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Zulöaer Anzeiger

scheint jeden Sverktag. Bezugspreis: monatlich ^70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Druck: Friedrich Chrenklau, Lauterbach i. H.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal > Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 73 1933

Fulda, Montag, 27. März

10. Jahrgang

Gegen die Greuelpropaganda in Amerika.

Erklärungen aus Der nächsten Umgebung Hitlers.

Im Auftrage des Reichskanzlers Hitler gab der Auèlandsprcssechef der NSDAP., Hanfstängel, in einem transatlantischen Telephoninterview mit dem Generaldirektor des International News Service Er­klärungen zu den Gerüchten über Judenverfolgun­gen in Deutschland ab.

Auf die Frage:Sind die Berichte über angebliche Audenmitzhandlungen in Deutschland wahr oder un» wahr?" antwortete er:

Der Reichskanzler hat mich autorisiert, Ihnen zu er­klären, daß alle diese Berichte in ihrer Gesamtheit g e meine Lügen sind.

Im Verlauf unserer gegenwärtigen nationalen Re­volution, die wohl die friedlichste und ruhigst verlaufene der Weltgeschichte mar, haben sich unvermeidliche Zu­sammenstöße zwischen kleinen Gruppen politischer Gegner ereignet. Keinesfalls aber hat es irgendwelche unter­schiedliche Behandlung von Juden oder Nicht­juden gegeben, seien sie nun christlichen oder eines anderen Glaubens, Stammes oder Nasse gewesen. Tat­sächlich hat unsere SA. in vielen Fällen ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, um das Leben und das Eigentum politischer Gegner zu schützen, unter denen sehr wohl auch einige Juden gewesen sein können."

Die nächste Frage lautete:Macht Ihre Regierung Unterschiede zwischen Juden, die sich dem Gesetz fügen, und solchen, die die politischen Ziele des gegen­wärtigen Regimes bekämpfen?" Antwort:In keiner Weise machen wir Unterschiede zwischen An­hängern und Gegnern der Regierung."

Frage:Bezieht sich die von Präsident Hinden­burg proklamierte Amnestie, durch die Nationalsozia­listen und Nationalisten, die Straftaten zur Förderung der nationalen Revolution begangen haben, freigelasten werden, auch auf Nationalsozialisten, die Amerika­ner angegriffen haben sollen?"

Antwort:Soweit ich weiß, hat Botschafter Tackelt nach Washington berichtet, daß seit dem 11. März keine Belästigungen von Amerikanern vorgekommen sind. Auch frühere bedauerliche Zwischenfälle er­eigneten sich, ohne daß die Angreifer wußten, daß ihre Gegner Amerikaner waren. Einzelne dieser Fälle schwe­ben noch. In einigen Fällen sind die Angreifer tatsächlich amnestiert worden."

Frage:Könnten in der gegenwärtigen Lage Männer wie Lion. Feuchtwanger und Ei n stei n nach Deutschland zurückkehren, ohne belästigt zu werden?" Antwort:Diese Frage kann ich nicht beant- svorten. Darüber haben die Gerichte zu entscheiden. Es W sehr bedauerlich, daß diese beiden Männer im Aus- mde sich so abfällig über Deutschland äußerten."

, Frage:Hier sind Berichte verbreitet, daß die Re­gierung alle Juden aus öffentlichen Ämtern Mfernt. Sind diese Berichte wahr?"

Antwort:Der beste Beweis für die Falschheit dieser Berichte ist die Tatsache, daß noch heute viele hohe amtliche Stellen von Juden besetzt sind."

. Frage:Es sind hier Berichte verbreitet, nach denen es den in der Pfalz lebenden Juden verboten wor- ist, ihre Depositen von den Banken abzuheben, sollen sie mit A u s w e i s u n g bedroht worden sein, diese Berichte wahr?"

..Antwort:Ich weiß wirklich nicht, woher alle diese lächerlichen Berichte kommen."

o Auf Einzelfragen über Verfolgung von "Uden entgegnete Hanfstängel:

m b Untersuchungen der schwedischen wie der hol- wndlschen Berliner Gesandtschaft haben ergeben, daß nicht "«einziger Jude getötet oder verletzt worden ist. Jeder hinf » c kann sich selbst davon überzeugen, daß nie so Frieden und Ruhe während der ganzen vierzehn sozialistischer Herrschaft geherrscht hat, wie wäh- der letzten Wochen, mit Ausnahme der ersten paar «"tischen Tage.'

Schluß möchte ich dann ganz allgemein sagen, up titele Juden und jüdische Organisationen unsere Re- u erung unterstützen, weil sie eingesehen haben, daß rinzige Alternative zur Regierung der nationalen vviution kommunistische Terrorherrschaft wäre."

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Kirchliche Proteste gegen die

verlogene Greuelpropaganda, a n ^Eßlich der für Montag in R e w q o r k gegen die P'Kl,chen Judenpogrome geplanten großen Perk» !2.Vungen, an denen auch kirchliche Organe und m Gleiten beteiligt sind, sandte die deutsche Gruppe die ^/"testantischcn Weltücrbandes an t^""" Kirchenleitungen und in Frage kom- be» Persönlichkeiten in Newyork ein Telegramm, in nickn " ^ri wird, daß Judenpogrome in Deutschland Gre,^"ommcn. Man bitte dringend, der unwahren lui,d<i^"s'"ilanda entgegenzutreten und bei den Protest- christliche Gerechtigkeit und Wahrheits- zu achten. btsrS der badische evangelische Kirchen- ^ rvLLt kLt~ DoMLen MâelMerr Kirchen-

Lügen!" ausschuß inn Berlin telegraphisch ersucht, die außerdeut­schen Kirchen umgehend über Deutschlands wäre Lage zu unterrichten.

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Schon wieder ein iüoner entlarvt.

Die dänische ZeitungPolitiken" veröffentlicht die Äußerung eines sehr bekannten dänischen Groß­kaufmanns, der soeben von einer längeren Geschäfts­reise aus Deutschland zurückgekehrt ist und sich veranlaßt sieht, den vielen Gerüchten, daß Ausländer in Deutschland Verfolgungen ausgesetzt seien, sehr energisch zu widersprechen. Er wendet sich vor allen Dingen gegen die Schilderung eines dänischen Kaufmanns, der neulich in Leipzig gewesen ist und behauptet hat, dort von Nationalsozialisten verfolgt bzw. geschlagen worden zu sein. Der erwähnte dänische Großhändler erklärt:Ich habe mehrere Städte in der letzten Zeit in Deutschland be- sucht, ohne Unruhen in irgendeiner Art bemerkt zu haben, und ich bin genau wie früher überall äußerst gut be­handelt worden, wo ich auch nur vorsprach. Ich habe mit vielen Juden dort unten gesprochen, die mir erklärt haben, daß sie in keiner Weise irgendwie verfolgt würden."

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Keine Erschwerung des Reiseverkehr-.

Unwahre Nachrichten über behinderte Ausreise.

Durch in einer Linie mit den in einem Teil des Aus­landes verbreiteten Greuel Meldungen liegen ge­flissentlich verbreitete Nachrichten, wonach der Reise­verkehr in Deutschland sehr erschwert und namentlich die Ausreise mit Hindernissen verbunden sei. Das N e i ch s v e r k e h r s m i n i st e r i u m teilt hierzu mit, daß an diesen Behauptungen selbstverständlich kein wahres Woxt sei.

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Greuelmeldunaen widerlegt.

Papen kabelt nach Amerika.

Auf eine telegraphische Anfrage der Deutsch-amerika- kanischen Handelskammer in Newyork betreffend an­gebliche Übergriffe gegen amerikanische Geschäftsinteressen hat Vizekanzler von Papen in einem ausführ- ' lichen Kabel geantwortet, daß diese Nachrichten jeder Begründung entbehrten. Das Geschäftsleben verlaufe durchaus normal, und irgendwelche Silagen über Beeinträchtigung amerikanischer Interessen seien auch von der Berliner amerikanischen Handelskammer nicht ge­meldet worden.

Die Reinigung

Die Entpolitisierung

der Krankenkassen.

Die fünf Spitzenverbände der Krankenkassen unter Aussicht des Retchsarbeils Ministers.

Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichsarbettsnnnister hat in Verfolg seines tatkräftigen Reformwerkes auf dem Gebiete des Krankenkasseuwesens die fünf Spitzen- verbânde der Krankenkassen ohne Unterschied seiner Aufsicht unterstellt. Diese Aufsicht ist auf alle Unter­nehmungen und Eigenbetriebe der Vereinigungen erstreckt worden.

Ferner wurden den Aufsichtsbehörden Anweisungen zur Durchführung der erweiterten Aufsicht erteilt, um die Entpolitisierung der Krankenkassen und die Wirt­schaftlichkeit der Verwaltung endlich sicherzustellen.

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Der Kampf für die Wiederausrichtung der deutschen Wirtschaft.

Die politische Zentralkommission der NSDAP, ver­öffentlicht eine Anordnung, in der es u. a. heißt: Die Gauwirtschaftsberater stellen sich den politischen Dienst­stellen der Gaue zur Verfügung, um zu verhindern, daß Angriffe irgendwelcher Art auf S p i tz e n - oder Reichs- Verbände der Wirtschaft, auch W irtschafts- und Gewerbevertretungen anderer Art, amt­liche und halbamtliche Wirtschaftsstellen, Syndikate usw. erhoben werden. Auch sind persönliche Angriffe auf einzelne Firmen und Firmenleiter zu unterbinden. Wo Mißstände vorliegen, ist dies der übergeordneten Stelle zu melden, die das weitere ver­anlassen wird.

Abgesehen davon, daß solche Angriffe häufig aus Mangel an Unterlagen als unberechtigt zurückgezogen werden müssen, wird der Kampf für die Reinigung und Wiederausrichtung der deutschen Wirtschaft mit anderen Mitteln geführt, als mit persönlichen Angriffen und Zei­tungsartikeln sowie Einzelaktionen in Betrieben.

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Die nationalen Aufgaben

des Getre'debandels.

Auf der Münchener Produktenbörse erschien der baüerWbe SlLatÄvnwiWrr Dr LandVirtMakt, Suber,

Vizekanzler von Papen nimmt dann weiter scharf Stellung gegen die im Ausland verbreiteten Greuel- meldungen und betont, daß die nationale Revolution, deren Ziel sei, Deutschland von schwerer kommunistischer Gefahr zu befreien und die Verwaltung von minder­wertigen Elementen zu säubern, sich in bemerkenswerter Ordnung vollzogen habe.

Gewiß seien einige beklagenswerte Übergriffe vor- gekommen, die aber nach der scharfen Erklärung des Reichskanzlers vom 12. März unterblieben seien. Hun- derttausende von Juden lebten in Deutschland völlig un­behelligt, und der Betrieb in zahlreichen jüdischen Ge­schäften und Verlagshäusern verlaufe normal und un­gestört.

Minister Göring vor der Auslandspresse.

Der kommissarische preußische Innenminister Göring empfing die gesamte ausländische Presse, soweit sie durch offizielle Korrespondenten in Berlin vertreten ist, um ihnen bedeutsame Grflärungcn über die Vorgänge in Deutschland abzugebcu, die zu­gleich dazu dienen sollten, die Greuelnachrichten im Aus­land über Pogrome in Deutschland zu widerleacn. Göring erklärte einleitend, die Regierung sei erschrocken, empört und schließlich fassungslos gewesen über das, was im Auslande über die Zustände in Deutschland ge­schrieben werde. In Wirklichkeit habe Deutschland

feine Auferstehung gefeiert.

Seit dem 30. Januar habe sich eine Revolution in Disziplin vollzogen und, abgesehen von einigen be­dauerlichen Ausnahmen, sei in Deutschland niemandem etwas zuleide getan worden. Er bestreite nicht, daß mehrer tausend kommunistische Funktionäre verbatet worden seien, aber diese würden genau so be­handelt wie jeder andere Gefangene auch. Wo Über­griffe vorgekominen seien, habe die Regierung alles ge­tan, um diese Vorgänge abzustellen. Es habe auch Fälle gegeben, wo Juden festgenommeu und geschlagen worden seien. Er könne aber versichern, daß bereits eine geinte Reihe Angehöriger nationaler Verbände, die sich Über­griffe hätten zuschulden kommen lasten, bestraft imb ent­lassen worden seien. Wo etwas geschehen sei. habe c-e Regierung durchgegriffen. Alle die völlig cntstcl!' i (Ge­rüchte hätten ihren Ursprung in den internationalen Be­ziehungen m a r r i st i s ch e r Kreise Aber auch vom Judentum selbst sei im Auslande eine Hetze gegen Deutschland inszeniert worden.

Angeblich werde das deutsche Volk unterdrückt, während in Deutschland in Wirklichkeit ein p 6 l i t i» scher Frühling angebrochen fei? Wenn heute noch­mals gewählt werden würde, dann mürben nicht zwanzig, sondern d r ei ß i g Millionen Deutsche für di? nationale Regierung stimmen. Die Welt müsse Deutschland danken, daß cs die abendländische Kultur vor dem Bolschewismus gerettet habe.

der Wirtschaft.

und erklärte in einer Ansprache, daß in Zukunft der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen nicht mehr Selbstzweck sein dürfe. Es sei Hauptauf­gabe des Handels, dafür zu sorgen, daß der Bauer für sein mit schwerer Arbeit errungenes Urprodukt eine ge­rechte Entlohnung erhalte. Gemeinnutz gehe vor Eigennutz. Der Getreidehandel dürfe nicht den Diktator gegenüber dem Bauern spielen. Er müsse für alle Zukunft der Mittler zwischen Erzeuger und Ver­braucher sein. Die Zusammensetzung und Leitung der Produktenbörse müsse nach Richtlinien umgebildet wer­den, die eine breite Grundlage der Zusammenarbeit auch zwischen der Regierung upb dem Handel gewähr­leisten.

Staatssekretär von Nohr zur Neuregelung der Feitwirischast.

Staatssekretär von Rohr machte am Freitagabend Ausführungen über die Neuregelung der Fettwirtschast, die sich im wesentlichen mit der amtlichen Mitteilung über diesen Komplex decken. Darüber hinaus erklärte der Staatssekretär noch folgendes:

Gastwirtschaften, die mit Margarine kochen und braten, müssen dies in Zukunft auf ihren Speisekarten vermerken. Was die Verbilligung der yette für die minderbemittelte Bevölkerung anbetrtrtt, w erhält jeder Käufer einen Gutschein, den er beim Kauf von Fett in Zahlung geben kann. Die Steuer hat nicht den Sinn, die Margarine zu verteuern, sondern der minderbemittelten Bevölkerung die Verteuerung möglichst wenig fühlbar zu machen. Die Kontingentierung und die Zollerhöhung treten am Montag in Kraft. Die Steu ebe st i m m u n a e n werden erst in etwa drei bis vier

kleine Geltung für eilige Leser

* Die fünf Spitzenverbände der Krankenkassen wurden unter Aufsicht des Reichsarbcitsministers gestellt.

* Gegen die verlogene Greuelpropaganda int Ausland wendet sich ein Protest der deutschen Gruppe des Protestanti­schen Weltvcrbandcs.

* Bei einem Explosionsunglück in Wandsbek, das zum Ein­sturz eines Hauses führte, fanden zwei Personen den Tod, drei wurden schwer verletzt.