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A. 118 — 1933
Fulda, Montag, 22. Mai
100. Jahrgang
Zeitenwende für die Landwirtschaft.
„Ein Strom der Kraft und des Lehms."
Eröffnung der 3 9. Wanderausstellung der § c u t s ch e n Landwirtschaftsgesellschaft.
Die räumlich grüßte Schau, die Berlin und Deutschland je gesehen hat, wurde aus dem erweiterten Messe- gelände am Kaiserdamm in Gegenwart des Schirm- Herrn der Ausstellung, Reichspräsidenten von Hindenburg, und der Rcichsrcgierung eröffnet. Zehn- wsende von deutschen Landwirten sind zu der Aus- ftllung, die bis zum 28. Mai geöffnet ist, nach Berlin gilommcn. Das große Ausstellungsgelände ist festlich Mmückt. Auch die Straßen Berlins zeigen reichen jestschmuck.
Rittergutsbesitzer v. Oppen-Dan nenwalde, sei Vizepräsident für den Gau 3 der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, eröffnete die Ausstellung und begrüßte die Ehrengäste, vor allem den Reichspräsidenten, der durch seine Anwesenheit zum Ausdruck bringe, wie innig er sich mit der Landwirtschaft, ihrem Gedeih und Verderb, ihrer Arbeit und ihrem Fortschritt verbunden fühle. Er begrüßte ferner die Mitglieder der Regierungen des Reiches und der Länder, insbesondere den Reichs- crnährungsminister und den preußischen Land- wirlschaftsminister Dr. Hugenberg, weiter den Präsidenten Tarrs, von dem der Bauer einen Weg aus der Tiefe der Aoi der Zeit heraus zuversichtlich erhoffe, die Mitglieder der Internationalen Agrarkommission und Oberbürgermeister Sahm v. Oppen schloß mit der Hoffnung, daß von dieser Ausstellung ein breiter Strom der rafi und des Lebens in alle Gaue übergehen und daß sie ein voller Erfolg werden möge. Mit diesem Wunsch erklärte er die Ausstellung für eröffnet. Er brachte ab- lÄueßeud ein dreifaches Heil auf das deutsche Kokt, den Reichspräsidenten und Adolf ' Itter aus, in das die große Schar der Teilnehmer der Eröffnungsfeierlichkeit begeistert einstimmtr.
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Die das Saterland mit hem Pflua retten!
Ansprache deS Oberbürgermeisters Dr Sahm.
Oberbürgermeister Dr. Sahm führte in ;einer Ansprache u. a. folgendes aus: „Der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft entbiete ich zur Eröffnung der 39, Deutschen Landwirtschasts-Ausstellunof herzliche Gruße und Wünsche der Stadt Berlin, des erneuerten Deutschen Reiches erneuerter Hauptstadt, wo die Wiege der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft steht, hat lange Jahre - 27 Jahre — warten müssen, bis wieder die Relchs;cyau der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in seinen Mauern abgehalten wird. Heute können die hundert- taufenbe Landwirte, Bauern und Städter, bie _ aus dem Seid) zu uns kommen, feststellen, daß auch tn Berlin Hine AsPhaltluft mehr weht, sondern reine hu t f d) e L u f t , können begeistert zujubeln dem Heros ^deutschen Volkes, dem Herrn Reichspräsidenten Neueralfeldmarschall von Hindenburg, der heute uns bei der Eröffnung die Ehre seiner Anwesenheit gibt. Dank der Initiative und dem inneren Wesen der neuen nationalen Regierung unter Führung des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler steht heute
in engster Verbundenheit Stadt und Land.
Lassen Sie mich an dieser Stelle des Mannes gedenken, der im Jahre 1882 den Grundstein zur Deutschen Land- ivirtschafts-Gesellschaft und zu den Wanderausstellungen gelegt hat, M a r E V t h. .
Nach sorgfältigster Vorbereitung trat er mit feinen Plänen zur Schaffung der ihm vorschwebenden umfassenden O r g a n i s a t i o n der L a n d w i r t s ch a f t an dre Öffentlichkeit. Im Juli 1883, also vor fast 50 Jahren, notierte er als erste Mitglieder der werdenden Gesellschaft lieb en M a n u , dieselbe Zahl, von der aus unser Heutl- fler nationaler Aufstieg unter dem großen Kanzler Adolf Hitler den Ausgang nahm. Und als es ihm nach un- Michen Mühen in wenigen Monaten gelungen war, die,e äohl um 50 zu vermehren, da erließ er einen flamme N - Aufruf, in dem die Worte Vorkommen „der heldischen Scholle treu zu bleiben und wenn nötig
mit dem Pfluge das Vaterland zu retten."
Sn den von ihm verfaßten Statuten kommt der bezeichnende Satz vor, der uns auch heute für unser Volk als End- Slel vorleuchtet: „Der Deutsche Rcichsvercin für Landwirt- W umfaßt das ganze Deutsche Reich ; Landesund Provinzialgrenzen haben für ihn keine Bedeutung.
Der Weg nach oben.
^r Eröffnung der Wanderausstellung der Deutschen ^ndwirtschastsgeseüschaft hielt R c i ch s e r n a h r u n gs- ""N'stcr Hugenberg folgende Rede:
„Selbst wenn cs dabei nicht ganz ohne Hauen und Neu abgeht, ist es eine befriedigende Aufgabe, ein ns > m 91 lter auszubauen, das man seit Jugend- L c n im Kopfe getragen hat. Es ist heute die er ,ic nuvertrauten Ausgaben, in Wirtschaft, Volksleben ^ufassung unserem deutschen Bauern de » Utz wiederzugew tnneu, der ihm gebührt.
Seit den Tagen, in denen ich als junger Siedlungs- und Genossenschaftspraktiker im deutschen Osten wirken durfte, hat diese Aufgabe mich nicht losgelassen. Was jetzt in Frage steht, ist die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen des deutschen Bauern und damit der deutschen Wirtschaft — so kennzeichnete ich kurz im Januar 1928 das Problem. Heute glaube ich sagen zu dürfen: Die Entwicklung der letzten Monate hat es bewiesen: Wir sind auf dem richtigen Wege zum Ziele.
Aber vorweg noch eins. Das, was wir in dieser Ausstellung sehen, ist das Bild eines ungeheuren Fortschrittes. Doch wir wissen zugleich, daß diesem fast beispiellosen Aufstiege der Arbeit ein fast ebenso beispielloser Abstieg in den Lebensbedingungen der
Der Reichspräsident auf der Berliner Landwirtschaftsausstellung.
Unser Bild zeisp Reichspräsidenten von Hindenburg als Gast der Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Berlin; neben ihm sein Sohn, Oberst von Hindenburg.
deutschen Landwirtschaft gegenübersteht. Diejenigen Landwirte, die am fortgeschrittensten wirtschafteten und am meisten Werte für das Polk lieferten, gerieten gerade dadurch in die größte Not. Kann man ein Mehr noch wünschen, wenn schon das vorhandene fast unabsetzbar ist und nur zu Preisen abgegeben werden kann, die der Arbeit keinen Lohn mehr lassen? Ja, es war so weit, daß die Aussicht auf eine gute Ernte bei Regierung und Landwirtschaft nicht dankbare Freude, sondern ernste Sorge auslöste.
Ich möchte Ihnen zeigen, daß dieser verhängnisvolle Irrgarten mit dem Antritt der nationalen Negierung verlassen ist und daß bei Durchführung unserer Agrarpolitik die Arbeit der Landwirtschaft und ihr Fortschritt wieder einen Sinn erhalten.
Es wird gegen meine Ministerien manchmal der Vorwurf erhoben, wir machten zu wenig Gesetze. Ich höre diesen Vorwurf nicht ungern. Denn es ist mir im Leben immer mehr zum Grundsatz geworden, möglichst wenig zu reden und nicht in einer Vielheit des Handelns den Erfolg zu suchen, sondern das, was zu tun ist, grün d- lich zu tun. An einem einzigen Gesetz wollen wir uns den Weg klarmachen, den wir gehen. Ich glaube bestimmt, Sie werden mich alle verstehen.
Beim Antritt der neuen Regierung
bestand folgende agrarwirtschaftliche Lage: Auf der einen Seite mußten wir Getreide künstlich stützen, weil zuviel davon da war. Auf der anderen Seite wurde die deutsche Fettversorgung zu drei Viertel aus Auslandsware gedeckt. Gleichzeitig suchte die deutsche Landwirtschaft die Grundlage ihres Viehfutters immer mehr in der Einfuhr ausländischer Futtermittel. . " .
Der Grund zu dieser Fehlproduktion lag in jener falschen Politik, die nicht erkannte, daß
alle Produktionsteile der Landwirtschaft in einem inneren Zusammenhänge
miteinander stehen. Man hatte die Getreideprel,e wirk,am pom Weltmarkt abgesetzt, dagegen blieb die ganze deutsche Veredelungs- und Futtermittelerzen- auna der verheerenden Wirkung der W e l t m ar k t* p r c i s e ausgesetzt. Das gefährdete schließlich auch die Getreidepreise aufs höchste. ,
Aber ich glaube, mit unserem Fettplan haben wir die Dinge an der Wurzel gepackt. Es ist damit eine Entwicklung eingeleitet, die allmählich die Preise sämtlicher landwirtschaftlicher Erzeugnisse in ein organisches Verhältnis zueinander bringen und damit auch
die landwirtschaftliche Produktion aus ihrer Fehlentwicklung wieder herausführen wird.
Durch Drosselung der M a r g a r i n e p robust io n , die 95 Prozent mit ausländischen Slot) stoßen arbeitet, und durch Drosselung der Einfuhr von Speisefetten und Olen haben wir den Raum für die höherwertigen Fette - Butter und Schmalz — freigemacht, dre heutiger Erzeugung entstammen. Die.sich daraus ergebende vermehrte Nachfrage hat eine gewollte Preissteigerung ausgelöst, die mit der gestrigen Berliner Butternotierung von
Mark je Zentner gegen etwas mehr als 80 Mark vor wenigen Monaten zu einem ersten Abschluß gekommen ist.
Nach Jahren fehlgehender agrarpolitischer Versuche hat die Agrarpolitik hier zum erstenmal wieder einen voraus- gesehenen und mit präziser Genauigkeit eingetroffen e n Erfolg.
Die Nebenmaßregeln und Nebenwirkungen brauche ich Ihnen nicht zu schildern, überall, wo Lücken im Schutz der heimischen Produktion waren, haben wir sie geschlossen, soweit es politisch und vertraglich irgend angi Ich hoffe, wir stehen nunmehr in einer
Besserung der landwirtschaftlichen Konjunktur auf der ganzen Linie.
Alles, was man als unheilvolle Folge entschlossener Agrarpolitik früher an die Wand gemalt hat — ich habe es immer bestritten —, ist tatsächlich nicht eingetreten. Im Gegenteil, es zeigt sich schon heute, daß eine klare Binnenmarktpolitik zugleich die beste Grundlage für eine gesunde Außenhandelspolitik ist. Der Handelsvertrag mit Holland ist der erste Vertrag seit langer Zeit,, der mit einem erportwichtigen Lande geschlossen ist, ohne daß die Landwirtschaft ein ihre Lebensinteressen berührendes Opfer zu bringen brauchte. Wir glauben sogar, und dahingehende Stimmen liegen bereits vor, daß wir den anderen Ländern e i n Be i s p i e l gegeben haben, wie Europa wieder gesunde Grundlagen für seine bäuerliche Kultur gewinnen kann.
Auch der deutsche Konsument wird, wenn er nur etwas Geduld hat, bald erkennen.
welcher Segen von einem gesunden Binnenmarkt ausgeht.
Um den Übergang zu erleichtern, haben wir mit der Fett- karte für die Minderbemittelten eine Verbilligung durchgeführt. Wo Preistreibereien auftreten — es liegen darüber einige Beschwerden vor —, haben wir wirksame Mittel des Eingiffs. Tie zunehmende Produktivität der Landwirtschaft und die Hoffnung, die sie beseelt, wird
auf die anderen Berufsstände übergreifen.
Es sind in diesem Frühjahr beispielsweise 60 000 jugendliche Arbeitskräfte mehr in der Landwirtschaft eingestellt als im Vorjahre, darunter 12 000 allein in Westfalen. Der Aufwand an Dünger ist gleichfalls gestiegen. Auch die sonstigen Anschaffungen werden zunehmen. Man braucht nur diese Ausstellung zu sehen, um zu erkennen, welche Möglichkeiten sich auch für die Industrie bieten. Der Bau von Sauergruben und Silos — für die neuen selbsterzeugten Futterreserven — hat außerordentlich zugenommen. Der Ruf nach Ent- r a h m st a t i o n e n, um die letzte Bauernmilch zu erfassen, geht überall durch das Land. Meliorationen und Siedlung haben erst wieder einen Sinn, seit die Veredelungs- Produktion gesunde Grundlagen erhielt. Die Landwirtschaft weiß jetzt, in welcher Richtung sie sich zu betätigen hat. Bisher hieß es immer: „Bau dies nicht zu viel und bau jenes nicht zu viel, denn du überfüllst den Markts Aber niemand sagte dem Bauern, was er statt dessen bauen sollte. Jetzt sehen wir alle ohne viele Worte
die großen Produktionsziele: mehr Futtermittel! mehr Fette!
Ein weiteres Ziel ist schon abgesteckt. Es gilt einen Angriff auf die ungeheure Abhängigkeit Deutschlands von den fremden Textilrohstoffen zu führen. Das Arbeitsfeld, das hier vor uns liegt und auf dem sich heute schon in verstärktem Leinanbau viele Hände rühren, ist ungeheuer.
So ist der Gedanke, daß in Deutschland Überproduktion herrsche — ein Gedanke, der aller Arbeit ihre Freude nehmen mußte —, in wenigen Monaten durch die Tat widerlegt. Nach Jahren des Abwärtsgleitens ist der Weg nach oben wieder angetreten.
Selbstverständlich — das brauche ich in Ihrem Kreise nicht zu sagen — ist die Preisbildung nicht das einzige Mittel zur Gesundung der Landwirtschaft. Daneben steht die Notwendigkeit der A u s g a b e n s e n k u n g und die organische Gestaltung des A b s a tz w e s e n s , der Selbsthilseeinrichtungen und der Selbstverwaltung der Landwirtschaft. Eine Fülle von Aufgaben ist noch zu bewältigen.
Aber es war ein Fehler der Vergangenheit, es bei der Landwirtschaft mit allen möglichen anderen Hilfsmitteln zu versuchen — wozu ich auch die O st h i l f e rechne —, dagegen an der Notwendigkeit vorüberzugehen, die landwirtschaftlichen Preise mit denen der anderen Produktionszweige in einen einigermaßen gerechten Ausgleich zu bringen. Gewiß erscheint dieser Weg in mancher Hinsicht zunächst unpopulär. Aber er mußte einmal gegangen werden. Und wenn man ihn bis zu Ende geht, wie ich es will, so wird er auch bald populär werden.
Ich bin der Ansicht, daß man für die Zukunft eine weitere Verschuldung der Landwirtschaft verhindern
Meine Zeitung für eilige Leser
* Die große Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesell' schaft wurde in Berlin im Beisein des Reichspräsidenten eröffnet
• Auf Anordnung des Kultusministers Rust finden am Todestage S ch l a g e t e r S in allen preußischen Schulen Gtdenkfe,ern statt.
* Der polnische Terror gegen die deutsche Minderheit fdircdt neuerdings nicht einmal mehr vor der Mißhandlung kleiner Kinder zurück.