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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 116 1933

Fulda, Freitag, 19. Mai

10. Jahrgang

Widerhall aus dem Auslande

Weltecho der Kanzlerrede.

Stärkster E i n d r u ck überall.

Der Widerhall der großen außenpolitischen Erklärung, die Reichskanzler Adolf Hitler im Namen Deutsch­lands gewissermaßen im Angesicht der ganzen Welt abgab, zeigt vor allen Dingen in den Äußerungen der großen Weltpresse, daß die Wirkung selbst weitgestccktc Erwar­tungen noch stark übertroffen hat. WHhin man in den Ausgaben der großen Blätter aus allen Staaten auch blickt, überall kann man feststellen, daß die Vereinigung von ßaatsmännischer Überlegung mit diplo­matisch e m G e schick eine Wirkung hervorgerufen hat, der sich nicht nur die Regierungen und die politischen Fach- üute der übrigen Völker nicht entziehen können, sondern dir auch den stärksten Eindruck aus die Massen, auf die SU k c r selb st gemacht hat. Aus einer ganzen An- M von Hauptstädten des Erdteils wird gemeldet, daß »ic Abendblätter vom Mittwoch bei ihrem Erscheinen auf der Straße den Zeitungsverkäufern von der Menge geradezu aus der Hand gerissen und stehenden Fußes gelesen wurden. Kaum ein Blatt, das nicht die bedeu- limgsvollste deutsche Regierungserklärung der ganzen Nachkriegsjahre im Wortlaut wiedergibt, mit allen Bei fallskundgebungen und allen Einzelheiten der Reichstags- schung.

In einer großen Anzahl von Äußerungen selbst solcher Auslaudsteile, die mit einer erstaunlichen Unselbständig- fcit im französischen Fahrwasser zu segeln gewohnt sind, kommt übereinstin meicH zum Ausdruck, daß

oie Verantwortung

für das weitere völlige Versagen der sogenannten Ab­rüstungskonferenz, für eine weitere deutschlandfeindliche Lerdrehung aller Tatsachen und darüber hinaus für eine weitere ernste Gefährdung des Friedens unter keinen Umständen bei Deutschland, sondern einzig Md allein bei dem führenden Aufrüstungsstaat der Welt, be i Frankreich und bei seinen Trabanten, liegt.

Im einzelnen ergeben die bisherigen Äußerungen res Auslandes folgendes Bild:

Die französische Staatengruppe.

Der politische Anblick Frankreichs und seiner Gefolgstaaten m Abend und am Tage nach der Kanzlererklärung wäre unter anderen Umständen geradezu erheiternd. Die französische Presse jèiqi sich völlig verlegen, um nicht zu sagen ratlos. Coweit die Pariser Presse noch einen Rest von Anstand und Mem Willen hat, muß sie wohl oder übel diese Eigenschaften der deutschen Erklärung anerkennen und auch die bei- iviellose Wirkung nicht nur aus den Reichstag und die an­wesenden fremden Diplomaten, sondern auch aus die ganze Welt bestätigen. Das hindert die ewig unbelehrbaren und Mmdsätzlich böswilligen Teile der französischen Presse natür­lich nicht, nun kranipshaft nach irgendeinem A n - Niffspunkt zu suchen, und sie finden sich in dem per- siden Gedanken, man werde Deutschland nur nach seinen »Handlungen" beurteilen ein Deutschland, das nach An- Mme des niederträchtigsten Friedensdiktates der ganzen j «lizeschichte vierzehn Jahre lang nur nach den i «Äschen und Befehlen fremder Mächte gehandelt hat! In I Min Sinne versichert dann auch das bekannte HetzblattEcho man werde Deutschland in der fünfjährigen ngszeit die Gleichberechtigung nicht > ^tttennen, sondern seinewahre Gesinnung" studieren Möglichkeiten einer Abrüstung prüfen. Oder die i »irre Nouvelle" behauptet entgegen dem Wortlaut der Kanzler- & also wider besseres Wissen, Deutschland wolle sich den Juchten der Verträge entziehen (nicht etwa das seit vierzehn Mren diese Verträge sabotierende Frankreich!). Aus alledem " ohne weiteres schon zu entnehmen, mit welchen Mitteln i Pst nach dieser von aller Welt anerkannten Erklärung 7outschlands Frankreich seine Gegenarbeit vor allem in fortzusetzen versuchen wird.

, Auch Frankreichs Gefolgstaaten unterliegen dem [ singenden Einfluß der Kanzlerrede. Gleichwohl scharen sie R um den großen französischen Bruder und behaupten etwa, "das Problem der Gleichberechtigung mit dem Programm " Abrüstungskonferenz nichts gemeinsam hat".

I , An dem Völkerbundsitz Genf ist man begreiflicherweise I .6cn französisch orientierten Kreisen in peinlich st erVer - I Heil, besonders über die Fragen des Reichskanzlers Verhältnis zwischen der Sicherheit Frankreichs und ^Sicherheit Deutschlands.

England.

».In England, wo die Bevölkerung stärksten Anteil an der ^^ngssitzung genommen hat, machte sich noch am Abend .7"üwochs ein st a r k e r U m s ch w u n g der vielfach gegen ^unchland gerichteten öffentlichen Meinung bemerkbar. Es ? aber außerordentlich bezeichnend, daß dieser Umschwung in englischen Presse nicht voll zum Ausdruck Äl Statt der vorbehaltlosen Zustimmung, die am Abend Mittwochs in Londoner Publikumskreisen allenthalben zu men war, verlangen manche englischen Blätter, entsprechend Einstellung, nachprahlen Be- Gr die Ankündigungen Hitlers: sie verlangen alw mit «aderen Worten eine Fortsetzung der bedingungs- Untcrwcrsungspolitik Deutschlands wahrend "ergangenen vierzehn Jahre.

Italien.

tz^Die italienische Presse spricht in vielfach starken Worten 3 uft immun g zu der Erklärung de» aus. Da liest man etwa, daß niemand be- daß Deutschland der Saboteur der Abrustungs- die ^U Deutschland habe nun das Recht, zu fordern, daß i°ln,-^Gerüsteten Staaten loval seinem Bei spiel Dder dieStampa", ein führendes Mailander die französischen Manöver und Tauschungs- mißglückt: der Kanzler habe Frankreich die cn "ms der Hand geschlagen.

Amerika.

Welch ungeheures Interesse man in den Vereinigten Staaten von Amerika an der offiziellen deutschen Erklärung genommen hat, geht u. a. aus der Tatsache hervor, daß die amerikanischen Berichterstatter den vollen Wortlaut der Rede, Migefähr 4000 Kabelworte, und außerdem ausführliche Schilderungen aus dem Reichstag unmittelbar nach der Sitzung nach Amerika durchgaben. Die amerikanische Regie­rung mit dem Präsidenten Roosevelt an der Spitze hörte den Wortlaut der Rede am Lautsprecher; auf Grund seiner Kenntnis der deutschen Sprache konnte der amerikanische Präsident die Rede seinen Beamten aus dem Stegreif über­setzen. Auch in Amerika ist man von der maßvollen sachlichen Darstellung und der Würde der Haltung Deutschlands stark beeinflußt.

Im übrigen ist für die Wirkung der Erklärungen des Reichskanzler auf den nüchtern denkenden Amerikaner nichts kennzeichnender, als daß noch während der Rede die Finanz­männer und Börsianer umfangreiche Börsenaufträge erteilten, so daß die Kurse an der Newyorker Börse um einen bis sechs Punkte stiegen.

Die Diplomacen lauichcn der Hitter-Nede.

Unser Bild gibt einen Blick in die Diplomatenloge während der denkwürdigen außenpolitischen Rede des Reichskanzlers Hitler in der Reichstagssitzung in der Kroll-Oper. Links der englische Botschafter Sir Horace Rumbold, neben ihm der türkische Botschafter Kemalettin Sami Pascha und der italienische Botschafter Vittorio Cerutti.

Preußen im

Die Ermächtigung

für die Preußenregierung.

Großer Tag im Preußenparlament.

Die zweite Sitzung des neuen Preußischen Land­tages stand im Zeichen einer ganz besonders bedeutungs­vollen Tagesordnung. Vor allem hatte das Haus die R e g i e - rungserklärung des Kabinetts Göring entgegen­zunehmen, dann aber auch das von den Nationalsozialisten und den Deutschnationalen eingebrachte Ermächtigungs­gesetz in allen drei Lesungen und damit endgültig zu ver­abschieden.

Der Andrang des Publikums zu dieser Landtagssitzung war außerordentlich stark. Die Polizei mußte das Landtags­gebäude in weiterem Umfange absperren.

Im Sitzungssaal war Pflanzenschmuck angebracht worden Hinter dem Präsidium hing das Halenkreuzbanner, flankiert von der schwarz-weiß-rote» und der schwarz-weißen Fahne. Schon mehr als eine Stunde vor Sitzungsbeginn waren die ersten Zuhörer aus den Tribünen erschienen. In der D i p l o - m a 1 e n l o g e bemerkte man als einen der ersten den national­sozialistischen Reichstagsabgeordneten P r i n z A u g u st W i l - h e l m , der im vorigen Landtag der nationalsozialistischen Preußenfraktion angehört hatte. Pünktlich waren auch die 211 Nationalsozialisten in ihren braunen und schwarzen Uniformen im Sitzungssaal erschienen. In den Reihen der Deutschnario- nalen sah man die grüne Uniform der deutschnationalen Kampfgruppen. Auch der Stahlhelm war im Abegordneten- parkett vertreten. Nachdem Ministerpräsident Göring mit den Ministern auf der Regierungsbank Platz genommen hat.

eröffnet

Präsident Kerrl

die Sitzung mit Ausführungen, in denen er u. a. sagt: Fast ein Jahr lang wurde Preußen durch Kommissare des Reiches ver­waltet, weil es dem Landtag nicht gelungen war, durch die Wahl eines Ministerpräsidenten eine Regierung zu bilden. Heute treten wir gleichsam unter einer neuen V er - sa s s u n g zusammen, die zwar dem Preußischen Landtag das formale Recht der Wahl des Ministerpräsidenten genommen hat, die aber dafür von dem deutschen Volke in seiner über­wältigenden Mehrheit aus frohem Herzen begrüßt wird und die auch im Inneren Preußens die Möglichkeiten der Wiedererweckung staatlichen Lebens geschaffen hat. Am 30. Januar d. I.' hat der verehrungswürdige greise Gcneralfeldmarschall des Weltkrieges Reichspräsident von Hindenburg den Führer der nationalsozialistischen Bewegung Adolf Hitler zum Kanzler des Deutschen Reiches ernannt. . . . _ o

Der Mann mußte kommen, der in Notzeiten seines Volkes Geschichte macht. So grüßen wir in dem Führer und Kanzler, der unS der Herzog im Kampfe um die deutsche Größe und

Oie ^Reichsregierung sehr befriedigt.

Berücksichtigt man die Wirkung der vergangenen vierzehn Jahre, die angefüllt waren mit einer unaufhörlichen Hetzpropa­ganda der westlichen Mächte, vor allem Frankreichs, gegen Deutschland, einer Hetze, die sich in den letzten Monaten und Wochen ins Ungeheuerliche steigerte, so darf man sagen, daß die Erklärung des Reichskanzlers in der Wirkung auf das Ausland in der deutschen Nachkriegszeit einzig v a st e h t. Mit Recht kann die Reichsregierung ihrer tiefen Befriedigung über diese Wirkung Ausdruck geben.

*

Amerika verstärkt se ne Bahnung.

Für Abschaffung der Angrissswaffen.

Angesichts widersprechender Auslegungen des Ab­rüstungsvorschlages Roosevelts, die besonders von Frankreich in grob entstellender Weise verbreitet werden, veröffentlicht die amerikanische Regierung eine Klarstellung, die mit aller Deutlichkeit u a. besagt:

Die amerikanische Regierung geht keinerlei Verpflich­tungen ein, außer bei folgenden Möglichkeiten:

Wenn sämtliche anderen Nationen die Abschaf­fung der Angrissswaffen beschließen, werden die Vereinigten Staaten das gleiche tun.

Wenn sämtliche anderen Nationen während der Ab- rüstungsperiode Übereinkommen, nicht in Nachbargebiete einzufallen, werden sich die Vereinigten Staaten diesem Übereinkommen anschließen

*

Schluß mit den Genfer Methoden!

Wie in Berliner politischen Kreisen erklärt wird, kommt es jetzt darauf an, daß die bisher in Genf an­gewandten Methoden geändert werden, nachdem der Ver­such der Konferenz, Deutschland zu einer noch weiter- gehenden Abrüstung zu veranlassen, gescheiten ist.

Da die Wellwirtschaftskonferenz erst am 12. Juni in London beginnt, ist nach Berliner Auffassung noch genügend Zeit vorhanden, um die Genfer Kon­ferenz zu einem Abschluß zu bringen. Alle einsichtigen Menschen sind sich 71 wme; k ar, daß die WeltwiNsLafts- cpnfercnz nur dann zu einem Erfolg geführt werden kann, wenn jetzt in Genf nicht eine neue Etappe beginnt, sondern die Verhandlungen mit einem praktischen Ergebnis abgeschlossen werden.

Da die Rede des Reichskanzlers völlige Klarheit ge­schaffen hat, ist das Problem der Abrüstung nur noch eine Frage des guteil oder schlechten Willens der Konferenz­teilnehmer. neuen Reich.

Einheit war, den Mann, der als bester Lsterrcicher, als bester Bauer und bester Preuße der erste junge Deutsche ist. (Lebh. Beifall.)

Preußen, gewohnt um Deutschlands willen Opfer zu bringen, erblickt in der Neugestaltung der Grundrechte des Reiches zugleich einen weiteren Schritt zur eigenen Vollendung. Wenn wir als Männer der Arbeit die Ehre haben, den Reichskanzler auch als Neichsstatthalter in Preußen zu haben, so geloben wir ihm treue Gefolgschaft. Präsident Kerrl schloß seine Ausführungen mit einem Gefolgschafts- bekenntnis des Landtages in die Führung des Minister­präsidenten Göring.

Ministerpräsident Göring, von Händeklatschen der national­sozialistischen Abgeordneten begrüßt, nimmt darauf das Wort zu einer Regierungserklärung.

Die Regierungserklärung.

Ministerpräsident Göring führte in seiner Regie­rungserklärung u. a. folgendes aus:

Männer und Frauen des Preußischen Landtags! Im Zusammenwirken mit der Staats- rcgierung haben die Nationalsozialistische Deutsche Ar­beiterpartei und die Deutschnationale Volkspartei Ihnen durch einen Initiativantrag ein Ermächtigungs­gesetz zur Beschlußfassung unterbreitet. Zu diesem Zweck ist heute der Preußische Landtag von seinem Präsi­denten einberufen worden. Damit ist für die Staatsregie­rung zum erstenmal die Gelegenheit gegeben, sich ihrerseits dem Landtag vorzustcllcn und ihre Ziele und Absichten über den Neuaufbau Preußens dem Landtag vorzulcgcn. Die Regierungserklärung des Herrn Reichs­kanzlers hat in großen Zügen schon all das enthalten, was für alle anderen Länder und für alle anderen Regierungs­erklärungen maßgebend sein muß. Die Regierungserklä­rung der preußischen Staatsregierung wird sich deshalb in diesen Rahmen einstigen und nur den Zielen des Herrn Reichskanzlers gemäß auch ihre eigenen Ziele aufstellen und nennen.

Kleine Seitung für eilige Leser

* Aus allen Teilen der Welt wird ein außergewöhnlich starker Eindruck der Kanzlcrrcde gemeldet.

* Im Preußischen Landtag gab Ministerpräsident Göring eine bedeutsame Regierungserklärung ab.

* Der bekannte Rennfahrer Merz verunglückte beim Trab mng auf der Avusbahn in Berlin tödlich.

* Einem Explosionsunglück in der Rcichsuionopolvcrwaltung ftlr Branntwein in München fielen drei Menschenleben rum Opfer. Fünf Arbeiter wurden verletzt.