Zul-aer Anzeiger
^70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ten,^ Blanken usw^kostet die Kleinzeile 0.30 Mk., »Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, ^^^tt- UNÄ ßßUtlCtol * ^llldOCt KtClöblött alle âren^l^^^^
Lahnsperre usw. erwachsen dem Bezreher keine ^WUUKlUI * mü 090 Mk für auswärtige u. mir 0.60 Mk.
Ansprüche. Berlag: Christian Seipel, Fulda. Reüaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernsprech-flnfthlug Nr. MM für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech-
Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. NachSrack der mit * versehenen Artikel nur mit (bytUeuangabt .Zulbaer finstigtr'geJtaM. nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
Nr. 126 — 1933
Fulda, Donnerstag, 1. Juni
10. Jahrgang
Ehrentag der Marine.
Skagerrak-Zeier»« Reichshauplstadt
In Anwesenheit der alten Flottenführer.
Der Jahrestag der Skagerrak-Schlacht wurde in diesem Jahre unter größter Anteilnahme der Berliner Bevölkerung begangen. Den äußerlichen Höhedes Tages in Berlin bildete die
Umbenennung des Kemperplatzes in „Skagerrakplatz".
Der ganze Platz stand im Schmuck der nationalen Flaggen und der alten Reichskriegsflagge und war von einer viel- Msendköpfigen Menschenmenge umgeben. Die Marinemeine und Mariueverbände und das Osfizerkorps der alten Marine marschierten in Stärke von mehr als 10(10 Mann zum Festplatz. Auch Reichswehrminister von Momberg und der Chef der Marineleitung, Admiral jiaeder waren zur Teiln» hme an der Feier erschienen. Von den hohen Offizieren der kaiserlichen Marine sah man n. a. den greisen Admiral von Schroeder sowie die Admirale v. Trotha, Hopmann, Reuter, Behnke, fogge, Lützow, Emsmann, Mommsen u. a. Admiral von vchroeder (der Löwe von Flandern!) wurde von den früheren Marineangehörigen mit begeisterten Zurufen
Konteradmiral a. D. Lützow hielt
die Festrede,
»der er u. a. ausführte: Wenn wir Marineangehörigen mb insbesondere wir Skagerrak-Kämpfer den Sieg feiern, o liegt darin nicht der Anspruch, als wollten wir unsere Mungen mit den Taten und Leiden unserer feldgrauen Kameraden auf eine Stufe stellen. Tie Eigenart, um deret- mllen wir in der Marine an den Skagerrak-Tag denken, ist die, daß da eine junge, noch unerprobte Flotte die weit überlegene Flotte der stärksten See - «a ch t schlug. Wir werden nicht müde .werben, davon imde zu geben, daß wir zur Entfaltung unseres Wesens, r Entfaltung der Gaben, die uns Gott verliehen hat, die e V KkL-t b ru u ch e,n und daß .wU Jie sâü tz e n uffen. Wir sind den Männern zu herßem Dank verachtet) die die Entscheidung getroffen haben, daß dieser latz in der Reichshauptstadt von nun an den Namen Zkagerrakplatz" führen soll. Dieser Name stelle an jeden on uns die Forderung, den Sinn und die Bedeutung ieses Namens im Volke wach und lebendig zu halten, ius diesem Verantwortungsbewußtsein heraus rufen wir n dieser Stelle heute unserer Heimat und unserem Volke, as den Sieg von Skagerrak erfochten hat, ein kräftiges
Am Marinestandort Kiel.
Anläßlich des Skagerrak-Tages veranstaltete der Marinestandort Kiel
am Ehrenmal in Laboe eine eindrucksvolle Gedenkfeier,
st der alle Truppenteile, Polizei und Vereine Abordnun- W entsandt hatten. Die auf dem Ehrenmal gesetzte alte ^ieasflaaae wurde während der Feier von dem zu Anker
Mitkämpfer der Skagerrak-Schlacht bei der Feier.
J1 Umbenennung des Kemper-Platzes in Berlin in 6 errak - Platz anläßlich des Jahrestages der Uten Seeschlacht des Weltkrieges wohnten auch viele Miere der alten Kriegsmarine bei, von denen unser NiMklraph {)ier einige im Bilde festgehalten hat: (von 'uv) Polizeipräsident Konteradmiral von Levetzow der Chef der Reichsmarineleitung, Admiral Raeder — Admiral von Schroeder.
Egenden Kreuzer „Karlsruhe" durch Scheinwerfer be- h Im Schein der Fackeln zog eine Marme- m Stärke von 150 Soldaten von der Marineschule ^" mit klingendem Spiel zum Großen Zapfcn- Ehrenmal aus. her ^"^ef der Marinestation, Vizeadmiral A l b r c ch t, die °en Wenigen Männern der Reichsmarine gehört, für °w Skagerrak in führender Stellung entscheidend hieß der deutschen Flotte cingegriffen hatten,
15m . eine Ansprache.
und Militärbeamte, 8067 Seeoffiziere und " "âe und 25137 Maturschalten seien als tapfere
Soldaten und Seeleute unter der alten ruhmreichen Kriegsflagge gefallen. Hier, an der gleichen Stelle, wo früher der mächtige Panzerturm den jetzt unbefestigten Kieler Hafen schützte, sei durch freiwillige Spenden der Marinevereine, der Reichsmarine und vieler vaterlandsliebender Männer ein mächtiges Denkmal ent - sta n d e u, das dem Seefahrer schon von weitem zeige, daß unsere Toten nicht vergessen sind.
Auf dem Ehrenfriedhof in Kiel wurde im Rahmen eines feierlichen Feldaottesdienstes ein Gedenkstein
Die Skagerrak-Feier im Ehrenmal Unter den Linden.
Den Höhepunkt der Feiern zum Gedenken an die Seeschlacht am Skagerrak bildete in Berlin eine Totenfeier zum Gedenken an die Opfer der deutschen Kriegsmarine im Ehrenmal Unter den Linden.
für die Gefallenen des Weltkrieges enthüllt. Es handelt sich um einen schlichten Bjock aus Kunststein, auf welchem ein Admiralitätsanker ruht. Auf der Vorderseite des Steines sieht man inmitten der Zahl 1914—1918 ein Eisernes Kreuz, und darunter ist die Inschrift angebracht:
„Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht."
Auch in anderen Orten des Reiches fanden erhebende Gedächtnisfeiern statt.
Dr. Goebbels über seine Eindrücke in Lialien.
Tank an Muffolink.
Reichsminister Goebbels empfing in Rom Vertreter der italienischen Presse und gab ihnen eine Erklärung ab, in der er u. a. ausführte: Der stärkste Eindruck, den das junge faschistische Italien bei mir hinterlassen hat, ist Mussolini selbst. Er verkörpert in sich Willen und Geist in einer seltenen Harmonie. Bei ihm paaren sich Schärfe des Gedankens und Klarheit der Linienführung. Er ist eine Persönlichkeit, die weit über das Maß des hergebrachten Talents hinausragt, mit einem Wort:
ein politisches Genie.
Besonders ansprechend bei ihm ist sein ungemein herzliches menschliches Wesen, das um so überraschender wirkt, als man sich gemeinhin unter ihm ausschließlich und nur einen Willens- und Tatmenschen vorstellt. Wenngleich der Duce als Mensch und als Persönlichkeit alles andere weit überragt, so stehen doch um ihn herum eine ganze Reihe von ausgezeichneten Männern, bei denen ich den unmittelbaren Eindruck gewinnen konnte, daß sie für das Regime und für die konsequente Fortsetzung der faschistischen Politik von unschätzbarem Nutzen sind.
Italien selbst
bietet das imposante Bild von Zucht und Ordnung. Faschismus und Staat sind ein und dasselbe und beide werden verkörpert durch die Person Mussolinis.
Ich habe das Bedürfnis, durch die italienische Presse dem bewundernswerten Duce, seiner Regierung und seiner Partei meine tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen für die so überaus herzliche Aufnahme, die ich in Italien gefunden habe.
Reichsminister Goebbels äußerte vor Vertretern der d c u t s ch e n Presse sodann ähnliche Gedankengänge wie vor der italienischen Presse. Er betonte ferner, daß es sich für die deutsche Regierung natürlich nicht barum handeln könne, die Formen des italienischen Faschismus
einfach zu übernehmen oder nachzuahmen.
Es sei nicht wünschenswert, daß nun alle Deutschen Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei würden. Freilich, die entscheidende Führung liegt, wie die Geschichte zeige,
immer bei einer Minderheit,
und daß diese führende Minderheit heute durch den Nationalsozialismus in Deutschland dargestellt werde, das stehe außer Frage. Der Faschismus sehe durchaus in die Zukunft und fei nicht reaktionär. Dasselbe gelte für den Nationalsozialismus.
Der Leidensweg zur Revision.
Ehe nun der von Mussolini vor Monaten bereits zwischen die Staaten des friedlosen Europas geworfene Vorschlag eines Viermächte-Paktes sein Ziel Der Annahme durch Italien, Deutschland, Eng - land und Frankreich erreicht, hat er einen Leidensweg zurücklegen müssen. An ihm wurde so gründl'.ch herumkritisiert, genörgelt und getadelt, daß er den ^uß schließlich nur zögernd vorwärtssetzte und bald ganz stlll- stand. Darauf nahmen ihn die Franzosen und deren Trabantenstaaten erst mal so richtig „in Arbeit", ohne baß er dabei schöner wurde; dann wurden ihm noch ein paar Knochen zerschlagen, man deformierte ihn erheblich und dann durfte er humpelnd, ungefährlich und in reichlich veränderter Gestalt feines Weges weiterziehen. Schon sieht er nach deutschen Begriffen nicht gerade aus! _
Aber man hat doch einen wichtigen Teil. 1 eines Wesens, nicht alle seine ursprünglichen Absichten bei dieser Prozedur in ihm zerstören können. Und dies ist: Zum erstenmal wird in einem europäischen Pakt das Wort „Vertragsrevision" überhaupt in den Mund genommen. Gewiß nur ganz theoretisch, gewiß nur sozusagen als dünnes Himbeerwasser, gewiß nur als Möglichkeit, daß man sich in der beabsichtigten Vier-Mächte-Zu- sammenarbeit über die etwaige Methode der Behandlung eines ebenso abwegigen Revisionsbegehrens unterhält, — aber ein solches Revisionsbegehren deutscherseits ist^dann doch nicht mehr ein solches „Verbrech e n", das Frankreich, wie dessen damaliger Ministerpräsident äußerte, noch vor anderthalb Jahren schlankweg als einen Kriegsfall oder eine Kriegserklärung betrachten wollte. Und es war der französischen Regierung höchst gleichgültig, daß ein solches Revisionsbegehren ja nach Artikel 19 des Völkerbundstatuts an sich schon zulässig war. , .
Die Umänderung des ursprünglichen Mussolini- Vorschlages besteht im wesentlichen darin, daß Frankreich ihn nun mit dem Völkerbund zusammenkettet. Gedacht war er aber ganz anders; denn die praktische Unmöglichkeit, in Genf mit dem Völkerbund überhaupt eine tatkräftige und vernünftige Politik betreiben zu können, hat ja Mussolini veranlaßt, vorzuschlagen, dgs Schwergericht politischer Entscheidung auch ausdrücklich dorthin zu verlegen, wo es tatsächlich schon, lag: ^n den Kreis der vier europäischen Großmächre , — abgesehen natürlich von Rußland. Wenn man sich aber auch hier nicht wieder nur im Kreise drehen wollte, dann durfte man — wie es gerade Mussolini so oft gesagt hatte — nicht mit geschlossenen Augen am Revisionsproblem vorübergehen, weil dies ja an den Grundlagen des gegenwärtigen Europas rüttelte. Wirklich anpacken konnte man dieses Problem aber auch nur außerhalb des Völkerbundes. Den dabei im Hintergrund stehenden Amerikanern kam es natürlich nur auf einen anderen Punkt des Mussolini-Vorschlages an. nämlich auf den darin vorgesehenen politischen Waffenstillstand für Europa, wodurch die A b r ü st u n g s k o u f e r e n z bessere Aussichten erhalten mußte: für Völkerbund und Revision haben sie wenig Interesse.
Den eigentlichen Kern des Viermächte-Plaus also machte Frankreich unter Einsetzung seiner Trabanten Sitm Angriffspunkt und es ist unleugbar, daß es der Pariser Regierung und der Kleinen Entente auch gelang, sehr weitgehende Erfolge zu erzielen. Fast alles, besonders jegliche praktische Revision der Friedensdiktate, ist unbedingt in Einklang mit dem Völkerbundstatut gebracht und damit ist eine solche Revision um so schwerer geworden oder geblieben, als sogar der Staat, gegen den sich ein Revisionsbegehren etwa hinsichtlich der Grenzziehungen richtet, durch ein Nein oem Willen aller anderen erfolgreich entgegentreten kann. Die Außenminister der Kleinen Entente haben durchaus recht, wenn sie sagen, die Kompetenz des Völkerbundes bleibe auch nach Abschluß des Viermächte-Paktes „absolut u n a n t a st b a r". Sie hätten außerdem von Frankreich „formelle Garantien" gegen alle Versuche einer Revision der Friedensverträge erhalten und sie schließen mit der „Feststellung", daß für ihre Staaten die Frage einer Revision ihrer Grenzen „nicht existiere". Schon anläßlich der französischen Kammerdebatte wurde auch bekannt, daß die Pariser Regierung „in besonders feierlicher Form" ihren — Bedingungen zum Viermächte-Pakt Ausdruck verleihen werde. Die Kleine Entente könne also, so hieß es in Paris, ganz beruhigt sein, ebenso wie die Opposition gegen den Pakt in Frankreich selbst!
Und diese Empfehlung, die von recht erheblicher Genugtuung spricht, hat auch einen objektiv vorhandenen Grund: Der ursprüngliche Mussolini-Plan ist dem französischen Gegcnentwurf derart nahegebracht worden, daß man dies schon fast als eine Verschmelzung bezeichnen kann, die allerdings den deutschen Wünschen nach einer Revision praktisch jedenfalls in äußerst geringem Maße Rechnung trägt. Aber wir wissen, daß ja, wenn schon der Leidensweg des Mussolini-Plans lang und schwierig war, dies alles für den Weg zur Revision noch tausendmal mehr gilt!
Meine Zeitung für eilige Leser
* Ter geschâftsführendc Präsident des Deutschen und des Preußischen Stndtetagcs, Dr. Mulert, wurde durch den Beauftragten für die Vereinheitlichung der kommunalen Spitzenverbände. Oberbürgermeister Fiehler, beurlaubt.
* Im Hafen von Gdingen wurde ein deutscher Dampfer von polnischen Horden angegriffen und beschädigt. Tic Hakenkreuz- flagge wurde zerrissen
* Bei Latdorf im Kreis Bcrnberq sind die dort lagernden Kalkberge auf einer Breite von 500 Meter in die Saale gestürzt und h&™ das Flußbett gesperrt, so deß größte Hochwaffer- aetabr besteht