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Nr. 66 — 1933
Fulda, Samstag, 18. März
10. Jahrgang
Göring an die Bauern.
Die Rettung des deutschen Rauern.
Göring vor dem Pommerschen Landbund.
Auf der Generalversammlung des Pommerschen Land- bundes in Stettin hielt Reichsminister Göring eine Ansprache, in der er etwa folgendes ausführte: Es war eine der allerersten Sitzungen der neuen Regierung, in der der Kanzler jenes Wort aussprach: Wir müssen jetzt unter allen Umständen den deutschen Bauer retten, dann retten wir die Grundlagen des neuen Deutschland,
Selbstverständlich muß der Landwirtschaft auch auf ge- sftgeberischem Wege. durch Verordnungen der Regierung, geholfen werden. Damit allein kann man aber dem deutschen Bauer nicht die Rettung bringen. Weit wirk- I«mer als jede Verordnung wäre »s, wenn nun endlich uue gigantische Aufklärung und
ein eiserner nationaler Erziehungswille und Erzichungszwang
den deutschen Menschen dahin erziehen würde, wieder die einheimischen Erzeugnisse zu nehmen und nicht die ausländischen. Viel mehr als alle Verordnungen würde es wirken. wenn man in einem S?aufe, in dem dänische Butter serviert wird, sagen würde: Aus, in dein Haus komme ich nicht mehr! Eine gewaltige Aufklärung und Erriebunasarbeit muß hier getan werden, wie sie das deutsche Volk noch nicht erlebt hat. las ist der Sinn der deutschen Revolution:
Erst wieder deutsch zu sein, deutsch zu fühlen und über die eigenen Interessen das deutsche Land und das deutsche Volk zu stellen. Diese Revolution wird weiter- lchrcitcn. bis sie gesiegt hat auf der ganzen Linie.
Diese Revolution unterscheidet sich von der Revolte von 1918 dadurch, daß sie diszipliniert vor sich geht. Wenn jetzt auf allen Dächern und über allen Straßen wieder.
dir schwarz-weiß-rote Fahne
ausgezogen wurde, die Fahne, unter der Deutschland seine schwerste Zeit erlebte, so darf ich heute aber auch in dieser Stunde von euch eins verlangen:
Dankbarkeit gegenüber einem anderen Zeichen, gegenüber einem Zeichen, von dem nunmehr keiner mehr glauben darf, daß er zu fein wäre, sich dazu zu bekennen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) So sehr es
Neues Wirtschaftsdenken.
Die jvirtschaslSpMWe Wende nach der nationalen Revolution.
Auf der Generalversammlung des Pommerschen èmdbunde» in Stettin führte Staatssekretär von Mr nach einem Rückblick auf die vergangenen vierzehn ^re u. ft. aus: Nunmehr ist der Kampf um eine ve ° Urständ ische Ordnung in einen neuen Abschnitt treten. Heute haben wir alle die Pflicht, der "atzo n alen Regierung das Werkzeug zu schaffen. 'M dem sie ihre gewaltige Aufgabe auch auf dem Boden Wirtschaft erfüllen kann.
Ein Denken in Geld
dai den Regierenden vergangener Zeit den Blick für die èns- und Sterbenszeichen einer Nation genommen, ^eit Bismarcks Fortgang bat händlerisches Denken
deutsche Nahrung in immer stärkere Abhängigkeit vom -‘Alande gebracht. Die furchtbare Lehre des Krieges, daß
Bolk, das von A u s l a n d s w a r e lebt, im Ernstfall
Hunger erliegt, ist von den Regierenden unbeachtet geblieben. Es ist nicht wahr, daß in Deutschland eine Überproduktion herrscht, es herrscht vielmehr eine P r o - bukti o n sv e r w i r r u n g als Folge einer planlosen Mttil, die u. a. dem Getreide gerecht wurde, aber alle ^eredelungs Produkte in die Tiefe sinken ließ. ~Ie Forderung: Leben und Arbeit für alle Deutschen im Menen Vaterlande läßt sich nirgends schneller und gründ-
erreichen als durch eine Politik der
Verdrängung der Auslandsware.
putsch!and muß Rohstoffe einführen, die es selbst nicht und die unentbehrlich sind, und es muß, damit es die Abstösse damit bezahlt, entsprechende Mengen deutscher 5'°re ansfiihren. Der Z u g i n d i e S 1 a d 1, der seinen
'n der Tatsache hatte, daß der Lohn der Stadt S das Doppelte und Dreisache des Landlohnes aus- e- muß aufhören. Es ist eine völkische Forderung 'er Ordnung, daß der unheilvolle
Abstand der Preise und Löhne des Landes
.. von denen der Stadt
nimmt. Wir wollen keinen Reichtum für das aber wir wollen, daß Arbeit und Sparen et,ncn Sinn erhalten.
°b ^"Marktpreise M* Deutschland lehnen wir „ick??" wir wissen, dafi der deutsche Jndnstrlearbetter to Löhnen und der deutsche Bauer nicht iiLr n Schleuderpreisen arbeiten kann. .
d nächster Angriff, hinter den alle anderen SJlafc en w ihrer Wirkung zurücktreten, gilt
$:. der ausländischen Fetteinfuhr.
Hauptarbeit stetzt zwch bevor: Das Abrregeln jener
richtig war, daß das alte Banner wieder aus dem Mast emporgezogen wurde, — vergeßt aber nicht, das war nur möglich, weil jenes Banner den Sieg errang! (Erneuter Beifall.)
In dieser Erkenntnis hat der Generalfeldmarschall beide Zeichen gleichmäßig und gleichzeitig als die deutschen Hoheitszeichen bestimmt. Die Regierung der nationalen Konzentration wird mit eiserner Faust die Interessengegensätze zwischen den einzelnen Volksschichten, die in den letzten 14 Jahren künstlich großgezogcn wurden,
in die Harmonie zwingen,
die für das Gedeihen des deutschen Volkes erforderlich ist. Wir werden nicht dulden, daß ein ganzer Stand, wie der Bauer, der U r st a n d des Volkes, weiter entwurzelt und zum Proletarier degradiert wird. Wenn der Vorredner gesagt hat, der Marxismus darf nicht mehr z u r ü ck k o m m e n , so will ich eins sagen:
Nicht nur nicht zurückkommen wird er, ausrotten werden wir ihn! Ich werde diesen Kreaturen so lange die Faust in den Nacken setzen, bis sie erledigt sind! (Stürmischer Beifall.)
Jeder Bauer muß sich darüber klar sein:
Wo der Marxismus siegt, stirbt ein Volk» und wo der Marxismus regiert, zerbricht eine Nation. Der Bauer ist das Element, aus dem die Wiedergeburt des deutschen Volkes sich vollziehen muß. Der Bauer muß wissen, daß er sich mit allen Fasern seines Lebens entgegenstemmen muß den Versuchen, ihn zu entwurzeln. Aus dem Boden, für den Millionen bereit sind, ihr Leben zu geben, sollt ihr eure Kraft gewinnen. Aus diesem Boden soll auch einst der Entschluß kommen,
die Ketten zu brechen
dort, wo sie uns auferlegt sind. Ihr wißt, daß Männer euch führen, die bereit sind, ihr gattzes Denken und Fühlen an diesen Boden zu seyen.
Denkt daran, daß gerade ihr als Bauern, alë Glied in der Kette von Generationen, besondere Verpflichtungen gegenüber dem Vaterland habt. Sorgt dafür, daß das Glied, das ihr darstellt, stahlhart wird, damit die kommende Generation sich anhängen kann. Hält das Glied, haltet ihr den deutschen Boden, dann wird das Deutsihe Reich bestehenbleiben!
Elnbruchsstellcn ausländischer Waren, die das ganze landwirtschaftliche Preisgebânde und die deutsche Versorgung aufs schwerste bedrohen. Diese Abriegelung ist die Grundlage aller weiteren Arbeit, von der nur einiges angedeutet sei. Die Osthilfe wird ihrem schnellen Ende entgegengefübrt werden, wobei bestimmt zu hoffen ist, daß mancher Betrieb dem angestammten Besitzer erhalten bleiben kann. Unter die Siedlung wird ein dicker Strich gemacht werden. Das Siedeln soll nicht aufhören, aber das Verfahren der Deutschen Siedlungs- banf soll abgewickelt werden und das alte preußische Siedltmgsverfahren wieder zur Anwendung kommen.
Die nationale Revolution ist nicht vollendet, wenn nicht der staatspolitischen Wende die wirtschaftspotttische gleichgeschaltet wird. Unter den vergangenen Regierungen hat manche zwar einen nationalrevolutionären Anfang gemacht, aber alle mußten scheitern. Weil ein liberales Wirtschattsdenken, das sie nicht überwinden sonnten, in ihnen Kraft behielt.
Zahlungssperre gegenüber der MeHostowakei.
Die tschechoslowakische Regierung hat, wie amtlich mitgeteilt wird, ohne mit der deutschen Regierung deshalb vorher Fühlung zu nehmen, eine all« g e m e i n e S p e r r e der Transferierung sämtlicher Zah- ltingen nach Dentschland angeorbiict und bestimmt, daß Zahlungen nur auf Sammelkomen, die bet tschechoslowakischen Großbanken errichtet werden, erfolgen dürfen.
Der Reichswirtschaftsminister hat daher mit sofortiger Wirkung ungeordnet, daß Zahlungen für Warenlieferungen tschechoslowakischen Ursprungs oder tschechoslowakischer Herkunft bis auf weiteres nicht mehr g e I c t ft c t werden dürfen.
Ein gleiches Verbot ist ferner für die Einlösung von Schecks und Wechseln zugunsten von in der Tschechoslowake« ansässigen Personen und für Zahlungen aller anderen An, wie Zinsen, Dividenden, Kapitalrück- zavliingen, Reisekosten usw nach der Tschechoslowakei oder zugunsten von in der Tschechoslowakei ansässigen Per- fönen im Inland getroffen morden.
Ferner wird durch eine besondere Durchführungsverordnung die im Zahlungsverkehr mit dem übrigen Ausland auch weiterhin in Kraft biethende Freigrenze von AM Mark gegenüber bei Tschechoslowakei bis auf weiteres auf 50 Mark herabgesetzt. Diese Be- fitni ntiing findet auch auf den Reiseverkehr Anwendung Die bisher geltende Regelung, daß für Reisen nach der Tschechoslowakei über die Freigrenze hinaus weitere 500 Mark über die Grenze mitgenommen werden dürfen, wird bötlauste außer Kratt gesetzt.
Zm Rettungsboot.
Der Genfer Strudel. — Das deutsche Boot. — Aber Topp geflaggt.
Unaufhörlich knallen im rasenden Wirbel der Zeit die größten und wichtigsten Geschehnisse in das Leben und in die Hirne der Menschen von gestern und heute hinein, So» wenig wie jetzt noch ein Mensch imstande ist, die Wissenschaft und Technik der Gegenwart in ihrem ganzen Umfange voll zu beherrschen, ist es möglich, auch nur die bedeutsameren Ereignisse des Weltgeschehens in dem Tempo zu ersahen, das dieses Geschehen nun schon seit langer, überlanger Zeit angenommen hat Nur an einem Ort scheint der Fluß der Zeit gewissermaßen stillezustehen, aufgestaul wie vor der Mauer einer Talsperre: in Genf. Auf der Abrüstungskonferenz. Dort hat man Zeit, geradezu unglaublich viel Zeit! Aber — die Mauer der Talsperre hat schon angefangen zu bröckeln, ihre Quadern sind nicht mehr unbedingt fest durch den vermeintlichen Eisenbeton bei Diktate von 1919 miteinander verbunden, sondern die Gewässer der Ungeduld, der Notwendigkeiten Fahnen sich unwiderstehlich drängend hier durch einen Spall, dort durch ein Loch allmählich ihren Weg hindurch. Wehe aber, wenn der Stausee, wenn also die Enttäuschung der Völker über den, nennen wir es ruhig: Verrat am Weltad- rüstungsgedanken die Sperrmauer wanken und bersten läßt! Eifrig arbeitet Macdonald persönlich in Genf daran, die Mauer auszubessern und zu festigen. Daß Wichtigstes, das weitere Schicksal dieser Konferenz Bestimmendes bevorstehl, mag man allein schon daraus entnehmen, daß der französische Ministerpräsident nach Genf fuhr, daß eine Zusammenkunft Macdonalds mit Mu f s o» lini erfolgen soll, kurz, daß auf der Gegenseite die „Großen" sich höchstpersönlich einsetzen. Drehpunkt aller Bemühungen der Engländer ist und bleibt ja, Frankreich von seinem bisher eisern festgehaltenen Standpunkt fort» zuziehen: „Erst Sicherheit, dann — vielleicht — Abrüstung!" Und da nun schon drei „Pläne" — ein englischer, ein amerikanischer und ein.französischer — an den Klippen der Konferenz gescheitert sind, hat Macdonald sozusagen Vie Planken und Trümmer zusammengesucht, um aus ihnen in einen — vierten Plan so etwas wie ein Rettungsboot zu bauen.
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Kein Wort ist ja zu stark, tim dieses Treiben in Genf, dieses geradezu spielerische Behandeln von Pölkërschick- salèn zu kennzeichnen. Aber nicht bloß diese „N a ch u ns die Sintflut" - Stimmung greisenhaft-versteiner-- ter Politik im Ungeist des Gestern und zweier Jahrzehnte ist es, die in Genf sich auslebt — soweit man hierbei überhaupt noch von „leben" sprechen kann—, sondern auch noch eine andere Stimmung , liegt über der Welt: die des „Rette sich, wer kann !", wenn man sich nämlich der wirtschaftlichen Seite des Daseins der Menschen von gestern und heute zuwendet. Das an so vielen Stellen leckgesprnngene Schiff der Weltwirtschaft, duf ; dessen Brücke kaum noch ein Führer steht und dessen Steuer von der wirtschaftlichen Vernunft selbst schon verlassen zu sein scheint, in dessen Räumen das Kämpfen aller gegen alle anhob, als der Proviant knapp zu werden begann, wird nun mehr und mehr von jenen aufgegeben, Die im eigenen Doot die Rettung suchen. Aber auch in diesen Rettungsbooten herrschte der Mangel, herrschte zwischen den Insassen oft genug auch Uneinigkeit über die Fahrtrichtung und das Ziel. Statt in gemeinsamem Mühen dem vielleicht doch noch rettenden Land zuzustreben, grassierte auch hier der gefährliche Ungeist der Zwiespältigkeit und der Ichsucht. Höchste Zeit war es, daß hier endlich die Führung des deutschen Bootes geschlossen in starke Hände gelegt wurde. Höchste Zeit auch darum, weil nicht bloß der Wille zu geeinter Anstrengung wieder Hoffnung erwecken kann, daß diese Fahrt im eigenen Rettungsboot nicht doch in einer drohend nahegerückten Katastrophe endet, sondern weil dieses systematisch gelenkte Mühen, eine Besserung unseres Wirtschaftslebens berbeizuführcn, sozusagen durch einen günstigen „Schiebewind" gefördert werden kann: die mit dem Frühjahr einsetzende „S a i s o n b e l e b u n g" der Wirtschaft. Beides zusammen muß uns und unser Boot doch wieder ein Stück dem rettenden Ufer näherbringen, das freilich noch in weiter Ferne liegt.
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Und hoch droben am Mast flattert eine neue, nein, diealte Flagge. Der Mann, der das Schwarz-Weitz- Not in einem länger als fünf Jahrzehnte währenden Soldalenleben in Krieg und Frieden getragen hat, stellte nun auch die klein gewordene deutsche Wehrmacht wieder, unter diese Farben vergangener Siege und unvergänglichen Ruhms. Die schwarz-weiß-rote Kokarde, einst in dunklen Novembertagen von meuterischen Händen unreifer Buben herabgeriffen und zertreten, wurde jetzt nach mehr als vierzehn Jahren wieder emporgehoben aus dem Staub; sie ist entsühnt worden von der Schmach, die ihr jene Zeit tiefster deutscher Selbsterniedrigung angetan hatte. Des Reiches Kriegsflaaae flattert jetzt am
Meine Zeitung für eilige Leser
* Reichsminister Göring und Staatssekretär von Rohr sprachen vor Dem Pommerschen Landbund über Die Aufgaben nationaler Wirtschaftspolitik.
* In Freiburg in Baden erschoß ein sozialdemokratischer Landlagsabgeordneter, bei dem Haussuchung vorgenomme« werden sollte, einen Polizisten.
* Japan hm beschlossen, die Karolinen, also die ehemalig«' deutschen Kolmrien, zu annektiere»