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Zulöaer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 103 1933

Fulda, Donnerstag, 4. Mai

10. Jahrgang

Das neue Segelschiff der Reichsmarine

Gorch Fock" laust vom Stapel.

Festliche Taufe auf der Hamburger Werkt.

In Hamburg lief das neue Segelschulschift der Reichs­marine, das als Ersatz für die untergegangeneNiob e" gebaut wurde, unter großen Feierlichkeiten und in An­wesenheit des Chefs der Marineleitung, Admiral Raeder, vom Stapel. Es wurde auf den NamenGorch Fock" getauft.

Schon am frühen Morgen setzte bei prächtigem .Sonnenschein ein lebhafter Barkassen- und Fährbetrieb nach der Werft von Blohm und Voß ein, wo der Neubau in Blumen und Flaggenschmuck zum Stapellauf bereit lag. Die Tribünen, die um den Neubau aufgestellt maren, waren mit Girlanden und Flaggen geschmückt. Um das Schiff herum war eine. Ehrenkompanie des Kreuzers Karlsruhe" aufgestellt. Der Hamburgische Senat war an­wesend, die Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, bei Schiffahrt, des Handels und der Wirtschaft. Weiter waren

etwa 500 Vertreter als Abordnungen der vater­ländischen Verbände

und hundert Studenten als Vertreter der Korporationen usw. zugegen. Insgesamt über 4000 Personen dürften den Feierlichkeiten beigewohnt haben. Der Chef der Marine­leitung, Admiral Dr. e. h. Raeder, schritt unter den Klän­gen des Präsentiermarsches die Front der ausgestellten Ehrenkompanie und darauf die Fronten der Verbände ab. Dann begab er sich auf die Tauskanzel und hielt unter lautloser Stille die Taufrede.

AuS Groschen des ganzen Volkes erbaut.

Der Tag des Stapellaufs des Segelschulschiffes, das die am 26. Juli 1932 im Fehmarn-Belt einer Wetter­katastrophe zum Opfer gefalleneNiobe" zu ersetzen be­stimmt ist, so führte Admiral Raeder aus, ist für die Reichs­marine ein Tag treuen, kameradschaftlichen Gedenkens, ein Tag tUtj richtigen Dankens und ein Tag froher, hoffnungs- sreüdiger Zuversicht. Der Admiral gedachte zunächst der 69 jungen deutschen Männer, die beim Untergang der Niobe" ums Leben gekommen sind. Er dankte dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung, denen es zu verdanken ist,

daß auch über diesem Schulschiff wieder die ruhm­reichen Fahnen Schwarz-Weiß-Not wehen würden.

Neben allen Arbeitern des Kopfes und der Hand, die das stske Schiff ersonnen und erbaut hätten, gelte der Dank der Marine in ganz besonderem Maße auch weitesten Kreisen des deutschen Volkes, die auf die Anregung deut­scher Frauen hin

trotz der Not der Zeit in anfopferndster Weise Groschen an Groschen gefügt

hätten, um beim Bau des neuen Schulschiffes zu helfen Md ihrem Bekenntnis zur deutschen Volksgemeinschaft ^ëbruct zu geben. Admiral Raeder ging dann auf die Persönlichkeit des deutschen Dichters der Seefahrt, »Gorch Fock", ein, mit dem die Marine das Band treuer Kameradschaft und Waffenbrüderschaft verbindet. Auf 6cm KreuzerWiesbaden" sei er in der Schlacht vor dem Skagerrak in der Nordsee gefallen, deren hohes Lied er in seinen Dichtungen besungen habe.

SegclschulschiffGorch Fock" läuft vom Stapel.

änscre Ausnahme schildert den Stapellaus des Ersay- BW? für das im vorigen Sommer untergegangene segelschulschiftNiobe" im Hafen von Hamburg:Gorch Fock" geht in sein nasses Element.

Wenn wir am 1. AprilV so fuhr Admiral Raeder fort,dem neuen Panzerschiff der Marine den Namen des siegreichen Flottenführers des Weltkrieges, des Admirals Scheer, geben dursten, so soll auf Befehl des Herrn Reichs­präsidenten das neue Segelschulschift den Namen des Matrosen des Weltkrieges, des deutschen Dichters der See­fahrt ,Gorch Fock' tragen."

Nachdem die Taufe durch die Vorsitzende des Flotten- bundes deutscher Frauen, Marie Fröhlich, vollzogen war, setzte sich das Schiff unter den Klängen des Deutschland­liedes und unter den brausenden Hurrarufen der großen Menschenmenge langsam in Bewegung, um dann schneller und schneller in sein Element zu gleiten.

Wie das Schiff aussieht.

Die Hauptabmessungen des Schisses sind folgende: Größte Länge (über Bugspriet gemessen) etwa 80 Meter, größte Länge des Schiffsrumpfes 73 Meter, größte Breite des Schiffsrumpfes 12 Meter, Tiefgang 5 Meter. Die Wasserverdrängung beträgt 1500 Tonnen. Das Schiff wird als Dreimastbark getakelt werden und eine größte Segelfläche von etwa 1800 Quadratmeter haben. Die Masten sind über der Wasserlinie gemessen etwa 40 Meter hoch. Die Leistung des von der MAN. ge­bauten Hilfsmotors beträgt 500 PS. Die Besatzung setzt sich zusammen aus denk Kommandanten und rund 240 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften. Das Schiff darf nach dem Versailler Diktat keine Bewaffnung führen. Es ist mit allen Sicherheitseinrichtungen, die sonst für ein Passagierschiff vorgeschrieben sind, versehen.

Glückwünsche Hindenburgs und Blombergs.

Der Reichspräsident hat zum Stapellauf desGorch Fock" folgenden Glückwunsch gesandt:

Ich danke für die Meldung von dem Stapellauf des neuen Segelschulschiffes. Mit meinen besten Wünschen für allzeit glückliche Fahrt des neuen Schiffes und seiner fünf , tigen Besatzung verbinde ich meinen Dank an alle die

Arbeitsdienstpflicht ab 1. Januar 1934

Staatssekretär Hierl über die Neu­regelung des Arbeitsdienstes.

Der Staatssekretär für den Arbeitsdienst, O b e r st Hierl, hat einem Vertreter der Kreuz-Zeitung über den geplanten Umbau des Freiwilligen Arbeitsdienstes zur Ärbcitsdien st Pflicht einige grundsätzliche Mit­teilungen gemacht.

Danach soll der F r e i,w i l l i g e Arbeitsdienst nach bisheriger Methode ab 1. Oktober 1933 durch einen ft a a t = lichcn Arbeitsdienst abgelöst werden, der zunächst eben­falls noch freiwillig ist und ein Arbeitsheer von 120 000 Mann umfassen soll. Die Arcitsdienst p f l i ch t soll mit dem 1. Januar 1934 einsetzen, und zwar soll dann der Jahrgang herangezogen werden, der im Jahre 1934 das 19. Lebensjahr beendet.

Da es nicht möglich sein wird, den ganzen Jahrgang auf einmal einzuziehen, wird man je die Hälfte des Jahr­ganges auf ein halbes Jahr zum Dienst heranziehen. Dieses Arbeitsdienstheer wird voraussichtlich 350 000 Mann umfassen. In den folgenden Jahren sollen die ganzen Jahrgänge geschlossen für ein ganzes Jahr ein- gezogen werden. Die Führer des Arbeitsdienstes sollen nach Möglichkeit zunächst aus den Reihen .dèr bisherigen Lagerführer entnommen werden.

Arbeiten für die Beschäftigung der Arbeitsdienst- pflichtigen werden, wie Staatssekretär Hierl mitteilt,' in ausreichender Menge vorhanden sein. Allein für Bo d e n v e r b e s se - rungs arbeit en können auf mindestens zehn Jahre acht bis neun Millionen Mann eingesetzt werden. Auch bei den Arbeitsbeschaffungsplänen der Reichsregierung ist die Heranziehung der Arbeitsdienstwilligen in Aussicht ge­nommen. StaatssekreiD Hierl betonte am Schluß seiner

Ausführungen, daß cs i ^bedingt notwendig sei, daß nun­mehr eine amtliche Stelle geschaffen wird, die die gesamte Arbeitsbeschaffung für den staatlichen Arbeitsdienst ein­heitlich in die Hand nimmt. Finanzielle Schwierigkeiten dürften sein Hindernis für die Durchführung staatspoli- tisch notwendiger Aufgaben bilden.

*

Wechsel im Michskommissanat für Arbeitsdienst.

Mahnken zurückgetreten.

Der Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeits­dienst, Mahnken, ist zurückgetreten und ist beurlaubt worden.

Mahnken war bekanntlich schon als Stahlhelmlandes­führer Westmark zurückgetreten und seines Amtes im Stahlhelm entbunden worden. Über die durch den Rück­tritt für den Arbeitsdienst notwendig werdende Maß­nahme ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Sie ist in den nächsten Tagen zu erwarten.

deutschen Männer und Frauen, deren opferfreudige Mit­arbeit das schöne Werk derVolksspendc Niobe" zu so stolzem Gelingen geführt hat."

Ein weiteres Glückwunschtelegramm lief vom Neichs- Wehrminister von Blomberg ein.

*

Die erste Fluginsel der Wett.

Mit Schlcppsegel und Schleudereinrichtung.

In aller Stille hat der zu einer Fluginsel nm- gebaute LloyddampferWestfalen" seinen bisherigen Standort Kiel verlassen. 'Die Fluginsel, di e erste d er Welt, die geeignet ist, Flugzeuge durch Schleppsegel aufzunehmen und mit Hilfe einer Schleudereinrichtnng starten zu lassen, ist über Cuxhaven in See gegangen, um sich unverzüglich in den Atlantik zu begeben. In­folgedessen ist mit der Aufnahme des Flugdienstes mit Zwischenlandungen schon in aller Kürze zu rechnen.

In den letzten Wochen und Monaten hatten nach der Übernahme des umgebauten Schiffes, dem alle Aufbauten genommen wurden, die man durch maschinelle Einrichtun­gen innen und außen ersetzte, in der Nord- und Ostsee unablässig Übungsfahrten stattgefunden. Die Aufnahme der Flugzeuge, die selbstverständlich Wasser­flugzeuge sein müssen, geschieht in der Art, daß sie auf dein Wasser niedergehen und dann auf das Schlepp- segel rutschen, das hinter dem Schiff hängt. Von hier aus wird das Flugzeug an Bord genommen und nach Versorgung mit Brennstoff mit einer Schleuder- einrichtung, wie man sie schon im Postdienst der Bremen" kennt, abgeschossen. Auf diese Weise vermeidet man den gefährlichen L a n g st r e ck e n f l u g bis zur amerikanischen Küste.

Die Fluginsel wird zwischen Britisch-Gambia (Afrika) und der südamerikanischen Küste stationiert, jedoch höchstwahrscheinlich nicht an einer Stelle verankert werden, sondern in diesem Gebiet kreuzen. Es handel: sich hier um die sogenannteCalmen-Zone", d. h. die ruhige, relativ windstille Stelle des Atlantiks auf beiden Seiten des Äquators.

In den für die Arbeitsdienstpflicht erforderlichen organisatorischen Rahmen gehört u. a. auch die Schaffung einesW irtschaftsamtes für den Arbeits­dien st". Nach den bisherigen Absichten steh» in Aussicht, als ersten Jahrgang für die Arbeitsdienstpflicht die­jenigen jungen Männer einzuberufen, die am 1. Januar 1934 20 Jahre alt geworden sind. Man denke daran, zunächst die Hälfte dieses Jahrganges auf sechs Monate zum Arbeitsdienst heranzuziehen und im Anschluß daran die zweite Hälfte ebenfalls für sechs Dlonate. Später werde

Weiterentwicklung die ein

sich dann in der organischen Weitei jährige Arbeitsdienstpflicht ergeben.

*

MögLLchkeii der Arbeiisbeschassung.

Der Bankbcamtenverein fordert Neucinsteüungen.

Unter dem Eindruck der gewaltigen Kundgebung ant Tage der Nationalen Arbeit ist, wie der Deutsche Bauk- beamtenverein mitteilt, die Leitung des D. B.V. an die Zentraldirektionen der deutschen Großbanken herangetreten und hat darauf hingewieseu, daß die B e f e tz u n g der Betriebe in den letzten Monaten und Jahren so außerordentlich knapp bemessen worden ist, daß auch nur die geringste Geschäftsbelebung zur Anordnung von Überstunden zwinge. Dem dadurch und durch die bevorstehende Urlaubszeit in Erscheinung tretenden Mangel an Arbeitskräften dürfe nicht durch zusätzliche Arbeitsleistungen der übrigen Angestellten abgeholfen werden. Das'Bankgewerbc könne und müsse an dem großen Aufbauprogramm der Reichsregierung dadurch mitarbeiten, daß möglichst umgehend die Beleg- schaften der Bankbetriebe in allen Niederlassungen s ch l e u n i g st a u f g e f ü l l t würden, so daß weder durch das anwachscndc Geschäft noch durch die Urlanbsgewäh- rung überarbeit erforderlich werde.

Amerikareise des Reichsministers Goebbels.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propa­ganda, Dr. G o e b b e l s , der noch in diesem Monat Wien sind Rom einen Besuch abstattet, wird, wie verlautet, in nächster Zeit voraussichtlich auch nach C h i k a g o reisen, mo am 1. Juni die große Weltausstellung eröffnet wird.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* In Hamburg lief das neue Segelschulschift der Reichs- marine,Gorch Fock", vom Stapel.

* Der deutsche DampferWestfalen" ist als erste Fluginscl der Welt nach dem Atlantik in See gegängelt.

* Bei Eröffnung der Weltwirlschaftstonferenz am 12. Juni will Amerika einen Zollwaffenstillstand vorschlagen.