Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 102 — 1933
Fulda, Mittwoch, 3. Mai
10. Jahrgang
Uebernahme der Freien Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten.
Aufruf an das schafsende Bott in Stadt und Land
Deutsche Arbeiter und Angestellte! Die Glocken zu Wren der Arbeit sind verklungen. Mit nie dagewesener Wucht und Begeisterung hat das gesamte deutsche Volk »as Hohe Lied vom schaffenden Menschen gesungen und Damit sich und seinen hohen schöpferischen Geist geehrt.
Die Räder standen still, der Amboß klang mcht mehr, du Bergmann kam aus seiner Grube -
allüberall Feiertag!
Das, was die Gewerkschaften aller Richtungen, Die Roten und die Schwarzen, die Christlichen und die -freien auch nicht annähernd zustande brachten, was selbst in den besten Jahren des Marxismus nur ein Schatten, ein elender erbärmlicher Abklatsch gegenüber dem g^ waltig Großen des gestrigen Tages war,
der Nationalsozialismus schasst es im ersten Anlauf.
Er stellt den Arbeiter und den B a u e r n, den H and- w e r k e r und den A n g e st e l l t e n, mit einem Wort alle schaffenden Deutschen in den Mittelpunkt fernes Denkens und Handelns und damit in den Mittelpunkt seines Staates, und den Raffenden und den Bonzen macht er unschädlich. Wer war nun der Kapitalistenknecht, wer war der Reaktionär, der dich unterdrücken und drch aller Rechte beraube» wollte? Jene roten Verbrecher, dre dich gutmütigen, ehrlichen und braven deutschen Arbeiter jahrzehntelang mißbrauchten, um dich und damit das ganze Volk entrechten und enterben zu können, oder wir, die unter unsagbaren Opfern und Leiden gegen Diesen Wahn und Aberwitz teuflischer Irrlehren ankampften? Schon drei Monate nationalsozialistischer Regierung weifen dir:
Adolf Hitler ist dein Freund! Adolf Hitler ringt m* deine Freiheit! Adolf Hitler gibt dir Brot!
Wir treten heute in den zweiten Abschnitt der nationalsozialistischen Revolution ein. Ihr werdet sagen, was wollt ihr denn noch, ihr habt doch die absolute Macht. 8ewiß, wir haben die Macht, aber wir haben noch mcht das ganze Volk, dich, Arbeiter, haben wir noch nicht hundertprozentig, und gerade dich wollen wir, wir lassen dich nicht, bis du in aufrichtiger Erkenntnis restlos zu uns stehst. Du sollst auch von den letzten marxistischen Fesseln befreit werden, damit du den Weg zu deinem Volke findest. Denn das wissen wir:
Ohne den deutschen Arbeiter gibt es kein deutsches Volk! Und vor allem müssen wir verhüten, daß dir dein Feind, der Marxismus, und seine Trabanten noch einmal in den Rücken fallen können.
Wenn auch die marxistischen Parteien restlos zer- ichlagen sind, wie die KPD., oder sich in heller Auflösung finden, wie die SPD., wenn auch die Parteipäpste in Silber Feigheit geflohen sind oder jedem und allem ab- schworen haben und dich Arbeiter feige unb erbarmt td berlafstn haben wie nie zuvor, so wissen wir doch, alle- das ist n it r Schein: Der Marxismus stellt sich tot, um M bei günstiger Gelegenheit von neuem zu erheben und btr bon neuem hinterhältig den Judasdolch in den Rücken hohen. Genau wie 1914! Auch damals bewilligte ei Kriegskredite und gebärdete sich übernational, um dick 1918 an den Imperialismus unserer damaligen Feinde zu verraten und damit an das Weltkapital zu verkaufen.
. Uns täuscht der schlaue Fuchs nicht! Lieber geben ihm einen letzten Fangschuß, als daß wir jemals wieder dulden würden, daß er sich erhebe. Die Leiparts und ^rahmänner mögen Hitler noch soviel Ergebenheit
Die Gründe der Aktion gegen die Freien Gewerkschaften.
s Der Vorsitzende des Aktionskomitees zum Schutze der 7"hchen Arbeit, Staarsratspräsident Ley, vor den Vertretern der deutschen Presse eingehende ?""kUungen über die G r ü n d e, die dazu geführt haben, ^. Nationalsozialismus die Führung der deutschen Gewerkschaftsbewegung an sich gerissen hat. Staatsrats- Playdent Ley führte aus, daß mit dieser Aktion die zweite öer Erhebung Deutschlands durchgeführt sei. Man vermeiden, daß der nationalen Bewegung das Mlche passiere, wie im Jahre 1918 der SPD. und den Weimarer Parteien. Der Marxismus stelle sich zwar tot, iei aber keineswegs schon völlig beseitigt. Man müsse tun, um ihm jede Kraft zu nehmen. Wir wollen, er- Präsident Ley, ihm die Milchflasche entziehen, in " sich Leiter stärken kann, die materiellen, niV tichaftlichen Organisationen. Es genügt schart, Graßmann, Aufhäuser und andere ihre toeni n « uns entgegenbringen. Leute, die noch vor Wochen uns beschimpft haben, können niemals in die Erhebung Deutschlands milmachen. Was - „ "egt, wird geschehen, um den Marxismus völlig °a c r j ch l a g e n.
s^D°u.it ist in keiner Weise gesagt, daß wir die Gewerk uu sich zerschlagen wollen, im Gegenteil, alles, was otI irgendwelchen Wert hat, ganz gleich, von ^J r ^r.gauisation es aufgebaut wurde, wird erhalten gn»7^P Urird heim Wohl des Volkes augefWt Das gill Wonders für die EinrichtstAgen, die mit den vom
heucheln — es ist bester, sie befinden sich in Schutzhaft. Deshalb schlagen wir dem marxistischen Gesindel seine Hauptwaffe aus der Hand und nehmen ihm damit seine letzte Möglichkeit, um sich neu zu stärken. Die Teufelslehre des Marxismus soll elendig auf dem Schlachtfelde bei nationalsozialistischen Revolution krepieren.
Nicht als ob wir damit die Gewerkschaften an sich zerschlagen und zerstören wollten.
Im Gegenteil, wir haben nie etwas zerstört, was überhaupt irgendwie Wert für unser Volk hat, und werden das auch in Zukunft nicht tun, das ist n a t i o n a l sozialistischer Grundsatz. Das gilt ganz besonders für die Gewerkschaften, die mit so viel sauerverdienten und vom Munde abgesparten Arbeitergroschen aufgebaut wurden. — Nein, Arbeiter, deine Institutionen sind uns Nationalsozialisten heilig und unantastbar. Ich selbst bin ein armer Bauernsohn und kenne die Not, ich selbst war sieben Jahre in einem der größten Betriebe Deutschlands.
Arbeiter — cch schwöre dir, wir werden nicht nur alles erhalten, was sich vorfindet, wir werden Schutz und die Rechte des Arbeiters weiter ausbauen, damit er in dem neuen nationalsozialistischen Staat als vollwertiges und geachtetes Glied des Volkes eingehe.
Arbeiter und Bauern in breiter Front zusammen mit den freien Berufen und dem Handwerk, — so bauen wir ein neues Reich des Wohlstandes, der Ehre und der Frei- heit.
Mit Hitler für Deutschland vorwärts!
gez. Dr. Ley.
Leiter des Aktionskomitees zum Schutze der deutschen Arbeit.
*
Llrichhhaltllng der Freie» Gewerkschaften
Alle Führer in Schutzhaft genommen.
Der Aktionsausschuß zum Schutz der deutschen Arbeit, Der unter Führung des Präsidenten des Preußischen Staatsrates, Dr. Ley, steht, hat im ganzen Reich die Häuser der Freie» Gewerkschaften besetzen und alle führenden Persönlichkeiten im Interesse der Gleichschaltung der Freien Gewerkschaften in Schutzhaft nehmen lassen.
In Berlin wurde das Gewerkschaftshaus am Engelufer von einer Abteilung von 90 SA.-Leuten besetzt. Ferner wurde das Gewerkschaftshaus an der Jnselbrücke sowie die Arbeiterbank besetzt. Der Gewerkschaftsführer W i s s e l l wurde in Schutzhaft genommen. Die Gewerkschaftsführer L e i p a r t und Graßmann wurden wegen Krankheit ins Krankenhaus gebracht. Sie gelte« als in Schutzhaft genommen.
Sämtliche Verbandsleitungen der „Freie n' Gewerkschaften des ADGB. und des Afa-Bundes wurde« von den Führern der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation übernommen. Damit ist auch d i e Presse dieser Verbände der Leitung der NSBQ. unterstellt worden; sämtliche Schriftleitungen der einzelnen Verbände wurden der NSBO.-Pressestelle unterstellt.
Insgesamt sind rund fünfzig Personen in Schutzhaft genommen worden, unter denen sich zwölf führende Mitglieder des AGDB., 28 Vorsitzende der angeschlossenen Verbände, ferner zwei leitende Persönlichkeiten der Arbeiter und drei Gewerkschaftsredaktcure befinden.
Munde abgesparten Arbeitergroschen aufgebaut worden sind. Wir garantieren dafür, daß die Rechte der Arbeiter in jeder Weise gewährt werden, daß die Einlagen der Arbeitersparer inib Angestellten in der Arbciterbank sicher- gestellt werden. , • —
den ersten Tagen werden natürlich einige Sperrungen von Postscheck- und Bankkonten durchgeführt werden müssen. Das wird sich aber auf höchstens einen bis zwei Tage beschränken. Dann mirb der normale Bc trieb wieder ausgenommen werden. Natürlich werden wir
einige Konten sogenannter Arbeiterführer
Ivie des Herrn Lö be erst nachprüfen. Wenn Herr Löbe bei der Arbeiterbank heute ein Guthaben von drciMilli o n e n Mark hat, so merben wir nachprüsen, wo er diese drei Millionen verdient hat. Es ist unfaßbar, selbst für einen früheren Reichstagsprüsidenten, daß er drei Millioneu Mark in ein paar Jahren verdienen konnte. Solche Konten werden gesperrt, aber sonst wird kein Eingriff geduldet. Die heutige Aktion ,,t mit ä u ß e r st e r D i s z i p l i n durchgeführt worden. Es handelt sich nicht um eine Einzelaktion, sondern um eine große revolutionäre Aktion der gesamten Bewegung und Partei. Deshalb nennt der Ausschuß sich Aktionskomitee
zuM Schutze der deutsche« Arbeit.
Es sollen die Rechte und der Schutz der deutschen Arbeiter aewaürt wân D^ ^fföfu^ der Bâè wes Ker Ma wäre tonst wäckeirmck weftergegLNgLN. Dre
Guthaben und die Rechte der Arbeiterschaft wären eines Tages nicht mehr vorhanden gewesen und man hätte schließlich die Schiild daran dem heutigen System zugeschoben. Die letzten drei Monate haben bewiesen, daß überall, wo die Nationalsozialisten ein Amt übernommen haben, sie es besser geführt haben als die früheren Leute. Ich gehe mit heißem Herzen und aus dem Leben heraus geschöpften Willen an die große Arbeit, die mir mein Führer gestellt hat. Ich komme selbst ans dem Betriebe und bin im Jahre 1928 wegen meiner Gesinnung aus dem Betrieb herausgeflogen, feiuie also Not und das seelische Elend der Angestellten und Arbeiter. Wir wollen auch verhindern, daß durch unverantwortliche Elemente der Gewerkschaften Störungen in die Wirtschaft kommen können.
Das Aktionskomitee hat, so erklärte Staatsratspräsident Dr. Ley weiter, den
A. D. G. B. und die Arbciterbank besetzt.
Die Führer waren völlig überrascht, was auch daraus hervorgeht, daß zum Beispiel W i s s e l l sich dort aufhielt und bei der Verhaftung erklärte, er habe ja überhaupt nichts damit zu tun. Er sei ja dort nur hineingegangen, u m sein Konto nachzuprüfen, worauf ihm erklärt wurde, daß gerade das ihn besonders verdächtig erscheine,; lasse.
Von den Angestellten der Gewerkschaften ist niemand verhaftet worden.
Diese siltd gebeten worden, ihre Plätze zu behalten. Sollten sie allerdings, so betonte Dr. Ley, passive Resistenz oder offenen Widerstand entgegensetzen, so würde ein solcher Widerstand gebrochen werden.
Wir sind gewillt, in einigen Tagen die ganzen Gc- iverkschasten mit unserem Geist und mit dem Motto zu erfüllen: „Schutz der deutschen Arbeit, des deutschen Arbeiters und des deutschen Angestellten!" Das Ziel ist der große ständische Aufbau unserer Bewegung, die Schaffung der breitesten Arbeiterfront. Was wir tun, ist das Einsetzen von Mosaiksteincn in das Bild des Staatsaufbaues. Die Gewerkschafter» tverden ilicht rnchr dem Klafsenkarnps oder einer Partei dienen, sondern sic ivcrdcn die Vertretung des schaffenden Volkes sein.
Es wird ausdrücklich versichert, daß die Aktiv« sich lediglich gegen die Freien Gewerkschaften, in keiner Weise aber gegen die christlichen Gcivcrk- schaftcn, den DHV. und ähnliche Eiirrèch- t u n g e n richtet. Es muß sich in der Zukunft zeigen, ob diese Verbände an dem großen Gedanken der RSBO. mitarbeiten wollen. Den einzelnen Stellen ist ausdrückiiw jede Eiuzclaktion untersagt worden.
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Die Reinigung der Gewerkschaften.
D r. L e y beim R e i ch s k a n z l e r. — ,A u g u st W i n n i g G e w e r k s ch a f t s k o m m i f f a r ?
Staatsratspräsident Dr. Ley sprach beim Reichskanzler vor, um ihnl über die Aktion gegen die Freien Ge,verkschasten Bericht zu erstatten.
Dr. Ley war, lvie die Nationalsozialistische Partei- korrespondenz mitteilt, zusammen mit den Mitgliedern des A k t i o n s k o in i t e e s zum Schutze der deutschen Arbeit in der Reichskanzlei erschienen, um den Reichskanzler von der vollzogenen Gleichschaltung der Freien Gewerkschaften in Übereinstimmung mit der allgemeinen politischen Lage in Deutschland in Kenntnis zu setzen. Dr. Ley unterrichtete den Kanzler über den
reibungslosen Verlauf der Aktion,
deren Notwendigkeit mit der Stirn m u n g d e r deutschen Arbeiterschaft selbst b e g rundet gewesen sei. Das Aktionskomitee bat den Reichskanzler, die Schirmherrschaft über den am 10. Mai in Berlin stattfindenden A r b e i t e r k o n g r e ß zu übernehmen.
Der Reichskanzler erklärte sich bereit, diese Schirmherrschaft zu übernehmen unb brachte iusbesouderc zum Ausdruck, daß er eine glatte Abwicklu,»g der einzelnen Maßnahmen erwarte, damit insbesondere in finanzieller Hinsicht dem deutschen Arbeiter nicht nur kein Schaden, sondern nur Nutze» aus der Reinigungsaktion erwachse. Das Aktionskomitee versicherte, daß die Abwicklung in vollster Ruhe und Ordnung erfolgte und konnte die Zusage geben, daß die Zahlungen der betroffene» Institute ab Mittwoch bereits wieder i» vollem Umfange ausgenommen werden.
Am Donnerstag wird in einer Chefbesprechung über das Gewerkschaftsproblem beraten werden. Während die nationalsozialistische Aktion gegen die Freien Gelverk- schaften als Schlag gegen den ^Marxismus gedacht mar, wird die Regierung nunmehr beraten, in welcher Richtung die Gewerkschaften u in ; u b a u e n sind. Anscheinend hat der Gedanke der b e r u f 8 st ä n d i s ch c n G l i e d e r u n g gute Aussichten, beibehalten zu werden. Voraussichtlich wird ein Gew e r ks ch a fts ko m m i ssar ernannt werden. Wie verlautet, ist für diesen Posten A it g u st Winnig vorgesehen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Tie Freien Gewerkschaften wurden von her Nationalsozialistische« Berriebszellcuorganisation übernommen.
* In den dänischen Orten Esbjerg, Kolding und Harfen Vurdr« äsn Feiertag der satissaLen Arbeit die ans des dortige» derftsÄk« Stotttalates gebtstte» HsteâeuzfaHnen w« ^smmn- triften beruntergerrfft« usd enttnsrdet.