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Nr. 117 — 1933
Fulda, Samstag, 20. Mai
10. Jahrgang
3ur Rettung des deutschen Bauern
Bodenständiges Bauerntum und bäuerliche Familie.
Der Bauer als Grundlage des Staates.
In Berlin trat dieVolfversammlungdcr Internationalen Landwirtschaftlichen Kommission, der Vereinigung der freien landwirtschaftlichen Organisationen, zusammen. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Alfred Hugenberg, hielt namens der Reichsregierung die folgende Begrüßungsrede:
Wir danken Ihnen, daß Sie gekommen sind, um mit Stören deutschen Berufskollegen Fragen zu besprechen, die gegenwärtig im Vordergründe der Erörterung in allen Ländern stehen. Wir hoffen, daß Sie gute Eindrücke mit nach Hause nehmen. Sie werden feftftellen können, daß Ruhe, Ordnung, Arbeits- und Aufbau- Wille alle Äußerungen unseres nationalen Lebens durchdringt.
Die Not, die das Landvolk aller Länder schwer heim- sucht, ist vor allem zurückzuführen auf das Mißverhältnis zwischen den Einnahmen und Ausgaben der landwir schaftlichen Betriebe, auf den
völlig ungenügenden Anteil des Bauern an dem Ertrage der volkswirtschaftlichen Arbeit.
Es ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sittlich durchaus berechtigt, wenn das Bauerntum einen höheren Anteil am Sozialprodukt verlangt, — entsprechend seiner unsäglichen Mühe und Arbeit. So viel ist klar: es müssen nicht allein die Erze u g ungskosten gesenkt werden, insbesondere Zinsen und öffentliche A b g a b e n, sondern es müssen andererseits auch die
Preise aufgebessert werden, selbstverständlich im Rahmen der verminderten Kaufkraft der breiten Masse. Daß bei richtiger Marktorganisation eine untragbare Belastung der kaufschwachen Bevölkerungsschichten vermieden werden kann, haben die Erfahrungen gezeigt, die gerade wir in der jüngsten Vergangenheit gemacht haben.
Lassen Sie mich in diesem internationalen Kreise einmal von uns selbst sprechen. Denn von sich selbst weiß jeder am besten Bescheid. Wir versuchen gegenwärtig, die Attsgabenseite in wirksamer Weise von der Zinsseite her zu entlasten. Allerdings kann auch das
landwirtschaftliche Zinsproblem
nicht losgelöst von dem allgemeinen Zinsproblem betrachtet werden. Außerdem: durch die Zinssenkung allein wird nur den verschuldeten Betrieben geholfen. Dagegen kommt die Erhöhung der landwirtschaftlichen Preise allen Landwirten zugute. Sie steht zudem im Einklang mit den Ansichten vieler Wirtschaftssachverständigen von internationalem Ruf und mit den Entschließun- zen maßgebender Körperschaften.
Wir mißbilligen die alte These, daß die landwirtschaftlichen Erzeugnisse
so billig wie möglich
fein müßten, damit die Industrie billig erzeugen und sortieren könne. Das ist ein überholter Standpunkt aus der liberalistischen Vorstellung heraus, daß dem Export der Vorrang vor der Binnenwirtschaft gebühre.
Der Export ist sicherlich zur Beschäftigung einer industriellen Überbevölkerung in Ländern mit engen Raum- derhältnissen dringend notwendig; lebenswichtig ist aber in erster Linie die Erhaltung eines b o d e n st ä n d i g e u, naturgebundenen Bauerntums und der Fortbestand der bäuerlichen Familie, als der biologischen und seelischen Grundlage der Nationen.
Dazu ist aber auch die Gleichstellung des Landvolkes, rinschließlich der Landarbeiter mit den übrigen Berufsständen notwendig. Bauer und Landarbeiter dürfen nicht schlechter leben als Städter und Indu- striearb eiter. Dabei müssen wir — kurz gesagt — den Weltmarktpreis
in seiner vorbehaltlosen Anwendung auf den europäischen ^andbau ablehnen Denn wer von unseren Bauern ver- inngt, daß sie zu Weltmarktpreisen verkaufen sollen, muß •wen auf der anderen Seite auch Weltmarktbedin- Lungen bieten, d. h. bestes Klima, besten Boden, Gleich- Heu der Kapital- und Schuldverhältnisse und noch anderes.
Wenig es in der ganzen Welt gleiche Löhne gibt und w wenig wir vom europäischen Arbeiter verlangen, daß den, Bedingungen sozial unentwickelter Länder ar- veitet — so menig können wir vom Bauern verlangen, er zum niedrigsten Weltmarktpreise produziert. Aus owsen Gründen haben wir die
Rettung des deutschen Bauern
an den Anfang der Arbeit der neuen Regierung gestellt, glauben, auf diese Weise auch den wirksamsten Bet- wg zur Behebung der internationalen Wirtschaftsknjw ftlsteu. Wenn wir dabei Maßnahmen ergriffen haben l’lb vielleicht noch ergreifen müssen, die zunächst den An- Detn haben könnten, als wären sie den Interessen anderer Zander abträglich, so geschah und geschieht das nur aus ° 1t e r e r n ft e r Notwendigkeit und aus dem "wang der Verhältnisse heraus. t ,
Übrigen befinden wir uns gerade auf diesem u btet, wenn ich so sagen darf, in guter Gesellschaft, und, " wan das Bibelwort anwenden will, liub wir alle, e nur hier sitzen, „Sünder und mangeln des ""ms«. Alle Länder ausnahmslos haben zu
energischen Maßnahmen gegriffen, um ihre Landwirtschaft vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Wir verstehen dies vollkommen, und wir bestreiten auch keinem Lande das Recht, das wir für uns selbst beanspruchen müssen, nämlich das zu tun, was es zum Schutz seines Bauerntums für notwendig hält.
Wir glauben aber auch, daß es daneben viele wirtschaftliche Fragen gibt, die durch in ter nationale Zusammenarbeit gelöst werden müssen. Durch unsere jüngsten Maßnahmen, z. B.
hinsichtlich der Fettwirtschaft, und durch die daran anschließenden Verhandlungen mit anderen Ländern haben wir , praktisch gezeigt, wie die nationalen Notwendigkeiten und , Rücksichten auf die eigene Landwirtschaft auch mit den Interessen anderer Länder vereinigt werden können. Wenngleich das Bild, das, was die Landwirtschaft bietet, gegenwärtig noch sehr trübe aussieht, so glaube ich doch
Von der Eröffnung der Deutschen Gartenbau-Ausstellung, die als größte Hallenschau Deutschlands jetzt in Berlin der Öffentlichkeit übergeben wurde: bekannte Persönlichkeiten als Gäste (von links) der Oberbürgermeister von Berl in , D r. 8 a h u-, - P r i n z A u g u st W 11 b e i in — Walter Darrb, der Präsident des Deutschen Land- wirtschastsrales.
mit voller Überzeugung, daß es durchaus nicht hoffnungslos ist. Im Gegenteil, wir können auf verschiedenen Gebieten der landwirtschaftlichen Erzeugung gewisse Anzeichen einer Besserung feststellen.
Gott sei Dank besitzen wir in Europa noch ein bodenständiges Bauerntum, dessen stärkste Grundlage die bäuerliche F a m i l i e ist, die bisher alle Krisen überstanden hat und auch diesmal in ihrer pflanzenhaften Verwurzelung mit dem Boden allen Stürmen trotzen wird. Denn in solchen Krisenzeiten werden seelische und moralische Faktoren entscheidend, die nur dem echten Bauern und seiner Familie eigen sind, die viel wichtiger sind als eine noch so günstige Ausstattung mit den Mitteln moderner Technik und Mechanisierung.
Wir sind, wie die deutsche Reichsregierung inbesondere auch durch den Mund des Herrn Reichskanzlers wiederholt versichert hat, auf fr i e d l i ch e Zusammenarbeit eingestellt. Sie wird um so leichter möglich sein, je mehr die Verhältnisse in den einzelnen Ländern stabilisiert werden une Vertrauen, Hoffnung und Umernehmungs- freude wiederkehren. Nur solche Länder, die fest auf n a 1 tonale m Grunde stehen, können sich in verantwortlicher L rfe die SSänbe zur Gemeinschaftsarbeit reichen, um endlich den Schlußstrich unter die Irrungen der Vergangenheit zu setzen.
Der Reichsführer des deutschen Bauernstandes, Präsident Darre,
begrüßte die internationale Agrarkommission im Namen der landwirtschaftlichen Organisationen Deutschlands und insbesondere im Namen derdeutschen Bauern. Er bezeichnete als besonders glücklichen Umstand, daß die Tagung der internationalen Agrarkommission zugleich mit der 3 9. W a nderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Berlin stattfindet. Die deutsche Regierung, so erklärte er, betrachte
den Bauern als die Grundlage des Staates und wolle daher alles tun, um die große Bauernnot zu überwinden. Anschließend sprach Präsident Darrö den internationalen landwirtschaftlichen Organisationen den Dank der Reichsregierung dafür aus, daß sie sich im Kampf um die Wahrheit
gegen die deutschfeindliche Greuelpropaganda im Auslande gewandt haben. Diese aufklärende Tat der internationalen Landwirtschaftsorganisationen habe ihnen die wärmsten Shmpthien der deutschen Bauern eingetragen.
Zum Schluß wies Präsident Darrè darauf hin, daß die Weltwirtschaft nicht gefunden könne, bevor die Landwirtschaft von dem furchtbaren aus ihr lastenden Druck befreit werde.
*
Nie große Schau des Garienbaues.
Eröffnung der Deutschen Gartenbau-Ausstellung Berlin 1933.
Die größte Gartenbau-Hallenausstellung, die je in Deutschland stattgefunden hat, wurde in Berlin in Anwesenheit von 1500 Ehrengästen aus dem städtischen Aus- stellungsgelände am Kaiserdamm feierlich eröffnet. Für die Stadt Berlin begrüßte Staatskommissar Vize- präsident Kühn die Erschienenen. Die Deutsche Garten
bauausstellung Berlin 1933 sei die erste Gartenbauausstellung, die in die Zeit der nationalen Wiedergeburt des deutschen Volkes falle. Er streifte dann
die wirtschaftliche Bedeutung des deutschen Gartenbaues,
dessen Belange handelspolitisch bisher nicht in dem Maße gewürdigt worden seien, wie es seiner Bedeutung entsprochen hätte. Der deutsche Markt werde mit Erzeugnissen fremdländischen Gartenbaues überschwemmt. Die neue Regierung trage der nationalwirtschaftlichen Bedeutung des Gartenbaues Rechnung und bereite ein Gesetz zum Schutze des Gartenbaues vor.
Nach der Rede des Reichssührcrs des Deutschen Gartenbanes, Lange, M. d. L., hielt
Präsident Darrë
die Eröffnungsansprache. Er ging davon aus, daß sich die zwischen dem Reichsverband des deutschen Gartenbaues und dem von ihm geleiteten Amt für'Agrarpolitik geführten Verhandlungen außerordentlich fruchtbar entwickelt hätten. Angesichts der ernsten außenpolitischen Lage Deutschlands werde es aber sehr schwer sein, nunmehr zu einer politischen Lösung der handelspoli- tischenProblemezu kommen. Wer diese prachtvolle Ausstellung sehe, der erkenne, daß die deutschen Gärtner mit dem Nationalsozialisten eines verbinde: Trotz Elend und Not beharrlich weiter; u kämpfen und Leistungen herauszustellen, die im Dienst der unentwegten Arbeit den endgültigen Sieg verbürgen müßten.
„Möge das deutsche Volk, besonders die Verbraucherschaft, diesen unbändigen Behauptungswillen anerkennen, dadurch, daß sie in nationaler Disziplin die Erzeugnisse der heimischen Erde verbraucht. In diesem Sinne: Siegheil dem deutschen Gärtner!" Mit dem Deutschlandlied schloß die Eröffnungsfeier.
Bei dem anschließenden Rundgang
kamen die Besucher nicht aus dem Hellen Entzücken heraus. Die mächtige Halle ist in zwei märkische Wälder verwandelt, hochstämmige Kiefern auf der einen, im ersten Frühlingsgrün prangende Birken aus der anderen Seite, während das Bindeglied ein Teich mit erotischer Pflanzen- pracht bildet. Alle Zwischenräume sind mit einer berauschenden Farbenpracht ausgefüllt. Allein au T u l p e n sind 30 000, an Stiefmütterchen aller Schattierungen gar 70 000 zu einer einzigen Symphonie zusammengestellt. Ganz harmonisch in die Fülle eingeglieberl haben sich der Kakteengarten mit Vertretern vom winzigsten Däumling bis zu baumstarken, ästigen Riesen; dann der herrliche, mit schwerem Duft erfüllte Wintergarten, als Meisterstück der Berliner Gartenarchitekten und Landschaftsgärtner, ein durch seine betonte Einfachheit bestechender Wohngarten, der jedem zum Vorbild dienen kann, und dann tommen die ausgewählten Einzeldarbietungen, vierhundert Meter lange Rabatten mit Edelpelargonien, Lilien, Gloxinien, Orchideen, Fuchsien, Primeln, Hortensien; dazwischen schieben sich als Ruhepunkte für das schwelgende Auge immergrüne Heckenwände, Gruppen von Zwerggehölzen, und mit gutem Geschmack sind zwischendurch zahlreiche Plastiken Berliner Künstler eingestreut.
Zwei Sonder schauen erfordern dann noch einen längeren Besuch: „Blumen i m ö e i m" — hier werden alle Pflanzenfreunde viel lernen, und „Deutsches Gemüse und O b st", eine Mahnung an alle Hausfrauen, die Leistungen des schwer ringenden deutschen Gartenbaues zu berücksichtigen und die denkbar beste Markt- werbung für diese vom Ausland nicht zu überbietenden Qualitäten.
Wie im Traume läßt sich der Besucher durch diese Pracht geleiten. Man fühlt, hier ist ein W u n d e r von Schönheit geschaffen worden, dem Worte keinen Ausdruck verleihen können. Das ist farbengewordene Musik und hierzu paßt der Gesang der Vögel, die in Flugkäfigen diesen Zaubergarten des Frühlings beleben. Sch.
Seist mit bei den Arbeitsdienstlagern!
Eine große Anzahl Gemeinden hat sich aus freiem Antrieb der Reichsleitung für die Arbeitsdienstpflicht gegenüber bereit erklärt, kostenlose Un 1 erkunfts - Möglichkeiten für die Abteilungen der A r - beitsdicn st Pflicht zur Verfügung zu stellen. Die Reichsleitung macht von dieser Opferwilligkeil der Bevölkerung gern Gebrauch, zumal die Mittel für den Arbeitsdienst knapp bemessen sind. Sie wäre auch dankbar, wenn ihr noch mehr gebrauchte Rundfunkappa- r a t e zur Verfügung gestellt würden, da die Mittel nicht dazu ausreichen, die Arbeitsdienstlager mit Rundfunkapparaten auszustatten, andererseits aber der Rundfunk im Arbeitsdienstlager den jungen Leuten sehr willkommen sein wird.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz trat in Genf zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zusammen.
* Reichsminister Dr. Hugenberg legte in einer ausführlichen Rede die Grundsätze nationaler und internationaler Agrarpolitik dar.
*_ Die Deutsche Gartenbauausstellung Berlin wurde vom Präsidenten des Deutschen Landwirtschaftsrates, Dr. Darrè, eröffnet. e>
* Der erste deutsche Augestelltcnkongrcß anläßlich der Bildung der nationalsozialistischen Angestelltengewerkschaft fand in Berlin statt