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Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck -er mit* versehenenDrittel nur mit Quellenangabe.ZulSaer flnzriger'^ hat Zahlung innerhalb 8 Tag n zu erfolgen.

Nr. 60 1933

Fulda, Samstag, 11. März

10. Jahrgang

Schweres Erdbeben in Nordamerika.

Folgenschwere Erdflöhe an der westlichen Küste Nordamerikas im Staate Kalifornien. Grohe Verwü­stungen, hunderte von Toten und Verletzten. Auch die südkalifornische Hauptstadt Los Angeles betroffen.

Die ersten AnglNsna-richten.

Los Angels, 10. März. (Funkmeldung.) Ein schweres Erdbeben wurde hier um 5.55 Pazifikzeit verspürt. Der Erdstoß währte mehrere Mittuten und rief große Aufregung hervor. Heftige Erdstöße wur- * den auch in mehreren Nachbarorten verspürt. Einem noch unbestätigten Gerücht zufolge ist die elektrische Kraftanlage in SanPedro eingeftürzt. Angeblich sollen 200 Personen unter den Trümmern vergraben liegen. Bereits im Ver­laufe einer halben Stunde nach Beginn der Erdstöße wur­den 156 Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert. Die Erd­stöße erstreckten sich von San Diego bis Ventura.

*

Los Angeles, 11. März. Nach 21 Uhr (Freitag) hat sich hier ein weiteres schweres Erdbeben ereignet.

Zn Compton sollen durch das Erdbeben 12 Perso­nen ums Leben gekommen sein. Fast jedes Geschäftsge­bäude ist entweder völlig zerstört oder stark mitgenommen.

3 Personen fanden bei dem Zusammenbruch der Polizei­station in Watts den Tod. Zn Long Beach sollen bisher 100 Personen getötet worden sein. Das moderne Clubgebäude ist zerstört worden. Das Stillmaun-Hotel und ein anders großes Gebäude haben schwere Beschädi­gungen erlitten. Die Polizei schätzt die Zahl der in Los Angeles allein verwundeten Personen auf 1500.

*

Erdbeben in Tia Juana.

Tia Juana (Mexiko). Ein schweres Erdbeben hat Tia Juana heimgesucht.

Ueber das Erdbeben in Kalifornien werden noch fol­gende Einzelheiten gemeldet: Die Erdstöße, die sich in nordöstlicher Richtung bewegten, dauerten mehrere Minu­ten. Gebäude aller Größen und Stärken gerieten ins Schwanken. Materialschäden waren auf den breiten Straften von Los Angeles sofort sichtbar, sodaß der Straßenbahn verkehr eingestellt werden wußte. Die Menschen rannten, von panischem Schrecken Uüffen, zu Tausenden auf die Straßen. In verschiedenen vierteln der Stadt ging das Licht aus, und die Fenster- Wiben zerbrachen. Mehrere Personen wurden unter den Rimmern des eingestürzten alten Handelskammergebäu- hervorgezogen und ins Krankenhaus gebracht. Auch '"Hollywood verursachten die Erdstöße Schäden. Werte von Filmarbeitern mit ihren Direktoren und den âstars liefen auf die Straßen, als der Stuck von den gilben der Filmateliers herabfiel. Die Rundfunkan- Wr haben alle ehemaligen Heeresangehörigen zur Teil- Mme an Notstandsarbeiten ins Erdbebengebiet aufge- Mert. Die meisten Verletzungen sind durch einstürzende Wer hervorgerufen worden. 2 Tanks der Union Oil- ^ompany sollen in San Pedro in Flammen stehen.

Von Willongton aus kann man ein ungeheueres »euer im Geschäftsviertel von Long Beach nennen. Ein geringeres Feuer wird aus dem Petro- eum distrikt von Long Beach berichtet. Automobili- cn- die aus Long Beach eintrafen, berichten, daß sie dort I "den Straßen hätten Tote liegen sehen. In San Pedro I L" bet Teil der Pados Verde-Hügel, die bei der Redondo- gelegen sind, zusammengestürzt sein. Eine unge- Staubwolke ist sichtbar. Professor Einstein hatte das Kalifornia-Jnstitut verlassen, als der Erdstoß

I ^^te. Er und die Studenten sind in Sicherheit.

Panik im Erdbebengebiet.

I d ^ Angeles, 11. März. (Funkmeldung.) Von I Em Erdbeben, von denen Südkalifornien heimgesucht I ?^e> war das 21.19 (Pazisikzeit) das schwerste. Jedes ^en bestand aus einer Gruppe von Stößen. Hohe I ^Mstsgebäude wankten wiederholt in regelmäßigen I ^chenstanden 10 bis 20 Minuten lang. Zahlreiche I c ""de sind ausgebrochen, namentlich im südlichen Teil I y ^05 Angeles und im Petroleumlager. Der Vevölke- I ^JM sich eine Panik bemächtigt. Sie irrt in völliger I b^^"ung durch die Straßen. Auch einige größere Ge- I * si"d schwer beschädigt.

I Erdbebtznzone umfaßt etwa 6000 QuadratmeUeu. I ^s besonders erdbebengefährdet bekannt und hatte ^..Ee 75 Jahre ein großes Beben. Das letzte hat sich ' eignet

Die Flotte, die zum großen Teil vor San Pedro lag, dampfte am späten Abend in Richtung Long Beach ab, wo sie heute früh erwartet wird. Dann stehen etwa 2SV00 Matrosen zur Hilfelei stung zur Ver­fügung.

Eine drahtlose Meldung, die in San Diego von Long Beach aufgefangen wurde, bemerkt, daß die ganze Küste in Flammen zu stehen scheine. 62000 Gebäude sollen in Long Beach zerstört worden sein. Automobile find in den Straßen unter dem Schutt vergraben. In vie­len Dörfern, in der Hauptsache zwischen Los Angeles und seinen 20 Meilen entfernt liegenden Hafendistriktsn find Feuer ausgebrochen. Die Polizei teilt mit, daß 5 00 Tote allein in LongBeachzu verzeichnen find. Die Poli­zei hat drahtlos mindestens 100 Aerzte und Schwestern angefordert. 800 Soldaten sind schleunigst nach dem Erd­bebendistrikt entsandt worden.

Newyork, 11. März. Die Frau des ehemaligen Präsi­denten Hoover befindet sich in Los Angeles. Hoover hat

Feinde ringsum!

Was geht in Gdingen vor?

Polnifche Truppenkonzentrationen in Gdingen.

Wie aus unbedingt zuverlässiger Quelle in Gdingen verlautet, sind dort zwei Militärtransportzüge mit Ulanen und später ein weiterer Militärtransportzug mit Jn- fanter e eingetroffen. Es werden weitere polnische Truppentransportzüge in Gdingen erwartet.

Die polnische Regierung hat ferner für die nächsten Tage das Eintreffen polnische! Munittons­transportschiffe auf der Westerplatte an- gekündigt und die Danziger Regierung gebeten, aus diesem Anlaß den Handelsverkehr im Munittonsbecken auf der Westerplatte 3 u sperren. Im Gegensatz zu der bisherigen Gepflogenheit, das Eintreffen der Munitions- schiffe zu datieren, ist diesmal der Termin unbestimmt ge­lassen und nur gesagt, daß die Transporte in den nächsten Tagen eintreffen sollen. Anscheinend liegt Polen lediglich deshalb an einer Sperrung des Handels­verkehrs im Munitionsbecken, um sich dort im Falle weiterer illegaler Truppenlandungen nicht hineinblicken zu lassen.

Französische Hetze gegen Deutschland.

Derdrohende Krieg".

Die Ankunft der englischen Minister in Paris hat der Presse das Zeichen zu heftiger Propaganda gegen Deutschland und Italien gegeben in der Absicht, die Engländer zu beeindrucken und den französischen Ministern den Rücken für ihre Verhandlun­gen zu stärken. Aus der kurzen, aber an nervöser Über­treibung reichen Kammeraussprache über die außen­politische Lage hallt das Wort von demd r 0 h e n d e n Krieg" wider und wird von der Presse aufgegriffen. Die französische Presse sucht Deutschland und Italien als gefährliche Ruhestörer hinzustellen und eine Zusammenarbeit zwischen Paris und London als die einzige Friedensgarantie anzusprechen. Leitartikel, Nach­richten und Karikaturen sind darauf abgestellt, Frankreichs Stellung England gegenüber zu begründen. Das ist der Nahmen, in dem im Kriegsministerium die Unterredung zwischen Macdonald, Daladier, Simon und P a u l - B 0 n c 0 u r stattfand.

Paris wittert in Kehl nationalsozialistischesMilitär".

In großer Aufmachung berichtet die französische Presse, daß die Kaserne in Kehl von 500 National­sozialisten besetzt worden sei. Von französischer Seite seien die notwendigen Maßnahmen getroffen worden, um die NH ein brücke zu sichern (!). In Straßburg sehe man dieBesetzung der Kehler Kaserne durch eine bewaffnete Gruppe" als flagrante Verletzung d e s F r i e d e n s v e r t r a g e s bezüglich der Bestim­mungen über die neutrale 50-Kilometer-Zone (!).

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Die Aufregung der Franzosen mutet geradezu lächer­lich an. In Wirklichkeit haben in der Nacht etwa 90 Nationalsozialisten, die sich mit ihren Rädern von Karls­ruhe auf der Rückfahrt befanden, in der Kaserne über­nachtet, weil sie ihren Heimatort abends nicht mehr erreichen konnten. Die Zollwachen auf der französischen Seite beobachteten wohl, wie sich die Leute Stroh für Mrs SchlMtätte holten und daß sie sich eine Notbeleuch­

bisher vergeblich versucht, mit ihr telefonische Verbindung

zu erhalten.

Steigende Verlustziffern aus dem südkalifornischen

Erdbebengebiet.

Los Angeles, 11. März. (Funkmeldung.) In Long Beach wurden 14 schwere und mindestens 110 leichtere Erdstöße gezählt. Long Beach ist offenbar von allen in Mitleidenschaft gezogenen Orten am schwersten mitbetrof­fen worden. Die Zahl der Toten wird heute früh mit etwa 100 angegegeben, die der Verletzten mit 1000. Die großen Gebäude stehen alle noch, sind aber meist beschädigt. Der Sachschaden in Long Beach allein wird auf mindestens 1 Million Dollar geschätzt. In den andern betroffenen Orten steigen die Verlustzisfern. Gouverneur Rolph von Kalifornien hat Präsident Roosevelt für die angebotene, dringend benötigte Hilfe gedankt.

Staatshilfe für das Erdbebengebiet.

Washington, 11. März. Präsident Roosevelt hat Maß­nahmen angeordnet, um den in Mitleidenschaft gezogenen Gebieten in Kalifornien Staatshilfen angedechen zu lassen.

tung schafften. Daraus wurde dann offenbar geschlossen, daß es sich um dieB e s i tz n a h m e der Kehler Kaserne handelte. Am frühen Morgen haben die Nationalsozia­listen Kehl wieder verlasien.

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Die militädfSen Abreden der neuen Kleinen Entente.

Ungarische Blätter veröffentlichen einen in der Stampa" erschienenen großen Artikel Italo Zinga- rellis, der mit einer bis in die kleinsten Einzelheiten gehenden Genauigkeit die militärischen Ver­pflichtungen der Staaten der Kleinen Entente für den Ernstfall enthält. Es sind alle Möglichkeiten auf- gezählt, nämlich Fälle von kriegerischen Konflikten mit einzelnen oder mit allen drei Staaten ver Entente, ^mit Ungarn oder mit anderen Staaien, bzw. für den Fall eines kriegerischen Konflikts zwischen I r a l i e n und Frankreich. Eine der wichtigsten Vereinbarungen besteht darin, Ungarn und Österreich durch Ver­einigung der tschechischen und serbischen Armee über West­ungarn oder über Kärnten zu trennen.

Für den Fall eines Anschlusses Österreichs an Deutsch land würde nach Zingarelli die Tschechoslowakei Wien, Linz, Salzburg und sämtliche kriegstechnisch wich­tigen Schlüsselstellungen bis Wiener Neustadt besetzen.

Nach der Enischeidung.

Politische Flurbereinigung Wirtschaftsleben in Amerika Dunkle Wolken.

Unaufhaltsam, von dem Ergebnis der Reichstagswah» des 5. März ausgehend, rollt die Sturmflut der politische« Umgestaltung durch Deutschland. Sie Donnert gegen ^ore, die allzu lange abgefperrt und verschlossen waren gegen die Entwicklung einer immer höher brandenden netto* n a l e n Bewegung. Rascher Zugriff überwindet etwa noch vorhandenen Widerstand gegen die Weiter­entwicklung. Auch über dieMainlinie" hinweg rollte die Woge. Das mehr als ein Jahrzehnt hindurch mühsam hin und her gewälzte ProblemReich und Länder" erfährt eine Lösung, die ganz anders ausnebt, als die endlosen Diskussionen hierüber sie ausgemalt batten. Die am 20. Juli 1932 vollzogeneGleichschaltung" im Reich und in Preußen hat ihre Fortsetzung gefunden erst in den norddeutschen Ländern, dann über die hessische Brücke hinweg nun auch in Süddeutschland. Für Preußen selbst gab der 5 März die Zustimmung zu dem, was am 20. Juli 1932 eingeleitet war, und gleichzeitig damit auch das Einverständnis tu weiterem Vorgehen. Jetzt endlich ist

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Regierungen in Sachsen und in Baden sind zurück getreten.

* In Berlin, in Potsdam und in mehreren Städten West deutschlands sind verschiedene Kaufhäuser, vor denen es zu Kundgebungen gekommen war, vorübergehend geschloffen worden.

* ^B Gdingen sind völkische Truvve» tonzewriert Morde»