Zul-aer /tnzeiger
M~Ä^^ Tageblatt für Rhön und Vogelsberg &TÄÄ §ul-a- und Haunetal.ZulSaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernfprech-Rnsthluß Nr. 5989 Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachârucköer mit »versehenen Artikel nur mit «tziellenangabe. ZulöaerFnzeiger'ge stattet.
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flr. 83 — 1933
Fulda, Freitag, 7. April
10. Jahrgang
Das Ende eines Großschiebers.
Ari der Entführung tödlich abgeflürzt.
rar Ende der Berliner Theaierun 1 er» nehmer Rotter.
Bor einigen Monaten erregte die Flucht der beiden Kerliner Theaterunternehmer Gebrüder Rotter, die richtig Schate heißen, großes Aufsehen. Unter Hinter- Ikssung einer Millionenschuld und vom Staatsanwalt wegen Kontursverbrechen verfolgt, flüchteten die beiden Brüder aus Berlin nach dem Paradies aller Schieber und Spitzbuben, nach dem Zwergstaat Liechtenstein am Oberrhein. Nun hat eine Anzahl
Gebrüder Molle».
Mger teufe «kI Konstanz den Versuch gemacht. vëe Schieber mit Gewalt aus deutschen Boden zu bringen, da- mu sie dort verhaftet werden könnte». Bet diesem Ber - stich ist der eine der beiden Brüder mit seiner Frau um» Leben gekommen, der andere wurde schwer verletzt.
Rotters, die im Waldhotel in Vaduz wohnten, wurden von dem Besitzer des in der Nähe von Vaduz liegenden Kurhauses Gaflei, Herrn Schädler, aüs- Aefordert, das Kurhaus zu besichtigen. Die Brüder Rotter, Frau Alfred Rotter und das Fräulein Wolf, das aus Belgien stammen soll, nahmen die Einladung an und fuhren mit Schädlers Auto nach Gaflei, das etwa 1400 Meter hoch liegt. Bald mußten sie erkennen, daß sie
in eine Falle gegangen
waren. In Gaflei traten nämlich plötzlich aus dem Walde mehrere Männer hervor, die den Versuch machten, die Gesellschaft in ein deutsches Ast», das oben wartete, dineinzureißen und über die Grenze zu entführen. Alfred ^ottér, seine Frau und das Fräulein Wolf rannten nun m schnellster Flucht talabwärts und
stürzten dabei in dem felsigen Gelände
^ Fritz Rotter wurde von Schädler wieder in das Auto MU und der Autobesitzer fuhr mit ihm in rasender hahrt davon. Als Fritz Rotter merkte, daß man ihn ent- lühren wollte, sprang er in voller Fahrt aus dem Auto und flüchtete. Bei dem Sprung aus dem Auto erlitt er Verletzungen am Kopfe und einen Achselbruch. Die von sum bald darauf telephonisch benachrichtigte Polizei ent- iandte sofort eine Rettungsmannschaft nach dem Gebiete von Gaflei. Gegen 10 Uhr abends wurden
Alfred Rotter und seine Frau tot âufgefunden, während das Fräulein Wolf schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt war. An den felsigen Wangen fand man Kleidungsstücke und Wertgegenstände, ue bent Ehepaar Rotter beim Absturz aus den Taschen gefallen waren.
. Inzwischen hatte der deutsche Wagen, der eine vadi sche P o li ze i n u m m e r trug, in schnellster vahrt das Liechtensteinsche Gebiet verlassen und die ''aweizerisch-österrcichische Zollstation durchfahren. In österreichischen Orte Götzis (Vorarlberg) konnte er angehalten werde». Die fünf Insassen und N Chauffeur wurden von der österreichischen N . verhaftet und in das Gefängnis von F c l d - rch eingeliefert. Unter den sechs Personen befindet der 23 jährige Liechtensteiner Peter R e t n - f c 13er» Sohn des Besitzers des Schlosses Gutenberg 1 Liechtenstein. Reinberger studierte am Technikum in stanz. Die anderen
fünf Personen sind Reichsdeutsche, Eich aus Baden. Man fand bei ihnen einige Be- "Egspistolen. Das Fürstentum Liechtenstein hat ^ Auslieferungsbegchren an die österreichische »t-^^? gestellt. Im übrigen gilt in Liechtenstein das ! rr^chische Strafgesetzbuch.
h ? Das Fürstentum Liechtenstein,
‘n der letzten Zeit nicht ganz mit Unrecht ein Den rA^dies" genannt hat, weil es zahlreichen Gebern und anderen Flüchtlingen zum Asyl Lbhort mit Monako, San Marino und Andorra, nUr .L"feinsten Staaten Europas: es hat eine Fläche von »^"drâtkilometern und dürfte etwa 15 000 Ein- von Begrenzt wird es im Osten und Norden der i'™^^5' in Süden von dem K<Hton Mgubürr- m ^èr hon dem Kanton St. éÄ. Bewarbt
wird es vom Rhein, der den Grenzfluß g-'gen die Schweiz bildet Die Berge sind mit Wäldern dicht be deckt. - Liechtenstein ist seit 1866 selbständig, steht aber in mehrfacher Beziehung unter österreichischem und teilweise auch unter schweizerischem Einfluß.
Der Hauptort Vaduz ist eher ein Marktflecken als eine Stadt. Er liegt nahe dem rechten Ufer des Rheins. Oberhalb Vaduz liegt auf vorspringender Felslerrasse das Schloß Vaduz, auch Hohenliechtenstein genannt. G a f l e i ist ein sehr schön gelegener Höhenkurort, von wo aus der Fürstenweg zu den mehr als 2000 Meter hohen Berggipfeln Kuhgratspitze und Drei Schwestern führt.
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Aufsehenerregende Verhaftung in Karlsruhe.
, In Karlsruhe (Baden) wurde in dem Hause, das Reichskommissar Wagner bewohnt, ein junger sozialistischer Student Otto Bohnsack von der Hilfspolizei verhaftet. B., der der Politischen Polizei schon länger bekannt ist, hatte sich am 1. April in dem über der Wohnung des Reichskommissars liegenden Stockwerk ein- gemietei. Er war Vorsitzender des sozialistischen Stüden- tenbundes an der Karlsruher Technischen Hochschule und korrespondierte mit Kreisen aus Sowjetrußland. Es besteht der Verdacht, daß Bohnsack mit i e r r o r i st i - schen KPD.-Gruppen in Verbindung steht.
Kultur, nicht Kitsch!
Der Reichskanzler über die Zurück- drünaung stemdrassiaer Elemente.
Reichs kanzlerHitler berief, wie der Verband der Ärzteschaft Deutschlands mitteilt, den Kommissar der ärztlichen Spitzenverbände, Dr. Wagner, zur Berichterstattung über die Gleichschaltung der Ärzteschaft. Adolf Hitler gab dem Bericht zufolge eine sehr ausführliche Darlegung seines Standpunktes und seiner Absichten zur Reinigung des Volkes und namentlich der intellektuellen Schichten von
fremdstämmigem Einfluß und rassesremder Durchsetzung.
er betonte, daß man durch baldige Ausmerzung der Überzahl jüdischer Intellektueller aus dem Kultur- und Geistesleben Deutschlands dem natürlichen Anspruch Deutschlands auf arteigene geistige Führung gerecht werden müsse.
Die größten Leistungen des geistigen Lebens seien niemals von rassefremden, sondern von den Trägern arischer und deutscher Geisteskräfte vollbracht worden. Bei der Begrenztheit des Lebensraumes der deutschen Geistesarbeit und ihrer Träger hätten die eigenen Volksgenossen ein natürliches, moralisches Anrecht aus Vorrang und Bevorzugung. Die Zulassung eines im Verhältnis zum Volksgauzen zu großen Anteils Fremdstämmiger würde als Anerkennung der geistigen Überlegenheit anderer Raffen gedeutet werden können, die mit aller Entschiedenheit abzulehnen sei.
Am e r i k a, das vor anderen Ländern zum Trager einer starken Gegenbewegung geworden sei, habe am allerwenigsten zu einer solchen Abwehr Veranlassung. Das amerikanische Volk habe zuerst aus der Verschiedenwertih- keit und Unterschiedlichkeit der Raffen praktische und Polt- tische Folgerungen gezogen und durch seine Einwande- rungsgesetze den unerwünschten Zugang solcher Raffenangehörigen ferngehalten, deren Beherbergung dem amerikanischen Volke unerträglich erscheine. Amerika sei auch keineswegs bereit gewesen, jetzt die Tore für etwa aus Deutschland „flüchtende" Juden zu öffnen, denen in Wirklichkeit in Deutschland kein Haar gekrümmt worden kei.
Sonnabend keine Sitzung des preußischen Landtags.
Der preußische Landtagspräsident K e r r l hat die für Sonnabend in Aussicht genommene Sitzung des Preußischen Landtages absagen lassen. Wie verlautet, ist mit einem Zusammentritt des Preutzenvarlaments vor dem 2. Mai nunmehr kaum zu rechnen.
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über die Gründe, die zur Anberaumung und späteren Äbsagung der Sitzung des Preußischen Landtages geführt haben, verlauten an zuständiger Stelle keinerlei Einzelheiten; in politischen Kreisen war man jedoch überzeugt, daß die Sitzung ursprünglich der nunmehrigen Wahl des preußischen Ministerpräsidenten gelten sollte. Inzwischen aufgenommene Verhandlungen haben jedoch offenbar ergebn, daß die mit der Wahl eines preußischen Ministerpräsidenten verbundenen staatsrechtlichen Fragen und Fragen dèr Verfassungsreform noch nicht so weit geklärt sind, daß die Wahl schon hätte erfolgen können. So wird u. a, erwogen, ähnlich wie im Bismarck-Reich den Reichskanzler selüsr Mlsich mü d«x Amt des VrsuèiMsn MttitzevvrWMtsn ru SstTLllSn-
Die Ausmerzung der Korruption.
Der neue Sonderreferent ernannt.
Der Reichskommissar für das preußische Justizministerium, K e r r l, hat zum Sonderreferenten zur Bekämpfung der Korruption den Berliner Landgerichts^ direktor Dr. C r o h n e bestellt. Der neue Sonderkommissar wird ein reiches Betätigungsfeld vorfinden. Als Korruptionsfälle sind alle Volk oder Staat schädigenden Handlungen anzusehen, die wegen der asozialen Gesinnung des Täters, wegen der r ü ck s i ch t s l o s e n A u s- beuluna seiner amtlichen oder wirtschaftlichen Überlegenheit die tiefgehende Empörung des Volkes erregt haben oder erregen müssen. Neben anderen werden zunächst insbesondere die Fälle Klepper, Gereke und Gontard zum Gegenstand eingehender Nachprüfung gemacht werden.
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Sturm auf ein Rathaus in Hessen.
In Bieber (Kr. Offenvach-Hessen) kam es zu schweren Ausschreitungen. Eine erlegte Volksmenge stürmte in den Abendstunden das Rathaus und zertrümmerte die Fensterscheiben sowie die Einrichtung der Amtsräume des Bürgermeisters Marsch, der der SPD. angehört. Die SA. vermochte die tobende Masse nicht zurückzuhalten, so daß zwei Überfallkommandos aus Offenbach angefordert werden mußten. Der Bürgermeister wurde in Schutzhaft genommen, seine Wohnung polizeilich gesichert, da die Menge in ihrer Erregung auch die Privatwohnung des marxistischen Bürgermeisters stürmen wollte.
Der Reichskanzler erkannte die Not an, die im ärztlichen Stande und unter der jetzigen ärztlichen Juaènd vielfach herrsche. Gerade dieser deutschen Jugend müssen Lebensraum und Arbeitsmöglichkeiten durch eine. tatkräftige
Zurückdrängung fremdrassiger Elemente geschaffen werden. Die Förderung der geistigen Berufe hänge vorderen Mitarbeit an dem Aufbau eines nutori- tâten gereinigten, starken deutschen Staatswesens. Die rassenhygienische Reinigungs arbeit, die jetzt geleistet werde, wirke sich vielleicht erst in Jahrhunderten aus. Es handele sich heute darum, ein festes Fundament für die künftige politische Entwicklung aufzurichten.
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Gegen die vettiischnng unserer GeMchle
Eine Ermahnung des ReichSministeriums für Volksnnfklärung.
Das Reichsmt nisteri um für Volksaufklärung und Propaganda teilt mit: Die nationale Erneuerung unseres Volkes ist ein so großer geschichtlicher Vorgang, daß er der ganzen Nation heilig sein sollte. Nur wenigen Berufenen ist, wie immer, die Umformung dieser Bewegung in künstlerische Werte vorbehalten. Eine geschmacklose Verarbeitung ihrer Symbole und gar ihre geschäftliche Ausnützung fügt dem deutschen Ansehen Schaden zu. Im Interesse einer gesunden völkischen Wiedergeburt darf unter keinen Umständen die nationale Revolution mit patriotischem Kitsch überwuchert werden.
Das Reichsministcrium für Volksausklärung und Propaganda erwartet von dieser Erklärung, daß jeder Berufsstand mit dem größten Ernst an dem kulturellen Aufbau unserer Nation mitarbeitet, das Volk insgesamt dagegen üble Geschäfts- und Konjunkturerscheinungen ablehnt und bekämpft. Die Regierung sieht es als ihre Pflicht an, gegen jedes kulturschädigende Wirken, wozu auch die Verkitschung unserer Geschichte und unserer netto nalen Symbole gehört, mit den entsprechenden Mitteln vorzugeüen.
betn seinerseits zur Führung der preußischen Regierungsgeschäfte ein Stellvertreter zur Seite gestellt würde. Bei einer solchen Lösung würde sich an dem gegenwärtigen personellen Bestand der Regierung der nationalen Erhebung, so wie sie vom Reichspräsidenten von Hindenburg eingesetzt wordxn ist, auch nichts ändern.^ Daneben taucht aber auch wieder der Gedanke der Schaffung des Postens eines preußischen Staatspräsidenten in Personalunion mit dem Reichspräsidenten auf. Da alle diese Fragen noch nicht entschieden werden konnten, blieb es dann schließlich bei dem ursprünglich vorgesehenen Wiederzujammentritt des Preußischen Landtages im Mai.
Kleine Zeituna für eilige Leser
* Die vorzeiiiae Einberufung des Preußischen Landtages für Sonnabend ist wieder abgesagt worden.
* ReichStvgSvizepräsldent Ester wurde wieder in Haft gc- nonlincir.
* In der Nähe von Vaduz in Liechtenstein find der frühere Berliner THcateruMernehmer Alfred Rotter und seine Frau, die über die Grenze entführt tmrde« sollt«, auf der Flucht vor den E»ttührer» tödlich Lüsestür:^ MÄQs Brudgk, Z^rtz Rotter, erlitt DertstzMiW-