Iulöaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg XXMK
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Nr. 54 — 1933
Fulda, Samstag, 4. März
10. Jahrgang
Kommunistischer Terror.
Ein ungeheuerlicher kommunistischer Anschlag.
200 000 Liter Benzin ausgelaufen.
Aus der Gewerkschaft Deittsche Erdölindustrie (Deurag) am Misburger Hafen bei Hannover wurde ein Sabotageakt verübt, der leicht zu unübersehbarem Unheil hätte führen können. Es wurde ein 600 Tonnen Benzin enthaltender Behälter geöffnet, so daß etwa 200 0 00 Liter nusflossen und das ganze Werk sowie das Gelände in weitem Umfange in die Gefahr der Explosion brachten. Zum Glück wurde der Vorfall rechtzeitig entdeckt, io daß Unheil verhütet werden konnte. Man nimmt an, daß die Täter Kommunisten sind. Es handelt sich zweifellos um einen verbrecherischen Anschlag größten Umfangs.
Nach einer ergänzenden Meldung haben die Täter an drei Tanks sämtliche Ventile geöffnet und es hätte nur eines Funkens bedurft, um eine Feuersbrunst von unabsehbarem Umfang zu verursachen. Unter dem Verdacht der Tat oder der Beteiligung an ihr wurden 25 Personen in Haft genommen.
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Großer Gprengstofsunö
bei einem Kommunisten.
Vier Kisten mit 2000 Sprengkapseln.
Der Berliner Polizeipräsident teilt mit:
Bei der Durchsuchung der Wohnung eines KPD.-An- gehörigen wurden neben 30 Pfund illegalem Zersetzungsmaterial auch vier Blechkisten mit ungefähr 2000 Sprengkapseln gesunden; es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Sprengkapseln, deren Ausdewahrun, in der Wohnung eine dauernde große Erplofionsgesahr für die Anwohner darstellte, aus einem großen SprenK- stoffdieSstahl herrührten und zu hochvrmârische« Zmmkn dienen sollten. \'
„Heute abend wird der Reichstag brennen!"
Der ReichSt«-sdr«ud «nzekLndißt?
Wie erst jetzt bekannt wird, hat der kommunistische Reichstagsabgeordnete Schumann i« einer Wahlversammlung der KPD. in dem kleine« Ort Gehre« im Kreise Arnstadt am Abeud deS 27. Februar de» Reichstagsbrand bereits «»gekündigt. Nach de» Rufzeichnunge» deS die Versammlung überwachende« Polizeibeamten hat Schumann wörtlich gesagt: „Heute abend wird der Reichstag brenne«. Aber das macht nichts. Wenn dieser Tanzsaal nieberbrettHt, dann kriegen wir eine neue Dchaukelbude".
Vom thüringischen Innenministerium sind sofort nähere Untersuchungen, vor allem auch über de« Zeitpunkt der Äußerung, eingeleiiet und Vernehmungen von Zeugen angeordnet worden. Die erste Feuermeid u n g aus dem Reichstagsgebäude ist bei der Berliner Feuerwehrzentrale um 9.13 Uhr eingelaufen. Der Rundfunk hat die erste kurze Mitteilung über den Brand um 10.20 Uhr herausgegeben, der dann 10 Minuten später ein ausführlicher Bericht folgte.
Führung des Publikums zur Brandstätte im Reichstag.
Mehrfacher Anregung zufolge ist jetzt dem Publikum die Möglichkeit gegeben worden, die Brandstätte im Reichstage zu besichtige», damit jeder sich persönlich von cer Furchtbarkeit der Katastrophe überzeugen kann. Die erste Besichtiaung fand unter polizeisscher Führung bereits statt.
Oer Reichstagsatientäter.
Der Leiter der Berliner Politischen Polizei teilt als Ergebnis der Ermittlungen über den verhafteten van der ^uvbe u. a. folgendes mit:
Als einer der Brandstifter des Deutschen Reichstages wurde noch am Abend der Brandstiftung am Tatort der holländische Staatsangehörige Marinus van der Lubbe verhaftet. Van der Lubbe ist 24 Jahre alt und stammt aus Leyden in Holland. Er führte einen ordnungsmäßigen holländischen Paß bei sich., Daß van der Lubbe ^Verbindung mit der KPD. steht, ist schon nach °°n bisherigen polizeilichen Ermittlungen außer Prag e. Van der Lubbe ist im übrigen der Polizei als kommunistischer Agitator bekannt.
. Aus den polizeilichen und gerichtlichen Vernehmungs- Protokollen ergibt sich, daß van der 2?.bbc mit den kommu- ‘Wetjen Richtlinien über „das Verhalten des Prole- mners vor Gericht" durchaus vertraut war. Van oer Lubbe ist nach den Feststellungen der Polizei in der W« Seit in Deutschland wiederholt in Versammlungen und Diskussionsabenden als kommunistischer Agitator aufgetreten. Der Täter beherrscht die deutsche Sprache. 2 der Lubbe ist hinsichtlich seiner eigenen Beteiligung in
UmfanLe g e st ä n d i g.
Insoweit die bisherige Untersuchung begründete Verdachtsmomente hinsichtlich der Mitwirkung dritter Personen ergeben hat, kann im Interesse des schwebenden Verfahren und der Staatssicherheit zur Zeit nichts gesagt werden. Die polizeilichen Ermittlungen über van der Lubbe sind abgeschlossen. Die weitere Untersuchung wird nunmehr von dem Oberreichsanwalt in Verbindung mit dem Untersuchungsrichter des Reichsgerichts geführt.
Wie der Brand entdeckt wurde.
Über die aufsehenerregenden Umstände bei der Entdeckung des Brandes im Reichstag werden jetzt nach dem vorläufigen Abschluß der Ermittlungen gegen van der Lubbe von zuständiger Seite erstmalig nähere Einzelheiten gemacht. Ein Schutzpolizist, der sich außerhalb des Reichstagsgebäudes befand, sah mehrere Fackeln auf- leuchten und gab daraufhin sofort einen Schuß ab. Unmittelbar darauf drangen mehrere Beamte in das Reichstagsgebäude ein. Beim Reichstagsrestaurant stieß ein junger Schutzpolizist auf van der Lubbe, dessen er habhaft zu werden versuchte. Van der Lubbe setzte sich lebhaft zur Wehr, so daß sich ein längerer Kampf entspann, in dessen Verlauf van der Lubbe dann unterlag. Man hatte zunächst den Angaben des Polizeibeamten, der den Schutz in das Reichstagsgebäude abgegeben hatte, keinen rechten Glauben beigemessen. Inzwischen sind aber die vinschutzstellen entdeckt worden.
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Kampf gegen die asiatische Pest.
Hitler gegen Gerüchtemacherei.
Reichskanzler Hitler bezeichnete in einer Unterredung mit dem Berliner Vertreter des „Daily Expreß" die Gerüchte, nach denen das Feuer im Reichstag absichtlich als Vorwand für rücksichtslose Maßnahmen gegen die Kommunisten und Sozialdemokraten angelegt worden sei, als
eine unerhörte Lüge und bösartige Schmähung, die ebenso niederträchtig wie lächerlich sei. Man müßte diese Gerüchte einfach dadurch erledigen, daß der verhaftete Kommunist an den nächsten Baum gehängt würde. Dann würden die gemeinen Beschuldigungen, daß er ein Agent der Nationalsozialisten sei, für immer erledigt sein. Diese Lösung sei jedoch zu absurd, um ernstlich über sie r«
Erdbebenland Japan.
Erdbeben- und Slunuflnüâfirophe inZapan.
Mehrere hundertTodesöpfer.
Das alte Erdbebenland Japan ist wieder von einer furchtbaren Erdbebenkatastrophe, an das sich eine Sturm- flutkatastrophe anschloß, heimgesucht worden. Über die Zahl der Opfer dieser Naturkatastrophe liegen genaue Angabe« noch nicht vor. Es sollen mehrere hundert Menschen den Tod gefunden haben. Viele hundert lvurden schwer verletzt, und viele andere werden vermißt. Das Erdbeben traf besonders schwer die japanische Haupt- i n s e k H o n s ch i u. Nach den letzten Meldungen wurden 19 Städte und Dörfer von der Katastrophe betroffen. 1340 Häuser wurden durch das Erdbeben zerstört. 2360 wurden durch nachfolgende Brände vernichtet. 1400 Hauser wurden von der Springflut ins Meer gespült. Etwa 2000 Boote sollen in den Springflut gesunken sein. 1240 Boote, die in Häfen verankert waren, sind zerstört worden.
In dem Fischerort Kama i sch i wurden von einer einzigen drei Meter hohen Springflutwelle 1000 Hauser zerstört. Etwa 200 Personen wurden ins Meer gerissen und sind ertrunken. Der ganze 5000 Einwohner zählende
in einen Trümmerhaufen verwandelt
er-
worden. Auch in zahlreichen anderen Orten wurde durch das Beben furchtbarer Schaden ungerichtet. Dre No in den Erdbeben- und Flutgebieten ist unbeschreiblich. Flugzeuge sind nach dem Erdbebengebiet abgesandt worden, um Lebensmittel und Verbandmaterial abzuwerfen. Das Erdbebengebiet erstreckt sich ungefähr auf die gleichen.Provinzen, die von dem furchtbaren Beben im Jahre 1896, das 21 000 Todesopfer forderte, Heimgeiucht wurden. ^er Grund für die Springflut dürfte in einer Senkung des Meeresbodens, die etwa 125 Meilen von der Küste entfernt eingetreten ist, zu suchen sein.
In Tokio und Jokohama
wurden viele Häuser durch das Erdbeben schwer schüttert. Die Bevölkerung wurde von großer Panik ergriffen und floh auf die offenen Plätze, ^n Tokio und anderen Großstädten hat sich jedoch kein größerer Schaden ereignet. In Jokohama versagte lediglich auf kurze Zeit die elektrische Stromversorgung.
Von deutschen Erdbebenwarten
wurde die Katastrophe genau ausgezeichnet. Die Energie des Bebens war so groß, daß i n J e n a die Instrumente
ü entliehet Gewalt gegen die Hemmvorrichtung angeschlagen wurden, so daß die Bodenschwingung in Jena größer als 1# Millimeter gewesen sein muß. re ^n»
sprechen. Europa, so erklärte Hitler weiter, müsse ihm dankbar für fein
drastisches Vorgehen gegen den Bolschewismus sein, anstatt ihn des falschen Spieles zu verdächtigen. Wenn Deutschland kommunistisch würde, so würde es nicht lange dauern, bis auch der Rest des zivilisierten Europa dieser asiatischen Pest zur Beute fallen würde. Hitler wies dann auf das im Karl-Liebknecht-Haus beschlagnahmte Beweismaterial für eine geplante kommunistische Terroraktion hin. Man müsse sich einmal eine ähnliche Lage in England vorstellen. Die englische Regierung würde sicher genau so gehandelt haben wie er, Hitler, wenn die Kommunisten das Parlament in Brand gesteckt und versucht hätten, auch den Buckingham - Palast anzuzünden. Auf eine Frage des Berichterstatters über die im Ausland umlaufenden Gerüchte von einer von den Nationalsozialisten geplanten
„Bartholomäus-Nacht" erklärte Hitler, daß er eine solche Barthoromäus-Nacht nicht nötig. habe. Durch die Regierungsverordnungen würden Gerichte eingesetzt, die gegen die Feinde des Staates auf gesetzlichem Wege vorgehen, und zwar auf eine Weise, die den Verschwörungen ein Ende setzen werde. Auf die Frage, ob die „Aufhebung der persönlichen Freiheit" für ständig vorgesehen sei, erklärte Hitler: Nein. Wenn die kommunistische Gefahr beseitigt sei, dann werde die normale Ordnung der Dinge wieder zurückkehren. Die deutschen Gesetze seien zu liberal, um richtig und schnell mit der bolschewistischen Unterwelt zu verfahren. Er selbst sei jedoch nur zu sehr darauf bedacht, daß der normale Zustand so bald wie möglich wiederhergestellt werde. Zuerst müsse jedoch der K»mmunism«s gänzlich beseitigt werden.
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Schwerer Feuerübersakl in Hamburg.
Ein Nationalsozialist erschossen, zehn andere verletzt.
In Hamburg wurde von kommunistischer Seit« ein Feuerüberfall auf einen Fackelzug bei National- s o z i a l i st e n verübt. Als die Nationalsozialisten in den Billhörner Röhrendamm einbogen, wurden plötzlich von einer Hausterrasse aus etwa 200 Schüsse abgegeben. Die Marschierenden warfen sich, um Deckung zu finde», zu Boden und löschten die Fackeln. Durch die Schüsse wurde ein Nationalsozialist getötet und etwa zehn weitere verletzt. Hinzueilende Polizeikommandos leuchteten sofort die Häuserfronten ab, nahmen Durchsuchungen nach Waffen in den Wohnungen vor. Es konnten mehrere Verhaftungen vorgonommen werden.
strumente kamen erst nach über vier Stunde» wieder zur Ruhe. Die württembergische Erdbebenwarte in Stuttgart bezeichnet das Beben als das stärkste der letzten 30 Jahre, wobei zu bemerken ist, daß brauchbare Aufzeichnungen von Erdbeben überhaupt erst seit 30 Jahren vorgenommen werden können.
Das japanische Jnselreich ist zu allen Zeiten von Erd- erschütterungen heimgesucht worden, und japanische Erdbeben erwiesen sich in ihren Folgen fast immer als viel schwerer als Beben in anderen bekannten Erdbeben- gebieten. Die Japaner haben sich an ihre Erdbeben schon längst gewöhnt und sich sozusagen darauf eingerichtet, vor allem in der Banart ihrer Häuser. An die Erdbeben schließen sich gewöhnlich große Brände an und oft auch Vulkanausbrüche und — wie diesmal — Seebeben und Springfluten. Das größte japanische Erdbeben und zugleich eines der größten Erdbeben aller Zeiten war die Katastrophe vom 1. September 1923: Damals wurden besonders schwer
die Hauptstädte Tokio und Jokohama betroffen. Es fanden fast 100 000 Menschen den Tod, und weit über 250 000 Gebäude aller Art stürzten völlig oder fast völlig zusammen. Weit größer aber noch war die B r a n d k a t a st r o p h e, die dem Erdbeben folgte, denn es wurden fast 250 000 Häuser vernichtet. Eine Sturmflut spülte weitere 1000 Häuser glatt vom Erdboden hinweg. Damals glaubte man allgemein, daß
Japan wirtschaftlich ruiniert
sei. Aber mit der bewundernswerten Zähigkeit, die ihnen eigen ist, bauten die Japaner ihre Städte wieder auf. In Tokio bauten sie sogar monumentale Gebäude nach europäischer Bauweise auf, einen großartigen Bahnhof, das Hauptpostamt, das Parlamentsgebände usw.
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Kleine Zeitung für eilige Lesèr
* Reichspräsident von Hindenburg sicherte in einem Schreiben dem Fürstbischof Bertram-Breslau die Wahlfreiheit der Staatsbürger zu.
* Ein Sabotageakt, der fast zu einer unübersehbaren Katastrophe geführt hätte, wurde in Misburg bei Hannover durch Offnen eines Riesenbenzintanks verübt.
* Japan ist von einer schweren Erdbeben- und Sturmflut- katastrophe, die Hunderte von Opfern forderte, heimgesucht worden.
* Die Bankenkrise in Amerika nimmt einen immer größere» Umfang an.