Zul-aer Anzeiger
«ÄÄS Tageblatt für Rhön und Vogelsberg 'SÄ-ZÄZS Zulöa- und Haunetal. Zulöaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel,Fulda. Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ❖ Zernsprech-Rnsthluß Nr. 2484 Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. NachSruck öer mit* versehenen Artikel nur mit <huellenangade„ZulSaerflnzeig»r''g,statt»«.
#. 79 — 1933
Fulda, Montag, 3. April
Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaften, Banken usw. kostet die Kleinzeile 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für alle anderen 0.15 Mk. Äie Reklamezeile wird mit 0.90 Mk. für auswärtige u. mir 0.60 Mk. für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rechnungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
10. Jahrgang
Der Abwehrboykott.
Die Abwehraktion setzt ein.
Am Sonnabendmorgen setzte überall die Abwehr M programmäßig ein. Die SÄ.° und SS.-Leute hatten UW in ihren Verkehrslokalen eingesunden, nahmen M!die Plakate und Transparente in Empfang
M zogen damit zu den im voraus für sie bestimmten Mdplätzen. Sie waren mit großen roten oder gelben Wkaten ausgerüstet, die die Aufschrift trugen: Deutsche, wehrt Euch, kauft nicht bei H d e n !". An manchen Orten wurden an die Schau- wsterscheiben der Geschäfte große weiße Plakate geklebt Ai der Aufschrift: „Deutsche, verteidigt Euch (cgen die jüdische Greuelpropaganda, lau ft n u r b e i D e u 1 s ch e n !" Um 10 Uhr waren alle Kosten vor den als jüdische Geschäfte gekennzeichneten Unternehmungen bezogen. Aufklärungsflugblätter wurden von den Nationalsozialisten verteilt, in denen die Be- »ölkcrung aufgefordert wird, nur bei Deutschen zu kaufen. Gütige Geschäfte hatten gar nicht geöffnet, während andere den Betrieb ausrechterhielten, Verschiedentlich wurde aus der Menge heraus die Schließung der noch chengehaltenen jüdischen Geschäfte verlangt. Die SA.- stute hielten sich aber streng an ihre Weisung, die Wießung nicht zu erzwingen. Kauflustige, die die Ge- schlifte betreten wollten, wurden von den SA.-Posten höflich, aber bestimmt aus den Boykott hingewiesen. Von dem Boykott wurden auch neben den Ladengeschäften Gastwirtschaften und Kinotheater mit jüdischen In- Hubern betroffen. Bei den jüdischen Rechts -nw ölten und Ärzten wurden große Handzettel mit dem Hinweis auf die Zugehörigkeit zum Judentum über die Firmenschilder geklebt. Wagen mit Boykottplakaten md Hakenkreuz und schwarz-weiß-roten Fahnen fuhren durch die Straßen. Da anläßlich des Bismarck-Tages zahlreiche Gebäude Flaggenschmuck trugen, gewährten die -traßen auch infolge der großen Menschenmengen, die sich in ihnen bewegten, einen festlichen Einoruck. Die SA. Iosten vollzogen in vollkommener Ruhe, Ordnung «n d D i s z i p ki n ihr Amt der Aufklärung, das auch den Erfolg hatte, daß die Geschäfte leer blieben.
Während der Nacht scheinen hier und da Pro Volute» re am Werk gewesen zu sein, die an die Fenster jüdischer Geschäfte mit blauer oder roter Farbe und in großen Buchstaben das Wort „I u d e" und teilweise drastische Karikaturen angemalt hatten.
*
Die Pause im Boykott.
-ie Anordnung des Zentralkomitees zur Abwehr ver jüdischen Greuelhetze.
Das Zentralkomitee zur Abwehr der iiidischen Greuel- und Boykotthetze erließ folgende Anordnung: Allein Androhung des Boykotts gegenüber dem in Deutschland ■Mässigen Judentum hat ein erhebliches 'Abflauen der internationalen £e$e gegen das .eutschtum und die nationale Erhebung zur Folge gehabt. Em die restlose Einstellung dieser Lügenhetze zu er= Amgen, führt das gesamte deutsche Volk von Samstag, ^Ahr vormittags ab bis zum Geschäftsschlutz am Abend R absoluten Boykott aller jüdischen ® e = l^äfte, Rechtsanwälte, Ärzte usw. durch.
Um dem internationalen Judentum Gelegenheit zit ’m auch die letzten Reste der Auslandshetze einzu- »ellen, tritt dann eine Boykottpause bis Mittwoch R 10 Uhr ein. Ist bis zu diesem Zeitpunkt auch der Rest der Greuel- und Boykottpropaganda verschwun- R so wird der Abwehrboykott nicht weiter durchgeführt. -°llte das Weltjudentum es aber wagen, der hiermit noch Real bewiesenen Großmut des deutschen RHeâ zum Trotz die Lügen fortzusetzen, so schwören R als seine verantwortlichen Führer, den deutschen Ab- "shrboykott durchzuführen bis zur völligen nie ^edergutzu machenden Vernichtung des in RWatib Gastrecht genießenden Judentums. Kein Wottpoften betritt ein jüdisches Geschäft, keine Gewalt, '^.Sachbeschädigung, kein unerlaubtes Vorgehen gegen Oslander darf die Größe und Würde unseres heiligen Kampfes schänden. Banken dürfen nicht geschlossen wer- R Bolschewistische Provokateure, die zu Tätlichkeiten ^yen, um unsere gute Sache in den Augen der Welt in M Schmutz zu ziehen, sind festzunehmen und der Polizei w übergeben.
*
Die Disziplin der GA-Mânner.
Ein lehrreiches Experiin2itt.
- Der bulgarische Iournalist Dr. Krestcw, hat ^etlin von sich aus einen Versuch unternommen, um zu I RRen, paß es sich bei den Meldungen über die ^szivlinlosiqkeit und über Greueltaten yMen und Ausländern tatsächlich nur um Märchen
Krestow bat zunächst einen Sturmführer, ihm £l SA.- M ä nn er mitzugeben. Drese beiden SA.- Aner und ein bulgarischer Landsmann des ^our- ' lsten begaben sich i n e i n S A. - L o k a l, m dem aber, festgestcllt wurde, die beiden SA -Manner zÄ bekannt waren. Kurze Zeit darauf erschien Dr. I setzte sich aAMr -M eirrem jtito und hörte den Ge
sprächen der anwesenden SA. Männer zu. Ohne jede Veranlassung erhob sich plötzlich der Journalist und b e - schimpfte in der unflätigsten Weise die nationalsozialistische Bewegung und ihren Führer. Er hetzte gegen das D e u t s ch t n m überhaupt und erklärte, qr sei Jude und Pole. Selbstverständlich forderten daraufhin einige erregte SA.-Männer Dr. K r estow auf, sofort das Lokal zu verlassen. Dr. Krestew aber provozierte weiter mit dem Hinweis, er habe sein Bi ei-
bezahlt und es stände den SA.-Männern frei, das Lokal zu verlassen. Die SA.-Männer ließen sich aber auch jetzt nicht dazu Hinreißen, den Journalisten gewaltsam zu entfernen.' Dr. Krestew setzte seine aufreizenden Reden fort, ohne tätlich angegriffen zu werden.
Schließlich erhoben sich die ihm zur Begleitung mitgegebenen SA.-Männer und überzeugten ihre Kameraden durch ein vorher aufgesetztes Schreiben, daß man diese Provokation absichtlich herbeigeführt habe, um klar und einwandfrei zu beweisen, daß die SA.-Männer in jeder Lage die Nerven nicht verlören und Ruhe und Disziplin bewahrten.
Ruhiger und eindrucksvoller Verlauf des Boykott-Tages.
Weder im Reich noch in Berlin kam es zu nennenswerten Zwischenfällen
Ein Tag des nationalen Boykotts gegen die jüdischen Geschäfte als Antwort auf die maßlose Greuelpropaganda gegen Deutschland ist in bewundernswerter Disziplin sowohl in Berlin auch auch im Reiche durchgeführt worden. Es ist zu keinerlei ernsten Zwischenfällen gekommen, alles hat sich programmgemäß abgewickclt.
In Berlin sind einige jubq^e Gezchaftsleute, mehrere Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Gegner des Boykotts, die sich durch provozierendes Verhalten unliebsam bemerkbar gemacht haben, fcstgenommen worden. Etwa 50 Personen, darunter eine Anzahl Radaubrüder, die die von der SA. befestigten Boykottplakate abzureißen versuchten, wurden zwangsgestellt. Obwohl sich in den Hauptverkehrsstraßen Berlins öfter erregte Diskussionsgruppen unter dem Publikum bildeten, verhielt man sich äußerst diszipliniert. In den seltensten Füllen versuchten Kunden, jüdische Geschäfte zu betreten. Nationalsozialistische Sprechchöre aus Autos, die mit schwarz-weiß-rüten und Hakenkreuzfahnen geschmückt waren, fuhren durch die Hauptstraßen und forderten das Publikum auf, die Aktion'zu unterstützen.
Der Berliner Polizeipräsident teilte mit: „Der von der NSDAP, für Sonnabend über die jüdischen Geschäfte verhängte Boykott ist in völliger Ruhe und Ord nuttg durchgeführt worden. Der Tag ist ohne jeden nennenswerten Zwischenfall verlausen/'
Auch im Reich hatten viele indische Geschäfte bereit* vor Beginn der Aktion geschlossen, so z. B. in Hamburg, Mannheim, Köln, in vielen badischen Städten, Frankfurt a. M., Stettin und Chemnitz, wo das Publikum nach 10 Uhr beim Verlassen mehrerer jüdischer Geschäfte photographiert wurde. In Recklinghausen hatte die Schutzpolizei besondere Anordnung erhalten, da
Kommunisten mit gefälschten Befehlen
der NSDAP. versuchen wollten, zur P l ü n d e r u n g der boykottierten Läden aufzufordern. In Kassel wurde auf einem Platz vor einem Warenhaus ein Viereck mit Stacheldraht abgesperrt, das die Aufschrift trug: Konzentrationslager für widerspenstige S t a a ts b ü r g e r, die ihre Einkäufe bei Juden tätigen." In Innern der Drahtumzäunung wurde
ein lebender Esel untcrgcbracht.
In Frankfurt am Main betrat eine SA.-Abord- iluruz die Räume der Effektenbörse und forderte dre christlichen Makler und Bankiers (Ulf. ihre Börsengeschäfte nur
noch durch christliche Börsenvertreter ausführen zu lasten. Der Börsenvorstand und die Maklerkammer beschlossen, demgemäß zu verfahren.
*
Der Hammer des Boykotts-
Dr. Goebbels über Ursache und Ziele des Abwehrkampfes.
Am Sonnabend um 15 Uhr verließen alle Arbeiter und Angestellten jüdischer Geschäfte in Berlin ihre Arbeite statten. Vor den Betrieben sanden Protestkundgebungen gegen die jüdische Greuelhetze im Ausland statt. In zahllosen geschlossenen Zügen marschierten dann Arbeiter und Angestellte zum Lustgarten, wo eine Kundgebung der nationalsozialistischen Betriebszelleuorganisation stattfand. Mehr als hunderttausend Personen füllten den Lustgarten. Neben den zahlreichen Hakenkreuzsahnen sah man Hunderte von Transparenten mit der Angabe der ein leinen Betriebszellen. Reichsminister Goebbels, der in Begleitung des Prinzen August Wilhelm und einiger SS.-Leute erschien, wurde von der Menge außerordent lich gefeiert.
In einer längeren Ansprache ging Dr. Goebbels aus Oie Ereignisse seit dem 30. Januar ein. Er betonte den Willen des deutschen Volkes, sich dem Werk des Ausbaus und der
Reform der deutschen Nation an Haupt und Gliedern widmen zu wollen. Nichts liege uns ferner, als ein Kriegsgedanke. Aber das, was wir seit langem er warteten, ist jetzt eingetreten. Die feigen Saboteure der deutschen Freiheit, die 14 Jahre lang ihr vernichtendes Werk am deutschen Volk ungestraft betreiben konnten, die Kriegsdienstverweigerer, die Defaitisten, die Schänder unserer Ehre und die Räuber unserer Arbeiterfreiheit, alle die wurzellosen jüdischen N o m a d e u , die die nationale Ehr Deutschlands mit Füßen traten und das Andenken an unsere Gefallenen schändeten, versuchen in der ganzen Welt den guten deutschen Namen der öffentlichen Verachtung preiszugeben. Wir haben ihnen und ihren Rassegenossen, die noch.in Deutschland ein unverändertes Recht genießen, eine Nachsicht und Wcithcrzigkcit zuteil werden losten, auf die sie gar keinen Anspruch haben.
Aber das Volk stand auf und erklärte, bk Regierung Hitler ist unsere Negierung. Wer diese Regirrnug en? greift, greift daS deutsche Volk an und wenn die jüdische Rasse draußen in der Welt die Hetzkampagne gegen Deutschland betreibt in der Meinung, sie wäre vor unserem Zugriff gesichert, dann wollen wir ihr die Überzeugung einhâmmern, daß wir uns an die halten, die wir fassen können. Der Boykott ist mit stählerner Wucht, aber auch mit imponierender Manneszucht durchgeführt worden.
Das deutsche Volk hat sich von der jüdischen Rasse ab- gesetzt. Am Sonntag, Montag und Dienstag geben wir dem Weltjudentuni Zeit und Gelegenheit,
zur Einsicht zu kommen.
Unsere Aktionskomitees bleiben bestehen, iie arbeiten weiter an der Organisierung des Boykotts, und zwar so, als wenn er am Mittwoch, um 10.00 Uhr wieder einsetzte. Nimmt das Judentum keine Vernunft an, dann werden wir am Mittwoch
mit dem Hammer des Boykotts zuschlagen, daß die wirtschaftliche Existenz des Judentums in Deutschland binnen einer Woche vernichtet ist. H i t l e r hat uns den Weg zur.Macht gewiesen, Hitler wird uns den Weg weisen zu neuer Kraft und Stärke des Reiches und zu neuer Einheit des deutschen Volkes
Der Zwischenfall in Kiel.
Ein SS.-Mann und ein RechtSanwalt niedergeschossen.
In Kiel ereignete sich ein Zwischenfall, über den die Regierung in Schleswig folgenden amtlichen Bericht herausgibt:
Der jüdische Rechtsanwalt und Notar S ch u m m schoß am Sonnabend einen S S. • M a n n Wilhelm Asthalter durch Bauchschuß nieder, und zwar nach den bisherigen Meldungen ohne einen triftigen Grund. Eine erregte Menschenmenge versam- melte sich vor dem Polizeigefängnis, bevor der von dem Oberpräsidenten ungeordnete Abtransport des Rechtsanwalts Schumm ermöglicht werden konnte. Die erregte Volksmenge drang in das Polizeigefângnis ein, wo Schumm durch Nevolverschüsse getötet würbe. Das Ganze entwickelte sich so schnell, daß polizeilich der Vorgang nicht verhindert werden konnte. Die Menge drang auch noch in das Geschäft des Vaters der Rechtsanwalts Schumm ein und zerstörte das Inventar.
Wie von der Regierung in Schleswig weiter mitgeteilt wird, ist der SS.-Mann Äfthcimer engegen den ersten Meldungen nicht feinen Verletzungen erlegen.
Über den Zwischenfall erfahren wir von nationalsozialistischer Seite noch: Zwei vor dem jüdischen Möbel-
Kleine Bettung für eilige Lese»
* Dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler wurde oas EhrenhÜrgerrecht der Reichshauptstadt verliehen.
* Der Boykolt der jüdischen Geschäfte, Rechtsanwälte una Ärzte wurde am Sonnabend im Reich voltttändia durchaeiübrt.
* In Wilhelmshaven fanden unter aroßer Begeisterung Die Indienststellung des Panzerschiffes „Deutschland" und der Stapellauf des neuen Panzerschiffes „Admiral Scheer" statt Die Rede bei der Schiffstaufe hielt der Reichswehrmintsier um Blomberg
I