Zulöaer Anzeiger
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Nr. 110 — 1933
Fulda, Freitag, 12. Mai
10. Jahrgang
Krise in Oesterreich verschärft.
Brausend erklang das Lied Volk ans Gewehr, dann das Horst-Wessel-Lied. Die ganze Veranstaltung wurde von der Berliner Funkstunde für alle Hörer des Deutschen Reiches übertragen.
KabinettSllwSlldung und Wchiverbot in Österreich.
Die letzten Mittel der Parteiregierung Dollsutz.
Dr. Dollfus;, von des österreichischen Zentrums und des Austromarxismus Gnaden noch Bundeskanzler, hat zu den letzten Mitteln gegriffen, um den Ansturm der nationalen Opposition in Österreich abzulenken. Er hat sein Kabinett „umgebilde 1", wie man zu sagen Pflegt, wenn eine Regierung lediglich einige Mmeuswechsel vornimmt und im übrigen alles beim alten läßt. So ist der frühere österreichische Bundeskanzler md jetzige Landeshauptmann von Niederösterreich, Dr. Buresch, an die Stelle des bisherigen Finanzministers Tr. Weidenhoffer getreten; Handelsminister ist der bis- dmge Präsident des Lebensmittelhändler-Verbandes, Pockinger, an Stelle von Jakoncic geworden; Akoncic hatte sich hinreichend verdächtig gemacht, daß er von dem regierungstreuen zum oppositionellen Teil der Heimwehren übergeschwenkt war. Und schließlich übernimmt der frühere Vizekanzler S ch u m V das Innenministerium, das bisher von Bachinger verwaltet wurde.
Der zweite Versuch, die nationale Bewegung in Lsterreich in ihrem ganzen Umfange möglichst nicht an die Öffentlichkeit treten zu lassen, besteht in einer Verordnung der Negierung, wonach alle bis zum 31. Oktober d. I. fälligen W a h l e n zu Landtagen und Ortsvertretun- grn kurzerhand verboten werden, und zwar mit der grotesken Begründung „zur Abwehr von wirtschaftlichen Schädigungen während der Fremdensaison".
Auch dieses Manöver erinnert wie die Kabinettsumbildung verzweifelt an die letzten Zeiten der Aera Brüning, in der das immer wieder erneute stürmische Verlangen der nationalen Opposition in Deutschland nach Neuwahlen einfach totgeschwiegen wurde. Herr Doll- suß glaubte sich zu diesem Wahlverbot anscheinend dadurch irrechtigt,. daß bereits ein Vorgang geschaffen wurde: am 4 Mai ist die. Maudatszeit des tirolischen Landtags ab- zelaufen: die Wiener Regierung hat jedoch durch den lirolischeu Landeshauptmann eine Vorlage auf Ver- chiebung der Landtagswahlen „bis zu den Neuwahlen für den Nationalrat" einbringen und mit der jeßt noch bestehend-— mittel- und linksparteilichen Mehrheit annehmen lassen.
Juguisitionsmanieren sind der Regierung Dollfuß, deren neue Zusammensetzung dem heutigen politischen Empfinden des österreichischen
Ein Fanal des neuen deutschen Geistes
zwo SchMWcher gehen «f dem Berliner OflemM i» Namen ans.
Der von der B e r l i n e r S t u d c n t e n s ch a s t gc- ^te „Kampfausschutz wider den undeutschen Geist Mir unter großer Anteilnahme der Bevölkerung den symbolischen A k t d e r V e r b r e n u u n g von etwa UUU politischen und moralischen undeutschen Schriften aus dem Berliner Opernplatz durch. Zu der Aktion, tue mit etneni Fackelzug der Studentenschaft durch den nördlichen Teil der Innenstadt und die Straße Unter den Linden verbunden war, hatten sich Zehntausende als Zeugen dieses Zeichens des Ausbruches eines neuen deutschen Geistes unter der Jugend eingesunden.
In der Mitte des Platzes war auf einem «andhausen ein großer Holzstapel von fünf Raummetern mit langen Holzkloben errichtet, große Scheinwerfer erhellten den Platz um dieses denkwürdigen Geschehens willens. ,. Inzwischen sammelten sich die Studenten, groLten- inls in braunen Hemden, hinter der Umverfttat, um von dort aus mit Musik und Fahnen zunächst den Marsch 1 n in S t u d e n t e n h a u s in der Orancen- bulger Straße anzutreten. Hier standen vor dem hell- ^leschteten Gebäude der Studentenschaft in langen Rechen
Lastwagen mit dem erfaßten undeutschen Schrifttum.
Jakute an den Wagen wiesen ans den Sinn der Aktion Zahlreiche Jugendverbände wie Hctler- üligend, die Kampfgemeinschaft junger Deutschnatconaler md anderer hatten hier ebenfalls Aufstellung genommen, um sich ven Studenten anzuschließen. Von hier aus wncerie sich der ganze inzwischen mit Fackeln auv- Uattete Zug zu einem Marsch durch die von drehten Menschenmengen umsäumten Straßen. Vor dem Ab- j M hielt der Führer des Kreises X des national, ozia-
1 Studentenbundes, Hippler,
eine Ansprache,
er u. a. ausführte: Der Kampf, der jetzt in diesen Zünden seinen Höhepunkt nimmt und von den Kameen des nationalsozialistischen Studentenbundes durch- * wurde, steht unter dem Leitwort „Wider den Deutschen Geist". Dieser Kampf soll ein Lvmbol M " lew, daß gie deutsche Jugend, ihr voran dre nalsozialistische akademische Jugend,
, sich auf sich selbst besinnt hiL.^ lelbst beginnt, alle Wcd erstände Und von dem Wege der deutschen Frerhect weg- a u m e n. Dieser Kampf ist Mer zugleich eure Mah-
Bolles ebensowenig entspricht rote die alte, inzwischen anscheinend ganz geläufig geworden. Als jeßt der Reichs- tagsabgeordnete Theo Habicht, Landesinspekteur der NSDAP, für Österreich, in Wien einen Vortrag über „Deutschland und Österreich" hielt, konnte ein Wiener Linksblatt mitteilcn, die Polizei sei aufs strengste angewiesen, darauf zu achten, daß der Redner sich unter keinen Umständen mit der ö st e r r r e i ch i s ch e n Politik beschäftigte! Abgeordneter Habicht tat weder der Regierung noch der Polizei den Gefallen, den Anlaß zur Aufhebung der Versammlung zu bieten. Gleichwohl brach die Polizei einen geradezu
lächerlichen Zwischenfall
vom Zaun, indem sie nach bereits ei n st und i g e r Dauer des Vortrages (!) plötzlich behauptete, die SA.-Leute auf dem Podium seien trotz des Uniformverbotes „in Uniform" erschienen, weil sie — weiße Hemden trugen! Die Polizei zwang die Weißbehemdeten, Mäntel anzuziehen.
Lächerlichkeit tötet, aber nicht im parteipolitisch regierten Österreich des Herrn Dollfuß.
*
Zustrom zu deutschen Schulen in Ostoberfchlefieu.
Ter „Erfolg" der polnischen Propaganda.
Der 5. Mai war der Termin, an dem in Ostoüer- schlesien die Ummeldungen der Kinder aus den polnischen in die deutschen Minderheitenschulen und umgekehrt vorgenommen wurden. Obwohl der Westmarkenverein und die Aufständischen bekanntlich alles darangesetzt hatten, die deutschen Elter,! an den Ummeldungen zu hindern, ist eine Verdoppelung der Ummeldungen von Kindern aus den polnischen Schulen in die deutschen Minder- Heitenschulcu gegenüber dem Vorjahr erfolgt.
Die polnische Presse sucht diesen Mißerfolg der polnischen Propaganda dadurch 31t erklären, daß sie behauptet, die Zahl der Ummeldungen sei sehr gering. Andererseits zeigt man sich aber verwundert, daß zahlreiche deutsche Eltern „bei der außerordentlichen wirtschaftlichen Notlage" Ummeldungen ihrer Kinder vorgenommen haben. Diese Bemerkung der polnischen Presse zeigt deutlich, mit welchen Mitteln man gegen die deutschen Eltern vorzugehen gedenkt, die es gewagt haben, auch weiterhin ihrem Deutschtum treuzubleibcn.
N U N g a N a l l e V 0 l r s g e N 0 s s e n, es bei dieser einen Handlung nicht bewenden zu lassen, sondern ebenso wie wir die Büchereien säuberten,
nun auch in den Herzen und Hirnen alles auszurotten,
was an u n d e u t s ch e n Theorien und krankhaften Ge- dankengängen in den letzten 14 Jahren in das deutsche Volk hineingetragen worden ist. Dieser Kampf soll ein Fanal f ü r d a s g e s a in t e d e u t s ch e V 0 l k sein, nun- mehr der äußeren Säuberung auch die innere Reinigung radikal folgen zu lassen. Hippler schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Adolf Hitler, in das die Studenten und die Menge begeistert einstimmten.
Dann wurde der riesige Scheiterhaufen in Brand gedeckt. Unter stürmischen Beifallsrufen der vielen Tausende hielten zahlreiche Berliner Studenten ihre zündenden Feuersprüche, um das undeutsche Schriftenmatcrml den Flammen, die hell in den Nachthimmel emporloderten, zu übergeben.
Dann ergriff, von tosendem Jubel begrüßt
Reichsminister Dr. Goebbels
das Wort zur Ansprache an die Studentenschaft. Dr. Goebbels betonte u. a.r .
Die Universitäten hätten sich mit dem Schmutz jüdischer Asphaltliteraten angefüllt. Die hohe Wissenschaft habe sich vor dem wirklichen Leben hinter Paragraphen und Aktenstücken verschanzt, mit dem Gummiknüppel habe man die Studenten vertrieben, die gegen das schmachvolle System und die Schande von Versailles protestiert hätten.
Der kommende junge deutsche Mensch müsse nicht nur ein Mensch des Buches, sondern vor allem ein Mensch des Charakters sein. Wie der Ungeist der Vergangenheit den Flammen überantwortet sei, so müsse ans den jugendlichen Herzen der neue deutsche Geist aufflammen. Die geistigen Grundlagen der NovemberrevoUe lägen am Boden, aber aus ihren Trümmern werde sich siegreich der Phönix eines neuen Geistes erheben. Aus dem Niedergang der alten Epoche erhebe sich der Aufstieg der neuen Zeit. Volk habe wieder endlich zu Volk gefunden. Dadurch, daß die Studenten dasselbe braune ^Ehrenkleid mit dem Arbeiter trügen, mit ihm im selben Schritt und Tritt marschierten, sei für alle Welt sichtbar geworden, daß sich das deutsche Volk wieder geeinigt habe.
Wie das Alte hier in den züngelnden Flammen liegt, so wird das Neue aus den Flammen unserer eigenen Herzen wieder emporftcigen. Laßt uns immer wieder zu . vem Gelöbnis, zu dem Schwur zusammenfinden: Das Reich, die Nation und unser Führer Adolf Hitler Heil, Heil, Heil!
Die Zinsfrage für die Landwirlschaff.
Eine Unterredung zwischen Hugenberg und Darre.
In einer Mitteilung der agrarpolitischen Presiestelle des Amtes für Agrarpolitik bei der Reichsleitung der NSDAP, heißt es u. a.r „Auf Wunsch des Herrn Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Hugenberg, fand eine unverbindliche Fühlungnahme in der Entfchuldungsfrage statt. An der Unterredung nahmen seitens des Reichsernährungsministeriums teil: der Herr Reichsernährungsminister, der Staatssekretär von Rohr, sowie der für die Entschutdungs- fragen zuständige Fachberater Ministerialrat Harme- ning. Seitens des Amies für Agrarpolitik der NSDAP, nahmen teil: der Amtsleiter Darr 6 , der Sachberater für Entschuldungsfragen, Domänen^ächter Backe, M. d. L., und der 1. Adjutant des Amisleiters Freiherr vou Zeppelin. Die Unterredung führte zu keinem abschließenden Ergebnis." Die Verhandlungen drehten sich in erster Linie um die Zinsenfrage. Das Ministerium hält aus kredittechnischen Gründen einen Zinssatz von vier Prozent und % Prozent für Amortisation für notwendig, während das Amt für Agrarpolitik zwei Prozent Zinsen bei der Abtragung der Kapitalschuld für möglich hält. Über das Z i e l der Zinssenkung als so-lche besteht Übereinstimmung.
Eine Erklärung des Aeichsernährungs- minifteriums.
Über die Aussprache des Reichsministers Dr. Hugenberg mit dem Leiter des Amtes für Agrarpolitik der NSDAP., Darrö, über die Durchführung der landwirtschaftlichen Entschuld u n g erfolgt auch v 0 mRei ch s- e r n ä h r u n g s m i u i st e r i u m eine Darstellung, in ver es heißt:
Seitens des Reichsernährungsministers Dr. Hugenberg wurde erklärt, daß er entsprccheud seiner gesamtwirt- schafttichen Einstelluug die Gesund n u g des beu;4icn Bauerntums als die wirtschaftliche Grundaufgabe ansehe und grundsätzlich zu j e d e r Maßregel bereit fei, die unter dem Gesichtspunkt des G e s a m t w 0 h l e s zugunsten der Landwirtschaft ergriffen werden könne. Er werde die von den Herren vorgetragenen Gedanken gern einer näheren Prüfung unterziehen.
Er müsse aber die Frage aufwerfen, ob wirklich vom Standpunkt der Landwirtschaft aus der Vorschlag einet Zwangsherabsetzung der Zinsen auf zwei Prozent i m Endergebnis einen Vorteil darftelle, besonders aber, ob die Landwirtschaft, die jetzt tatsächlich im Durchschnitt noch mehr als sechs Prozent zahle, ein ganz ausschlaggebendes Interesse daran besitze, eine Anuität von sage drei Prozent statt sage 4% Prozent zu zahlen.
Wenn der M i l ch p r e i s auch nur um einen Pfennig steige, wie es infolge des von ihm erlassenen Fettgesetzes bereits jetzt der Fall sei, so mache dies für die Landwirtschaft mehr ans, als der erwähnte Zi ns unte r - schied. Die von ihm mit dem Fettgesetz angestrebte und mit Sicherheit zu erwartende Bt i l ch p r e i s st e i g e - r u n g aber bedeute ein Vielfaches jenes Zinsunterfchiedes, von der übrigens bereits sichtbaren Preisgestaltung aller anderen agrarischen Produkte ganz abgesehen. Vom Standpunkt der Landwirtschaft selbst aus habe es schließlich doch auch eine gewisse Bedeutung, mit ihren Forderungen nicht gerade an solchen Stellen einzusetzen, tvo sich die größten S ch w i e r i g k e i t c n f ü r d i e G e s a m t w i r t- sch a s t ergeben.
Auch das Interesse der kleinen S p a r e r, der Geschwister und vieler mit der Landwirtschaft eng verbundener Kreise dürfe schließlich nicht u n b e r ü et f i ch»- tigt bleiben. In einer gesunden Preisgestaltung und in einer Herabsetzung der übrigen Lasten der Landwirtschaft böten sich größere Möglichkeiten der Gesundung der Landwirtschaft als gerade auf dem Gebiete einer Z i n s g e st a ltun g , die der gesamten augenblicklichen Wirtschaftslage durchaus widersprechen würden. Er werde selbstverständlich, wie schon gesagt, die gegebenen Anregungen sorgfältig p r ü f e n und, soweit möglich, auch im R e i ch s k a b i 11 e t t wiedergeben.
Eidesleistung vor den Gerichten.
Der preußische Justizminister K e r rl hat eine Verfügung erlassen, in der es heißt: „Deutsche Gerichte werden in der religiösen E i d e s f 0 r m im Gegensatz zur weltlichen d i e Eidesform erblicken, die allein den sittlichen Überzeugungen des deutschen Volkes entspricht. Die Eidesabnahme in weltlicher Form ist daher auf die Fälle zu beschränken, in denen es unvermeidlich ist."
Kleine Leitung für eilige Leser
* Ein K ranz, hen Dr. Alfred Rosenberg in London am englischen Gefaücnenmal niedergelcgi hatte, wurde von einem Engländer entwendet und in die Themse geworfen.
* Die Anmeldungen für die deutschen Minderheitenschulen im Ostobersâesten habxn sich geaeH das Verjähr v e r - d o v v e s t
* Dir tniSrtcidpithr Regierung Dollsutz hat alle Wahlen bis zum 31. Oktober verboten.