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MSaer Anzeiger

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Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachöruck der mit * versehenen Artikel nur mit <üyeUenangabe »Zulâaer Znzeiger'gestattet. nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.

Ar. 78 1933 Fulda, Samstag, 1. April 10. Jahrgang

Der Kampf um Wahrheit and Ehre.

0er Abwehrboykott beginnt.

Entsprechend den Anweisungen der zentralen Leitung -»NSDAP. in München hat nun die Abwehr der Lügew

&bes Auslandes durch Boykottierung der jüdischen ifte in Deutschland emgeseht. Die Bemühungen von -Mer Seite, Aufklärung in# Ausland zu tragen und -Wahrheit zu schildern, haben sich in den letzten Tagen D Außerordentliche gesteigert. Von allen nur möglichen Mbänden und Organisationen und von zahlreichen be- -cutenden Persönlichkeiten wurde das Ausland daraus hmgcwiesen, daß die Greuelberichte über Deutschland nichts anderes sind als infame Lügen, die zu dem Zweck verbreitet werden, daS nationale Deutschland in irr Welt herabzusetzen. Gleichzeitig aber wurde dem âusland auch von allen diesen Stellen zu verstehen ge­geben, daß der Abmehrkampf durch Boykottierung Des jüdischen Geschäfte in Deutschland keine leere Drohung ist, sondern unbedingt und mit aller Schärfe durchgeführt wird, wenn das Ausland weiterhin die Wünisierte Hetze gegen Deutschland duldet. Wohl ist sest- jufieUen, daß in den letzten Tagen die Greuelhetze etwas nachgelassen hat, aber von einer allgemeinen Zurück­nahme kann man nicht sprechen. Immer noch lausen die berichte über neue Greuelmeldungen auS dem Ausland ein, immer noch zeigt sich in den Berichren ein ungeheures Ausmaß von Gehässigkeit und gemeiner Gesinnung gegen Deutschland, immer noch sind zahlreiche Hetzer am Werk und finden im Ausland Gehör. Der nun einsetzende Ab- wehrlampf soll das Ausland darüber belehren, daß Deutschland entschlossen ist, seine Ehre biS aufS äußerste zu verteidigen.

Schon in den letzten Tagen haben Tellaktionen in einzelnen Städten eingesetzt. In Berlin mußten in den Gerichten die jüdischen Rechtsanwälte und Richter die Büros verlassen, Termine finden erst wieder am Montag Ran. Eine ähnliche Aktion ist in Königsberg durchs geführt worden. In Breslau mußten die Juden die Reisepässe abgeben. In Leipzig und in Chemnitz total die Warenhäuser geschloffen, in Lcivzig wurden die Üciufer, die sich noch in einzelnen Warenhäusern befanden, photographiert. Im bekannten Warenhauskonzern Kar- h M sind die jüdischen Mitglieder des Aussichtsrates ons- ?tfd)loffen worden. Der Staatskommissar für Berlin, t.'Lippert, hat angeordnet, daß die Steuerveran- agung der Juden mit der größten Sorgfalt vorgrnom- ten wird, denn es habe sich herausgestellt, daß in den Hien Jahren zahlreiche Juden sich steuerliche Vergünstig langen zu verschaffen wußten

Ser Einsatz des AbwehrboyloitS.

Zur Anordnung der Parteileitung der NSDAP. Über dir Durchführung der Boykottbewègung teilt die !!«BO. Gau Groß-Berlin mit:Sonnabend, den 1. April, ten sich alle nationalsozialistischen »c« "iebSzellenobleute in Verbindung mit den Leiter- und Angesteüèenrâten der Nationalsozialistischen ^ricbszellenorganisationen, die in jüdischen Ge testen arbeiten, Schlag 10 Uhr vormittag« mit den zu­gigen Geschäftsleitungen inS Benehmen zu setzen, um Mr zw e i m o n a t i g e V o r a u S b e z a h l u n g a l l e r VUe und Gehälter für nichtjüdische weiter und Angestellte zu erwirken.

Sie Betricüszeüenobleute werden in allen jüdischen Masten zu Personalkommissaren bestellt und Mb bafür verantwortlich, daß keinerlei Entlastungen beim Östlichen Personal vorgcnommcn werden. Die Ange­hen der jüdischen Rasse sind fristlos zu ent- ."Isen, wobei auch die angenommene Konfession keine Mifr spielt.

' Alle Forderungen, die in bestimmter, aber sachlicher Mm vorzutragen sind, müssen von allen Geschätts- B'ungen jüdischer Betriebe durchgeführt werden. Men sich wider Erwarten die Geschäftsleitungen diesen Ordnungen nicht fügen, so ist sofort die Leitung der isBO. Groß-Berlin in Kenntnis zu setzen, die dann die forderlichen Maßnahmen treffen wird.

9,, Gleichzeitig verlassen Sonnabend, Schlag 15 Uhr, alle Unter und Angestellten jüdischer Geschäfte ihre Arbeits- 7»en,um vor ihren Betrieben Protestkundgebun- °Cn gegen den Boykott deutscher Waren im Ausland und

die Hetze Alljudas durchzuführen. Zeitungen ^'dlebenswèchtigcBetriebe werden von diesen Anordnungen insofern nur berührt, indem nur die E n t - "'sung aller Juden gefordert wird.

Anschließend an diese Demonstration findet Sonn- Ä 16.15 Uhr nachmittags, eine K u n d g e b u n g d e r KO. i m B e r l i n e r L u st g a r t e n statt, an der sich ^Werktätigen beteiligen werden. Auf dieser Kund- ^oimg sprechen Reichsminister Dr. Goebbels und der L«ubèlriebszegenleiter, Landtaqsabgeordneter Johannes n 9 e i"

Zur Abwehr!"

Der Aufruf des Zentralkomitees, p^^w Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel im Boykotthetze wird der Wortlaut eines Plakate s -j^ .'ll, das den Gauleitungcn von dem Zentralkomitee ^u» Ä größeren Mengen zugesandt wurde. Es lautet: BV Abwehr. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf

^^der Führer der deutschen Freiheitsbewegung,

zum Kanzler des Deutschen Reiches ernannt. Am 5. März 1933 bekannte sich das deutsche Volk in einer wunderbaren Erhebung zu ihm und zu seinem Befreiungswerk. Dir nationale Revolution schlug das alte System in Trümmer, der Marxismus liegt zerschmettert am Boden, Deutschland geht einem neuen Aufstieg entgegen.

Ein zionistisches Hetzprogramm.

Dieser grandiose deutsche Freiheitskampf erfüllt den internationalen Weltjuden mit Haß und Grim m. Er steht, daß es mit seiner Macht in Deutschland zu Ende geht. Er sieht, aus diesem Deutschland kann er kei n e so w j et- rus s i s ch e V e r b r e ch e r k o l o n i e mehr machen. Jetzt handelt er nach dem Programm, das der jüvcsme ,',ionijten- sührer Theodor Herzl im Jahre 1807 in^l bei einem großen Indenknnareß feierlich verkündete. lÄu. ag aus der siebenten Sitzung):

Sobald ein nichtjüdischer Staat es wagt, uns Juden Widerstand zu leisten, müssen wir in der Lage sein, seine Nachbarn zum Kriege gegen ihn zu veran­lassen. Als Mittel dazu werden wir die öffentliche Meinung vorschützen. Diese werden wir vorher durch die sogenannte achte Großmacht - die Presse in unserem Sinne bearbeiten. Mit ganz wenig Ausnahmen, die überhaupt nicht in Frage kommen, liegt die ganze Presse der Welt in unseren Händen."

Nach einem großangelegten Plan har in diesen Tagen der Jude die öffentliche Weltmeinung gegen Deutschland aufgehetzt.

Ängehruerliche Lügen.

Er bedient sich dazu der Prelle, durch die er eine un­geheure L ll g e n f l u t über die Welt .rgießt Kein Ver­brechen, keine Schandtat ist zu niederträchtig, er beschuldigt die Deutschen damit. Der Jude lügt, in Deutschland wür. den Angehörige dos jüdischen Volkes grausam zu Tode gefoltert. Der Jude lügt, es würden diesen Juden die Augen ausgebrannt, die Hände abgehackt, Ohren und Nasen abgeschnitten, ja selbst die Leichen würden noch zerstückelt. Der Jude lügt, es wurden in Deutschland selbst jüdische Frauen in grauenvoller Weise getötet und jüdische Mädchen vor den Augen ihrer Eltern vergewaltigt. Der Jude verbreitet diese Lüge in derselben Weise und zu dem­selben Zweck, wie er das auch während des Krieges getan hatte. Er will die Welt gegen Deutschland auf­wiegeln. Darüber hinaus fordert er zum Boykott deutscher Erzeugnisse auf Er will damit das Elend und die Arbeitslosigkeit in Deutschland noch ve»- ßrötzern, er will den deutschen Export ruinieren.

Der Boykoii.

Deutsche Volksgenossen, deutsche DolkSgenofsinnen! Die Schuldigen an diesem wahnwitzigen Verbrechen, «n dieser niederträchtigen Greuel- und Boykotthetze sind die Juden in Deutschland. Sie haben ihre Rassengenossen im Ausland zum Kampf gegen da« deutsche Volk auf- ?erufen. Sie haben die Lügen und Verleumdungen inauS gemeldet. Darum hat die Reichsleitung der deutschen Freiheitsbewegung beschlossen, in Abwehr der verbrecherischen Hetze ab Sonnabend, den 1. April 1933, vormittags 10 Uhr, über alle jüdischen Geschäfte, Warenhäuser, Kanzleien usw. den Boykott zu verhängen. Dieser Boykottierung Folge zu leisten, dazu rufen wir euch, deutsche Frauen und Männer, auf. Kauft nicht in jüdischen Geschäften und Warenhäusern, geht nicht zu jüdischen Rechtsanwälten, meidet jüdische Arzte. Zeigt den Juden, daß sie nicht ungestraft Deutschland in seiner Ehre herabwürdigen und beschmutzen können. Wer gegen diese Aufforderung handelt, beweist damit, daß er aus fetten der Feinde Deutschlands steht.

Es lebe der ehrwürdige Generalfeldmarschall auS dem großen Kriege, der Reichspräsident Paul v o n H i n - denburg, es lebe der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, es lebe das deutsche Volk und das heilige deutsche Vaterland.

Zentralkomitee zur. Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze. gez. Streiche r."

Die Anordnungen des Abwehr- komiiees.

Für die am Sonnabendvormittag, iu Uhr, beginnende Abwehraktion gegen die jüdische Greuel- und Boykott­hetze werden die örtlichen Aktionskomitees nochmals angewiesen, strengstens darauf zu achten,

1. daß jede Gewaltanwendung unter­bleibt. Geschäfte dürfen seitens des Komitees oder dessen Beauftragten nicht geschloffen werden. Anderer­seits darf eine vom Inhaber selbst vorgenommene Schließung nicht verhindert werden. Das Betreten jüdi­scher Geschäfte durch SA. oder SS. oder sonstige Beauf­tragte der Aktionskomitees ist strengstens untersagt. Die A b w e h r p o st e n haben lediglich die Aufgabe, das Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß der In­haber des Geschäftes ein Jude ist»

2. daß die Boykottierung jener Geschäfte unterbleibt, bei denen nicht einwandfrei feststeht, ob der Inhaber Jude ist,

>3 : daß nicht durch Provokateure Sachbeschädigungen veranlaßt werden, die dein Zwecke der Abwehrattwn zu- ntebetlaufen.

4. daß durch SA. und SS.-Kontrolleure die AttionS- komitees über den Verlauf der Abwehraktion bis inâ kleinste unterrichtet und ständig auf dem lauferrden ae- halten werden.

5. Plakate aufreizenden Inhalts sind verboten.

Zenlralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze, gez. Streicher.

Weitere Anordnungen.

Das Zentralkomitee für die Boykottbewegung hat folgende weitere Anordnungen zur DurchMrung deS Boykotts gegeben:

Anordnung Nr. 2: Die örtlichen Aktionskomitees haben dafür Sorge zu tragen, daß die Anordnungen des Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze von der gesamten Presse in entsprechender Aufmachung zum Abdruck gebracht werden.

Anordnung Nr. 3: In Durchführung deS Abwehr- doykotts ist unter allen Umständen die Schließung jüdischer Geschäfte oder Gewaltanwendung gegenüber ihren Kunden zu unterlassen. Schließt ein solches Geschäft seine Tore freiwillig, so liegt keine höhere Gewalt vor, und die Geschäftsinhaber haben keinerlei Vorwand, frist­lose Entlassungen auszusprechen, Lohn- und Gehalts­zahlungen zu verweigern oder Kürzungen vorzunehmen.

Anordnung Nr. .4: Bei dem Zentralkomitee zur Ab­wehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze laufen zahl­reiche Meldungen ein, die berichten, daß jüdische Geschäfts­inhaber ihre Betriebe deutschen Strohmännern übergeben, um sich den Auswirkungen der Boykott- Propaganda zu entziehen. Es wird daher angeordnet: Geschäfte, die von ihren jüdischen Inhabern deutsche» Strohmännern übergeben worden sind, werden für die Dauer des Abwehrboykotts als jüdische Geschäfte behandelt.

Gegen jüdische Richter und Anwälte.

Der Kommissar des Reiches für das preußische Justiz-» Ministerium, Kerrl, Har folgende Anweisung an sämtliche Oberlandesgerichisprästdemen, Generalstaatsanwälte und Präsidenten der StrafvollzugSäincer in Preußen erlassen:

Die Erregung deS Volkes über daS anmaßende Auf­treten amtierender jüdischer RechtSanwälte und jüdischer Arzte hat Ausmaße erreicht, die dazu zwingen, mit der Rkäglichkeit zu rechnen, daß besonder« in der Zeit deS berechtigten Abwehrkampfes des deutschen VolkeS gegen die alljüdische Greuelpropaganda daS Volk zur Selbsthilfe schreitet. Das würde eine Gefahr für die Autorität der Rechtspflege öarfteflen.

ES muß daher Pflicht aller zuständigen Behörde» fein, dafür zu sorgen, daß spätestens mit dem Beginn deS von der NSDAP, geleiteten BdwehrdoykottS die Ursache solcher Selbsthilfeaktianen beseitigt wird.

Ich ersuche Deshalb umgehend allen amtierende» jüdischen Richtern nahezulegen, sofort ihr Urlaub*- gesuch einzureichen und diesem sofort stattzugeben Ich ersuche ferner, die Kommissorien jüdischer 'Assessoren sofort zu widerrufen. In allen Fällen, in denen jüdische Richter sich weigern, ihr Urlaubsgesuch eicyzureichen, er­suche ich, diesen kraft Hansrechts das Betreten des Ge- richtsgebäiides tu untersagen Jüdische Laien­richter (Handelsrichter, Schöffen, Geschworene, ArbeitS- richter usw.», ersuche ich nicht mehr etnzuberufen Jüdische Staatsanwälte und jüdische Beamte im Strafvoll­zug ersuche ich umgebenb m beurlauben.

Besondere Erregung hat das anmaßende Auftreten jüdischer Anwälte hervorgerufen, ich ersuche des­halb, mit den Anwaltskammern ober örtlichen Anwalts- Vereinen ober sonstigen geeigneten Stellen noch heute zu vereinbaren, daß ab Sonnabend früh M Uhr nur noch be­stimmte jüdische Rechtsanwälte, und zwar tn -iner Ver­hältniszahl, die dem Verbältnis der jüdifäten Vestölkernnß zur sonstigen Bevölkerung etwa entspricht, auftreten Wo eine Vereinbarung dieses Inhalts infolge Obstruktion her jüdischen Anwälte nicht zu erzielen ist, ersuche «ch, das B»» treten des Gerichtsgebäudes diesen zu verbiete».

Nach vollständiger Durchführung der oben angege­benen Maßnahmen ist im verständnisvollen Zusammen­wirken mit der Bevölkerung für die Aufrechterhaltung einer geordneten und würdigen Rechtspflege unter Einsay aller geeigneten Mittel Sorge zu tragen. Wenn oon den Wau« und Kreisleitungen der NSDAP, der Wunsch geäußert wird, durch uniformierte Wachen die Sicherheit und Ord­nung innerhalb deS Gerichtsgebândes zu überwachen, ist diesem Wunsche Rechnung zu tragen, um Damit Die drin­gend erforderliche Beachtung der Aukorität der Gerichts­behörden sicherzustellen.

Göring zur Beamienfrage.

In Berlin fand eine Besprechung zwischen dem Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern, Reichsminister Göring, und einem Ver­treter des Zentrums statt, in der die Stellungnahme der Regierung der nationalen Erhebung zu der Beamtenfrage erörtert wurde. Reichsminister Göring gab die Erklärung ab, daß die Tatsache der Zu­gehörigkeit zum Zentrum allein für keinen Beamten Nachteile haben werde. Andererseits werde ein K o n - j u n k t u r ü b e r t r i t t zu den Regierungsparteien keinerlei Vorteile bringen.