aus der sozialen Versicherung dahin geändert werden, daß mindestens ein Drittel der Leistungen aus Lwallden- und Angestelltenversicherung bzw. Knapp- ^Versicherung zahlbar bleiben. Von diesen Letztem- darf höchstens ein Betrag von monatlich otz Mark ge- N werden. Die Mehrkosten sollen den Tragern der L: ^alidenversicherung vom Reich erstattet werden. Für ,,/Verzulagen und Waisenrenten wird die Altersgrenze A am Jahr vom 15. auf das 16. Lebensjahr erhöht. Im i "waltungsweg sollen

T. . Unterstützungen zur Erhaltung der Ergenheum

: Ascher*. KrieasüâchädUteN Md AâMSHiKterclltsbWSU.

nicht in der Form, wie wir sie im Film zu sehen be­kommen, und bei der, wie sich das von selbst versteht, die Phantasie eine große Rolle spielt.

Der frühere deutsche FrachtdampferWestfalen" ist zu einemFlugzeugmutterschiff" umgebaut worden und, wird nach dem Südatlantik gehen, um da­selbst alsFliegerinsel" stationiert zu werden. Unter einerFliegerinsel" versteht man im allgemeinen eine künstliche Insel, die irgendwo im Meere verankert wird, um den Flugzeugen, die über den Ozean fliegen, als Zwischenlandestellen zu dienen. Rekord- und Sportflieger, die einen Langstreckenflug unternehmen, machen das vom Startort bis zum Ziel, ohne irgendwo Aufenthalt zu

Der DampferWestfalen".

nehmen (wenn sie nicht gerade Notlandungen vornehmen müssen); sie brauchen also keineFliegerinsel". Anders verhält es sich mit den Ozean Verkehrsflugzeugen, denen die Zukunft gehört; für sie kommt es nicht auf den . Rekord, sondern auf die Sicherheit an, für sie können daherFliegerinseln" im Ozean von ungeheurer Be­deutung sein.

Eine solcheFliegerinsel" nun soll der 5660-Tonnen- DampferWestfalen" werden. Sie soll aber nicht ver­ankert werden, sondern auf dem Südatlantik kreuzen, und zwar zwischen Afrika und Südamerika. Das Schiff ist so ausgerüstet, daß es den Flugzeugen bei Zwischen­landungen auf dem Südatlantik alle Möglichkeiten zu neuem Tanken und,zu neuem Start bieten kann. Mittels eines sogenannten Katapults wie man das ja jetzt schon auf einigen deutschen Amerikadampfern macht wird der nicht ganz leichte Start der Verkehrsflugzeuge bewerkstelligt. Solche Katapulranlaaen sollen später auch an der afrikanischen und an der brasilianischen Küste auf­gestellt werden. Die Flugboote denn um solche handelt ès sich, die in der Nähe derWestfalen" landen, sollen mittels eines Schleppsegels, das vom Achterdeck des Schiffes bis zum Wasser reicht, an Bord geholt werden. Vom Schleppsegel, derschwimmenden Rampe", aus werden sie mit dem auf dem Hinterschiff des Dampfers stehenden großen Drehkran emporgehoben und gelangen dann mittels einer Fahrbahn nach vorn auf das Kata­pult, eine Schleudervorrichtung, die sie sozusagen in die Luft schießt, so daß sie weiterfliegen können.

Wenn alles so geht, wie man sich das denkt und es wird sicher allesklappen", wird die Post, von Berlin nach Rio de Janeiro in vier bis fünf Tagen, die von Berlin nach Buenos Aires in fünf bis sechs Tagen be­fördert werden können. Auf dem gewöhnlichen Seewege dauert die gleiche Postbeförderung mindestens drei Wochen. Mit demGraf Zeppelin" kann man ja Post nach Südamerika auch sehr rasch befördern, aber derGraf Zeppelin" fliegt nicht allzuoft, während das Ozean­verkehrsflugzeug sehr bald eine ständige Einrichtung werden könnte. Film wird Leben,F. P. 1" wird Wirk­lichkeit.'

»te eine Kapitalabsindung erhalten haben, angeordnet werden. Weiterhin sollen die Zusatzrentenbestimn'.ungen für Witwen und die Bestimmungen über Zuschüsse an ver­sorgungsberechtigte Offiziere geändert werden. Schließ­lich ist die Gewährung

einmaliger Unterstützung für studierende Kriegerwaisen sowie für Kriegsbeschädigte und Witwen, die keine Zu­schußrenten erhalten, in Aussicht genommen.

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Handwerker beim Reichskanzler.

Der Mittelstandsvertrèter bei der Regierung gugefagt.

Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskanzler empfing im Beisein des Staatssekretärs in der Reichs­kanzlei und der Sachbearbeiter der Reichsleitung der NSDAP. das Präsidium des Reichsverbandes des deutschen Handwerks. Bei dieser Gelegen­heit brachte der Reichskanzler seine vorbehaltlose Über­zeugung von der entscheidenden Bedeutung des g e w e r b- lichen Mittelstandes für den Wiederaufbau von Wirtschaft und Volksgemeinschaft zum Ausdruck. Im An­schluß hieran sagte der Reichskanzler die Bestellung eines Vertrauensmannes der mittel ständischen Wirtschaft an entscheidender Stelle. und mit.epi» sprechenden DoLuurLterL ist

Die Haltung der Industrie gegenüber der Reichsregierung,

Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie traten unter dem Vor­sitz von Dr. Krupp von Bohlen und Halbach in Berlin zu einer Beratung der gegenwärtigen politischen und wirtschaftspolitischen Lage zusammen. Das Präsidium vertrat einmütig die Auffassung, daß die Stellungnahme der Industrie auch gegenüber der neuen Regierung von ihren wirtschaftspolitischen Maßnahmen ab­hängig bleiben müsse. Für die Besserung der wirtschaft­lichen Verhältnisse ist es nach Auffassung der Industrie von ausschlaggebender Bedeutung, daß Stö­rungen der inneren Ruhe und des sozialen Friedens vermieden werden, damit die vorhandenen Möglich­keiten einer organischen Gesundung, die für die Gesamt­heit des deutschen Volkes lebenswichtig ist, nicht vernichtet werden. Dazu müssen Unternehmer und Arbei­te r im Interesse der Allgemeinheit beitragen. Für Staat und Wirtschaft bleibt es wichtig, daß das deutsche Bc- rufsbeamtentum in seiner Grundlage unangetastet erhalten wird.

Die politische Linie.

Das Stichwort aus Paris. Balkanisierung Europas. Zollmauern gegen Deutschland Wichtigkeit der Kommu­nalwahlen.

Die wahre Politik faßt die praktischen Interessen, das Notwendige, das Ausführbare ins Auge; sie gibt ihre Ver­gangenheit nicht jeden Augenblick um einer vielleicht be- trüglichen Aussicht willen auf; sie beabsichtigt ruhigen Fortgang, schrittweise sichere Entwicklung; s i e l t s i ch a u f i h r e r L i n i e." Was hier unser größter Historiker, Leopold von Ranke, über die Methodik außenpolitischen Handelns sagt, dürfte doch wohl auch auf die Art pnssen, in der Deutschlands Außenpolitik dem Endziel zustrebt: Revisio ndesVersaillerDiktats. Um so mehr muß bab^idas Ausführbare" ins Auge gefaßt werden, als diese Möglichkeiten sich ändern, sich verdichten oder auch nebelhaft verschwimmen. Der Gegenspieler aber und das muß hervorgehoben werden, um vor einer Ein­seitigkeit der Blick-Einstellung zu warnen sitzt keines­wegs allein in Paris. Überall, in Belgrad, Bukarest, Prag, Athen und Warschau, in Kopenhagen, Kowno und Riga, in Brüssel, London und in Rom sitzen die offenen und heimlichen Gegenspieler, die gar nicht erst auf ein Stich­wort aus Paris warten, um mit derNeuordnung" Euro­pas durch Versailles, St. Germain und Neuilly gegen Nevisionsforderungen der ehemaligen Mittelmächte das zu verteidigen, was ihnen dieseVorort"-Verträge 1919 zu­sprachen; denn den damals aus der Beute gewonnenen Besitz zu verteidigen ist oberstes Prinzip aller jener Staaten. Und dieses Prinzip liegt auch der engen Ver­einbarung zugrunde, die von den drei Staaten der Kleinen Entente Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien jetzt in Genf auf der Abrüstungs­konferenz getroffen wurde. Man hat Ungar n in der Zange. Man hat Polen als offenen Freund. Und Frankreich wird durch diese Kleine Entente angesichts der Spannungen in Europa fühlbar entlastet, denn der deutscheGegner" und Italien sind stärkster Flankcn- bodrohung ausgesetzt. Der Kleinen Entente geistiges Haupt aber ist der tschechoslowakische Außenminister Benesch, dessen Politik auf zwei Punkte abgestellt ist: Niederhaltung Ungarns und Verhinderung des Zusam­menschlusses Österreichs mit Deutschland. Er hat cs er­reicht, daß es außenpolitisch zu einer Vereinheitlichung der Politik dieser drei Staaten kam. Und diese Politik hält sich auf ihrer Linie", die 1919 festgelegt worden ist: Keine Revision von Versailles, St. Germain, Neuilly.

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Wenn also vor einiger Zeit die Könige von Rumänien und Jugoslawien in dem bekannten rumänischenPots­dam" Sinaia zusammentrafen, so geschah dies wohl kaum, um, wie offiziell mitgeteilt wurde, sich über den Bau einer neuen Donaubrücke zu besprechen. Das hätten ein paar Ingenieure auch allein fertigbringen können. Und die in Sinaia anwesenden beiderseitigen Außenminister verstehen kaum etwas vom Brückenbau! Ausgezeichnet verstehen sich aber die Politiker darauf, jede Vereinbarung wirt­schaftspolitischen Brückenbaues von vorn­herein zu stören und zu zerstören. Würde ein normaler, geistig gesunder Menschenverstand noch irgend etwas zu sagen haben, dann müßte er doch fordern, daß es heute für die Politik nur eine einzigeLinie" geben kann: Die gleich­mäßig von furchtbarer Wirtschaftskrise geschüttelten Völker Europas sollten sich zusanunentun, um in gemeinsamem Handeln den Kampf gegen diese Krise aufzunehmen. Kein Volk wird einzeln und vereinzelt mit ihr fertig. Aber die in den PariserVorort"-Verträgen durchgeführte Balkani­sierung Europas sie reicht jetzt bis zum Bodensee

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Eine neue Notverordnung wird die Milderung sozialer Härten herbeiführcn.

* Der Reichskanzler empfing Vertreter des Handwerks, denen er die Bestellung eines Vertrauensmannes der mittel- ständischen Wirtschaft in der Reichsregierung zusagte.

* Bei einer Ansprache des Reichswehrministers an die Marine in Kiel betonte er die überparteiliche EinLellung der Webrms'bt