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Moaer Anzeiger

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Nr. 81 1933

Fulda, Mittwoch, 5. April

10. Jahrgang

Vie Lustschiffkatastrophe in Amerika

Jie Mm' im SM verslnikra.

Ueber 70 Todesopfer der Katastrophe.

Das schwere Luftschiffunglück in Amerika, das wir ^jtnt schon meldeten, hat, wie den neuesten Meldungen entnehmen ist, mehr als 70 Todesopfer gefordert. Ein Mr Funkspruch, den der amerikanische KreuzerPort- Innb von der Unfallstelle sandte, teilte mit, daß kein Wrack «hr gesichtet werden könne. Man muß also mit dem Untergang des LuftschiffesAkron" und fast seiner gesam- ten Besatzung rechnen. Einer Meldung zufolge sind 76 Menschen bei dem Unglück ums Leben gekommen.

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Mutmaßung über d ie Ursache der Lust« " s ch i f f k a l a st r o. p h e.

Der von dem deutschen TankschiffPhöbus" gerettete Erste Offizier des LuftschiffesA l r o n", Kapitânleutnanl Wley, hat dem amerikanischen Marineministcrium mit- geteilt, daß tueAkron" im Augenblick des Absturzes Feuer gefangen habe. Die unmittelbare Ursache des Feuers sei ungewiß.

Zn N e w y o r k ist man der Meinung, daß das Luft­schiff möglicherweise von einem Blitz getroffen worden ist Da aber das Luftschiff mit $ e l i u m g a s gefüllt »ar, scheint eine Gasexplosion ausgeschlossen, weil peliumgas bekanntlich nicht entzündlich ist. Hiergegen spricht ja auch die Tatsache, daß dieAkron" noch einige Zeil auf dem Wasser trieb. Mehrere Flugzeuge über- flogen Die Unfallstelle in einem Umkreis von 20 Meilen, ohne auch nur die geringste Spur des Luftschiffes oder der Besatzung zu finden

Schnellste Untersuchung des Unglücks.

MarineMnister Swanson gab bekannt, daß big Unter» chchung desAkkou"°isuglüM- von feilen der Regierung schnellstens unternommen würde Er erklärte ferner, daß Das im Bau befindliche LuftschiffMacon" nur nach er­folgreichen Probefahrlep vom Marineministerium ab­genommen werden würde Präsident R p o f e v e 11 hat seinen Vetter, den Unlerstäqlssefrelär im Marineministc- rtiim, Henry L. Roosevelt, nach Lakehurst (New Jersey) entsannt, um die Untersuchung der Ursachen der Kata- strophe des LuftschiffesAkron" zu führen

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Die Meinung Dr. Eckeners.

?r Eckener erklärte einem Berliner Abendblatt infolge, daß er sich über die Katastrophe des Luftschiffes -Äon" noch kein genaues Bild machen könne. Er nehme aüer an, daß Kapiränleutnant W i l e v , der einer der er­fahrensten Lüftschiffkapifäne sei, einen genauen Bericht huben werde Die Tatsache, daß dieAkron" in einen Sturm geraten fei, sönne an und für sich noch nicht für ÖQ5 Unglück verantwortlich gemacht werden, da es ja oft nenug vorlomme, daß Luftschiffe vor dem Sturm zu Genien ac^wuunen werden. Auch die Mitteilung, daß

S«â verunglückte amerikanische RiescnlilftschisfAkron".

das Lilfischjfs in einenelektrischen Sturm" gc» sei, lasse vorläufig keinerlei Rückschlüsse zu. Es Uwe Die Frage eines Feuers an Bord. Eine solche ^0<;feit bestünde. Es könnte durch Entzündung des 5""nstofss vielleicht eine Reihe von T r a g z e l l e » ver- ua e, worden sein, so daß das Luftschiff dadurch zuviel -luttneb verloren hätte.

-äZie stark Dr. Eckener selbst durch die Katastrophe cino n h r 11 rf t worden ist, geht daraus hervor, daß er nen Vortrag in Berlin mit der Begründung absagte, ö®0^ dem mitergegangenen Luftschiff viele Freunde, ^meraben und Mitarbeiter von ihm ihr Leben verloren v^N-UNd daß im übrigen durch die Vernichtung des chistes er selbst in seiner ganzen Arbeit und in seinen "tragenden Plänen völlig aus dem Gleis geworfen sei.

Hindenburgs und Hiilers Beileid an Roosevelt.

Reichsprüsidcni von Hindenburg hat an den Präsi­denten der Vereinigten Staaten von Amerika nachstchen- des Telegramm gerichtet:

Ties erschüttert durch die Nachricht von dem schweren Unglück, das das LuftschiffAkron" betroffen und so viele Opfer an blühenden Menschenleben gefordert hat, spreche ich Ew. Eizellen;, dem amerikanischen Volke und den Hinterbliebenen der tapferen Besatzung auch im Namen des deutschen Volkes wärmste Anteilnahme aus."

Adolf Hitler hat folgendes Telegramm an den Prä­sidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gerichtet:

Zu dem schweren Unglück, das die amerikanische Marine durch den Absturz des MarineluftschifscsAkron' getroffen hat. bitte ich Sic, meine und der deutschen Reichsregierung innigste Anteilnahme enlgegenzunehmen. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß Menschenleben nicht zu beklagen sind "

Der Reichstommisfar für die Luftfahrt, Göring, hat an die USA Marineleitung in Washington folgendes Beileidstelegramm gerichtet:

Die Kunde von dem tragischen Schicksal derAkron" und ihrer tapferen Besatzung hat im deutschen Volke auf­richtiges Mitgefühl hervorgerufen. Im Hinblick aus die eigenen Opfer gedenke ich der vorbildlichen wagemutigen Arbeit der amerikanischen Luftfahrt und bitte, meiner be sonders herzlichen Anteilnahme versichert zu sein "

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Der Kampf gegen Korruption.

M SaAberkeit und Ehrlichkeit.

Vor wenigen Lagen erst ist die Öffentlichkeit durch die fast unglaublich scheinende Nachricht überrascht worden, daß der jetzt entlassene Reichskommissar für Arbeits­beschaffung Dr. Gercke wegen Veruntreuung von ihm anvertrauten Geldern in Höhe von einer Million Mark verhaftet worden ist. Und nun eine neue große Über­raschung: der Vizepräsident des Reichstages, eine der Säulen der Zentrumspartei, der Abgeordnete Esser, ist vorübergehend in Haft genommen worden unter dem Ver­dacht, als Mitglied der Handwerkskammer von Köln an der Veruntreuung großer Summen dieses Instituts mit­schuldig zu sein. Gleichzeitig erfährt man, daß gegen den Kölner Oberbürgermeister Dr. A d e n a u e r, ebenfalls eine Säule der Zentrumspartei, ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist. Von ihm ist in den letzten Tagen bekannt geworden, daß er sich im Laufe der Jahre Hundert­tausende von Mark für Wohnungsgelder und ähnliche Ausgaben hat bezahlen lassen. Das also sind die Reprä­sentanten des Deutschlands, das man das Deutsch­land von Weimar nannte. Nun, nachdem die schützende Hand der einstigen Regierungsparteien kraftlos herabgesunken ist, zeigen sich diese Größen plötzlich der Öffentlichkeit in ihrer wahren Gestalt. Es sind wahrhaft keine Heldengestalten! Da stehen sie nun, ihrer Würde ent­kleidet, in sich zusammengesunken wie eine Gummifigur, der plötzlich die Luft ausgegangen ist.

Ein Skandal nach dem andern ist in letzter Zeit an die Öffentlichkeit gekommen. Die Männer des natio­nalen Deutschland kennen keine Rücksichten und haben keine

Rücksichten zu nehmen, unbarmherzig und mit erstaunlicher Schnelligkeit greifen sie zu, um die deutschen Lande von dem Giftgewäcks der Korruption gründlich zu befreien. Es war die allerhöchste Zeit, das sehen wir heute an dem ungeheuren Ausmaß, das die Korruption genommen hat. Wir sehen, daß die Fäulnis bis in die höchsten Spitzen des deutschen Baues schon vorgedrungen war. Es war zwar kein Geheimnis mehr, daß die Korruption in Deutschland über­all eingedrungen war, aber niemand hätte geahnt, was wir jetzt durch die Verhaftungen vor Augen sehen.

Der Ka m p f g eg c n die K o r r u p t ko n ist eine der Hauptaufgaben des nationalen Deutschland, und nach bem bisherigen Vorgehen zu schließen, darf man überzeugt sein, daß dieser Kampf mit der nötigen Nücksichtslosigkeit aefuhrt wird, denn nur durch rücksichtsloses AusbLennen aller Giftstellen kann diese Krankheit geheilt werden.

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Krediischiebungen bei der

Handwerkskammer KöSn.

Verhaftung des Z e n t r u in s a b g e o r d n e 1 c n E s s e r.

Der Ze,ltrumsabgeordnete und Vizepräsideitt des Reichstages, Thomas Esser, sowie der Präsident der Handwerkskammer Köln, Welter, und der Syndikus dieser Kammer, Dr. Engels, sind in Köln verhaftet morden. Der Regierungspräsident gibt im Zusammen­hang mit der Verhaftung des Reichstagsabgeordneten Dr. Esser eine Mitteilung heraus, in der cs heißt, daß bei Direktor Esser die Voraussetzungen für eine weitere I» Haftnahme nach Festnahme der anderen beiden Beschul­digten und nach Sicherstellung des belassenen Materials nicht ntehr gegeben gewesen sei. Esser sei deshalb nach Wschluß der vorläufigen Vernehmungen auf freien Suh aesellt worden.

Der Riesentustkreuzer der anterikanischen Kriegs­marine war am 8. August 1931 von der Gattin des da­maligen. Präsidenten H o o b e,r auf den NamenAkron" getauft worden, weil es in Akron (Ohio) von der Good Near-Zeppelin-Company gebaut worden war. Der Kon? strukteur des Luftschiffes war Dr. K a r l' A r n st ein, der langjährige Mitarbeiter des Grafen Zeppelin. Der eigent­liche Stabeftauf des Marincluftschifses, der mit dem ersten Versuchsfluge verbunden war, fand erst mehrere Wochen nach der Schiffstaufe statt.

Die Größenausmaße derAkron" übertreffen bei weitem die desGraf Zeppelin". Die Akron" hat einen Kasinhalt von 184 000 Kubikmeter gegen 105 000 desGraf Zeppelin". Die Kraftquelle des Schiffes besteht ans acht in seinem Innern untergebrachten deutschen Madbachmotoren von je 560 PS. Das Luftschiff diente gleichzeitig auch als

Flttgzcttgrnuttcrschisf.

Es führte in seinem Innern 5 Flugzeuge mit sich, die von einem besonderen Trapezgestell aus gestartet werden können. In mib auf dem Luftschiff sind sieben Maschinen­gewehrstände angebracht, von denen einige mit mehreren Maschinengewehren ausgerüstet sind. Bei einer Durch­schnittsgeschwindigkeit von l00 Stundenkilometer hat das Luftschiff einen Aktionsradius von fast 18 000 Kilometer. Im Mai 1932 war das Riesenluftschiff schon einmal in Seenot. Es wurde damals auf der Fahrt zu Manövern von einem schweren Sturm überrascht, konnte aber schließ lief) die Gefahr überwinden.

Der deutsche TankdantpferPhöbus", der Besatzungsmitglieder derAkron" gerettet hat, fährt unter Danziger Flagge. Er gehörte bis vor wenigen Wochen einer Hamburger Tantfchifsreederei, ist dann aber in den Besitz der Baktisch-Amerikanischen Pefto- leumimporbG. m. b. H. in Danzig übergegangen.

Das Ermittlungsverfahren werde jedoch auch gegen ihn fortgeführt. Alle drei Beschuldigten best ritten zwar bis jetzt, strafbare Handlungen begangen W haben, sie hätten jedoch schon zugeben müssen, in vielen Fällen n n - korrekt. gehandelt zu haben. Die Sichtung des Ma­terials der Kölner Handwerkskammer habe, so berichtet der Westdeutsche Beobachter, den Beweis für große Veruntreuungen erbracht. Zahlreiche Akten seien beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Kreditschiebungcn des Dr. Engels sollen den Betrag von einer Million Mark erreichen.- Thomas Esser soll als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wirt­schaftsstelle der Handwerkskammer einer mit ihm befreun­deten Familie aus den Mitteln der Wirtschastsstellc einen Betrag von 34 000 Mark gegeben haben, für den nur bis jetzt nicht einaelölte Wechsel als Deckung vor­handen seien.

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SienMasversahren gegen

Ober bürgerm elfter a. 9 Adenauer.

Der Kommissar des Reiches für vas preußische Minl- stcrium des Innern, Reichsmmrstcr Göring, hat den Regierungspräsidenten in Köln beauftragt, gegen den be­reits seit einigen Wochen amtsenthobenen Oberbür­germeister der Stadt Köln, Dr. Adcnaner, das förmliche Dienststrafverfahren einzulciten.

Wie vom Staatskommissar für die S ta d t B o ch u m

mitgeteilt wird, geht aus den Akten der Stadtverwaltung hervor, daß der Oberbürgermeister Dr. Ruer nicht nur unkorrekter Amtsführung geziehen werden könne, sondern daß in zahlreichen Fällen eine Vergeudung städtischer Mittel vorliege, sogar die Verwendung städtischer Mittel für Privatzwecke könne dem Oberbürger­meister nachgewiesen werden. Gegen Dr. Ruer wird der Staatskommissar den Antrag auf Einleitung des Diszipli­narverfahrens mit dem Ziele der Dienstentlassung fteOcn.

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Vor schärfsten Maßnahmen gegen Korruption.

Int Preu ß i s ch e n I u st i z m i n i st e r i u m sind Erwägungen darüber im Gange, wie von feiten der Justiz gegen die Korruption vorgegangen werden kann. In besonderem Maße wird sich das preußische Justiz­ministerium mit den Männern zu befassen haben, die die Justiz zur Dirne einer widerlichen Go­sch ä f t s p o l i t i k machten, das Ansehen der Rechts-

Meine Heftung für eilige £cft

* Das amerikanische MarineluftschiffAkron" ist bei einem Gewittersturm ins 'JJlcer gestürzt und untergegangen. 76 Mann der Besatzung dürften den Tod gefunden haben.

* Als Gemeinschaft zur Schaffung einer einheitlichen Standcsverrretung des gesamten deutschen Bauerntums wurde dieReichsführergclneinschaft" unter Borstb DarrèS gebildet.

* Der Zemrumsabgeordncte und Bizcprästdcnt des Reichs­tages Ester wurde vorübergehend in Haft genommen wegen des Verdachts unrechtmäßiger Verwendung von Geldern der Kölner Handwerlslarnmer.