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Mlöaer Anzeiger

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Nr. 128 1933

Fulda, Samstag, 3. Juni

10. Jahrgang

Die Zühne des Altonaer Vlutfonntags.

Sirr Todesurteile

gegen Kommuniflen.

Das Urteil im Altonaer Blutsonntag-Prozeß.

In dem Aufruhrprozeß wegen der blutigen Vorgänge in Altona wurde nach einer Ver­handlungsdauer von drei Wochen folgendes Urteil gefällt:

Vier Todesurteile.

Die angcklagten Kommunisten Lütgens, Tesch, Wolfs und Möller werden wegen gemeinschaftlichen Mordes die letzteren drei Angeklagten zugleich in Tat­einheit mit schwerem Landfriedensbruch und schwerem Aufruhr zum Tode verurteilt.

Sechs hohe Zuchthausstrafen.

Tie angeklagten Wendt, Diehl, Kuhlmann, Jacob, Zünftaebien und Uhle werden wegen Beihilfe zum voll- mdeten Mord in Tateinheit mit schwerem Landfriedens­bruch und schwerem Aufruhr verurteilt, und zwar: Wendt und Diehl zu Zuchthausstrafen von je zehn Jahren, Kuhlmann zu einer Zuchthausstrafe von sieben Jahren, Jacob zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren sechs Monaten, Lünstaedten und Uhle zu Zuchthausstrafen von je fünf Jahren. Den Angeklagten Lütgens, Tesch, Wolff und Möller werden die bürgerlichen Ehrenrechte für dauernd aberkannt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ferner aberkannt: den Angeklagten Wendt und Diehl auf die Dauer von zehn Jahren, Kuhlmann auf die Dauer von fünf Jahren, Jacob, Lünstaedten und Uhle auf die Dauer von drei Jabren.

Dienst an der Nation

Arbeitsplanung im Arbeitsdienst.

Der Organisationsplan des zukünftigen Arbeits- »fcnfteS ist, wie die Neichsleitung für den Arbeitsdienst nitteilt, fertig, an seiner praktischen Durchführung wird etzt gearbeitet. Am 1. August d. J. wird mit der Ein- cichtung der Stammabteilungen für die Arbeits, Dienstpflicht begonnen werden. In der Zeit vom 1. Okto- der bis zum 31. Dezember werden die Stammannschaften eingesetzt sein. Ab Anfang Januar 1934 beginnt der eigentliche Arbeitsdienst. Kapitän Tholens, der Leiter des Amts für Arbeitsplanung in der Reichs­leitung des Arbeitsdienstes, legte in Besprechungen dar, welche Werte die Arbeit der Arbeitsdienftvftichtiaen

Bekanntmachung!

Es ist dem Sonder-Kommissar mitgeteilt worden, daß Uhiwch Waffen (Schuß- und blanke Waffen) und Munition 'n Verstecken bzw. in Händen von Privatpersonen befinden, die aus Furcht vor Bestrafung noch nicht abgeliefert wurden.

Um diesen Volksgenossen eine Ablieferung ohne Bestra- iu«S zu ermöglichen, wird hiermit bekanntgegeben:

1. Wer verbotene Waffen besitzt oder versteckt hält, kann diese bis zum 8. 6. 1933 einschl. bei jeder SA.- bzw. SS.- Dienststelle abgegeben oder abgeben lassen.

Der Abliefernde wird nicht nach seinem Namen oder Herkunft der Waffen gefragt; sollte trotzdem der Name des Abliefernden bekannt werden, so wird Anzeige nicht er* stattet; mit den zuständigen Polizeidienststellen ist deshalb Rücksprache genommen worden.

2. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß ein jeder, der von dem Vorhandensein verbotener Waffen und Muni­rn Kenntnis hat, dies angeben muß. Der Name des An- ie'gers wird nicht erfragt und, sofern er bekannt sein sollte, W veröffentlicht.

3- Eine Verfolgung oder Benachteiligung irgendwelcher Art der gemäß Ziffer 1 und 2 handelnden Personen, ins- "esondere seitens der SA. unb SS. wird nicht eintreten; les wird ausdrücklich zugesichert.

Wer diese letzte Möglichkeit, in Befolgung vorstehenden Aufrufs der Strafe zu entgehen, nicht ausnutzt, wird der

Strenge des Gesetzes ausgeliefert werden. Ihm ^rd bei Vekanntwerden feines Namens auch der Zorn der putschen Volksgenossen treffen, die Ruhe und Ordnung wollen.

D a r in st a d t, den 3. Juni 1933.

^ Sonderkommissar für Hessen und Hessen-Nassau: gez. D ü n U I t i ch, Obergruppenführer.

Für die. Richtigkeit:

Hau er, Oberführer.

Drei Angeklagte freigesprochen.

Die Angeklagten H erdig, Sengespeik und W o l g a st wurden freigesprochen. Das Verfahren Wolter wurde auf Grund der Amnestie vom 20. Dezember 1932 eingestellt.

Die Urteilsbegründung : wohlvorbereiteter Mord.

Das Urteil ist von den zum Tode Verurteilten in Ruhe ausgenommen worden. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß die Schuld bei den Kom­munisten liege. Der Überfall sei planmäßig vorbereitet gewesen. Die Hamburger Staffeln seien hinzugezogen worden, um den SA.-Zug zu belästigen und anzugreifen. Überall seien Kuriere unterwegs und fast alle Kommunisten seien mit Pistolen ausgerüstet gewesen. Die kommunistischen Zeitungen hätten schon vorher zu Gewalttätigkeiten aufgefordert und aufgereizt Nach An­sicht des Gerichts handelte es sich um w o h l v o r b e r ei­te 1 e n Mord, für den alle verantwortlich seien, die ihn vorbereitet und ausgeführt hätten.

Bekanntlich kam es am 17. Juli vorigen Jahres bei einem nationalsozialistischen Aufmarsch, an dem sich 11000 Personen beteiligten, in einem Arbeiterviertel in Altona zu einer schweren Straßenschlacht mit Kommunisten, wobei die Kommunisten Barrikaden errichteten und von Häusern und Dächern den Zug be­schossen. Vierzehn Personen, darunter drei Nationalsozialisten, wurden getötet. Nun hat der Blutsonntag seine Sühne gesunden.

schaffen wird, und daß hiermit den Arbeitsdienstpflichtigen außerdem mit der Arbeit der Sinn des Lebens zurückgegebcu werde.

Der Schwerpunkt des Arbeitsdienstes muß in der Steigerung unserer landwirtschaftlichen Erzeugung durch

Stärkung unserer Bodenkräfte

liegen. Weiter wird der Arbeitsdienst bei der Auflockerung unserer Großstädte durch Vorbereitung der Bauplätze für neuzuschaffende Bauernstellen und Arbeitereigenheime mitwirken. Der Staat habe die Pflicht, für die Arbeits­beschaffung auch

das Geld zu beschaffen.

Alle Arbeit koste letzten Endes nur die Arbeit anderer. Das Geld sei nichts anderes als das Organisationsmittel, das den Austausch zwischen der Arbeit vermittle. Die Bedenken und Einwände, die gegen die Möglichkeit der Arbeitsbeschaffung erhoben werden, beruhen nur darauf, daß der ungeheure Einfluß der Wirtschafts­belebung durch die Arbeitsbeschaffung auf den öffent­lichen Haushalt immer noch nicht richtig erfaßt wird.

Bei einer Besprechung im Reichsarbeitsministerium sprach Dr. Stellrecht, der Leiter der Organisationsabtei­lung der Neichsleitung des Arbeitsdienstes, über die

Unterkunstsbeschaffung sowie die Beschaffung von Einrichtungsgegcnständen

für die neuen Lager. Im Etat seien hierfür äußerst ge­ringe Mittel vorhanden: aber es habe sich schon gezeigt, daß viele Gemeinden bereit seien, diese Beträge von sich aus aufzubringen; denn ein derartiges Lager habe den gleichen Einfluß auf die Wirtschaft, wie früher die Garnisonen und bedeute einen mehrere Jahre lang fließenden Geldstrom.

Aus diesen Darlegungen geht die Größe der Auf­gaben, vor denen der Arbeitsdienst steht, klar hervor. Es ist erklärlich, daß allerlei Schwierigkeiten zu überwinden sind. Andererseits ist der Nutzen, den die Nation aus dem Arbeitsdienst ziehen wird, so groß, daß dagegen die Schwierigkeiten keine Nolle spielen dürfen.

*

Friede und Arbeit, Ehre und Freiheit."

Ministerpräsideni Göring bei seinem Besuch in Wildungen.

Jni festlich geschmückten Theateriaal des Kurhauses in Wildungen fand in einer außerordentlichen L-tadt- verordnetensitzung die Übergabe der Ehrenbürger- u r k u n de an den Ministerpräsidenten Goring statt. Dieser dankte mit herzlichen Worten und führte zum Schluß aus:Mögen sich die Ehrungen Haufen, keine Auszeichnung und keine Ehre kann uns hoher fein, alu die, Adolf Sillerstreue st erPalad i n zu sem. So sehe ich auch diese Ehrung als Ehrung und Anerken­nung für unseren Führer Adolf Hitler am"

Bei einer abendlichen Kundgebung auf dem Sport­platz hielt Ministerpräsident Göring eine Rede, in der er bcn Kampf der nationalen Bewegung und den Unter­schied zwischen der nationalen Revolution und der Revolte von 1918 schilderte. Er schloß mit den Worten: »W^ werden nicht vergessen, daß wir n u r e i n Z e l kennen, und dieses eine Ziel heißt: Bro 1 und Arbeit bem Polke, Ehre und Freiheit der Nation.

Ministerpräsident Göring ist wieder tn Berlin ein- getroffen.

Deutsche Pfingsten.

Jahr um Jahr hatte man gehofft, Jahr um Jahr hatte man geharrt darauf, daß in Deutschland ein n e u e r Geist erstehen würde. Jahr um Jahr hatte man darauf gewartet, daß Pfingsten wirklich und in Wahrheit zu dem werden würde, wie es der Dichter nennt: zu eineml i e b - l i ch e n F e st". Gewiß, Jahr um Jahr blühten und grün­ten die Felder und Auen, pflanzte die Natur selbst neues Hoffen auch in die Herzen der von der ganzen Welt miß­handelten Deutschen. Aber es war kein wahres Pfingstfest. Es tönte kein Brausen vom Himmel, und die Männer, die durch einen angeblichen Mehrheitswillen des deutschen Volkes unser Schicksal lenken sollten, sprachen nicht mit feurigen Zungen. Erst als ein Mann kam, der sich als Prophet eines neuen Geistes fühlte und begriff und der yinaustrat, um als Prophet dieses neuen Geistes zu wir­ken, redete er in einer Sprache, die die deutsche Menschheit allmählich verstehen lernte, und Millionen deutscher Menschen erfaßten es, daß in Adolf Hitler der Kün­der eines neuen Geistes vor das deutsche Volk hintrat.

Daß wir in diesem Jahre zum erstenmal einwirk - lich deutsches Pfingstfest begehen können, ist aber kein Pfingst wunder gewesen. Nicht von oben herab, nicht mit feurigen Zungen, nicht mit einem Brausen vom Himmel kam der neue Geist über Deutschland. In müh­samem Ringen, langsam und zäh, hat er sich zum Siege durchgekämpft. Aber dann ergriff er das ganze deutsche Volk mit einer Allgewalt, die das Staunen der Umwelt, leider aber auch ihre Besorgnis erregt hat.

Das erste deutsche Pfingsten müssen wir fast a l l e i n feiern. Aus der Besorgnis, mit dem die Umwelt das Brausen des neuen Geistes hörte, wurde vielfach ein Miß­verstehen, ja geradezu ein Haß,

Immer und immer wieder hat der deutsche Reichs­kanzler es versucht, diesem Mißverstehen und jenem Haß den Willen zum Frieden entgegenzusetzen, der das ganze deutsche Volk erfülle. Und weil der neue Geist, der über Deutschland einherbrauste, nur dasDeutsche und den Deutschen will, wird und will er den Menschen anderen Geistes und anderer Volkszugehörigkeit das Recht zum Dasein verschaffen.Wir wollen nicht ger­manisieren", hat der Reichskanzler ausdrücklich erklärt, weil er wie das gesamte deutsche Volk nur allzu' genau weiß, daß es heute nur daraus ankommt, den Boden und die Menschen zu verteidigen innerhalb der Grenzen, die für das deutsche Volk gezogen sind. Wir fühlen und wissen es, daß von allen Seiten her staatliche Mächte gegen diese Grenzen heranrücken und unter ihrem Druck das ersticken wollen, was an deutschem Volksgut ihnen die Friedens­diktate von 1919 zusprachen. Ein Wunsch ist es geworden, ein Ziel für die Zukunft, wenn wir für die staatliche Ge­staltung unseres Volkstums die Ausdehnung wünschen: von der Etsch bis zu dem Belt". Beides, die Etsch ebenso wie der Belt, liegt jenseits unserer Grenzen ebenso wie die Maas, und die Memel ist nur ein Grenzstrom, der uns Deutsche von den Brüdern am anderen Ufer nicht zu trennen vermag. Millionen und aber Millionen Deutscher jenseits der Grenzen und des Reichs sind von uns ge­schieden und werden kein deutsches Pfingsten erleben können.

Und doch ist auch über sie, die draußen wohnen müssen, das Brausen eines neuen Gei st es hin­weggefahren; auch sie recken die Arme und sehen helleren Auges der Zukunft entgegen.

Auch zu ihnen sprach eine Stimme, die sich ihnen so­fort verständlich machen konnte. Jahr um Jahr hatten wir nicht bloß im Reich selbst, sondern auch zu unseren Volks­genossen außerhalb der Reichsgrenzen in einer Sprache ge­sprochen, die erfüllt war vom Ungeist der Partei- Politik. Das ist anders geworden. In unseres Volkes schwersten Tagen, als eine ganze Welt die Waffen gegen uns erhob, ist das Wort gesprochen worden:Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!" Was damals Wirklichkeit war und leider später zerstört wurde, ist auch jetzt wieder zur Tatsache geworden. Und wenn wir zum erstenmal ein wirklich d e u t s ch e s P f i n g st e n feiern, dann tun wir dies in dem frohen Bewußtsein, daß es in Deutschland und für Deutschland heute keine Parteien mehr aib11 sondern nur noch Deutsche! Dr. Pr.

Voruntersuchung der Reichstagsbrandstiftung abgeschlossen.

Die Voruntersuchungen des Richters, des Reichs­gerichtsrats Vogt, gegen die Angeschuldigten van der Lubbe, Torgler, Beleprow, Popow und Perneß wegen der Inbrandsetzung des Reichstags und wegen Hochverrats sind am 1. Juni, wie der Angriff" mitteilt, abgeschlossen worden. Die Akten sind dem Oberreichsanwalt in Leipzig nunmehr vollständig zugesandt worden.

stieme Zeitung für eilige Leser

* Die preußische Regierung hat unberechtigte Eingriffe in das Wirtschaftsleben erneut verboten.

* In dem Prozeß gegen die Kommunisten wegen der Vor­gänge am Altonaer Blutsonntag wurden vier Kommunisten zum Tode verurteilt.

* Entgegen dem Minderheitenvertrag wollen die Pole« den Gebrauch der deutschen Sprache im Kattowitzer Stadtvarlameitt verbieten.