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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal -Iul-aer Kreisblatt

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Nr. 69 1933

Fulda, Mittwoch, 22. März

10. Jahrgang

Weihestunde des deutschen Volkes.

Der Festtag von Potsdam.

Die Potsdamer Bevölkerung hatte alles aufgevoten. um den Gästen einen würdigen Empfang zu bereiten. Ab und Jung, Hoch und Niedrig, haben sich bemüht, der Stadt eiii festliches Bild zu geben. Reicher Flaggenschmuck über der ganzen Stadt. Überall wehen die Hakenkreuzfahuer und die schwarz-weiß-roie Fahne. Oft tritt auch Preußens schwarz-weiße Fahne hervor. Der Bahnhof war mit Tannengrün und Wimpeln in den Farben des nationalen Deutschlands geschmückt. Vor dem Bahnhof grüßten die Staatsflaggen von hohen Masten. Aus Ost und West trafen fortgesetzt neue Ionderzüge ein Immer neue Ab­leitungen der SA und SS., des Stahlhelm und der Hitler­jugend kamen an überall erklang flotte Marschmusik unt Gesang. Rufe ertönten:Heil Hitler!",Heil Deutsch­land!" Allenthalben wurden kameradschaftliche Grüße aiisgetauschl. Schon in aller Frühe waren Bäume und Gitter als günstigste Anssichtspunkte von der Jugend mit Beschlag belegt worden.

Am 62. Jahrestage des neuen deutschen Reichstages!

Ein Zufall ist es, mehr noch ein Symbol, daß sich am 21. März, zum 62 Male der Tag jährt, an dem im Weißen Saas des Berliner Schlosses zum erstenmal der Reichstag des von Bismarck gegründeten Teutschen Reiches zu- iammentrat.

Die Gottesdienste.

Vor der Nikolaiürche hauen sich immer größere Menschenmassen angesanimeli, Die tn fiebernder Erwar­tung dem Eintreffen des Reichspräsidenten harrten. Mit programmäßlger Pünktlichteri näherten sich die Wag^n mit dem Reichspräsidemen und dem ihm beglei­tenden Staatssekretär Dr Meißner Ungeheure, Jubel schwillt an, der zum brausenden Orkan wird, als der Reichspräsident seinen Wagen oerläßr und Die Stufen zur Aikolaikirche langsamen Schrittes emporfteigi Jm über« füllten Potsdamer Dom St Nikola« haben sich etwa 2(i()(t Personen zu der feierlichen Andacht versammelt. Der Reichspräsident hat tm Mittelgang vor dem Altar­raum Platz genommen. Rechts in der ersten Reihe des Kirchenschiffes die Miiglieder Der Relchsregierung, links bte Mitglieder des Reichsrats und das Reichstagspräsi- dlum. Der Altarrauni wird teils von den Vertretern der hohen kirchlichen Behörden, teils von den Vertretern der Reichs und Staatsbehörden besetzt An den Seiten hinter den Plätzen der Reichsregierung sitzen die Mitglieder des Reichslags Der Altar trägt den violettfarbencn Behang der Passionszeit mit Dem goldenen Kreuz. Mächtig örauien die vier Verse des Luther-LiedesEin' feste Burg A unser Gott" von der Gemeinde gesungen und von der i^rgel begleitet, durch das Gotteshaus

Dann hält der Gencralsupenntendent der Kurmark, Sibelius, die Predigt über Römer 8, Vers 31:Ist für uns, wer maa wider uns sein?"

Die predigt.

Anläßlich Der Eröffnung des Deutschen Reichstages hielt Generalsuperimendeni D. Dr. T i b e l i u s in der Potsdamer Nikolaikirche die Predigt, die er unter das 'Otto des Bibelwortes stellte:Ist Gott für uns, wer »tag wider uns sein?"

Der Redner erinnerte an die Augustiage 19 14, wo der Ruf durch die Massen ging: Ein Reich, ein Volk, ein Gott! Dieser Ruf sei heute noch nicht Erfüllung, sondern Sehnsucht Noch sei der Glaube in den deutschen "anden nicht wieder die große bewegende Kraft, die er ftnst gewesen sei, aber eine Bereitschaft zu neuem Glauben sei bei Hunderttausenden vorhanden. Vielleicht habe diese ^ohnsucht, in anderthalb Jahrzehnten der Not in der Seele ^"gesammelt und jetzt hervorgebrochen, mehr Verheißung ols Die Erfüllung, die aus dem Gewitter des Krieges wie "'n einem Schlage entsprungen sei.Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?" Diese Wahrheit könne nur verstehen, der wisse, was Gnade sei.Nicht deshalb st Gott für uns, weil es feine Pflicht und Schuldigkeit vare, Die Verdienste eines Volkes zu belohnen. Gott ist

"US unbegreiflicher Gnade." Diese Gnade schaffe 'Ucht knechtische Seelen, sondern freie Menschen.Sie .clW unter das Gericht, aber sie gibt königliche Freiheit Menschen und dem Schicksal gegenüber. Aus der Er- ^brung der Gnade: Gott ist für uns! steigt die trotzige -legeszuversicht empor: Wer mag wider uns sein!"

"&w sei zugleich die Lösung für einen neuen m ^^^^^ Geschichte gegeben: Mit Gott zu neuer buluust.Wir wollen wieder frei werden von dem Geist, Materielle kennt, der die Wirtschaft für das »sij.uml Halt, der den Menschen der Maschine unterordnet. mir « n ""eder lein, wozu Gott uns geschaffen hat: nur ; ; cn wieder Deutsche sein. Das aber werden wir bph wenn der Glaube an Gott der Pulsschlag des All,denn erst durch das Evangelium finden die Selbst bie einzelnen Menschen ihr wahres SuHiVc^ ^' was wir in dieser Stunde ersehnen:

Gottes Gnade ein deutsches Volk." aeni>n>u^^edner^zeichnete dann die Aufgaben der Kirche ^wat. Ein neuer Anfang staatlicher Ge-

Uebe immer irgendwie im Zeichen der Gewalt, muss? ^?^^"^ Sterben der Nation gehe, dann ^anaenÜ ^ Macht kraftvoll eingesetzt werden. Die toalt nirt^6- ^F^JoW der rechtmäßigen staatlichen ©e= E Nicht m den Arm fallen, wenn sie das tue, wozu sie

berufen sei. Wenn der Staat seines Amtes walte gegen alle, die Die Grundlagen der staatlichen Ordnung unter­grüben, den Glauben verächtlich machten, den Tod für das Vaterland begeiferten, dann solle er Gottes Ramen seines Amtes walten

Aber mir wären nicht wert, eine augelische Kirche zu heißen, wenn wir nicht mit demselben Freimut. mit dem

Der Reichspräsident in der Nilotaikirchr beim GotteSdrenft.

Luther es getan hat, sagen wollten: Staatliches Amt darf sich nicht mit persönlicher Willkür vermengen! Ist die Ordnung hcrgestelli, so müssen Gerechtigkeit und Liebe wieder herrschen, damit jeder, der ehrlichen Willens ist, seines Volkes froh sein kann.

Das ist Der Kirche heißes Anliegen, daß eine neue deutsche Zickunfi herau-geführt werde von Männern, die aus Dank für Gottes Gnade ihr Leben heiligen in Zucht und Liebe und daß der Geist solcher Männer dann das ganze Volk durchdringe!"

Der Kirchenchor sang darauf:Wach auf, du deutsches Land", dann folgte das Vaterunser. Als machtvoller Ab­schluß klang das Niederländische Dankgebet aus in den Ruf:Herr, mach uns frei!"

Die katholische Stadlpfarrkirche war bis auf den letzten Play gefüllt, als das feierliche Levitenaini begann, das von Domkapitular Monsignore Dr. Bannasch zelebriert wurde Die weihevolle Stimmung wurde er­höht Durch Die schlichte würdige Ausschmückung des Gottes­hauses mit frischem Tannengrün Jm Mittelschiff halten Die Abgeordneten Platz genommen In der vordersten Reihe saßen als Vertreter des Diplomatischen Korps Mon­signore Crfentgo, Vizekanzler von Papen. Der Reichskom- miffar für das Land Bayern, Ritter von Epp, Die Ge­sandten von Österreich und Venezuela sowie der italienische Botschafter Berutti. Reichskanzler Hitler und Reichs- Minister Goebbels haben an dem Gottesdienst nicht teil­genommen, sondern die Gräber der auf dem Luisen- städtischen Friedhos beerdigten Nationalsozialisten besucht. Sie haben über ihr Fernbleiben vom Gottesdienst eine Er­klärung veröffentlicht, Die an anderer Stelle abgeDrucft ist. Nach Beendigung des Gottesdienstes begrüßte Vizekanzler von Papen, der zuerst Die Kirche verließ, die einzelnen

Reichskanzler Hitler und Vizekanzler Papen auf dem Wege zur Garnisonkirche.

Polizeioffiziere. Dann formierte sich Der Zug, um sich mit dem Zuge aus Der evangelischen Kirche zu vereinigen.

Der Zug zur Garnisonkirche.

Nach 11.20 Uhr verließ der Reichspräsident die Niko­laikirche, jubelnde Heilrufe ertönten von der Menge. Langsam schritt Hindenburg die Stufen hinab und begab sich rU feinem Wagen, um dann die Rundfahrt durch

Potsdam, Sanssouci, am Neuen Palais vorbei, anzu- treten. Dann verließen die Mitglieder der Reichsregie­rung und die Abgeordneten die Kirche, wobei Minister Göring stürmische Begrüßungen zuteil wurden. Unter dem Glockengeläut sämtlicher Kirchen begaben sie sich durch die jubelnden Menschenspaliere zur Garnisonkirche. Ter Zug bewegte sich durch ein Spalier von Reichswehr, SS.- und SA.-Leuten, Stahlhelm und anderen Ver­bänden. Jubelnde Heilrufe brausten auf, als der Zug unter dem Glockengeläut vor der Garnisonkirche anlangte.

Als der Reichspräsident von seiner Rundfahrt vor der Garnisonkirche anlangte, hatten dort die Ehrenkom­pagnie sowie die Front dèr Ehrenabteilungen der Schupo und der Verbände vor der Garnisonkirche Aufstellung ge­nommen. Etwa WO Meter vor der Garnisonkirche verließ der Reichspräsident den Wagen und schritt unter Beglei­tung des Reichswehrministers und der unmittelbaren Vorgesetzten unter dem Präsentiermarsch die Fronten ab. Die Menge brachte dem Reichspräsidenten bei diesem großartigen militärischen Schauspiel nicht endenwollend'e Ovationen dar. Vor dem Portal der Gärnisonkirche be­grüßte der Reichspräsident sodann die Veteranen von 1866 und 1870/71. Anschließend begab sich der Reichs­präsident unter dem begeisterten Gesang des Deutschland­liedes in die Garnisonkirche, in deren Sakristei der Reichs­kanzler und die übrigen Mitglieder Der Reichsregierung auf den Reichspräsidenten warteten.

Der Slaatsall in der Garnisonküche.

Siebend, in feierlicher Stille und durchdrungen von der Größe und Einmaligkeit des Augenblicks, empfing der versammelte Reichstag, empfingen das Diplomatische Korps und die übrigen geladenen Gäste den greifen Reichspräsidenten und die Mitglieder der Regierung. Gefolgt von seiner näheren Umgebung und geleitet von den beiden Geistlichen, begrüßte Der Reichspräsident den eichskanzler nnd Reichsiaqspräsidenien und nahm in dem Altarraum auf dem für ihn bereitgefteüien Sessel Platz. Gan; Deutschland war Zeuge dieser feierlichen Stunde, das Orgelspiel brauste auf und ergoß sich über alle Sender ins deutsche Land, in die Herzen der Mil­lionen und aber MillionenNun lob' mein Seel' den Herrn" sang der Kirchenchor, einen Choral feierlicher, jubelnder Erhebung. Nun erhob sich der Reichspräsident, dem der Staatssekretär das Manuskript der Rede über­reichte, und wendete sich an die Versammelten. Klar, kräftig, kurz, dennoch durchzittert von dem Wissen dreier Generationen um Deutschlands Schicksal, um Deutsch­lands Ruhm und Aufstieg, seinen Niedergang und um die endliche Wiedererhebung, spricht der Mentor des deutschen Volkes zu seinem Volk, ja zur Welt.

Darauf schritt Reichskanzler Adolf Hitler an das Pult, um Die Eröffnungsrede für den Reichstag zu ver­lesen. Auch des Kanzlers Worte waren durchdrungen von glühender Liebe zu diesem deutschen Volk, zu seiner Ge­schichte, zu seiner heiß ersehnten großen Zukunft.

Unmöglich, alle Namen zu nennen, die der feierliche Staatsakt in dem durch die preußische Geschichte geweihten Gotteshause versammelte. Auf den zu Seiten der für den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und den Reichstags­präsidenten bestimmten Sesseln nahm das übrige vollzählig versammelte Reichswehrministerium Platz, in ihrer Nähe auch der frühere Rcichsinuenminister Freiherr von Gavl und der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung Dr. Gercke. Auf der rechte« Seite des Alttaraums hatten die Mitglie­der des Reichsrats Platz genommen. Zu einem großen^?eil waren die Vertreter der Lünderregierungen in Der SA- Uniform erschienen In Der Kaiserloge hatten zahleiche Mitglieder des Hohenzollernhauses, an ihrer Spitze der Kronprinz, Platz genommen. Die früher von der Kaiserin und von Der Königin Luise benutzten Stühle in der Kaiser- loge waren freigehalten und mit Tannengrün geschmückt. Der flammende Glanz Der Kronleuchter schien über dem geschichtlichen Bilde.

Unvergeßlich Der Augenblick am Schluß Der Rede des Reichskanzlers. Hatte sich die Versammlung zur Entgegen­nahme der Botsckiaft Hindenburgs erhoben, so erhob sich auch nun auf einen Wink des Reichskanzlers alles von den Sitzen: ,

ReichskanzlerHitler trat auf de« Reichspräsidenten zu nnd richtete Die letzten Worte persönlich an ihnSie er­lebten einst des Reiches Werden . . . Heute, Herr General­feldmarschall, läßt Sie Die Vorsehung Schirmherr sein über die neue Erhebung unseres Volkes . . ." Und zu Dem Dank an ihn, Dessen Zustimmung wir als Segnung empfin­den, fügte er das heilige Gelöbnis des Mutes und der Beharrlichkeit für unseres Volkes Freiheit und Größe an der Bahre dieses größten Königs.

Ein inniger, kräftiger Händedruck zwischen dem greifen Feldmarschall und Dem jungen Kanzler Der nationalen Erhebung besiegelte den Bund,

meine Rettung für eilige Leser

* Unter autzerorvcmlich starker Beteiligung der Bevölkerung wickelte sich dèr weihevolle Staatsakt in Potsdam, begünstigt von schönstem Sonnenschein, programmâßig ab.

* Reichsminister a. D. Hermes wurde wegen Verdachts der Untreue in Haft genommen.

* Der englische Ministerpräsident Macdonald und Außen­minister Simon hatten, auS Rom kommend, in Paris Be­sprechungen mit den führenden französischen StaatsWännerr über den Mussolini-Pla«.