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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 56 1933

Fulda, Dienstag, 7. März

10. Jahrgang

Eine historische Nacht in Hessen.

Regierungsrat Dr. Müller-Alsfeld zum Polizeireichskommissar für Hessen ernannt. Der neue Kommissar beim Staatspräsidenten. Übernahme der Polizeigewalt. Aufruf an die hessische Bevölkerung und Mahnung zur Ruhe. Dr. Best Hilfskommissar. Landtagswahlen stehen bevor!

Der Reichsinneuminister hat auf Grund des § 2 der Ver- srSnung zum Schutze von Volk und Staat für die Reichs- «gierung die Befugnisse der obersten Landesbehörden in Hessen übernommen, soweit diese zur Aufrechterhaltung der Gütlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich ist. Mit ^Wahrnehmung der Geschäfte im Rahmen der angegebe- M Befugnis ist Regierungsrat Dr. Müller vom Fi­tt nzamt Alsfeld beauftragt worden.

Sie hessische LMtslMMM in fieberhafter Spannung.

Darmstadt, 6. März. Mit dem Einbruch der Dunkel­heit sammelten sich immer mehr Menschen an, die in der Rheinstraße auf- und abwanderten und sich vor dèm Mini­sterium und dem Landtag stauten. Gegen 7 Uhr wurde auf dem Innenministerium die Hakenkreuzfahne gehißt, wie wir hören mit Genehmigung der hessischen Regierung. Bei dem Hochziehen der Fahne brach die Menge in stürmische Heilrufe aus. Dann zog die Menge vor das Stadthaus in der Rheinstraße und erzwang auch hier das Aufziehen der Hakenkreuzfahne. Auch auf andern städti­schen Gebäuden wurde das gleiche Begehren durchgeführt. Bau der Landtagstribüne aus sprach Landtagspräsident Professor Dr. Werner beruhigende Worte zu der Menge. Er erklärte u. a.:Wir stehen an einer vollstän­digen Wende des deutschen Schicksals für Volk und Vater­land. Demzufolge hat die geschäftsführende Regierung, wie das in der Natur der Sache liegt, die Pflicht, sich dem gestern gesprochenen Urteil des hessischen Volkes zu fügen. Die hessische Regierung kann sich diesem Spruch nicht wider­setzen."

Von Stahlhelmern war heute auf dem Landtagsgebäude und auf dem Residenzschloß mit Genehmigung der Polizei die schwarz-weiß-rote Fahne aufgezogen worden.

Ein Besuch nationalsozialistischer Abgeordneten bei« Hessischen Staatspräsidenten Adelung.

Darmstadt, 6. März. Von zuMndiger Stelle hören wir: veute abend erschienen in der Wohnung des Staatspräsi- Men Dr. Adelung die nationalsozialistischen Abgeordne- ltnDr. Müller, Dr. Best, Elaß und ein Sekretär der natio- ^zialistischen Gauleitung. Dr. Müller als Sprecher der Egation teilte dem Staatspräsidenten mit, daß für ihn Telegramm in Alsfeld liege, dessen Wortlaut ihm Mphonifch mitgeteilt worden ist. Danach habe Reichs- Mister Dr. Frick die Staatsgewalt in Hesten übernommen ihn, Dr. Müller, zu seinem Stellvertreter ernannt. Allatspräsident Dr. Adelung erklärte daraufhin, daß er W eine so entscheidende Aktion der Reichsregierung anders Erstelle, daß man ihm vor allen Dingen Mitteilung machen und daß er sich nicht denken könne, davon nicht ver- illlndigt zu werden. Er weigere sich, auf Gerüchte hin ein ""antwortliches Amt in die Hände von Männern zu geben,

Zwar persönlich kenne, die aber keinerlei Legitimation patzen. Daraufhin haben die nationalsozialistischen Ab- uwrdneten die Wohnung des Staatspräsidenten wieder verlassen.

Don nationalsozialistischer Seite hören wir, daß sich bei ^ser Besprechung ein Mißverständnis eingeschlichen hatte. âiiller hat nach einem aufklärenden Tetephongespräch hReichsminister Dr. Frick in einer zweiten Unterredung Staatspräsidenten Mitteilung von seiner Bestellung »Iwlizeikommistar gemacht und ihm mitgeteilt, daß ANziell die Dienstgeschäfte übernommen habe.

IRQ? 01 i 3 e t f o m m i H a r Dr. Müller ist im Jahre M sn München geboren und machte den Krieg als Kriegs- "6er mit. Als Leutnant wurde er 1915 schwer ver- Er ist Leiter des Finanzamts Alsfeld und Vor- Finanzausschusses des Hessischen Landtags. In ASDAP. ist er Leiter der Beamtenabteilung des Gaues und Referent in der Beamtenabteilung bei der slertung. Außerdem ist er als Verfasser des Buches ''-aeamtentum und Nationalsozialismus" bekannt geworden.

Hakenkreuzfahne auf dem Hessischen Landtag.

"""todt im Zeichen des nationalsozialistischen Wahlsieges.

Kreisleitung der NSDAP, übermittelte uns gestern Sehende Mitteilung der nationalsozialistischen hessischen Auf dein Hessischen Landtag in Darm- tof ^eht dz? Hakenkreuzfahne. Die Ichwarz- Ö ^ e n e Flagge ist heruntergeholt und unter Ab- tzâS des Horst-Wessel-Liedes vor Tausenden ver- worden: Vor dem Landtagsgebäude ist Katz- § A Auch auf anderen öffentlichen Gebäuden weht bte Wahne. Die Schupo tut ihren Dienst in Uniform

Die hessische Regierung fordert Landtagsneuwahl.

Darmstadt, 6. März. Amtlich wird mitgeteilt: Im Hinblick auf das Ergebnis der Reichstagswahl hat die hesii- sche Staatsregierung an den Landtagspräsidenten das Er­suchen nach sofortiger Einberufung des Landtags gerichtet mit dem Antrag auf Auflösung des Landtages und sofortige Anberaumung der Neuwahlen. Für den Fall der erneuten Ablehnung des Antrags im Landtag hat sich die Regierung entschlosten, aufgrund eines von der Regierung in die Wege geleiteten Volksbegehrens (Artikel 24 Absatz 2 der Hessi­schen Verfassung) von sich aus unverzüglich die Auflösung und Neuwahl des Landtags herbeizuführen, damit entspre­chend ihrer wiederholt öffentlich zum Ausdruck gebrachten Ansicht so rasch wie möglich auf verfastungsmäßiger Grund­lage die Neubildung der Regierung des Volksstaates voll­zogen werden kann.

vor Reuwahle« in Heste«.

Als diese Mitteilung in Darmstadt durch Extrablätter bekannt gegeben wurde, sammelten sich erneut am Luisen- platz, vor dem Landtagsgebäude und den Ministerien große Menschenmaijen an, unter denen sich zahl­reiche SA.- und SS.-Leute befanden. Es wurde von der nationalsozialistischen Standartenkapelle auch ein Platzkon­zert ausgeführt. Auf dem Postgebäude, dem Alten Palais, dem Landestheater, der Technischen Hochschule und dem Landtagsgebäude wehen nationalsozialistische Fahnen. Po­lizei im Stahlhelm versieht den Ordnungsdienst vor dem Palais und den Ministerien. Unter den Masten wurde das Gerücht verbreitet, daß bereits Gregor Straffer zum Poli­zeikommissar für Hesten eingesetzt sei und er stündlich ein­treffen werde. Gegen Abend dehnten sich die Ansammlun­gen aus und der hessische Gauleiter Reichstagsabgeordneter Sprenger sprach von der Galerie des Landtagsgebäudes zu der Menge, von der das Horst Westel-Lied gesungen wurde.

Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, ist ange­sichts des Reichstagswahlergebnistes damit zu rechnen, daß sich für den Antrag der Regierung auf Neuwahl die not­wendige verfastungsmäßige Mehrheit im Hessischen Land­tag findet, weil jetzt die Sozialdemokraten für die Auf­lösung stimmen dürften. Die Sitzung soll noch in dieser Woche stattfinden. Es ist anzunehmen, daß aus parlamentarischen Kreisen beantragt wird, mit der Land­tagswahl gleichzeitig die Wahlen zu den kommunalen

Die nationale Erneuerung.

Die nächsten Regiemagsabsichten.

Hitler bet Hindenburg.

In Kreise« der Reichsregierung wird das Ergebnis der Reichstagswahl als ein beachtenswerter Einbruch in die süddeutsche und in die marxistische Front bezeichnet. Der Ausgang der Wahl sei ein deutliches Zeichen für die nationale Revolution und für den Zusammenbruch der alten Parteienkonglomerate. An der Zusammensetzung der gegenwärtigen Reichsregierung werde sich nichts ändern. Der große Sieg, den die Regierungsparteien errungen hätten, sei der Arbeit des Reichskabrnetts und der Persönlichkeit des Reichskanzlers zu danken. Das Reichskabinett wird in seiner Sitzung am Dienstag den Zeitpunkt für die Einberufung des neuen Reichstages

Reichskanzler Adolf Hitler wurde am Montag vorn Reichspräsidenten von Hindenburg empfangen. Arn Dienstag findet zunächst eine Ministerbesprechung statt, an die sich ein Kabinettsrat anschließt. Auf der Tages­ordnung der Kabinettssitzung stehen außer der Behand­lung der Wahlergebnisse weiterhin die aus den letzten Sitzungen übriggebliebenen Punkte, vor allem landwrrt schaftliche Fragen. Besonders dürfte die Frage der Einfuhrkontingentieruna und die Frage der Bewirtschaftung der Ole und Fette be­sprochen werden. .

Was die Änderung der Reichssarben an geht so ist hierzu bis jetzt von der Reichsregrerung noch nichts vorgeseh^. Es ist möglich, daß sich das Reichs kabinett am Dienstag auch schon mit einem Erwacht, aungsacsetz beschäftigt. Ob es sich bauet um cm solches mit einfacher oder mit qualifizierter Mehrheit handelt, hängt natürgemäß von den Absichten der Regierung ab »i^f Md sich die Regreerv's «T VâAqg «rH «tt

Körperschaften neu vorzunehmen. Ein entsprechen­der nationalsozialistischer Antrag liegt bereits seit Dezem­ber vor.

Dr. Müller übernimmt die Polizeigewalt.

Darmstadt, 7. März. Innerhalb weniger Stunden wurde heute nacht über die weitere Gestaltung der politi­schen Lage in Hessen entschieden. Nach der raschen Besei­tigung eines Mißverständnisses, das in einer ersten Unter­redung zwischen dem vom Reichsinnen minister Dr. Frick eingesetzten Polzeikommissar, Regierungsrat Dr. Müller, und dem bisherigen Staatspräsidenten Dr. Adelung oor- gekommen war, wurde von Dr. Müller auf Grund der ihm übertragenen Vollmacht gemäß § 2 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 8. 2. d. I. die P o l i z e i - gemalt übernommen. In Begleitung des natio­nalsozialistischen Gausührers Sprenger und einiger erge- rer Mitarbeiter besetzte Polizeikommissar Dr. Müller unter Mitwirkung der Standarte 115, die durch auswärtige SA. aus dem Odenwald und dem benachbarten Bezirken ver­stärkt war, das Innenministerium, das sozialdemokratische Gewerkschaftshaus, die Wohnung des Staatspräsidenten Adelung und die Wohnung des Innenministers Leuschner, sowie das Verlagsgebäude des sozialen Bolksbundes. Die Maßnahmen gingen ohne jeglichen Widerstand vor sich. Innerhalb weniger Stunden war die ganze Aktion Müllers durchgesührt. Die zahlreichen SchntzpolizeiLsemLen im Innenministerium übergaben ohne Widerstand ihre Waffen, der SA.-Führung. Dr. Müller hat seine Aufgabe bereits übernommen. Dr. Müller hat gegen Mitternacht folgende Bekanntmachung an das hessische Volk her­ausgegeben: Der Reichsminister Les Innern hat die Poli­zeigewalt des Volksstaates Hesten auf mich übertragen. Ich habe heute, den 8. März 1933, 22.30 Uhr, die gesamte Polizeigewalt in Hesten übernommen. Zur Durchführung meiner Aufgabe habe ich den Landtagsabgeordneten Dr. W. Best zum Kommissar für das Polizei­wesen mit der Befugnis, mich zu vertreten, und den Polizeioberleutnant Fendel - Sartorius (bisher Führer der Bereitschaftspolizei in Mainz) zum Führer der gesamten uniformierten Polizei sowie der Gendarmerie Hegens ernannt. Zur Unter­stützung der staatlichen Polizei bestelle ich noch gemäß er­gehender Anordnung Hilfspolizei, Lie aus den hinter der Neichsregierung stehenden Verbänden entnommen werden soll. Ich ermahne die ganze Bevölkerung zur strengsten Disziplin und höchsten Beson­nenheit, um den Organen des Staates, bei denen höchste Gewalt liegt, die Arbeit nicht zu erschweren.

außenpolitischen Fragen und mit der Lage in Gens beschäftigen, obwohl dieser Punkt nicht auf der Tages­ordnung steht. In diesem Falle dürfte auch entschieden werden, ob sich Mitglieder der Reichsregierung nach Genf begeben.

In Preußen, wo Nationalsozialisten und Kamps- block Schwarz-Weiß-Rot ebenfalls die absolute Mehrheit gewonnen haben, ist mit einer Umwandlung der bis­herigen kommisiarischen Regierung in eine auf das Par­lament gestützte Landesregierung zu rechnen, wobei die bisherige enge personelle und sachliche Verbundenheit zwischen Reichs- und preußischen Ministerien aufrecht­erhalten bleibt. Im Zuge dieser Umformung der bisher kommisiarischen Preußenregierung ist auch mit Personal­veränderungen zu rechnen, so ist u. a. das preußische Justizministerium neu zu besetzen.

Reichsregierung, Preußen und die Länder.

In Kreisen der Reichsregierung ist man der Ansicht, daß die Klage der früheren Regierung Braun beim Staats- gcrichtsbof durch das Wahlergebnis hinfällig geworden sei. Jedenfalls komme der Klage keine praktische Bedeu­tung mehr Lu.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* An der gegenwärtigen Zusammensetzung der Rcichsrcgie- rung wird sich nach offiziösen Mitteilungen nichts ändern.

* Da in den Verctntglen Staaten die Banleuschalter bis zum Donnerstag geschlossen bleiben, beginnt man mit der Ausgabe von staatlichem Notgeld an bestimmten Zentralstellen.

* Die Berliner Börse reagierte auf den großen Wahlsieg der Regierung mit einer neuen stürmischen Aufwärts S«»»«?». L^ einheitlich cSe Märkte uwfatzte.