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Zuloaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg

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Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-Ansthluß Nr. 2989

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Fulda, Samstag, 22. April

10. Jahrgang

Mark und Dollar.

Oer Leitstern deutscher

, Währungspolitik.

Schutz des deutschen Sparers.

Die Währungsercignisfe in den Vereinigten Staaten nun Amerika erfahren von zuständigerdcutscher -teile folgende Beurteilung: Mangels Vorliegens ge- Miicrcr Nachrichten über die Vorgänge in den Vereinigten Staaten ist es zur Zeit nicht möglich, sich von den Ab- «Men, die die amerikanische Regierung in ihrer Wâh- luimspolitik verfolgt, ein genaues Bild zu machen.

Jeder, der die Entwicklung der amerikanischen Zah- Ws- und Handelsbilanz betrachtet, wird zu dem Schluß Amen, daß die organische Tendenz des Dollars 4 lange Sicht gesehen eher nach oben als nach unten M Die jetzigen Maßnahmen unterscheiden sich deshalb mndsätzlich von den Abwertungsvorgängen, die wir im Anschluß an den Krieg in einer Reihe von Maaten beobachtet haben, wo die Entwicklung im wesent­lichen auf die hohen auswärtigen Verpflichtungen zurück- -usühren war. Man wird daher annehmen müssen, daß es sich bei den jetzigen amerikanischen Maßnahmen nicht um eine von internationalen Handels- oder Kapital­bewegungen erzwungene, sondern zu bestimmten Zwecken gewollte Aktion handelt.

Die Rückwirkungen,

die diese Ereignisse auf Deutschland haben können, sind doppelter Natur:

1. wenn eine dauernde Abwertung des Dollars mit diesen Maßnahmen bezweckt sein sollte, so greift damit das von England eingeleitete valutarische Ausfuhr- dumping zum N a ch t e i l d e r d e u t s ch e n A u s f u h r - Industrie und damit der deutschen Zahlungsfähigkeit weiter um sich. *

2. eine andere Wirkung dagegen würde für Deutsch­land einen relativen Vorteil bringen Da Deutschland sehr stark in Dollar verschuldet ist, so würde es seine Schulden durch Aufbringung eines geringeren Gegen­wertes abtragen können. Hieran dürften auch etwaige G o l d b e st i m m ungen in den Schuldverträgen nichts ändern, da ein Rechtsstandpunkt sich schwer vertreten läßt, der einem Land zugestehen wollte, den Goldwert seiner Beipflichtungen durch gesetzgeberischen Akt herabzusetzen, gleichzeitig aber den Goldwert seiner Forderungen auf- lechtzuerhälten. Wird Deutschland deshalb einerseits über seine Ausfuhrfäüigkeit wachen müssen, so kann das ameri­

Wichtige

. Reichskanzler Adolf Hitler, der am Freitag früh mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug aus München in Min eingetroffen war, nahm kurz darauf eine Reihe singender politischer Konferenzen auf.

tonnte infolgedessen an einer für den Vormittag des âgs angesetzten Besprechung der zuständigen Minister die Finanzierung der Arbeitslosenhilfe nicht teil- Mwn.

Bei der bevorstehenden Kabinettssitzung dürfte be- reitsdas Gesetz über dieEntschuldungderLand- E"tschaft zur Debatte stehen, das von Reichsminister ^-Hugenberg inzwischen fertiggestellt worden ist.

Am Sonnabendvormittag reifte der Reichskanzler B Flugzeug wieder nach München, wo er auf der »Uhrertagung der NSDAP, sprechen will. An Tagung nimmt auch der Reichsminister für Volks- "ustlärung und Propaganda, Dr. Goebbels, teil.

*

Reichsminister und Ministerpräsident Göring ist seiner Romreise wieder in Berlin eingetroffen, Echoen: er in München mit Reichskanzler Hitler zu- Mimengetroffen war und ihm einen ersten Bericht über römischen Verhandlungen erstattet hatte.

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"Anläßlich der Anwesenheit des Königs von Schweden in Berlin nahm der Reichspräsident Wammen mit Reichskanzler Hitler an einem in " Ichwedischen Gesandtschaft gegebenen Essen teil.

Hitler bei Hindenburg.

Besprechung politischer fragen. P^AichsPräsidcnt von Hindenburg empfing am Freitag fSNö den Reichskanzler Hitler zu einer Besprechung lebender politischer Fragen.

Ministerpräsident Göring im Amt.

vv?^'« der Reichspräsident den Vizekanzler das von seinem Amt als Reichskommissar für von W Preußen entbunden hatte, übergab Vizekanzler "nan»^°" Freitag nachmittag dem vom Reichskanzler Ministerpräsidenten Goring die *reSL des preußischen Staatsminlstermms. Der W Ä Ministerpräsident wird numuehr umgehend der^ feine Vorschläge zur Ernennung urschen StaatSminister unterbreiten.

kanische Vorgehen andererseits doch nicht etwa zu einer ähnlichen Währungspolitik in Deutschland Veranlassung geben.

Vielmehr wird der Leitstern der deutschen Währungs­politik der Grundsatz bleiben müssen, den der Reichsbank- präsident in der letzten Generalversammlung der Reichs- bank ausgesprochen hat: Unsere Sparer sollen missen, daß die Reichsbank als unerschütterliche Macht auf dem Posten ist, wenn es gilt, dem schaffenden und sparenden deutschen Volke das Geschaffene und Ersparte zu erhalten.

*

Oer Dollar rutschi.

Das amerikanische Ermächtigungsgesetz zur Wäh­rungsreform gibt dem Präsidenten Roosevelt außer­ordentlich weitreichende und tief in die Dollarwährung einschneidende Rechte. Er darf für 12 Milliarden Mark neuer, nicht goldgedeckter Dollarnoten drucken lassen und wird dies auch tun, um ausgedehnte Arbeits­beschaffungspläne zu finanzieren. Außerdem sollen neue Dollarmilliarden durch Kreditauswei­tung genauer gesagt: durch erhebliche Milderung der Bedingungen für Kreditgewährung in die Wirtschaft hineinpumpen. Präsident Roosevelt selbst hat erklärt, man wolleden Dollar sich selbst überlassen, um die Warenpreise wieder hochzubringen auf ein ver­nünftiges Niveau".

Die Milliarden-Erweiterung des Notenumlaufs über die Kreditausdehnung ist aber nicht das einzige, sondern hinzutritt noch die Ermächtigung für den Präsidenten, den Goldwert des Dollars selbst zu verringern, Eine der­artige Maßnahme würde um so erstaunlicher wirken, als Amerika heute immer noch im Besitz des größten, für monetäre Zwecke bestimmten Goldschatzes ist und die Golddeckung seines bisherigen Notenumlaufes etwa .50 Prozent betrug, also noch längst nicht bis zu der offi­ziellen Grenze von 40 Prozent gesunken ist. Da nun aber die frühere Goldeinlösungspflicht für Dollarnoten ebenso aufgehoben ist, wie jetzt wEder die Goldausfuhr zwecks Deckung von ausländischen Gläubigerforderungen ver­boten wurde, ist wirklich und tatsächlich am 20. April 1933 der Goldstandard der Dollarwährung aufgegeben worden. Allerdings hat Roosevelt erklärt, er wisse heute noch nicht, ob es später zu der im Ermächtigungsgesetz vorgesehenen, übrigens bis zu 50 Prozent des heutigen Standes mög­lichenAbwertung" kommen werde: das Hänge von den internationalen Verhandlungen ab und stehe noch in weiter.Ferne.

Sie Lohnzahlung für den 1. Mai.

Ler Reichsminister des Innern hat für den 1. Mai eine Verordnung über die Lohnzahlung erlassen. Danach wird die infolge des Feiertages der nationalen Arbeit ausfallende Arbeitszeit bezahlt und zwar, soweit Tarif­verträge die Bezahlung ausfallender Arbeitszeiten an Wochenfeiertagen vorsehen, nach den Bestimmungen der Tarifverträge. Im übrigen ist der regelmäßige Arbeits­verdienst für die ausfallende Arbeitszeit zu zahlen.

Reichsminister Göring aus Rom zurück.

Unsere Aufnahme zeigt den Reichsminister und preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring auf dem Flug- vlatz in München nach seiner Rückkehr aus Italien: Göring ickreitet die Front der berittenen Münchener S ch u tz m a n n s ch a f t ab.

Reichsbahnrokomotiven führen am 1. Mai nationale Wimpel.

Die Lokomotiven der Reichsbahn werden zur Feier des Tages der nationalen Arbeit, am 1. Mai 1933, festlich geschmückt. Jede Maschine erhält je ein schwarz-weiß-rotes und Hakenkrrcuz- f ä h n ch e n oder zwei solche Wimpel. Ebenso ist für die Bahnhöfe Festbeflaggung vorgesehen. Darüber hin­aus werden Bahnhöfe und Lokomotiven mit frischem Grün ausgeschmückt.

Der Weg ins Freie.

Ohnmächtige Konferenzen Der Dollar in Nöten Der Führer zur Freiheit.

Wäre das Glück der Welt im allgemeinen und Euro­pas im besonderen davon abhängig, daß möglichst viele und möglichst lange internationale Konferen­zen veranstaltet werden, dann wäre die Welt ein Para­dies und wir Europäer wüßten uns vor Glück überhaupt nicht zu fassen. Aber leider ist gerade das Umgekehrte der Fall: Je mehr und je längere Konferenzen es gibt, desto schlechter steht es mit der Welt und. da Europa mit dieser Nachkriegs-Errungenschaft" ja ganz besonders gesegnet ist, geht es unserem Kontinent am schlechtesten. Übrigens ist dieser unerfreuliche Zusammenhang sogar vdn jenem Volk der Welt recht drastisch demonstriert worden, das man aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen als das höf­lichste bezeichnet, nämlich von den Japanern. Die haben alle, wie die moderne Psychoanalyse sagt,Minder­wertigkeitskomplexe" gegenüber den Weltkonferenzen überwunden, haben sich mit einer überaus höflichen Ver­beugung daraus zurückgezogen und machen nun im Fer­nen Osten überhaupt, was sie wollen bzw. militärisch für richtig halten. Um irgendwelche Verträge oder gar pazifistische Völkerbund-Ideen kümmern sie sich dort so wenig, daß man in London und Washington noch verzweifelter als bisher die Hände ringt; denn die japanische Machtpolitik stoppte weder zu Lande, noch zu Wasser, noch in der Luft in dem Augenblick ihr Vordringet­ab, da sie die englisch-amerikanischeInter­essensphäre" berührte. Wäre nicht jeder, der vor zwanzig, ja vor zehn Jahren erzählt hätte, in China seien Die englischen Leiter und Angestellten eines großen eng­lischen Industrieunternehmens vor den heranrückenden Japanern geflohen, ganz glatt und unbedenklich für einen kompletten Narren gehalten worden? Jetzt ist's geschehen, wirklich geschehen. Wird vielleicht auch noch des öfterer und nicht bloß mit den Engländern geschehen. Auch das sowjetrussische Riesenreichtritt kurz" bei jedem Der nicht gerade seltenen Konflikte, in die es schon mit Japan oder der neuen Mandschurei geraten ist. Nichts destoweniger wird am 25. das Abrüstungskonfe­renz e l n in Genf wieder löschen und es wäre der Weltwunder größtes, wenn Die Konferenz wirklich, mit vor kurzem dèr deutsche Vertreter sagte, inihre entschei vende Phase eintreten" und der englische Entwurf tat­sächlich zu einerKonvention über die Abrüstung" führen würde.

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Zwar noch nicht so lange wie der Weltkrieg währt« die Weltwirtschaftskrise, aber ungleich mehr a» Menschen und Gütern als jener vernichtete Diese. Wei zählt die Konferenzen, kennt die Männer auf ihnen, du den Kampf gegen die Krise aufnehmen sollten 1 JeH: fahren wieder ein paar Dutzend von ihnen nad Washington zu einer Konferenz, auf die dann später die eigentliche, die große .£aupt=$Mt=$8irtfrf)aft§tonferen; unter gewaltiger Teilnahme folgen soll. Noch waren fix nicht auf Amerikas Boden angelangt und schon vernähme» sie an Bord ihrer Schiffe die Kunde, daß der an sich schor seit längerer Zeit auf seinem Goldthron wackelnd« König Dollar" die goldene Krone abgelegt hat. De: Präsident Roosevelt hat die Goldausfuhr aus den Vcr einigten Staaten wieder völlig verboten, und damit ist gerade so wie beim englischen Pfund Sterling im Sep­tember 1931, der Dollarkurs an den ausländischen Geld Plätzen ins Sinken gekommen. Auch für die Reichsmark gab es damals eine Zeit, in der sie dort nichtnotiert' wurde. Aber nach ein paar Monaten war das überwun- Den, jedoch nicht, weil die Golddeckung unserer Währunc wieder gestiegen war! Die Reichsmark blieb vollwertig obwohl diese Golddecke immer kürzer wurde. Wie klein oder groß sie war, blieb vielmehr ganz gleichgültig. Wi> Deutsche selbst hatten dieG o l d p s y ch o s e" über­wunden, die Amerikaner aber sind heute noch längst nicht so weit. Während wir aber unter schmerzhaftem Ringen uns hüteten, Kredit- und bamit Notenumlaufs- er Weiterung zu treiben, soll in Amerika jetzt zum zweitenmal das gerade Gegenteil, und zwar in riesigem Maßstab erfolgen. Und das alles geschieht in einem Augenblick, da auf der Washingtoner Vorkonferenz als erstes und wichtigstes Thema die W c l t w ä h r u n g s - reform behandelt werden soll! Vom Standpunkt des absolutenGoldfanatikers" aus gesehen verfügen ja jetzt überhaupt nur noch Frankreich, Holland und die Schweiz über eine der Theorie nachgenügende" Golddcckc für ihre Währung. Immer höher türmt sich der Berg weltwirt­schaftlicher, Weltkredit-, weltwährungs-, welthandelspoli- tischer Probleme, die mit einem entsetzlichen Druck auf der Menschheit lasten. Trotz aller Konferenzen! Oder wegen solcher Konferenzen!

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Seit längerer Zeit schon und stärker als auf den anderen Völkern aber lastet dieser Druck auf uns Deutschen, so lange schon und so stark, daß wir es nur noch mit müder Resignation zu tragen und zu ertragen versuchten. Aus diesem inneren und äußeren Verxichren-

Meine Zeitung für eilige Leser

* Reichskanzler Hitler hielt gestern in Berlin eine Reihe wichtiger politischer Besprechungen ab.

* Bei einem Bombenanschlag gegen das Amtsgericht Lützen, Ostpreußen, wurde großer Sachschaden verursacht.

* In Gardone am Gardasee starb der berühmte italienische -Dichter Gabriele d Annunzio.