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Lul-aer /lnzeiger

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Nr. 53 1933 Fulda, Freitag, 3. März 10. Jahrgang

Reichstag in Potsdam.

Reichslagseröffimng

in der Garnisonkirche.

Hilfsmaßnahme» für Notstandsgebiete.

DaS ReichSkabinett hat sich in seiner Sitzung vom Donnerstag, in der vorwiegend wirtschafts- und handels­politische Fragen besprochen wurden, auch mit dec politisch sehr wichtigen und interessanten Frage besaht, wo die erste Sitzung des neuen Reichstages stattfinden kann, nachdem das Reichstagsinnere durch den Brand völlig zerstört worden ist. Das Kabinett hat beschlossen, daß sich der neu- gewählte Reichstag zu seiner ersten Sitzung in der P o t S - damer Garnisonkirche versammeln soll.

Im Reichstagsgebäude hat man jetzt mit den drin- Wdsèen Aufräumungsarbeiten begonnen. Es werden zu- üchst die großen L ö ch e r , die in den Mauern entstanden sind, durch Bretter abgedichtet, um das Eindringen der kalten Luft zu verhindern. Man ist weiter damit be­schäftigt, die Glasreste aus der stark beschädigten Reichs- tagSkuppel herauszubrechen, um an die Wiederher­stellung der Kuppel herangehen zu können. Das Gerüst der Kuppel soll modernisiert werden.

Weiter wurde von der Reichsregierung beschlossen, Hilfsmahnahmen für die ausgesprochenen Notstands­gebiete einzuleiten. Der Bevölkerung in diesen Gebieten werden ko stenlosLebensmittel zur Linde­rung der großen Not zugeführt. ES kommen die bekannten Notstandsgebiete in allen Teilen des Reiches in Betracht, f» Oberschlesien, Thüringen, Bayerischer Wald, Ruhrgebiet, Berlin, Königsberg usw.

DaS Kabinett befaßte sich weiter mit der Haltung der Auslandspreise und beschloß, gegen hiesige Vertreter der AuSlandspreffe, die in böswilliger Art gegen die Reichsregierung hetzen, vorzugehen.

Ferner hat das Kabinett das Verbot über die Be­flaggung von Dienstwohnungen aufgehoben.

Außerdem beschäftigte sich daS Kabinett mit dem Schutz der landwirtschaftlichen Beredc- lungSerzeuguug und insbesondere mit dem Gebiet des FettmarkteS. Hierüber fand eine Aussprache statt.

Aufhebung der SteuerverzugszuMge.

Der Reichsminister der Finanzen hat eine Verordnung erlassen, durch die mit Wirkung vom 15. März 1983 a9 die Steuerverzugszuschläge ausgehoben werden. Vom 15. März 1933 ab werden wieder von rückständigen Eteuer- bc.rügen nur noch Steuerzinsen erhoben. Der Zinsfuß betrat in den Fällen des Verzugs zwölf Prozent jährlich, in sonstigen Fällen (insbesondere bei Stundung und Zah­lungsaufschub) fünf Prozent.

Von Schwarz-Rol-Gold zu Schwarz-Weiß-Rot.

Ein Erlaß der Preutzenregieruns.

Die kommissarische Preußenregierung g'bt einen neue« Flaggenerlaß heraus, der die bisherige Regelung aufhebt, wonach auf den preußischen StaatS- sowie aus allen Ge- neindegebäuden neben der schwarz-weißen Preußenfahne die schwarz-rot-goldenen Reichsfahnen gezeigt werden mußten. Der neue Erlaß schreibt für die Staatsgebäude nur tue Beflaggung mit der schwarz-weißen Preußenfahne

Die Weltgefahr des Bolschewismus.

Reichskanzler Adolf Hitler im Berliner Sportpalast.

Zum zweiten Male im Verlaufe des Wahlkampfes sprach Adolf Hitler Donnerstagabend im Berliner Sportpalast. Seine Ausführungen waren vor allen Dingen dem Kampf gegen die Weltgefahr des Bolsche­wismus gewidmet. Einleitend sprach der Reichspro- Pagandaleiter der NSDAP., Goebbels, wobei er etwa ausführte: Noch rauchen die Trümmer des Reichs­tages, noch steht ganz Deutschland unter dem Eindruck dieses furchtbaren empörenden Attentates gegen das deutsche Volk. Aber die Öffentlichkeit des Landes hat nun wenigstens die eine beruhigende Gewißheit: Das Untermenschentum, das da aus seinen Löchern kroch, und das Gesindel, das Deutschland mit der Fackel des Bürger­krieges bedrohte, um mit den Plünderungen beginnen zu können, beißt diesmal auf Granit. Es steht ihm jetzt die Reichsregierung der nationalen Erhebung gegenüber. 3n dieser entscheidenden Stunde ergreift der Führer der Bewegung, der Reichskanzler, wiederum vor der Berliner Partei das Wort. Er spricht über eine ^rage, dre letzt nullt nur in Deutschland, sondern in aller Welt in aller Munde ist: Die Weltgefahr des Bolschewismus in Deutsch­land.

Darauf ergreift der Reichskanzler Adolf H i t l e r das Won: Er rechnet zunächst mit den früheren Machthabern dp, von deren Versprechungen nichts ubriggeblieben ici ass ein Deutschland in Trümmern. Dann schilderte er

Lage des heutigen Deutschlands und ging dann über M die bolschewistische Gefahr, deren Überwindung sich "e jetzige Regierung zur Ausgabe gemacht habe. ,

Der Reichskanzler beschäftigte sich sodann im einzelnen put dem Wesen des Marxismus Überall da, wo der Marxismus irgendwie zur Herrschaft gelangte, trat in allen seinen Handlungen . .. .

vor. Schwarz-Rot-Gold entfällt somit. Für die Gemeinde­gebäude ist neben der schwarz-weißen Preußenfahne das Hissen von Gemeindeflaggen in den örtlichen Farben zu- gelasien. Ferner wird die preußische Regierung für den Volkstrauer tag die Anordnung treffen, daß neben den schwarz-weißen Preußenflaggen auch die schwar^- weiß-roten Farben gezeigt werden können.

Oie Potsdamer Garnisonkirche.

Die Potsdamer Garnisonkirche, in der die Eröffnung des Reichstages stattfinden wird, ist aus mehr als einem Grunde historische Stätte. Hinter der Marmorkanzel der

SU Garnisonkirche in Potsdam.

Mrche befindet sich eine Gruft, in der der Sarg Friedrichs des Großen neben dem Sarge des Königs Friedrich Wilhelm I., der die Kirche er­bauen ließ, steht. Der Bau wurde im Jahre 1730 be­gonnen und war im Jahre 1736 beendet. Der Banmeister war Philipp Gerlach.

Zu den geschichtlichen Erinnerungen, die sich an die Garnisonkirche knüpfen, gehört die oft geschilderte und auch bildlich dargestellte Begegnung des Königs Fried­rich Wilhelm III. und des Zaren Alexander I. von Rußland. Die beiden Monarchen schlossen hier in einer Novembernacht deS Jahres 1805 einen Freund­schaftsbund. In der Garnisonkirche stand im Jahre 1807, vor seinem Einzuge in Berlin, Napoleon am Grabe Friedrichs des Großen.Wenn der noch lebte, stünden wir nicht hier", soll der Franzosenkaiser damals zn seiner Umgebung gesagt haben. Weit berühmt ist das Glocken­spiel der Kirche, das die Melodien alter Choräle über Potsdam erklingen läßt.

der entgegengesetzte Effekt

ein, den man vorher erhofft hatte Der Grund hierfür liegt in folgendem: Der Marxismus geht aus von der Gleichheit der Lebewesen und baut darauf auf. Eine Lehre, die sich bewußt als international bezeichnet, diese Lehre der Gleichheit der Menschen, der Rassen, der Indi­viduen ist wissenschaftlich längst widerlegt und kann gar nicht gehalten werden. ,

Diese Idee der Gleichheit aller Menschen, der Gleich­wertigkeit aller Raffen führt zwangsläufig zur Herunter sctzung der höheren Werte, zur Entwertung des hoch- befähigten Menschentums. Das Ergebnis muß dann zwangsläufig sein eine Senkung der Lebensmöglichkeiten und Aussichten der höherstehenden Nationen und Völker.

Die Wirklichkeit hat das ja auch überall bewiesen, ganz abgesehen davon, daß auch diese Idee der Inter- nationalität zu einer wirklichen Solidarität der Völker nie kommen kann außer nur durch den außer,ten Terror. Der Gedanke der Demokratie, der besagt, daß nicht nur die Völker gleichmäßig sind, sondern auch bei den Völkern die einzelnen Menschen, führt dazu, daß auch hier die ,

Fähigkeit und Gewalttat erwürgt

wird von der Zahl der Masse. Das menschliche Leben baut sich aber auf auf den einzelnen L eistungen einzelner Menschen!

Zu allen Zeiten hat nicht die Demokratie Werte ge­schaffen, sondern die Persönlichkeit. Die Demo­kratie aber hat immer nur die Werte der Perionlichkeiten vernichtet. Es ist ein Wahnsinn, die Lehre zu verkünden, daß plötzlich eine Mehrheit die Leistungen des genialen Menschen ersetzen könnte. Es ist ein Verbrechen, den Wert der einzelnen Persönlichkeit in Gegensatz zum Wett und den Interessen der Gesamtheit zu bringen. Jedes Volk muß

in seinen fähigsten Köpfen den höchsten Nattonalwcrt sehen, einen Teil seines Nationalvermögens,

der gar nicht ziffernmäßig abzuschätzen ist. Ein Genie kann für ein einzelnes Volk mehr bedeuten als Mil­liarden scheinbaren Kapitals. Deshalb ist es Wahnsinn, die Fähigkeit der Persönlichkeit, unter die Kuratel der Zahl zu stellen. In Deutschland sind die Vertreter des demokratischen Systems so minderwertig gewesen, daß sie gar kein Recht besaßen, sich über die Massen zu erhöhen.

Trauriger ist noch kein System von seinem Platz gewichen als das demokratische System in Deutschland.

In Verbindung damit erzählt nun der Reichskanzler einen Fall, der dem Minister Göring begegnet ist: Minister Göring hat einem sehr bekannten Vertreter der Sozial­demokratie in hohem Amt erklärt, daß er unter den ver­änderten Verhältnissen nicht mit ihm zusammenarbeiten könne. Ter sozialdemokratische hohe Beamte bat darauf den Minister, ihn doch noch bis zum Oktober im Amte zu lassen,

dann habe er die Altersgrenze erreicht.

Göring erwiderte: Wir wollen nicht rachsüchtig sein, da­mit Sie Ihre Altersgrenze erreichen können, will ich Sie bis zum Oftober beurlauben. Der hohe sozialdemokra tische Beamte ging weg, kam aber plötzlich zurück und sagte, er hätte noch eine Bitte: ob ihm nicht auch der Umzug ersetzt werden könne. Das war so fuhr der Reichskanzler fort eine Eiche unter den sozialdemo- kratischen Pflanzen! Als ihm aus der Masse der Ruf ertönte, Namen zu nennen, erwiderte der Reichskanzler: Erlassen Sie mir das. Ich werde den Namen nur nennen, wenn die Sozialdemokratie etwa Zweifel äußern sollte, daß ich die Wahrheit gesagt habe.

Die Geschichte lehrt, daß es im Dölkerleben nicht geht, wenn ein Stand glaubt, allein selig werden zu können. Dieser Stand wird an seinem Hochmut eines Tages zerbrechen. Das ganze Volk wird dann die Zeche bezahlen. Der Marxismus in der Praxis ist die beste Widerlegung des Marxismus in der Theorie.

Dort, wo der Marxismus hundertprozentig herrscht, nämlich in Rußland, ist dort etwa die Not beseitigt? Die Wirklichkeit spricht jetzt Zahlen aus, die geradezu e r - schütternd sind. Millionen von Menschen sind verhungert in einem Lande, daS eine Kornkammer der Welt fein könnte, Millionen Menschen sind verelendet, Millionen Menschen muffen heute nach NcchruuguMiticln anstchen wie wir im Kriege un> daS in einem Lande, das von Über­fluß »»« ist.

60000 Gièmmbezirke.

DieWahlvorbereitungenabgeschlosse«.

Das Reichsinnenministerium hat die Maßnahmen zur Vorbereitung der Reichstagswahl abgeschloffen. Neben den rund 60 060 ordentlichen Stimmbezirken sind zahlreiche erweiterte Abstimmungsmöglichkeiten auf Bahnhöfen usw. geschaffen worden.

In den Grenzbezirken ist mit einem starken Zu­gang von Reichsdeutschen mit Wohnsitz im Aus­land zu rechnen. Besonders stark wird der Zuzug aus den östlichen Randstaaten, aus Österreich, der Schweiz, Luxem­burg und den Niederlanden sein. Auf den Bahnhöfen der Grenzstationen und auch in den einzelnen Grenzotten sind besondere Abstimmungsräume für Reichsdeutsche aus dem Auslande eingerichtet worden, in denen den ganzen Tag über abgestimmt-werden kann.

In Leipzig sind für die Besucher der Messe neun Stimmräume eingerichtet worden, zwei auf dem Messe- aelände und sieben in den Meßhäusern in der inneren Stadt. Auf dem Messegelände kann von 7.30 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, in den Räumen in den Meßhäusern bis 8.30 Uhr abends abgestimmt werden.

Die Bordwahl wird auf zahlreichen Dampfern der Oberseelinien durchgeführt. Auw auf den auf Obungs- reifen im Atlantik befindlichen KreuzernLeipzig" und Emden" wird der zivilen Besatzung unb. den Reichs­deutschen in Las Palmas Gelegenheit zur Stimmabgabe gegeben.

Die reichsdeutsche Kolonie in Kairo wird sich auf den auf einer Weltreise befindlichen DampferColumbus" des Norddeutschen Lloyd begeben und dort ihre Stimme ab­geben. Die deutsche Kolonie in Barcelona wird Gelegen­heit haben, an Bord des HapagdampfersHalle" ab- znstimmen.

Die neue Flaggenverordnung in Preußen.

Aus der jetzt vom Amtlichen Preußischen Preffedienst mitgeteilten neuen Flaggenverordnung der Kom- miffare des Reiches ist noch folgende Bestimmung hervor- züheben:Inhaber von Dienst- und Mietwohnungen in staatlichen ober kommunalen Gebäuden jeder Art dürfen an ihren Wohnungen weder kommunistische noch mar­xistische Flaggen zeigen. Hingegen ist das Zeigen von Fahnen der hinter der Regierung stehenden nationalen Verbände gestattet.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Das Reichskabinett wird in den Notstandsgebieten Lebens­mittel umsonst zur Verteilung bringen lassen.

* Die Eröffnungssitzung des neuen Reichstags wird in der Potsdamer Garnisonkirche stattfinden.

* Zur Schaffung einer vom Ausland unabhängigen deut­schen Futtergrundlage, besonders für die Geflügelhaltungen, bat das ReichswirtschaftSmimsterium neue Verordmmgen er­lassen.