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Zul-aer /lnzeiger

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Nr. 89 - 1933

Fulda, Samstag, 15. April

10. Jahrgang

Der Sumpf.

Millionenunterschlagung bei der Badischen Veamienbank.

VerhaftungensührenderPersönlichkeilen Fortbestand der Bank nicht gefährdet.

Die Pressestelle beim badischen Staatsministeriuul teilt mit: Wie der Öffentlichkeit bereits bekanntgegeben rourbe, hat im Auftrage des Reichskommissars eine Re- oisioii bei der Badischen B e a m t e n b a n k statt- gesunden. Schon nach dem bisherigen Stand der Er Muttgen steht fest, daß in den vergangenen Jahren Unte rschlagungen in Höhe von annähernd einer Million zum Schaden der Bank verübt und m den verantwortlichen Persönlichkeiten gedeckt worden ^. Die Schuldigen sind seinerzeit der Staatsanwalt jN nicht überantwortet worden. Die Leiter der Bank tzaben ferner Geschäfte getätigt, die über den Rahmen der Aufgaben einer Sparbank weit hinausgehen und schwere Verluste zur Folge hatten. Die verantwortlichen sieben führenden Persönlichkeiten der Bank sind in Schutz ha ft genommen worden. Der Reichskommissar hat alle Maßnahmen getroffen, um einen ungefährdeten Weiterbestand der Bank zu gewährleisten. An die Mit­glieder bzw. Einleger ergeht die Aufforderung, Ruhe zu bewahren, überstürzte und unbegründete Abhebungen könnten nur schaden. Durch die ausgedeckten Verlust­geschäfte ist der Bestand der Bank und die Sicherheit der Einlagen nicht gefährdet.

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Selbstmorde von Mgistratsbeamten.

In Düsseldorf und Krefeld.

Der wegen Untreue zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Lehr verhaftete Beigeordnete der Stadt Düsseldorf, Ldrnkirchen. wurde in seiner Zelle erhängt auf ^funden.

Nach den bestimmungsgemäß in halbstündigen Ab­enden erfolgten Revisionen mußte Dr. Odenkirchen die Tat in her Zeit zwischen 5.10 ^und 5.45 Uhr ausgeführt haben.

Der Beigeordnete Stadt Krefeld, Dr. Beyer, hat sich in seinem Arbeitszimmer in Peterhof bei Capellen »schossen. Wie die Stadtverwaltung erklärt, liegen dienst­liche- Verfehlungen, soweit sich dies bis jetzt übersehen läßt, nicht vor.

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Im Dortmunder Gerichtsgefängnis hat der wegen Steuerhinterziehungen dort inhaftierte Rechts­anwalt Dr. Elias Selbstmord beaanaen.

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Selbstmord eines

Krankenkafsengeschästsführers.

Der frühere Geschäftsführer der Berliner Kranken- Wwbulatorien, Max Ebel, der am 10. April zu- w'nmen mit anderen Vertretern der Krankenkassen in MOaft genommen worden war, hat seinem Leben âst ein Ende gemacht. Er wurde in dem Zimmer, das J^n ihm für die Dauer der Haft angewiesen hatte, am vensterkreuz erhängt aufgefunden.

Ebel wurde beschuldigt, von den zahlreichen ®er= wn, di,, der Ambulatoriumsarzt, Dr. Cohn, begangen Mte, gewußt zu haben.

M * NM

Drei Kommunisten beim Ausbruchversuch erschossen.

Am Konzentrationslager Dachau.

Aus dem Konzentrationslager Dachau unternahmen "'« Kommunisten einen Fluchtversuch. Da sie aus bie Wrufc der Posten nicht hörten, gaben diese Schüsse ab, ""bri drei Kommunisten getötci und einer '"uver verlebt wurde.

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Ae linregelmäßigleilen bei der

Torsauer Kreissparkaffe.

Bisher 700 000 Mark Schadenshöhe.

$ Sie Unregelmäßigkeiten bei der Torgauer i31 sl f f 2 nehmen noch g r ö ß e r e n U m f a n g an, "s anfangs vermutet wurde. Die Untersuchung durch Staatsanwaltschaft Hai ergeben, daß der Fehlbetrag c halbe Million noch weit übersteigt.

m Die bisherigen Nachprüfungen lassen die Vermutung 5 daß die Schadenshöhe 700 000 Mark erreicht. Die «hafteten sind im großen und ganzen geständig. Der ^tor Coordes erklärt, er habe sich bei den verfehlten Emulationen nicht bereichern wollen, sondernim Interesse der Kasse" gehandelt

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Die Anklage gegen Gereke.

bei m^eT frühere Reichskommissar

^etrugs und der Untreue beschuldigt.

Stern Staatsanwaltschaft I Berlin hat die Anklage.

früherm ReichsLammissar Dr. Günther

Gercke und den Verbandsvertreter Arthur Frei­gang erhoben. Gercke wird des Betruges in drei Fällen sowie der Untreue in einem Fall, Freigang der Beihilfe zum Betrug in zwei Fällen und der Beihilfe zur Untreue beschuldigt.

Im einzelnen wird Dr. Gereke vorgeworfen, den Vor­stand des Verbandes der preußischen Landgemeinden, dessen Geschäftsführer er seit dem 1. Juli 1922 war, durch falsche Vorspiegelungen veranlaßt zu haben, ihm eine Aufwandsentschädigung in Höhe von etwa 75 000 Reichsmark im Jahre 1928 auâ* zuzahlen. Er soll ferner durch

fortgesetzte unwahre Angabe» über die geringe Ertragsfähigkeit der Verbandszeitschrift Die Landgemeinde den Verband zur Zahlung eines Zu­schusses in Höhe von etwa 29 000 Reichsmark sowie zur Übertragung der Zeitschrift auf ihn persönlich veranlaßt und dadurch seit dem Jahre 1925 jährliche

Einkünfte von etwa 100 000 Mark erzielt haben. Schließlich wird ihm vorgeworfen, er habe als Bevollmächtigter des anläßlich der Reichspräsidenten- wahl 1932 gebildeten überparteilichen Hindenburg- Komitees durch Sammlungen aufgebrachte Mahl­gelder von mehreren hunderttausend Reichsmark durch Vorweisung falscher Quittungen in seine Verfügungsmacht gebracht.

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Der Privatsekretär Dr. Gerckes, Artur Frei- z a n g, ist aus Grund einer Anzeige, die der Verteidiger des ehemaligen Reichskommissars erstattet hat, fest- genommen worden. In der Anzeige wird Freigang Unterschlagung und Untreue vorgeworfen. Es wird dabei betont, daß Freigang sowohl beim Land- geineindcverband als auch beim Hindenburg-Ausschuß alle Buchungen für Dr. Gereke ausgesührt habe, während sich dieser, weil er mit Arbeit überhäuft gewesen sei, um die Führung dieser Konten überhaupt nicht gekümmert habe. Wenn also Unregelmäßigkeiten vprgctonlmeu seien, dann müßten sie in erster Linie dem Privatsekretär zür Last gelegt werden. Im übrigen hat der Verteidiger Antrag aus Anberaumung eines Haftprüsuugs- terminS für Dr. Gereke gestellt.

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Die Voruntersuchung gegen Klepper.

Gegen den früheren Staatsminister Klepper, gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Vorstandes der Domänenbank, Direktor Schmidt, gegen den jüdischen Schriftsteller und südslawischen Staatsangehörigen Rassel Bern feld und andere Personen ist die Voruntersuchung eröffnet.

Klepper wird vorgeworfen, über die Domänen-Be- triebs-G. m. b. H. im ganzen 150 000 Mark an Bernfeld für die von ihnen herausgegebene Wochenschrift »Maga­zin der Wirtschaft* als Darlehen ausgezahlt und, als sich herausstellte, daß das Darlehen nicht zurückgezahlt wurde, diesen Verlustposten auf die Preußen lasse über- n o m m en zu haben. Aus seine Weisung sind von dem so- zenannten Son derkonto A Abhebungen in Höhe von

Am 28. April soll niemand

in Deutschland hungern!

Hitler Geburtstagsspendc für Bedürftige.

Der Völkische Beobachter veröffentlicht folgenden Aufruf:

Der Geburtstag des Reichskanzler Adolf Hrtlcr am 20. April wird dem Wunsche des Führers entsprechend ohne prunkvolle Festlichkeiten begangen, btc dem Charakter seiner nationalsozialistischen Bewegung und der Not des deutschen Volkes nicht entsprächen Im Sinne des Führers aber ruft die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei alle besitzenden Schichten, in Son­derheit alle Arbeitgeber, Unternehmer, Landwirte, Ge­schäftsleute usw. zum freudigen Geben! Am 20. April soll niemand in Deutschland Hunger leiben. Am 20 April muß jeder Besitze,ldc in Deutschland nach bestem Können Not lindern! Es soll das deutsche Volk der Welt den Sozialismus der Tat zeigen!" .

Wie weiter mitgeteilt wird, werden unter Leitung der NSDAP. Sammelstellen eingerichtet, die Lebensrnittel und Geld in Empfang nehmen. Die Spender werden in giften vermerkt und erhalten Quittungen. Die Verteilungsstellen geben allen bedürftigen Volksgenossen Den auf sie ent­fallenden Anteil gegen Erwerbstosenansweis Mw.

Keine Vergnügungssteuer am 20. April und 1. Mai.

Der Reichsfinanzminister bat eine Verordnung ber- ausgegeven, wonach alle P e r a it ft a 11 u n gen, die am 20. April aus Anlaß des Geburtstages des Reichskanzlers Adolf Hitler und am 1. Mai aus Anlaß des Feiertages der nationalen A r b e t t stattfinden, von bei Vergnügungssteuer befreit sind. Voraussetzung dafür ist aber, daß es sich um Veranstal­tungen handelt, die durch die Geburtstagsfeier für den Reichskanzler oder durch die Feier für den 1. Mai ver­anlaßt sind. Außerdem müssen die Veranstaltungen aw 20. April oder am 1. Mai stattfinden

173 000 Mark von der Domänen-Betriebs-G. m. b. H. ge­macht und anscheinend

zu politischen Zwecken verwandt

worden. Gleichfalls auf seine Weisung hat die Preußen­kasse einen Kredit von 2 333 000 Mark der Kölner Görres- haus-G. m. b. H. für dieKölnische Volkszei­tung" zur Verfügung gestellt. Klepper hat schließlich ver­anlaßt, daß ein Darlehen von 13 600 Mark über die 2andmann-Bank an den ehemaligen Staatssekretär Abegg gegeben wurde. In allen diesen Fällen ist nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörde den Vorschriften der Bankstatuten zuwider absichtlich zum Nach­te i l der Preußenkasse verfügt worden.

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Der Düsseldorfer Oberbürgermeister verhastet.

Durch den Staatskommissar für die Stadt Düssel­dorf, Gauleiter Florian, wurden der Bürgermeister Dr. Lehr, der Beigeordnete Dr. Odenkirchen und der Sparkassendirektor Dr. Vogt wegen des Verdachtes der passiven B e a m t e n b e st e ch u n g in Schutzhaft ge­nommen.

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Lochumer Oberbürgermeister verhastet.

Wegen Amtsvergehens und Bergcudung öffentlicher Mittel.

Der kürzlich beurlaubte Oberbürgermeister der Stadt Bochum, Dr. R u e r, wurde in einem Berliner Hotel auf Grund eines Haftbefehls verhaftet, den die Bochumer Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen der durch den Staatstommissar sestgestellten Amtsvergehen, der Vergeudung öffentlicher Mittel u. a. mehr erlassen hatte.

Der in Haft genommene Düsseldorfer Ober­bürgermeister Dr. Lehr und Sparkassendirektor Dr. Vogt sind in die Strafanstalt Düsseldorf-Derendorf eingeliefert worden. Ihre Wohnungen wurden von SA.-Hilfspolizei- beamten gesichert, um eine Verschleppung von Akten zu verhindern.

Der landwirtschaftliche Hauptverband für Würt­temberg und Ho h e n z o l lern in Stuttgart wird zur Zeit einer Revision unterzogen. Im Verlaufe dieser Arbeit wurde auch die Krankenkasse des landwirt­schaftlichen Hauptverbandes nachgeprüft. In diesem Zu­sammenhang wurden Tatsachen festgestellt, die zur vor­läufigen Festnahme des Geschäftsführers durch die Kriminalpolizei führten.

*

Unterschlagungen eines Landbund- angestellten.

Selbstmordversuch des Täters.

Die Geschäftsleitung des Saganer Land­bundes deckte in ihrem Betriebe Unregelmäßigkeiten auf, die von dem Buchhalter Wilsky begangen worden sind. Wilsky hatte seit Januar 1931 insgesamt 3200 Mark unterschlagen. Nach Bekanntwerden der Unregelmäßig­keiten beschaffte sich Wilsky einen Revolver und schoß sich im Eisenbahnzuge in der Gegend von Guben eine Kugel in den Kopf. Mit schweren Verletzungen wnrde er ins Gubener Krankenhaus cingeliefcrt.

Volle Lohnzahlung am 1. Mai.

Amtlich wird mitgeteilt: Die Ausführungsbcstimmun- gen zu dem Gesetz über den Feiertag der nationalen Arbeit werden auch die Frage der Lohnzahlung am 1. Mai regeln. Für den 1. Mai wird auch für die Ar­beiter, die im S t u n d c n l o h n beschäftigt sind, der volle Lohn gezahlt werden.

Krank II wird Reichskommissar für ^echtsreform.

Wie die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz erführt, hat der R e i ch s j u st i z m i n i st e r dem Reichs­kanzler Die Absicht des Reichsjustizministeriums über­mittelt, dem Reichspräsidenten die Ernennung des Füh­rers der nationalsozialistischen Juristen, Dr. Hans Frank, zum R e i ch s k o m m i s s a r für die Erneue­rung der Rechtsordnung und für die Gleichschaltung der Justiz in den Ländern vorzuschlagen. Mit dcr^ Er­nennung dürfte in Kürze zu rechnen sein. Dr. Frank bleibt auch als Reichskommissar bayerischer Staats- Minister der Justiz.

Kommissar für die Ostpreußische Landschast.

Da im Zusammenhang mit den Beschuldigungen gegen den Gencraltandschastsdirektor von Hippel durch fortdauernde örtliche Eingriffe eine gesetz- und statutenmäßige Geschäftsführung der O st p r e u ß i s ch e n Landschaft bzw. Landschaftlichen Bank und der Lebensversicherungsanstalt der Ostpreutzischen Landschaft verhindert wird, hat der für die Aufsicht über die Land­schaften zuständige preußische Kommissar (Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und für Wirtschaft und Arbeit) Dr. Hugenberg sich genötigt gesehen, für die genannten Institute als Kommissar den Fmanzsenator außer Dienst Geheimrat Dr. Ernst Volkmann, Danzig, einzusetzen.