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Zul-aer /lnzeiger

1.70 ä'. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine ZulSa- und Haunetal »Zulüaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian 6eipel, Fulda. Redaktion und Geschäftsstelle: Könlgstraße 42 Zernfprech-Rnfthluß Nr. 24S4 Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck der mit * versehen«» Artikel nur mit <6g»Uenangabe .Zulöorr ftnz»ig«k'gestaS«t.

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Nr. 106 1933

Fulda, Montag, 8. Mai

10. Jahrgang

der Neubau der deutschen Wirtschaft.

Die Beruhigung der Kirtschaß.

Untcrrcvung mit dem Reichswirtschastskommissar Tr. Wagener.

Der neuernannte Reichskommissar im Reichswirt- schaftsministerium, Dr. e. h. W a g e n e r , gewährte einem Vertreter der NSK. eine Unterredung, in der er u. a. auWhrte: Tas vordringlichste Problem ist die unbedingte Beruhigung der Wirtschaft. Es muß ver­hindert werden, daß durch eigenmächtiges Vorgehen ein­zelner Gruppen Störungen hervorgerufen werden, die niemals zum Nutzen, aber meist zum Schaden der Wirt- Ml sich auswirken. Vor allem wird daran zu gehen jein, diejenigen

Fehler in der Wirtschaft zu beseitigen, die der reine Wirtschaftsliberalismus mit sich gebracht hat. Wir sind der Auffassung, daß nicht eine Planwirtschaft, sondern eine

sinnvolle Planung

Eintreten muß, die es ermöglicht, daß die Lergewautgun, eines Teiles der Wirtschaftsnnternehmungen durch andere Birtschaftsunternehmungen verhindert wird.

Auf die Frage der Kartelle

übergehend, erklärte Dr. Wagener: Wenn Kartelle ab­geschlossen werden müssen, so ist es notwendig, daß sie unter staatlicher Kontrolle stehen. Ihr Zweck darf nicht sein, durch Preisbindungen sich möglichst große Gewinne zu sichern, sondern er muß darin bestehen, daß für die Zeit der wirtschaftlichen Depression die Sicher­heit der Existenz aller hergestellt wird. Die Kon­trolle des Staates wird dafür bürgen, daß die Kartelle nicht reinen kapitalistischen Interessen dienen, sondern sich organisch einstigen in das Gebäude der nationalen Wirt­schaft. Dr. Wagener versicherte, daß durch die nächsten Maßnahmen erreicht werden würde, daß die

ruhige Weiterentwicklung der Wirtschaft

MÄHWeS gesichert ist. Ein entsprechendes Gesetz sei bereits in Bearbeitung, dessen Veröffentlichung in Bälde zu er­warten sei. In dem gesamten großen Werk des wirt­schaftlichen Wiederaufbaus würden diese Maßnahmen zunächst einmal die Sicherung des Bestandes der Wirt­schaft zur Aufgabe haben.

Miielstanöspoiriik der Kaiis«sle» Mgierung.

Reichskommissar Dr. Wienbeck sprach kürzlich vor dem Deutschnationalen Bund für den gewerblichen Mittelstand über das Thema:M i i t e l st a n d s p o l i t i k der nationalen Regierung". Wenn die Regierung eine großzügige Mittelstandspolitik treiben wolle, so müß­ten die berufenen Stellen weiter vervollkommnet werden, Wmal es sich hier um eine bevölkerungspoli­tische Angelegenheit allerersten Ranges handele. Monat zu denken, sei stets selbstverständlich für den Melftanb gewesen. Der Redner schilderte sodann die Ncheure Notim Mittel st and e. Die Aufgaben der -âüstandspolitik seien genau so schwer wie die Wieder- 9clNung der Landwirtschaft. Demzufolge müßten auch die Mittel die gleichen sein.

In dem Mittelstandsschutzgesetz

fa auch das Handwerk bedacht, wenn den Waren­häusern verboten sei, eigene Gewerbebetriebe zu halten. Fliegende Händler könnten durch gewisse Maß- uahmen eingeschränkt werden. Sie würden sowohl in Aeuerstrafe wie auch in Polizeistrafe genommen werden. Limbeck bezeichnete sodann als weiter vordringliche Auf­gabe den Abbau der Hauszins st euer als den

Weg zur Arbeitsbeschaffung. 60 Millionen füllten noch einmal bereitgestellt werden. Die Hauszinssteuer in absehbarer Zeit abgebaut werden. Gerade in Frage zeige sich ein großes Entgegenkommen bei Mn Reichsstellen.

später sei an eine Umorganisation der mittel- Nandischen Berufe gedacht.

Eine neue Reichshandwcrksordnung

"erde geschaffen werden, die schon in wenigen Monaten er Öffentlichkeit unterbreitet werde. Danach solle das Damte Handwerk einer Pflichtinnung angehören, wiederum Landesverbände mit öffentlich-recht- öfter ständen. Man gehe also mit den Natio- .wâialisten in der Schaffung einer selbständigen Be- ^"^waltung völlig einig. Zur Arbeitsbeschaffung ge- f a?ch die völlige Einschränkung derRegie- m ^6 c aller Art, auch bei der Reichspost, Reichsbahn » " Reichswehr. Weiter werde die Handwerkskarte als derben le^an® â^s selbständigen Betriebes eingefüürt

Weitere Aufgaben

Beseitigung der Schwarzarbeit, die Beseitigung ^eren Wettbewerbs, die Belebung des Bauhand- Cv'i^, , Entlastung des Mittelstandes von Steuern und sowie eine Neuregelung des Ausschrei- "üswesens.

Schacht zur Wirtschaftspolitik Deutschlands.

I t Erste Erklärungen in Washington.

I tin^ââirkpräsident Schacht, der in Washington I lsen ist, unternahm bald nach seiner Ankunft eine

Rundfahrt durch die Stadt, wobei er u. a. die Lincoln- Erinnerungshalle besichtigte. Er fand dort eine Inschrift, wonachkein Wirtschaftsfriede ohne poli­tischen Frieden m ö g l i d) " sei.

Schacht erklärte der Presse, daß Deutschland den amerikanischen Vorschlag eines Zollfriedens sowie eines internationalen Freihandels unterstütze. Er lehnte es aber ab, über die Frage der politischen Schulden zu sprechen, und versicherte, daß die deutschen Privat­schulden bezahlt würden.

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Schacht bei Roosevelt.

Ter Beginn der deutsch-amerikanischen Besprechungen in Washington.

Zwischen Neichsbankpräsident Dr. Schacht und Prä­sident Roosevelt fand im Weißen Haus zu Washington eine erste einstündlge, streng vertrauliche Bespre­chung statt, über deren Ergebnis Einzelheiten noch nicht bekannt sind. Es steht jedoch fest, daß die Besprechungen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden.

Dr. Schacht hatte zuvor der Presse seine Überraschung darüber ausgesprochen, daß er in Amerika dauernd mit Fragen über ein Moratorium und eine Neuregelung der Privatschulden Deutschlands bestürmt würde. Er sei durchaus gegen ein Moratoximm oder den Aufschub irgendwelcher Schuld. Deutsch­land sei tatsächlich das einzige Land der Welt, das zahlen wolle. Hierzu seien jedoch Devisen nötig, die Deutschland nur durch eine vermehrte Ausfuhr erhalten könne. Diese wiederum hänge von dauer­haften Wirtschaftsverhältnissen ab. Wirtschaftsfriede andererseits sei unmöglich ohne politischen Frieden und dieser wieder sei unmöglich ohne eine Revision des Versailler Vertrages. Schacht erklärte weiter, daß Deutschland gern bereit sei, den Vorschlag Dkoosevelts auf einen Zollsrieden zu unterstützen.

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In Washingtoner politischen Kreisen werden jetzt die Aussichten der Weltwirtschafts- f n f e r e n j außerordentlich pessimistisch beurteilt. Vor allem die Ablehnung des von Amerika vor- geschlagenen Zollfriedens durch England und Frankreich und der englisch-argentinische Handels- vertrag haben in Washington schwer verstimm t. Ju politischen Kreisen wird erklärt, daß England und Frankreich offenbar den Zollkrieg fort setzen wollen, um die Vereinigten Staaten zu einem Entgegen­kommen in der K r i e g s s ch u l d e n f r a g e zu zwingen. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß Roosevelt a l s Gegenzug Handelserleichterungen mit Italien und Deutschland anstrebt. Welche Zu­spitzung die Lage erfahren hat, geht aus der Tatsache hervor, daß jetzt sogar die Verschiebung der Mitte Juni f älligen europäischen Kriegsschuldenzah­lungen bis nach der Weltwirtschaftskonferenz in de« amerikanischen Kongreßkreisen a b g e l e h n t wird.

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Der ehemalige französische Ministerpräsident Herriot ist von seiner Amerikareise wieder in Paris eingetroffen. In einer Erklärung an die Preffe führte Herriot u. a. aus, er könnenicht genug betonen, welches Verständnis für die Erfordernisse der Welt und die Be­dürfnisse Frankreichs er bei Roosevelt gefunden" habe.

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Wirtschaft und Arbeitsfront.

Briefwechsel zwischen dem Führer her Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, und dem Reichskommissar für die Wirtschaft, Wagener.

Der Reichskommissar für die deutsche Wirtschaft, Dr. Wagener, hat an den Führer der Deutschen Arbeits­front, Dr. Ley, einen Brief gerichtet, in der er ihn beglück­wünscht zu dem einzigartigen Erfolg, den seine Aktion für den Zusammenschluß des gesamten deut­schen Arbeitertums gehabt hat. Nirgends in der Welt, besonders nicht bei uns in Deutschland, sei es bisher. möglich gewesen, die ganze Front der Arbeiterschaft unter einer einzigen, festen und verantwortungsbewußten Füh­rung zusammenzufasscn.Ich fasse es", so schließt der Brief,als meine ganz besondere Aufgabe als Reichs- kommissar für die Wirtschaft auf, mit Ihnen in engster Fühlung zusammenzuarbeiten und sehe in dieser Zu­sammenarbeit einen neuen Schritt zu der Überwindung ^' Aist diesen^ Btiëf hat der Führer der Arbeitsfront, der Staatsratspräsidcnt Dr. Ley, u. a. folgendes ge­antwortet:Unsere langjährige persönliche Bekanntschaft und unsere völlig gleichgerichtete nationalsozialistische Überzeugung gibt mir und der von mir geführten deut­schen Arbeitsfront die freudige Gewißheit, daß der neue Geist der Zusammenarbeit, der uns erfüllt, sich von der Spitze auf die gesamte Organisation der Wirtschaft über­tragen wird, so daß künftighin bei Verhandlungen sich nicht mehr Klassengegner gegenüberstehen, sondern Männer mit gemeinsamem Denken und Wollen."

Die neuen Reichsstaithalier.

Der zum Reichsstatthalter für Württemberg er­nannte Staatspräsident Wilhelm Murr wurde am 16. Dezember 1888 in Eßlingen geboren. Er war im Groß­handel und in der Industrie tätig und machte den ganzen Weltkrieg an der Front mit, wobei er auch verwundet wurde. Nach dem Kriege war er in Eßlingen als Arbeits- richter tätig. Er schloß sich schon früh der NSDAP, an, in der er zuletzt das Amt des Gauleiters für Württemberg ausübte.

Der Reichsstatthalter für Baden, Robert Wagner, stammt aus Lindach (Baden), wo er am 13. Oktober 1895 geboren wurde. In der Ausbildung aus den Lehrerberuf begriffen, meldete er sich 1914 freiwillig ins Feld, wurde mehrfach verwundet und zum Leutnant befördert. Nach dem Umsturz 1918 trat Wagner als Ober­leutnant zur Reichswehr über, beteiligte sich an der Er­hebung 1923 und wurde darauf zu 1 % Jahren Festung ver­urteilt und aus dem Heere entlassen. 1925 gründete er den Gau Baden der NSDAP., dessen Leiter er wurde. Wagner war Reichstagsabgeordneter und badischer Landtagsabge­ordneter und wurde im Verlaufe der nationalen Revolu­tion Reichskommissar für Baden.

Der Reichsstatthalter für Sachsen, Gauleiter der NSDAP. Martin Mutschmann, wurde am 9. März 1879 in Hirschberg a. d. Saale geboren. Er ist Fabrikant

Tie neuen Reichsstatthalter.

Auf Vorschlag des Reichskanzlers Adolf Hitler bat der Reichspräsident folgende Persönlichkeiten zu Reichs- ft a 11 b a 11 e r n ernannt: loben, von links) Minister- oränbent R ö r e r in Oldenburg und B r e m c n Bauleiter Al u t f ch in ann in S a ch s e n Gauleiter Sprenger in H essen (unten, von links) Staats­präsident Wagner in Baden Staatspräsident Al u r r in Württemberg Gauleiter Loeper in B r n u n s ch w e i g und Anhalt.

Der Reichsstatthalter für Thüringen.

Der Vorsitzende des thüringischen Staatsministeriums, Staatsminister Sauckel, ist zum R c i ch s st a t t h a l t c r ernannt worden.

in Plauen und hat den Weltkrieg von 1914 bis 1916, wo er als kriegsnnbrauchbar entlassen wurde, an der West­front mitgemacht.

Der Reichsstatthalter für Hessen, Gauleiter bei NSDAP. Jakob Sprenger, wurde ant 24. Juni 1884 in Oberhausen (Rheinpfalz) geboren. Er war zu­letzt Oberpostinspektor in Frankfurt a. M. Den Weltkrieg machte er als Leutnant der Landwehrinfanterie mit und erwarb sich die bayerische goldene Tapferkeitsmedaille und das schwarze Verwundetenabzeichen. Sprenger ist seit 1922 Mitglied der NSDAP, und seit 1927 Gauleiter des Gaues Hessen-Nassau-Süd.

Der Reichsstatthalter für Bremen mb Olden- b ur,g, der oldenburgische Ministerpräsident Karl Röver, wurde am 12. Februar 1889 in Lemwerder (in Oldenburg) geboren. Von 1911 bis 1913 war er als Kauf­mann in Kamerun tätig. Am Weltkrieg nahm er bis 1916 an der Front teil. Dann war er in der Propaganda­abteilung der Obersten Heeresleitung tätig. Röver ist seit Einfang 1923 Nationalsozialist, seit 1928 Gauleiter im Wahlkreis Weser-Ems. Am 16. Juni 1932 wurde er Ministerpräsident des Freistaates Oldenburg.