Zulöaer /lnzeiger
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Nr. 114 — 1933
Fulda, Mittwoch, 17. Mai
10. Jahrgang
Vor der großen Kanzlerrede.
llogehegre Spannung
in der ganzen Welt.
In Erwartung der Erklärung Hitlers.
Seitdem die deutsche Delegation im Jahre 1919 zur Entgegennahme des Versailler Diktates vor dem Forum der Siegermächte erschien, ist wohl in den verflossenen vierzehn Jahren kaum eine Kundgebung eines Staats- Mannes in seinem eigenen Lande und in der ganzen übrigen Welt mit einer solchen Spannung erwartet worden wie die heutige offizielle außenpolitische Er- llirung des Reichskanzlers Adolf Hitler. Diese Span- Wg geht so weit, daß die sogenannte große Politik in bk» letzten Tagen fast zum Stehen gekommen ist. In @cn f wurden die für Montag angcsetzten und bereits msgearbeiteten Verurteilungsreden der Militärstaaten gegen Deutschland abgesetzt, die Verhandlungen bis nach der deutschen Erklärung fast völlig eingestellt. In P a r i s und in London haben Kabinettssitzungen stattgefunden lediglich mit dem Ergebnis, daß man abwarten will, was das deutsche Volk durch den Mund seines Reichskanzlers der Welt zu sagen hat. Und aus Washington hat der amerikanische Präsident Roosevelt sich ganz plötzlich entschlossen, noch vor der Erklärung des Reichskanzlers eine ernste Mahnung an die Welt zu richten.
Deutschland könnte diese Initiative des amerikanischen Präsidenten nur begrüßen, soweit der Inhalt seiner Adresse die deutschen Lebensrechte nicht antastet oder sie noch weiter im Sinne der westeuropäischen Militärmächte eingeschränkt wissen will. Eine
Aufrüttelung des Weltgewissens in dieser ernsten Stunde auch von anderer als der deutschen L-eite ist um so notwendiger, als die französische und zum Teil auch die englische Presse diese letzte Zeit unmittelbar vor der Erklärung des Reichskanzlers mit allen Mitteln zur S t i mmungsmache gegen Deutschland wch auszunutzen versuchen. Da wird nicht nur in der Bttfani bekannten Weise die Welt gegen Deutschland auf- zeputscht, sondern man geht teilweise so weil, dem Reichs- ianUer schon jetzt ganz bestimmte Gedankengänge für seine (Mlärung zu unterstellen, ja ihm sogar mehr oder weniger deutliche Ratschläge, im Sinne der Genfer Politik selbstverständlich, zu erteilen.
Deutschland, der Gläubiger der Abrüstungskonferenz, braucht in dieser Frage und in dieser Stunde keinerlei Ratschläge, am allerwenigsten aus Paris oder London. Ter Reichskanzler, der dem Reichspräsidenten von Hindenburg über die politische Lage ausführlich Bericht erstattete, wird die Abrüstungskundgebung des amerikanischen Präsidenten mit der Aufmerksamkeit und Gewissenhastigkeit prüfen, die man an ihm gewöhnt ist. Das deutsche Volk kann sicher sein, daß seine Vertretung vor der Welt bei seinem Kanzler in den besten Händen ist.
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Oer Kanzler bei Hindenburg.
Reichspräsident v. Hindenburg empfing Reichs kâzler Hitler zum Vortrag über die politische Lage. Wie verlautet, hat an der Besprechung auch Reichsinnen- ininister Dr. F r i ck teilgenommen. Der Reichspräsident empfing ferner den Botschafter Nadolny zum Bericht über die Genfer Verhandlungen.
Ein Driedsnsanfruf Asssevetts.
Aber er läßt alle Möglichkeiten für Frankreich offen.
Präsident Roosevelt hat durch Kabel an 55 Re- iNenmgen der Erde einen Aufruf für wirtschaftlichen und Militärischen Frieden gesandt.
Das Programm Roosevelts enthält folgende Punkte: st Alle Nationen sollen Macdonalds Abluft u n g s p l a n unterstützen.
2. Es soll b a l d i g st ein Abkommen getroffen werben, um diesen Plan in die Tat umzusetzen
3. Während der Verhandlungen über das Abkommen °°rs keine Nation ihre Nüstungsstärkc über die beftehen- Verträge hinaus erhöhen.
4. Alle Nationen sollen einen heiligen und eud- »uitigen Nichtangriffspakt abschließen.
Falls irgendein Land sich weigert, diese Ziele mit Aufrichtigkeit zu unterstützen, so wird hierdurch ,Weg zum Weltfrieden versperrt, und die zivilisierte M wird wissen, wo die Verantwortung für den Mag liegt.
■ Es verlautet, daß der Aufruf hauptsächlich an °dresArt"st ^âkreich, Japan, China und Südamerika friosrü. s°hr Deutschland auch aus seiner ganzen unbedingt
- 1 und ruhebedürftigen Einstellung heraus der Schatt des Präsidenten Roosevelt den Erfolg einer
V? Friedensvorbereitung wünschen muß, so sehr sein.- auch darüber klar fein. daß zwei Punkte beh Aufrufes für Deutschland nicht un- sind. Erstens soll währen" der Dauer der blei,»» Zungen in dem allgemeinen Rügungsstand alles ist; das bedeutet nach den bisherigen mel- â teifabrunaen Deutschlands, daß seine WebrlonL-
keit einerseits und die riesige Aufrüstung und Angriffs- bereitschaft der Militärmächte andererseits noch bis auf unbestimmte Zeit andauern würde.
Und zweitens wird die Zustimmung zu dem Abrüstungsplan Macdonalds, der bekanntlich nur in einigen Teilen für Deutschland annehmbar ist, in fast ultimativer Form als Bedingung für die Erhaltung des Friedens hingestellt. Da gewisse Punkte des englischen Planes in seiner jetzigen Form für Deutschland unannehmbar sind und bleiben, ist der Gegenseite, vor allem Frankreich, jede Möglichkeit gegeben, aus dieser Formel des Roosevektscben Aufrufs Kapital gegen Deutschland im Sinne der Genfer Anklagepolitik zu schlagen. Die Reichs- regierung wird dem zu begegnen Wissen!
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Abrechnung mit Frankreich.
Den 1 7. Ul a i 1 9 3 3 werden neu in Zukunft die Deutschen zu merken haben: nach den unzähligen erfolglosen „diplomatischen" Reden, mit denen sich Deutschland seit seinem Eintritt in den sogenannten Völkerbund an den Genfer Verhandlungen beteiligte, werden jetzt endlich einmal Deutschlands verbriefte Rechtsansprüche und die daraus für die hochgerüsteten Staaten sich ergebenden Verpflichtungen ausgesprochen werden
Wer hinsichtlich der Vertragstreue ein so schlechtes Gewissen hat, wie es Frankreich, England und ihre Gefolgstaaten gegenüber Deutschland haben müssen, dem ist jedes Mittel recht, um die Politik der phrasenumkleideten Gewalt forlzusetzen. Er gehört schon französische Dreistigkeit und englische Bedenkenlosigkeit dazu, um die Mitglieder der politischen Organisationen eines entwaffneten Volkes plötzlich als kriegsverwöndungsfäbige „Soldaten" zu bezeichnen, wie, es jetzt in Genf gegenüber der SA. und dem Stahlhelm geschieht. Es gehört schon britische Unverfrorenheit und gallischer Machtwahnsinn dazu, um vierzehn Jahre nach einem Weltkrieg mit Drohungen im Diktatstil der Versailler Tage über ein wehrloses, ausgeplündertes Volk her- zufallen, wie es die beiden Kriegsminister dieser Mächte jetzt getan haben.
Und das wagen Staatsmänner auszusprechen, die ganz genau wissen, daß ihre eigenen und die ihnen verbündeten Völker den größten Rüstungsblockder Weltgeschichte darstellen, daß ferner in ihren Staaten der kriegerische Angriffsgeist schon die Schuljugend zum militärischen Waffendrill zwingt, daß sie über die gewaltigsten Arsenale, Festungen, Luftflotten, Tankgeschwader und über mehr als zehn Millionen Mann ait ausgebildeten und jederzeit kriegsbereiten Reservemannschaften verfügen! Gesetzt den Fall, Deutschland hätte heute nicht ein paar Hunderttausende, sondern zehn, zwanzig, dreißig und mehr Millionen nationalpolitisch organisierter und dazu wehrfähiger Männer: welchem unter den hochgerüsteten Militärstaaten rings um Deutschland herum könnten sie gefährlich iverden? Womit? Mil Spazierstöcken oder Pistolen? Oder, wenn wir schon die „Bewaffnung" der Reichswehr mit einrechnen wollen, mit ein paar Hundert Maschinengewehren, leichten Feldgeschützen und Minen- werfern?
Frankreich, der böse G e i st Europas, ist heute eilte einzige riesige Festung, in der das ganze Voll nach den von Tardieu und Paul-Boncour ausgearbeitcten Mobilmachungsgesctzen e i n s ch l i e ß l i ch d e r F r a u e u u n d G r e i s e in die Kriegsmaschinerie cingeglicdert ist. Dieses Frankreich hat an seiner Ostgrenze, also nach Deutschland hin, in mehrjähriger Arbeit die größte A n - griffsbasis errichtet, die in der militärischen Geschichte überhaupt bekannt ist; ihre weittragenden Geschütze bestreichen große Teile des linken deutschen Rheinufers. Ähnliches gilt — man kann diese Dinge dem friedlichen Deutschen nicht oft und eindringlich genug darstellen! — von der deutschen Ost grenze, also von Polen.
Es wird immer zu den größten Betrügereien der Weltgeschichte gehören, daß wie die Kriegsschuldlüge so die Lüge von Deutschlands Aufrüstungswillen trotz seiner allbekannten Wehrlosigkeit die Begründung für die riesigen Angriffsheere der Militärsiaaten und für die gleichzeitige Verweigerung des Ve^teidigungsrechtes anDeutsch- land dient Und damit nicht genug! Man verlangt jetzt von uns neue Verpflichtungen auf unsere Wehrlosigkeit, neue Verzichte auf ein entscheidendes Kennzeichen der Staatshoheit, aber nicht etwa als Entgelt für die Gewißheit der Abrüstung der anderen, sondern nur für eins der vielen, vielen unverbindlichen Versprechen, daß man in einer unbestimmten Zukunft — vielleicht — diese oder jene Kleinigkeit aus den Milliarden-Heeres- ctats streichen werde. Deutschland hat diese Sorte von Versprechungen seit vierzehn Jahren gesammelt wie taube Nüsse.
Wir pfeifen endlich darauf, daß Herr Macdonald, Englands reisefroher Ministerpräsident, und seine Negierungspresse gelegentlich von der Notwendigkeit der deutschen Gleichberechtigung sprechen und uns dann im entscheidenden Augenblick einen inzwischen ausgetiftelten Plan vorlegen, der mit einem d r e i st e n Täuschungsmanöver alles beim alten läßt. Es genügt uns auch nicht, wenn Amerika gelegentlich die Abschaffung der AnrrriffswaffLn fordert. um sich dann in aeaedLnem
Moment an dem Druck der Mächte auf das ungesichertste aller Länder in Europa zu beteiligen und so die Abrüstung immer wieder hinausschieben zu helfen. Die deutsche Forderung, daß nur noch Verteidigung^': D ’ zugelassen werden dürfen, ist in Genf ernsthaft über' noch nicht erörtert worden! Die Zwangsvorstellung.:» der Versailler Diktatmächte wollen, daß die großen Kriegs- mäd)te für immer ausgerüstet und die waffenlosen Staaten für immer wehrlos bleiben; damit wären also diese wehrlosen Staaten jederzeit jedem Angriff, jeder Vergewaltigung schutzlos preisgegeben. Daß sowohl die Völkerbundsatzung als auch das Pergament des Kellogg-Paktes praktisch ohne jede Bedeutung sind, zeigen die seit mehreren Jahren andauernden Kriege im Fernen Osten und in Südamerika
Die Militärmächte wollen jetzt Deutschland ein Mti- matum stellen und es öffentlich als denjenigen brandmarken, der bett AbrüstungSgevanken durch seinen bösen Willen genjordet hat Die Welt ioü sich nicht täuschen! Das Deutschland der nationalen Revolution ist nicht mehr das Deutschland der nationalen Würdelosigken von 19<9 bis ins Jahr 1932 hinein. Es geht nicht mehr um irgend- welche Kniffe zur Vermeidung der Abrüstung, es geht um den Abrüstungswillen überhaupt, vor allem um Frankreichs und seiner Trabanten Abrüstungswillen, desselben Frankreich, das nach Bismarck „her alleinige Friedensstörer ln Eur 0 pa ist und es bleiben wird, 10= lange es dies bleiben kann". Der gleiche Bismarck a er, der 1879 die Abrüstung als „das einzige Mittel ur Hebung der Finanzen und zur Besseruna der Lage der Bevölkerung" nannte, gab auch acht Tage später den Weg an: „Der kriegslustigste Staat in Europa ist Frankreich, und mit einer Isolierung Frankreichs würde der europäische Frieden gesichert sein."
Es wird Zeit, den alleinigen Friedensstörei in Europa endlich vor aller Welt anzuprangern.
P. A. R.
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Uebertragung der Rede des Reichskanzlers auf alle deutschen Sender.
Die große außenpolitische Erklärung, die der Führer namens der Reichsregierung heute vor dem Reichstag ad- geben wird und der in Anbetracht der außenpolitischen Lage außerordentliche Bedeutung zukommt, wird, wie wir hören, von allen deutschen Rundfunksendern übertragen. Der Reichstag tritt heute gegen 3 Uhr zusammen. Für abends 8 Uhr ist eine Wiederholung der Rede des Führers ?:m; Rundfunk für alle deutschen Sender vorgesehen, so haben alle Deutschen und darüber hinaus die Welt die Möglichkeit, die Führererklärung am Rundfunk mitzuerleben.
Zn schicksalsvoller Stunde.
Der Reichstagsvizepräsident Graef- Eisenach behandelte in der Ortsgruppe Rudolstadt der Deutschnationalen Front nach einem Hinweis auf die schicksalsvolle Stunde der deutschen Außenpolitik die Frage nach der Z u f a in m e n a r b e 11 mit der NSDAP. Über den Verdiensten der Nationalsozialisten dürfe nicht vergessen werden, daß die Deutschnationale Volkspartei 1918 die einzige nationale Partei gewesen sei, die damals dem Marrismus die Stirn geboten habe. Mit den Worten „Hände weg von Hugenberg!" wandte er sich gegen die Entschließung des Thüringischen Bauerntages, die sich gegen den Reichsernährungsminister richtete. Er mahnte, in dieser ernsten außenpolitischen Situation den Bund vom 30. Januar nicht zu zerbrechen. Hugenberg werde nach Helfferich der zweite Wohltäter des deutschen Volkes werden. Die Ortsgruppe sprach dann in einer Entschließung Dr. Hugenberg Dank und Vertrauen aus
Aufklärungsamt für Devölkerungspolitik und Rasfenpflege errichtet.
Auf Anregung des Reichskanzlers Adolf Hitler ist das A u f k l ä r u n g S a m t für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege bei den Shitzenverbänden der deutschen Ärzteschaft in Berlin errichtet worden. Es arbeitet in enger Fühlungnahme mit dem Reichsministerium des Innern und dem Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung. Zu seinem Leiter ist Dr. med. W. G r 0 ß aus München berufen worden.
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äleine Zeitung für eilige Leser
* Die deutsche Handelsbilanz schließt für den April mit cineiii Ausfuhrüberschuß von 61 Millionen Mark
* Präsident Roosevelt hat an 55 Regierungen einen Aufruf zur Sicherung des Friedens ergehen lassen.
* Der greife ehemalige Bundespräsident der deutschen Frisciirlnilungcn, Hans Brandt, ging gemeinsam mit seiner Gattin in den Tod.
* In den Vereinigten Staate« wurden bei einem Ricsen- brand in der Stadt Auburn 250 Häuser ciltgrâschcrt 1300 Person LU obdachlos.